Lebensdaten
1622 bis 1687
Geburtsort
Graz
Beruf/Funktion
Erzbischof von Salzburg ; Kardinal
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 115524991 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kuenburg, Maximilian Gandolf Graf von
  • Maximilian Gandolf von Kuenburg
  • Maximilian Gandolf
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Zitierweise

Maximilian Gandolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115524991.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Kuenburger, ursprünglich Ministeriale d. in Kärnten begüterten Hochstifts Bamberg, gehören zu d. ältesten Kärntner Adelsgeschlechtern;
    V Reinprecht Moriz Frhr. v. K., Reg.-Rat in G., steir. Landesvizedom, S d. Maximilian v. K., Generallandeseinnehmer in Steiermark, u. d. Johanna Schrott v. Kindberg;
    M Helena, T d. Maximilian Frhr. v. Schrattenbach u. d. Anna Freiin v. Grasswein; Verwandte Michael (1540–60), EB v. S. seit 1554, Georg ( 1587), EB v. S. seit 1586, Polykarp ( 1675), Vizedom v. Friesach, GR, Dompropst v. S. u. Bischof v. Gurk 1673, Joh. Siegmund ( 1711), Domherr v. S., Bischof v. Chiemsee 1708, Franz Ferdinand ( 1731), Domherr v. S. u. Passau, EB v. Prag 1713 (alle s. Wurzbach 13).

  • Leben

    Nach Studien in Graz, Salzburg und am Collegium Germanicum in Rom wurde M. 1644 Domherr, 1647 Domkapitular von Salzburg und 1646 Domherr von Eichstätt (hier resignierte er 1681). 1654 ernannte ihn Erzbischof Guidobald von Thun (1654–68) zum Konsistorialratspräsidenten sowie zum Bischof der Salzburger Eigenbistümer Lavant (1655–65) und Seckau (1665–68). Am 30.7.1668 wurde M. mit großer Mehrheit zum Nachfolger Guidobalds gewählt.

    Zwei schwere Katastrophen überschatteten M.s Regierung schon zu Beginn: im Mai 1669 ertranken 62 Dürrnberger Wallfahrer in der Salzach, und am 16.7.1669 kostete ein Bergsturz im Gstättenviertel 220 Menschen das Leben. Die äußere Lage war – zwei Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg – infolge der Reunionskriege Ludwigs XIV. im Westen und der Türkenkriege im Osten neuerlich schwer erschüttert. Wie die übrigen geistlichen Reichsstände mußte das Erzstift durch jahrelange Stellung beträchtlicher Truppenkontingente, durch Lieferung von Waffen, Munition und Bargeld seinen Verteidigungsbeitrag leisten, der das Land erheblich belastete. Andererseits ließ nicht zuletzt die Krisensituation, in der sich das Reich befand, den staatlichen Ausbau des erzstiftischen Territoriums mit dem Ziel innerer Festigung und wirtschaftlicher Stärkung als notwendig erscheinen. M. trieb mit seinen (ganz in der Tendenz der Zeit liegenden) landesherrlichen Reformen die Entwicklung Salzburgs zum modernen Staat absolutistischer Prägung mächtig voran. Er errichtete neue Verwaltungsbehörden und erließ zahlreiche – auch kulturgeschichtlich bemerkenswerte – Verordnungen: so eine Feuerlöschordnung (1677), eine Ruhe- und Sicherheits-, eine Almosen-, eine „Sauberkeits“-Ordnung (1678), eine „lnfektions“-Ordnung (1678), dazu die „Peinliche“ oder Zivilprozeßordnung (1678). Zur Förderung des einheimischen Gewerbes und zur Abwehr ausländischer Importe ergriff er wirtschaftspolitische Initiativen; insbesondere gründete er, vom Merkantilisten J. J. Becher dazu inspiriert, im Nonntal eine Wollmanufaktur, die allerdings nur bis zum Beginn des 18. Jh. florierte. Allerdings intendierten M.s staatliche Reformmaßnahmen, die als solche gewiß auf das Wohl der Untertanen ausgerichtet waren, auch deren strenge Reglementierung und Disziplinierung in allen Lebensbereichen, weshalb es in der bäuerlichen Bevölkerung des Erzstifts schließlich zu Unruhen kam.

    Hauptursache dieser Erregung war M.s streng restaurative Religionspolitik, mit welcher er – in Anlehnung an die gleichgerichtete Religionspolitik Österreichs und Kurbayerns – die konfessionelle Einheitlichkeit des Erzstifts, also einen geschlossen kath. Staat, zu sichern bzw. wiederherzustellen suchte. Alarmierende Berichte der Dekane über das Anwachsen des Kryptoprotestantismus, über die Verbreitung „ketzerischer“ Bücher sowie über Auswüchse des Aberglaubens vor allem in den wirtschaftlich und sozial rückständigen Gebirgsgauen hatten den Erzbischof und seine Regierung aufgeschreckt. Befangen im vorherrschenden Denken ihrer Zeit, das Ketzerei und Aberglauben in eins setzte und in beiden das auf Umsturz der gottgesetzten Ordnung und Autorität abzielende Wirken satanischer Mächte erblickte, ließen sie sich zu grausamen Unterdrückungsaktionen verleiten. Diese gipfelten in dem unter der Leitung namhafter weltlicher Juristen stehenden sog. „Zauberer-Jackl-Prozeß“ (1675-81), der die Hinrichtung von 133|Delinquenten, fast ausschließlich Bettler und Landstreicher (zwei Drittel Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 21 Jahren), zur Folge hatte und „das ganze Land in den Sog irrationaler Ängste und Leidenschaften stürzte“ (F. Ortner).

    Als um die Zeit der Belagerung Wiens durch die Türken (1683) unter den ev. Gesinnten ein Solidarisierungprozeß einsetzte, der viele ermutigte, ihre Überzeugung nunmehr öffentlich zu bekennen, verfügte M., von seinem Recht als kath. Landesherr Gebrauch machend, im Salzburg. Teil des Osttiroler Defereggentals, einem der Zentren „ketzerischer Umtriebe“, die Verweisung der Protestanten aus dem Land (20.10.1684). Etwa 600 Deferegger wurden damals binnen kurzer Frist zum Verlassen des Erzstifts gezwungen. Die weitere Anordnung, wonach Kinder unter 15 Jahren von ihren ausgewiesenen Eltern getrennt wurden und im Erzstift kath. „umerzogen“ werden sollten, mußte der Erzbischof, weil den Emigrationsbestimmungen des Westfäl. Friedens zuwiderlaufend, auf Intervention der ev. Reichsstände 5 Jahre später zurücknehmen. Seit 1686 ereilte das Schicksal der Landesverweisung auch Dürrnberger Protestanten, von denen bis 1691 rund 70 Personen (teilweise schließlich freiwillig) ihre Heimat verließen, unter ihnen (als einer der „Rädelsführer“) der Prediger und religiöse Erbauungsschriftsteller Joseph Schnaitberger (1658–1733), der in Nürnberg eine Bleibe fand und hier noch die große Emigration vertriebener Salzburger Landsleute in den Jahren 1731/32 erleben sollte. Man darf bei der Beurteilung dieser harten Maßnahmen zur Bekämpfung des Protestantismus (der „Sektiererei“) nicht übersehen, daß viele der betroffenen Deferegger und Dürrnberger aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Heimat ihren Lebensunterhalt durch Hausierhandel im Ausland verdienen mußten (deshalb auch mit prot. Käufern Kontakte pflegten) und bei ihnen von daher bereits eine Neigung zum Auswandern bestand. Dennoch würde M. der Wohlfahrt seines Landes und seinem eigenen Ansehen einen besseren Dienst erwiesen haben, wenn er seinen armen Gebirgsbauern, statt gegen sie mit Gewalt einzuschreiten, gründliche religiöse Unterweisung und wirtschaftliche Hilfe hätte angedeihen lassen.

    So sehr diese Aktionen sein Bild verdunkeln: in zeitgenössischen Berichten wird M. als tüchtiger, gerecht und gemäßigt denkender Regent und reformeifriger Bischof gerühmt. Eine ganze Reihe von Kirchen, darunter Maria Plain, verdanken ihm ihre Entstehung; im Salzburger Dom ließ er u. a. die noch fehlenden sechs Kapellenaltäre errichten; er war den Klöstern zugetan und förderte durch Gründung neuer Niederlassungen insbesondere die Augustiner-Eremiten. Obwohl persönlich eher nüchtern und amusisch, führte er durch die Berufung der beiden Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat die Salzburger Hofmusik auf ein hohes Niveau. In der Begünstigung seiner Verwandten entwickelte er eine „starken, ja fanatischen Familiensinn“ (F. Martin).

  • Literatur

    A. Steinhuber, Gesch. d. Kollegium Germanikum Hungarikum in Rom I-II, 21906;
    H. Widmann, Gesch. Salzburgs III, 1914;
    H. Hassinger, J. J. Bechers Kampf gegen Frankreich u. d. Gründung e. Wollmanufaktur in Salzburg im J. 1677, in: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskde. 78, 1938, S. 169-82;
    H. Nagl, Der Zauberer-Jackl-Prozeß, Hexenprozesse im Erzstift Salzburg 1675–90, ebd. 112/13, 1972/73, S. 385-539, 114, 1974, S. 79-241;
    G. Florey, Gesch. d. Salzburger Protestanten u. ihrer Emigration 1731/32, 1977;
    R. R. Heinisch, Die bischöfl. Wahlkapitulationen im Erzstift Salzburg 1514-1688, 1977;
    F. Martin, Salzburgs Fürsten in d. Barockzeit, 41982;
    P. Hersche, Die dt. Domkapitel im 17. u. 18. Jh. I, 1984;
    H. Dopsch u. H. Spatzenegger (Hrsg.), Gesch. Salzburgs II/1, 1988; F. Ortner, Salzburger KG, Von d. Anfängen b. z. Gegenwart, 1988; Wurzbach.

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Maximilian Gandolf" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 515 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115524991.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA