Lebensdaten
1761 bis 1850
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Bankier ; Bürgermeister in Hamburg ; Jurist ; Gelehrter ; Reiseschriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11606255X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bartels, Johann Heinrich

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Zitierweise

Bartels, Johann Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11606255X.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Claes Bartels (1728–1806), „Zuckerbäcker“ und Kaufmann, seit 1797 Oberalter;
    M Katharina Maria (1739–73), T des Pastors Samuel Seelandt;
    Venedig 16.9.1792 Maria Elisabeth (1768–1852), T des Bankiers Johann Conrad von Reck und der Magd. Elisabeth von Heinzelmann; 2 S; T Beata Cecilia (1799–1869, Syndicus Edward Banks), Louise Wilhelmine (1807–90, Professor Dr. med. F. G. Louis Stromeyer); Schwager Amandus Augustus Abendroth (1767–1842), Hamburger Senator.

  • Leben

    B. studierte Theologie und orientalische Sprachen in Göttingen, unternahm anschließend eine Reise durch Italien und kehrte über Frankreich und Holland zurück, wobei er neben archäologischen und kunstgeschichtlichen naturwissenschaftliche, geographische und statistische Studien betrieb. Er wurde Mitglied der Akademien von Velletri, Catania und Göttingen. Eine Universitäts-Professur für die genannten Fächer lehnte er ab, widmete sich in Göttingen dem Studium der Rechte und promovierte dort zum Dr. jur. Übrigens war er überzeugter Freimaurer und seit 1820 Ehrengroßmeister der Großloge. - In seiner Vaterstadt wirkte B. als Advokat und Armenvorsteher, bis er 1798 zum Senator erwählt wurde. Bereits in den schweren Jahren der französischen Okkupation zeichnete er sich durch diplomatisches Geschick, Energie,|Unerschrorkenheit und Humanität aus. Während der Einverleibung Hamburgs in das Empire amtierte er als Kammerpräsident beim kaiserlichen Gerichtshof und Mitglied des Munizipalrats, dann als erster Vorsteher der Wohltätigkeits- und Strafanstalten. Nach der Befreiung nahm B. entscheidenden Anteil an der Reorganisation der freistaatlichen Verfassung und der Polizeibehörde. Von 1820 bis zu seinem Tode bekleidete er - zuletzt erblindet - die Würde eines Bürgermeisters, präsidierte auch 1821-44 dem Obergericht. Durch Charakterfestigkeit, Lauterkeit und Gemeinsinn erwarb er sich die Liebe und Verehrung seiner Mitbürger, auch der politischen Gegner. B. war lange der geistige Führer im Senat, ein eiserner Verfechter der aristokratischen Verfassung von 1712 und Gegner der Reformbestrebungen von 1848, deren vorläufiges Scheitern er noch erlebte, der konsequente Vertreter eines aufgeklärten stadtväterlichen Regiments.

  • Werke

    u. a. Briefe üb. Calabrien u. Sicilien, 3 Bde., Göttingen 1787–92;
    Neuer Abdruck d. 4 Hauptgrundgesetze d. hamburg. Verfassung, 1823, nebst Nachtrag u. Suppl-Bd., 1825;

    Einige Abhh. üb. Gegenstände d. hamburg. Verfassung, 1835;
    Der hamburg. Bürgermeister Heinrich Meurer, nebst Nachtrag, 1836.

  • Literatur

    ADB II;
    Der hamburg. Bürgermeister J.H.B., hrsg. v. C. H. Cornelsen, 1850 (W);
    Ztschr. d. Ver. f. Hamburg. Gesch. 25, 1922-24, S. 150 f., 28, 1927, S. 141 f., 32, 1931, S. 148 f., 33, 1933, S. 10 f.;
    Festschr. z. 100jähr. Bestehen d. Polizei-Behörde Hamburg, 1914;
    Schröder I, 1853, S. 138.

  • Portraits

    Ölgem. v. F. C. Gröger, 1848 (Rathaus Hamburg);
    Marmorbüste v. F. Schüller, 1848 (ebenda);

    Stich v. Quenedey, 1811;
    Lithogr. v. G. Hardorff jun., 1828, F. Dewehrt, B. Edinger u. S. Bendixen;

    Denkmünze auf d. goldene Hochzeit d. Bürgermeister B. u. Abendroth, 1842;
    Richterpfennig mit Wappen, 1804.

  • Autor/in

    Hans W. Hertz
  • Empfohlene Zitierweise

    Hertz, Hans W., "Bartels, Johann Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 597-598 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11606255X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bartels: Joh. Heinrich B., Dr. der Rechte und Bürgermeister der freien Hansestadt Hamburg, geb. daselbst 20. Mai 1761, ein Sohn des verdienstvollen Kaufmanns und Oberalten Claes Bartels, des s. g. „alten Patrioten“. Für den Dienst der Kirche bestimmt, studirte B. Theologie in Göttingen (1780—83) und habilitirte sich darauf als Candidat in Hamburg, erkannte aber bald seinen Mangel inneren Berufs und unternahm für einige Jahre größere Reisen. In Italien, wo er sich seinen Freunden Heeren, Münter|und Canonicus Meyer anschloß, widmete er sich naturwissenschaftlichen, geographischen und statistischen Studien (deren Früchte er zum Theil später in seinen gediegenen „Briefen über Calabrien und Sicilien“ veröffentlichte) — vorzüglich aber der Archäologie und classischen Kunstgeschichte, in welchen Fächern ihm nach seiner Heimkehr über Paris und Holland, eine Universitäts-Professur angetragen wurde. Als er sich für deren Ablehnung entschieden, ging er nochmals nach Göttingen, dessen Akademie ihn inzwischen zu ihrem Mitgliede ernannt hatte, um Jura zu studiren. Im J. 1790 Doctor geworden und nach Hamburg heimgekehrt, zeichnete er sich sehr bald als Advocat aus, heirathete im J. 1792 Marietta von Reck, eine junge Venetianerin, deren Schwester sich gleichzeitig seinem Freunde Abendroth vermählte, und wurde im J. 1798 zum Senator erwählt. Die unerhörten Bedrängnisse, welchen Hamburg bald darauf in Folge der Napoleonischen Eroberungen verfiel, gestalteten seine amtliche Thätigkeit zu einer ungewöhnlich schwierigen, boten ihm aber Gelegenheit, seine seltene staatsmännische Begabung, seinen energischen unerschrockenen Charakter, seinen humanen Gemeinsinn zu bewähren. Geachtet auch vom Feinde, übertrug dieser ihm bei Hamburgs Annectirung an das französische Reich ein Amt auf dem neutralen Gebiet der Rechtspflege, das eines Kammerpräsidenten beim kaiserl. Obertribunal. Nach Hamburgs Befreiung war ein großer Theil der damaligen Reorganisationen des Freistaats sein Werk, in Folge dessen er im J. 1820 zum Bürgermeister erwählt wurde, eine Würde, welche er bis zum höchsten Lebensalter, obschon zuletzt erblindet, rühmlichst bekleidete, ein ebenso thätiger wie hochbegabter Leiter der öffentlichen Angelegenheiten. Er starb im 89. Jahre, 1. Febr. 1850. Wie bei seinem Leichenbegängniß die Verehrung seiner Mitbürger sich für ihn aussprach, so hatte deren Theilnahme sich schon früher mehrfach gezeigt gelegentlich der von ihm erlebten Jubelfeste, z. B. 1842 bei seiner und seines Schwagers des Bürgermeisters Abendroth goldenen Hochzeitfeier, welche die Prägung einer Ehrendenkmünze veranlaßte; sodann 1845, als B. 25 Jahre lang das Bürgermeisteramt bekleidet hatte, und 1848 bei der Feier seiner 50jährigen Amtsdauer als Senatsmitglied, welche durch Aufstellung seiner Marmorbüste in der Stadtbibliothek verherrlicht worden ist.

    In jüngeren Jahren mit den bedeutendsten Männern aller Länder befreundet, war B. auch Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften.

    • Literatur

      Der Hamburgische Bürgermeister Bartels, ein Abriß seines Lebens und Wirkens. Hamburg 1850 (woselbst ein vollständiges Verzeichniß seiner Schriften). — Memoriam viri magnifici Jo. Henrici Bartels civibus commendat G. M. Redslob. Hamburg 1853. — Hamb. Schriftstellerlexikon Bd. I. S. 138—144.

  • Autor/in

    Beneke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beneke, Otto, "Bartels, Johann Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 86-87 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11606255X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA