Lebensdaten
1808 bis 1876
Geburtsort
Heidesheim bei Mainz
Sterbeort
Montabaur
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker ; Lexikograph ; Schulmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116093293 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kehrein, Joseph

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Zitierweise

Kehrein, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116093293.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas (1776–1845), Landwirt, S d. Landwirts Udalricus u. d. Anna Maria Henschert;
    M Elisabetha (* 1774), T d. Landwirts Georg Bender u. d. Christina Maria Auer;
    Heidesheim 1836 Elisabeth ( 1868), T d. Verwalters Nikolaus Holz in Wacholderhof b. Erbach/Rheingau u. d. Agnes Schneider;
    3 S, 2 T, u. a. Franz, Oberförster, Valentin (1851–1923), Geistlicher u. Gymnasialprof. in Koblenz, vollendete K.s Werke.

  • Leben

    K. besuchte seit 1823 das bischöfliche, seit 1829 das staatliche Gymnasium in Mainz. Dem angestrebten Priesterberuf fühlte er sich seelisch nicht gewachsen und wandte sich dem Lehrberuf zu. 1831-34 studierte er in Gießen Philologie und wurde nach der Staatsprüfung 1835 am Darmstädter, 1837 am Mainzer Gymnasium angestellt. K. entdeckte seine Vorliebe für die deutsche Sprache, er wurde literarisch tätig und gab unter anderem mit Franz Baur die „Gymnasialblätter“ heraus (1844).

    Der Leiter des Schulwesens im Herzogtum Nassau, Gottfried Seebode, war auf K.s Veröffentlichungen aufmerksam geworden und berief ihn als Prorektor an das Gymnasium in Hadamar, wo er bis 1854 Deutsch, alte Sprachen und Geschichte unterrichtete. Seiner politisch konservativen Gesinnung und festen katholischen Überzeugung gab er 1848 öffentlich Ausdruck. Einen Freund und Gönner gewann er 1851 in dem auf Schloß Schaumburg lebenden Erzherzog Stephan Viktor. 1855 wurde K. zum Direktor des katholischen Lehrerseminars in Montabaur ernannt, wo er im Nebenamt als Kreisschulinspektor und 10 Jahre lang als Direktor der Realschule wirkte.

    K. war ein fruchtbarer und vielseitiger Schriftsteller und trat auch als Dichter hervor. Viele seiner Bücher dienten unmittelbar Schulzwecken. Auch seine wissenschaftlichen Schriften wurden im Hinblick auf praktischen Gebrauch verfaßt. Er war weniger kritischer Analytiker als fleißiger Sammler; der Wert seiner Bücher beruht bis heute auf ihrem stofflichen Reichtum und der Fülle von Belegen. Deshalb sind mehrere seiner Schriften in neuester Zeit unverändert nachgedruckt worden. Für seine „Grammatik der neuhochdeutschen Sprache nachJacob GrimmsDeutscher Grammatik“ (1852) zog K. mittelrheinische Volksmundarten und neuere Schriftsteller als Quellen heran. Seine „Grammatik der deutschen Sprache des 15.-17. Jahrhunderts“ (3 Bände, 1854–56), angeregt durch Jacob Grimm, ist nützlich als Materialsammlung. K.s verdienstliche „Volkssprache und Volkssitte im Herzogtum Nassau“ (3 Bände, 1861–64, Titelauflage 1891, Neudruck 1966) gliedert sich in ein Mundartwörterbuch, in Sprachproben und volkskundliche Notizen sowie in ein Namenbuch. Das „Onomatische Wörterbuch“ (2 Bände, 1847–55) ist nach den Ablautformen und den auf den Wurzelvokal folgenden Konsonanten geordnet und reichlich mit Belegstellen aus den klassischen Dichtern und Schriftstellern versehen. Das gilt auch von|K.s etymologisch fundiertem „Fremdwörterbuch“ (1876, Neudruck 1969), das von seinem Sohn Valentin vollendet wurde. Bei seinem „Wörterbuch der Weidmannssprache“ (1871, neue Ausgabe 1898, Neudruck 1969) arbeitete sein Sohn Franz als sachkundiger Forstmann mit. Lebenslang hat sich K. um die katholische Literatur bemüht, insbesondere um Kirchenlied und Predigt. Er gab „Katholische Kirchenlieder, Hymnen und Psalmen“ (3 Bände, 1859–65) heraus und schrieb die „Geschichte der katholischen Kanzelberedsamkeit der Deutschen“ (2 Bände, 1843) sowie „Zur Geschichte der deutschen Bibelübersetzung vor Luther“ (1851, Neudruck 1972). Es lag K. daran, den Nachweis kultureller Gleichwertigkeit der katholischen mit der protestantischen Literatur zu erbringen.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Montabaur.

  • Werke

    Weitere W Martials „Liber Spectaculorum“, in: Neue Jbb. f. Philol. u. Päd., Suppl. IV, 1835;
    Lat. Anthol. aus christl. Dichtern, 1840;
    Die dramat. Poesie d. Deutschen, 2 Bde., 1840;
    Die weltl. Beredsamkeit d. Deutschen, 1846;
    Hdb. dt. Prosa, 2 Bde., 1855;
    Das Annolied, 1865;
    Selbstbiogr. in: Kal. f. Lehrer u. Schulfreunde, hrsg. v. J. B. Heindl, 1869;
    Biograph.-literar. Lex. d. dt. kath. Dichter, 2 Bde., 1868-71;
    Lat. Sequenzen d. MA, 1873;
    Das dt. kath. Kirchenlied in s. Entwicklung, 1874. -
    Teilnachlaß im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden.

  • Literatur

    ADB 15;
    H. Heskamp, in: Lehrerkal., 1883;
    V. Kehrein (S), J. K., 1901 (Bibliogr., P);
    J. Berninger, in: Nassovia 2, 1901;
    Ch. Kappus, in: Nassau. Lb. I, 1940 (P);
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L).

  • Autor/in

    Rupprecht Leppla
  • Empfohlene Zitierweise

    Leppla, Rupprecht, "Kehrein, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 399-400 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116093293.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kehrein: Joseph K., Schulmann und Literarhistoriker, geb. am 20. Oct. 1808 zu Heidesheim bei Mainz, am 25. März 1876 zu Montabaur. Nachdem er das Gymnasium zu Mainz absolvirt, studirte er 1831—34 zu Gießen Philologie, wurde 1835 Lehrer am Gymnasium zu Darmstadt, 1837 zu Mainz, 1845 Prorector des Gymnasiums zu Hadamar in Nassau, 1855 Director des katholischen Schullehrerseminars zu Montabaur (bis 1866 zugleich Director der dortigen Realschule). Er war Mitglied verschiedener gelehrter Gesellschaften, seit 1865 Ritter des päpstlichen Gregoriusordens und des nassauischen Adolphsordens. — K. war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller, namentlich auf dem Gebiete der deutschen Litteraturgeschichte und des Schulwesens. Von seinen größeren Werken sind die bedeutendsten: „Die dramatische Poesie der Deutschen", 2 Bde., 1840; „Geschichte der katholischen Kanzelberedsamkeit der Deutschen", 2 Bde., 1843; „Grammatik der deutschen Sprache des 15. bis 17. Jahrhunderts", 3 Bde., 1854—56; „Handbuch deutscher Prosa", 2 Bde., 1855 (2. Aufl. 1859); „Katholische Kirchenlieder aus den ältesten deutschen Gesangbüchern", 3 Bde., 1859—65 (daraus abgedruckt „Kurze Geschichte des deutschen katholischen Kirchenliedes bis 1631“, 1858, später „Das deutsche katholische Kirchenlied in seiner Entwickelung“, 1874); „Volkssprache und Volkssitte im Herzogthum Nassau", 3 Bde., 1860—64; „Biographisch-kritisches Lexikon der katholisch-deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert", 2 Bde., 1865 bis 1871, „Lateinische Sequenzen des Mittelalters“, 1873; „Handbuch der Erziehung und des Unterrichts“, 1876 (2. Aufl. von A. Kellner, 1877); „Fremdwörterbuch", 1876. 77. Von Kehrein's Schulbüchern haben einige mehrere Auflagen erlebt: „Deutsches Lesebuch", 1850, 5. Aufl. 1873; „Kleine deutsche Grammatik", 1852, 3. Aufl. 1858; „Entwürfe zu deutschen Aufsätzen“, 1854, 5. Aufl. 1872; „Ueberblick der Geschichte der Erziehung und des Unterrichts“, 1873, 4. Aufl. 1876.

    • Literatur

      Kehrein, Lexikon S. 186 (vollständiges Verzeichniß der bis 1865 herausgegebenen Schriften). Literar. Rundschau 1876, 173. Literar. Handweiser 1876, 235.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Kehrein, Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 527 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116093293.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA