Lebensdaten
1858 bis 1928
Geburtsort
Kölleda (Provinz Sachsen)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Reformationshistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116032227 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kalkoff, Paul
  • Kalkhoff, Paul

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Zitierweise

Kalkoff, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116032227.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August (1823–88), Dr. med., Sanitätsrat, Kreisphysikus, Marinestabsarzt a. D., S d. Eskadronschirurgen Fritz Gotthard aus K. u. d. Wilhelmine Bernhardine Haarmann aus Fröndenberg/Westfalen;
    M Louise (1830–70), T d. Erich Moritz Schwarz (1787–1876), Dr. med., Generalarzt, u. d. Franziska Juliane v. Trebra; Vorfahre Joh. Nikolaus (1712–75), Bildhauer u. Bgm. in K.;
    Om Carl Schwarz ( 1885), Gen.sup. in Gotha;
    - 1885 Doris (1862–1938, Cousine), T d. Amtsgerichtsrats Gottfried Koch u. d. Marie Henriette Kalkhoff; kinderlos.

  • Leben

    K. studierte nach Absolvierung der Landesschule Pforte in Straßburg und Berlin Geschichte; philologische Akribie und strenge Quellenkritik lernte er bei Scheffer-Boichorst, der seine Dissertation über „Wolfger von Passau“ (1882) anregte, und H. Baumgarten, der ihn für sein späteres Hauptarbeitsfeld, die Reformationsgeschichte, gewann. 1884-1924 wirkte K. als Studienrat am Magdalenengymnasium in Breslau; in seinem Geschichtsunterricht begeisterte er nach dem Urteil seines damaligen Schülers A. O. Meyer die Primaner durch „hinreißende Beredsamkeit“. Nachdem er als Gymnasiallehrer in den Ruhestand getreten war, wurde er 1924 zum Honorarprofessor der Geschichte an der Universität Breslau ernannt.

    K.s Forschungstätigkeit war über 4 Jahrzehnte auf ein einziges großes Thema konzentriert: die Entscheidungsjahre der Reformation (1517–23) und die Geschichte des deutschen Humanismus in diesen Jahren. Sein Oeuvre war schon 1912 so umfangreich, daß er es für nötig hielt, eine Bibliographie seiner eigenen Arbeiten zu veröffentlichen. Zunächst löste er in Jahren mühseliger Kleinarbeit eine der wichtigsten Fragen der Reformationsgeschichte, das Problem des Ablaufs und der treibenden Kräfte von Luthers römischen Prozeß, und deckte den engen Zusammenhang von Ketzerprozeß und hoher Politik auf; beiläufig klärte er, daß der sächsische Junker Karl von Miltitz nur ein „subalterner Agent“ des Nuntius Aleander war und keine Vollmachten zu Vermittlungsverhandlungen mit Luther hatte. Diese Forschungsergebnisse sind von der katholischen wie protestantischen Forschung akzeptiert worden; Pastor baute seine Darstellung in der Papstgeschichte darauf auf, und die evangelisch-theologische Fakultät der Universität Breslau verlieh ihm unter ausdrücklicher Betonung seiner Prozeßforschungen im Jahre des Reformationsjubiläums 1917 den Ehrendoktorgrad. – Umstritten blieben die beiden umfangreichen Bücher K.s über Ulrich von Hutten, in denen er zwar mit Recht das Huttenbild des romantischen Humanismus (D. F. Strauß) korrigiert hat, selbst aber von falschen Prämissen ausging, indem er an Hutten zum Beispiel den Maßstab evangelischer Sittlichkeit und des evangelischen Verständnisses legte, seine Quellen überinterpretierte, die Grenzen des Erforschbaren nicht mehr sah und so zu Grundthesen kam, die „entweder unbeweisbar oder erweislich falsch“ waren (P. Joachimsen, in: HZ 125, 1922, S. 493). Auch das Verhältnis des Erasmus zur Reformation hat er falsch gedeutet; so folgte er beispielsweise bei der Interpretation von Erasmus' Weggang aus Lüttich zeitgenössischen Gerüchten, die Erasmus sofort dementiert hatte, und gelangte deshalb zu dem falschen Schluß, daß dessen Leben bedroht gewesen sei, während er in Wahrheit durch den Aufbruch aus den Niederlanden nur seine geistige Unabhängigkeit bewahren wollte (Huizinga). – Auf entschiedene Ablehnung ist auch die von K. aufgestellte These von der der Kaiserwahl Karls V. vorausgegangenen Wahl des sächsischen Kurfürst Friedrich d. Weisen gestoßen (vergleiche K. Brandi, in: HZ 134, 1926, S. 574 f.). Seine Arbeiten zum Wormser Reichstag und zum Wormser Edikt bieten zwar wichtige Einzelinformationen, leiden aber auch unter K.s Hang zur Konstruktion, wo die Quellen nicht ausreichen; damit verleugnete er seine eigenen strengen methodischen Anfänge. Trotz dieser Mängel seiner späteren Arbeiten kann man sagen, daß K. in seiner Generation der beste Kenner der Personalgeschichte der frühen Reformationszeit war.

  • Werke

    u. a. Die Depeschen d. Nuntius Aleander (Übers.), 1886, 21897;
    Wimpheling u. d. Erhaltung d. kath. Kirche in Schlettstadt, in: ZGORh 51 f., 1897 f;
    Briefe, Depeschen u. Berr. üb. Luther vom Wormser Reichstag, 1897;
    Forschungen zu Luthers röm. Prozeß, 1905;
    Ablaß u. Reliquienverehrung an d. Schloßkirche zu Wittenberg unter Friedrich d. Weisen, 1907;
    Aleander gegen Luther, 1908;
    Die Miltitziade, Eine krit. Nachlese z. Gesch. d. Ablaßstreites, 1911;
    Zu Luthers röm. Prozeß: Der Prozeß d. J. 1518, 1912 (vollst. Bibliogr. d. einschläg. Arbb. im Vorwort S. V ff.);
    Die Entstehung d. Wormser Edikts, 1913;
    Luther u. d. Entscheidungsjahre d. Ref., 1917;
    Erasmus, Luther u. Friedrich d. Weise, 1919;
    Erasmus u.|Hutten in ihrem Verhältnis zu Luther, in: HZ 122, 1920;
    Ulrich v. Hutten u. d. Ref., 1920;
    Der Wormser Reichstag v. 1521, 1922;
    Die Kaiserwahl Friedrichs IV. u. Karls V., 1925;
    Huttens Vagantenzeit u. Untergang, 1925;
    Kleine Nachlese zu Luthers röm. Prozeß, in: Zs. f. KG 44, 1925;
    Die Ref. in Nürnberg nach d. Flugschrr. L. Spenglers, 1926. -
    Ferner e. Schauspiel: Perilla od. d. Erstürmung Roms, 1913;
    - s. a. Schottenloher;
    DW.

  • Literatur

    A. O. Meyer, in: HZ 138, 1928, S. 449 f.

  • Autor/in

    Irmgard Höß
  • Empfohlene Zitierweise

    Höß, Irmgard, "Kalkoff, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 63 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116032227.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA