• Genealogie

    Herkunft unbek., wohl aus d. Diözese Lüttich.

  • Leben

    Kanoniker der Lütticher Kathedrale (vor 1064) und Propst der Stiftskirche Ste-Croix (Hl. Kreuz), wurde O. (wohl erst kurz vor seiner Erhebung) auch Mitglied der sal. Hofkapelle und vielleicht Kanoniker am Stift St. Simon und Juda in Goslar. Von Heinrich IV. Ende 1091 in Oberitalien nach simonistischen Gepflogenheiten investiert, erhielt er am 1.2.1092 in Köln von Ebf. Hermann v. Hochstaden die Weihe. Als kompromißloser Anhänger Heinrichs IV. wurde er spätestens 1095 von Papst Urban II. gebannt. Mit den gregorianisch gesinnten Klöstern seiner Diözese, vor allem mit St-Hubert, lag er häufig in Streit. O. unterstützte Heinrich IV. auch nach dessen Sturz durch seinen Sohn Heinrich V. Ende 1105 und nahm ihn in Lüttich auf, das Heinrich V. im Frühjahr 1106 vergeblich einzunehmen versuchte. O. setzte den am 7. August in Lüttich verstorbenen Kaiser in seiner Kathedrale zunächst provisorisch bei, ehe er den Leichnam an dessen Sohn ausliefern mußte. Papst Paschalis II. bannte O. in Guastalla im Oktober 1106 abermals, nahm ihn nach erfolgter Unterwerfung wenig später aber wieder in die Kirche auf. Auch Heinrich V., dem sich O. noch Ende 1106 in Aachen angeschlossen hatte, konnte sich auf O. und dessen Bischofsstadt, die er wie schon sein Vater mehrfach aufsuchte, verlassen. Noch nach dem Bruch Heinrichs V. mit der Röm. Kirche 1112 blieb O. dem letzten sal. Kaiser treu. Die weltliche Herrschaft der Lütticher Kirche festigte er insbesondere durch den Erwerb der Burg Bouillon am Vorabend des 1. Kreuzzugs von Hzg. Gottfried v. Bouillon. In seiner Bischofsstadt stützte sich O. vor allem auf die führenden Kaufmannskreise.

  • Literatur

    ADB 24;
    J.-L. Kupper, O. de Liège, in: MA 86, 1980, S. 353-85;
    ders., Liège et l'Eglise impériale, 1981;
    P. Gams, Series episcoporum V, Bd. I, 1982, S. 74 f.;
    H. Zielinski, Der Reichsepiskopat in spätotton. u. sal. Zeit I, 1984;
    Biogr. Nat. Belg. 15;
    LThK;
    BBKL;
    Lex. MA.

  • Autor/in

    Herbert Zielinski
  • Empfohlene Zitierweise

    Zielinski, Herbert, "Otbert" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 641 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115399755.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Otbert, von 1091 bis 1119 Bischof von Lüttich, hat sich einen guten Namen gemacht durch seine kraftvolle Verwaltung des Bisthums, für welches er das Schloß Bouillon erwarb. Im Anschluß an seinen Vorgänger Heinrich (XI, 534) bemühte er sich den Frieden aufrecht zu erhalten, gegen dessen Störer er mit Strenge einschritt. Treuer Anhänger Heinrich's IV., dem er in seinen letzten Tagen eine Zuflucht gewährte, gerieth er in scharfen Gegensatz zu den Mönchen,|welche der gregorianischen Richtung zugethan waren, und wird deshalb in den Klosterchroniken sehr ungünstig beurtheilt. Daß er eine höhere wissenschaftliche Bildung besessen habe, wird nicht gesagt, und was wir von seiner Thätigkeit wissen, spricht wenig dafür, daß er sich nach dieser Richtung ausgezeichnet habe. Um so unverdienter ist es, daß in ihm, zuerst von Goldast, der Verfasser des Lebens Heinrich's IV. vermuthet wurde, einer Schrift, welche allerdings von einem eifrigen, bis über das Grab getreuen Verehrer des Kaisers herrührt, aber auch mit so ungewöhnlicher stilistischer Kunst verfaßt ist, daß an O. nicht gedacht werden darf. Sie giebt in meisterhafter Weise einen Ueberblick über die lange, vielbewegte Regierung des Kaisers, in einer nach classischen Vorbildern sorgfältig gebildeten Sprache, nimmt es aber mit der Wahrheit wenig genau, und ist durchaus eine Parteischrift. In neuerer Zeit sind über den Verf. verschiedene Vermuthungen aufgestellt; besonders nachdrücklich hat, gestützt auf besondere Eigenthümlichkeiten der Schreibweise, W. Gundlach die Ansicht entwickelt, daß der Vers, ein in Briefen und Urkunden deutlich kennbarer Kanzleibeamter Heinrich's IV. gewesen sei, in welchem er auch den Verf. des Epos über Heinrich's Sachsenkrieg erkennen will, und in dem er den Propst Godefkalk von Aachen vermuthet.

    • Literatur

      Ausg. der Vita Heinrici IV. von Aventin 1518, zuletzt von Wattenbach Mon. Germ. SS. XII, 268, in 8°. 1876. — W. Gundlach. Ein Dictator aus der Kanzlei Heinrich's IV., Innsbr.1884. — Wattenbach, Geschichtsquellen (5. Aufl.) II, 83—85. 493.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Otbert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 528-529 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115399755.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA