Lebensdaten
1772 bis 1844
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Musiker ; Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116085878 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Destouches, Franz Seraph
  • Destouches, Franz Seraph von (in der ADB)
  • Destouches, Franz von (in der ADB)
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Zitierweise

Destouches, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116085878.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Fam. stammt aus Savoyen; Münchener Patriziat 1787, Aufnahme in die bayerische Adelsmatrikel 1868;
    V Joseph des Touches (1726–95), bayerischer Hofkammerrat, Schriftsteller u. Dichter, S des Claudius ( 1741), der als Kammerdiener des Kf. Max Emanuel nach München kam, u. der Maria Anna Kern, Gegenschreibers-T aus Altötting;
    M Sabina (1736–89), T des Gastgebers u. Ratsherrn Ignaz Abel in München u. der Maria Anna Däg;
    B Jos. Anton (1767–1832), bayerischer Regierungsrat, Statistiker u. Dramatiker (s. ADB V), Cajetan (1769–1833), Medailleur in München (s. ThB);
    ⚭ Wilhelmine van Couven (1796 bis 1832); kinderlos;
    N Ulrich (1802–63), Bibliothekar u. Chronist der Stadt München, vaterländischer Dichter (s. ADB V); Großneffe Ernst v. D. (1843–1916), Stadtarchivar in München, Schriftsteller; Urgroßnichte Johanna (1869–1956), Blumenmalerin in München, Letzte der Fam..

  • Leben

    Nach musikalischen Anfangsstudien bei dem Augustinermönch Theodor Grünberger in Freising war D. 1787-91 Kompositionsschüler Joseph Haydns in Wien. Zunächst Violoncellist in der Kapelle des Fürsten Esterházy und konzertierender Klavierspieler, wurde er 1797-99 Musikdirektor der Stadt Erlangen, worauf er bis 1810 als Hofkapellmeister in den Diensten des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar stand. Zwischen 1811 und 1814 bekleidete er die Stellung eines Musikprofessors im Priesterseminar Georgianum der Universität Landshut. 1814-20 Fürstlich Oettingen-Wallersteinscher Kapellmeister, lebte er 1820-42 als hessischer Hofkapellmeister in Homburg vor der Höhe. Die Jahre seines Ruhestandes verbrachte er in München.

    Höhepunkt seines kompositorischen Schaffens ist die Weimarer Zeit, die ihn mit Goethe und Schiller in Verbindung brachte. Seine bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts häufig aufgeführten Theatermusiken zu Dramen Schillers trugen ihm neben Anerkennung auch manche Kritik ein. Ganz in der Tradition des klassischen Musikideals verharrend, fand er keinen Zugang zur romantischen Bewegung. Auch seine Kirchenmusiken aus der Homburger Zeit verlassen den Stilkreis Haydns nicht. Die Urheberschaft an dem Reiterlied „Frisch auf, Kameraden aufs Pferd“ aus Schillers „Wallenstein“ ist umstritten.

  • Werke

    Opern: Die Thomasnacht, 1791;
    Der Teufel u. d. Schneider, 1843;
    Operetten: Das Mißverständnis, 1805;
    Die blühende Aloe, 1805;
    Kirchenmusik: Oratorium Die Anbetung am Grabe Jesu, 1805;
    Messen;
    Agnus Dei;
    Instrumentalmusik: Klavierwerke, Instrumentalkonzerte, Märsche;
    Schauspielmusiken zu: Wallensteins Lager, 1798;
    Turandot, 1802;
    Braut v. Messina, 1803;
    Jungfrau v. Orléans, 1803;
    Wilhelm Tell, 1804;
    Hussiten vor Naumburg (Kotzebue), 1804;
    Wanda (F. L. Z. Werner), 1805;
    Königin der Sarmaten (Kotzebue), 1808.

  • Literatur

    E. v. Destouches, F. D., Ein Weimarer Kapellmeister aus München z. Goethe- u. Schiller-Zeit (ungedr.), Ausz. daraus, in: Beil. z. Allg. Ztg. Nr. 64, 1904;
    A. Dreyer, Die Fam. D. in München, in: Das Bayerland, 28. Jg., Nr. 35 und 36, 1917, (P);
    R. Schaal, in: MGG III. - Zu B Jos. Anton u. N Ulrich: Krüger (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L); zu Groß-N Ernst:
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L).

  • Portraits

    Bildnis innerhalb d. allegor. Wandgem. v. K. v. Piloty im neuen Rathaus zu München; Zeichn. v. Herm. Sagstätter, D. auf d. Sterbebett.

  • Autor/in

    Alfons Ott
  • Empfohlene Zitierweise

    Ott, Alfons, "Destouches, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 618 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116085878.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Destouches: Franz Seraph v. D., Musiker, geb. zu München am 21. Januar 1772, daselbst am 10. December 1844. Die D. sind eine bis ins 13. Jahrhundert nachweisbare französische Familie. Ihr berühmtester Sprosse in Frankreich ist der Lustspieldichter, Diplomat und Minister Philipp Nericault D., 1754. Von seinen Lustspielen, die bekanntlich auch auf der deutschen Bühne höchst beliebt waren, erschien 1756 eine deutsche Gesammtausgabe. Ein Zweig der Familie lebte in den Niederlanden; von hier folgte Claudius D. dem Kurfürsten Max Emanuel in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach München. Sein Enkel war Franz von D., den der Vater, nachdem er ihn zuerst bei dem Augustiner Theod. Grünberger in der Musik hatte unterweisen lassen, zu Joseph Haydn schickte. D. ward Cellist in der Esterhazy'schen Capelle. 1791 nach München zurückgekehrt, schrieb er dort seine erste Oper „Die Thomasnacht“, machte darauf Concertreisen, ward 1797 Musikdirector in Erlangen, 1799 aber Concertmeister in Weimar, wo er zu Goethe, Schiller und Herder in freundschaftliche Beziehungen trat. Zu Wallenstein's Lager, Jungfrau, Braut von Messina und Tell schrieb er Musiken; ebenso zu Werner's Wanda, Kotzebue's Hussiten, dazu die Operetten „Das Mißverständniß" von Wolf und „Die blühende Aloe“, nebst Concerten, Kammer- und Kirchenmusiken ("Die Anbetung am Grabe Jesu“ von Herder; Agnus dei und Messen). 1810 kehrte er nach München zurück, ging aber bald darauf als Professor der Harmonielehre an die Landshuter Universität und 1816 als Hofcapellmeister zum Landgrafen von Hessen. 1842 trieb ihn jedoch die Sehnsucht nochmals zur alten Heimath zurück, wo er gestorben ist, nachdem er noch die komische Oper „Der Teufel und der Schneider“ (Text von seinem Neffen Ulrich D.) geschrieben hatte.

    Joseph Anton v. D., der ältere Bruder des vorigen, geb. 12. März 1767, trat 1788 zu München in den Staatsdienst, ward 1790 Rentkammerrath in Amberg, 1792 Hofkammerrath, 1797 Kammerfiscal, 1799 Landesdirectionsrath, 1808 Kreisrath für den Naabkreis, 1817 Kronfiscal und kehrte 1820 als Regierungsrath, auch im Reichsarchiv beschäftigt, nach München zurück. Hier ist er 1832 gestorben. 1810 hatte ihn die baierische Akademie der Wissenschaften zum correspondirenden Mitglied ernannt. Es waren nämlich seit 1799 eine Reihe historisch-statistisch-staatswirthschaftlicher Arbeiten von ihm erschienen, darunter namentlich die „Geschichte und Statistik der Oberpfalz und des Naabkreises“, 1809. 1827 folgte auch eine „Beschreibung der köngl. Haupt- und Residenzstadt München“. In weiteren Kreisen aber ward D. durch seine dramatischen Arbeiten bekannt: „Schauspiele“, 1791; „Friedrich IV. oder der Fanatismus in der Oberpfalz", 1795; „Alix“, 1800; „Der Bürgerfreund“, 1800; „Die Rache Alberts III.“, 1804; „Graf Arco“, 1806; „Arnulph, König von Baiern“, 1820; „Zenger, vaterländ. Schauspiel“, 1822.

    Auch sein Sohn Ulrich v. D., geb. zu Amberg 14. Oct. 1802, zu|München 27. Jan. 1863, hat sich als Dichter und Schriftsteller bekannt gemacht. Auf dem Münchener Gymnasium und Lyceum gebildet, gründete er 1827 das Münchener Tageblatt, dessen Redaction er 1836 verließ, um als städtischer Bibliothekar in die Magistratsverwaltung einzutreten. Die von ihm unternommenen, aber nicht zu Ende geführten Arbeiten für eine Chronik der Stadt gingen nach seinem Tode in die Hände seines Sohnes Ernst (geb. 4. Jan. 1843) über. 1839 erschienen zwei Bände seiner „Erzählungen und Gedichte", darunter das damals gern gesehene dramatische Gedicht „Der treue Uhlane", dem später „Der Findling und die Kaiserstochter" folgte. Besonders beliebt aber waren seine auf den Vorstadtbühnen gespielten Volksstücke „Die Bergknappen", 1838; „Teufel und Schneider“, 1843; „Staberl auf der Eisenbahn“, 1850 und andere Staberliaden; „Das Octoberfest in München“, 1850; „Der Gang nach dem Bockkeller“, 1856 und „Der Schäfflertanz in München“, 1857.

    • Literatur

      Vgl. Ernst v. D., Aus der Jugendzeit. München 1866, S. 1 ff.

  • Autor/in

    v. L.
  • Empfohlene Zitierweise

    L., von, "Destouches, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 77-78 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116085878.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA