Lebensdaten
1884 bis 1969
Geburtsort
Langenthal (Siebenbürgen)
Sterbeort
Hermannstadt (Siebenbürgen)
Beruf/Funktion
evangelischer Bischof von Siebenbürgen
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 104311347 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller-Langenthal, Friedrich der Jüngere
  • Müller, Friedrich der Jüngere
  • Müller, Friedrich
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Müller, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104311347.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann ( 1887), Kleinbauer, Ortsvorsteher v. L.;
    M Katharina Binder ( 1887);
    Schäßburg 1917 Anna Albrich (1889–1951) aus H., Mathematiklehrerin in Kronstadt; Ov d. Ehefrau Dr. Carl Albrich (1861–1940), Gymnasialdir. in H., 1922-34 Schulrat f. d. Mittelschulwesen d. ev. Landeskirche in Rumänien (s. L); Schwager d. Ehefrau Gustav Rösler (1887–1959), Gymnasiallehrer in Kronstadt, 1929-34 Schulrat f. d. Volksbildungswesen, 1934-42 u. 1944-48 Leiter beider Schulratsämter d. ev. Landeskirche, 1931-34 Ministerialrat f. d. dt. Minderheit im rumän. Unterrichtsministerium (s. W);
    2 S, 1 T, u. a. Konrad (1918–45), Historiker u. Geograph (s. W). Maria (1928–84, Dr. Gerhard Schullerus, * 1927, Stadtpfarrer v. Heltau, 1978-82 Bischofsvikar d. ev. Landeskirche A. B. in Rumänien).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs M. bei der Schwester seiner Mutter, Margarethe Binder, auf. Er besuchte die Grundschule in Langenthal und das Gymnasium in Hermannstadt. Anschließend studierte er zunächst Mathematik und Physik in Leipzig (1904/05) und Klausenburg (1905/06), in Leipzig auch Psychologie bei Wilhelm Wundt. In Klausenburg wechselte er zu Geschichte, Philosophie und Theologie; dieses Studium setzte er in Wien und Berlin (1907–09) fort, hier u. a. bei den Historikern Dietrich Schäfer und Hans Delbrück. M. wirkte zunächst in Kronstadt als Lehrer am Honterus-Gymnasium (1911–17) sowie als Mitarbeiter und für einige Monate auch als Schriftleiter der „Kronstädter Zeitung“. 1917 wurde er zum Direktor des Landeskirchlichen Lehrerinnenseminars in Schäßburg berufen. Nach dem Anschluß Siebenbürgens an Rumänien wurde M. Schulrat für das Volksschulwesen der ev. Landeskirche A. B. (1922–28). Er verfaßte für die deutschen Schulen Rumäniens ein „Lehrbuch der Geschichte Rumäniens“ (1921), den ersten Gesamtüberblick über die Entwicklung Großrumäniens, dem im Friedensvertrag von Trianon (1920) Siebenbürgen, das Banat, die Bukowina und Bessarabien zugesprochen worden waren. Desgleichen legte er eine erste zusammenfassende Darstellung aller deutschen Bevölkerungsgruppen in Rumänien vor („Die Geschichte unseres Volkes“, 1926). 1933-45 war er Vorstand des Vereins für siebenbürg. Landeskunde.

    Die 1913 abgelegte Pfarramtsprüfung ermöglichte M. den Wechsel in ein geistliches Amt. 1928 nahm er die Wahl zum Stadtpfarrer von Hermannstadt an und wurde 1932 zusätzlich zum Bischofsvikar gewählt. Nach anfänglicher Sympathie für deutschnationale Gedanken bekämpfte M. seit 1935 die nationalsozialistischen Strömungen unter den Siebenbürger Sachsen als „Neuheidentum“ und als Gefahr für den Bestand von Volk und Kirche. Diese Gefahr wuchs, nachdem es der von der Volksdeutschen Mittelstelle in Berlin gelenkten Führung der „Deutschen Volksgruppe in Rumänien“ gelungen war, Bischof Viktor Glondys Ende 1940 zum Rücktritt zu bewegen und die Wahl ihres Gefolgsmanns Wilhelm Staedel durchzusetzen. Auch unter dem Schock der nationalsozialistischen Euthanasiepolitik, von der M. anläßlich eines Besuchs in Berlin im Sommer 1941 Kenntnis erhielt, verstärkte sich seine Opposition. Erfolglos widersetzte er sich der Unterzeichnung eines „Gesamtabkommens zwischen der ev. Kirche und der Deutschen Volksgruppe in Rumänien“ (1942), das die Übergabe der kirchlichen Schulen und ihres Vermögens an die nationalsozialistische Volksgruppenführung vorsah.

    Als Rumänien nach dem Umsturz vom 23.8.1944 die Fronten wechselte und Deutschland den Krieg erklärte, konnte sich Bischof Staedel nicht mehr halten und mußte abdanken. In der Bischofswahl vom 29.4.1945 setzte sich M. gegen den erneut kandidierenden Viktor Glondys durch. Er übernahm das Amt in einer Zeit, als die arbeitsfähige deutsche Bevölkerung zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert (Januar 1945) und die kommunistische Regierung Petru Groza eingesetzt worden waren (6.3.1945). Die Institution der Kirche, vom atheistischen Staat massiv angegriffen, war in ihrem Fortbestand gefährdet, ihre Mitglieder wurden pauschal der Kollaboration bezichtigt und politisch entmündigt, zudem durch die Agrarreform (1945) und die Verstaatlichung privater Betriebe (1948) in existentielle Not gestürzt. Soziale Hilfsmaßnahmen für die alleingebliebenen alten Menschen und elternlosen Kinder sowie für die Heimkehrer aus der Deportation waren zu organisieren, das kirchliche Leben unter grundlegend gewandelten Verhältnissen neu zu ordnen. M. gelang es, die Kirche in schwerer Zeit als einzige halbwegs intakte Institution der Siebenbürger Sachsen zu bewahren, dadurch auch politisch und identitätsstiftend für die deutsche Minderheit zu wirken.

    Aufgrund des neuen rumän. Kultusgesetzes von 1948 mußte die Kirchenordnung überarbeitet werden, zumal es religiösen Gemeinschaften untersagt war, Schulen zu unterhalten. M. konnte jedoch die synodal-presbyteriale Kirchenverfassung von 1891 bzw. 1927 im wesentlichen erhalten und gemeinsam mit den anderen prot., vorwiegend ungarischsprachigen Kirchen des Landes 1949 das „Vereinigte Protestantisch-Theologische Institut mit Universitätsgrad“ in Klausenburg gründen, dessen deutsche ev.-luth. Abteilung 1955 nach Hermannstadt übersiedelte. M. sicherte seine Kirche durch die Verankerung in internationalen Gremien ab. 1964 wurde die „Ev. Landeskirche A. B. in der Volksrepublik Rumänien“ in Reykjavik in den Luth. Weltbund aufgenommen. Bereits 1961 war sie in Neu-Delhi gemeinsam mit der rumän.-orthodoxen Kirche Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen geworden. Enger gestalteten sich auch die Beziehungen zur Thüring. Luth. Kirche, die unter Bischof Moritz Mitzenheim eine nicht unumstrittene Verständigung mit der damaligen DDR-Führung erreicht hatte. Aus taktischen Gründen pflegte M. auch zu kommunistischen Funktionären persönliche Beziehungen, gab Loyalitätsbekundungen gegenüber dem Regime ab, beteiligte sich an staatlich gesteuerten „antiimperialistischen“ Friedensinitiativen, saß in der Großen Nationalversammlung und hielt sich mit Kritik angesichts der politischen Verfolgungen zurück. Aus Furcht vor personeller Auszehrung traf er mit der Ev. Kirche in Deutschland (EKD) die umstrittene Vereinbarung, daß ausgesiedelte Pfarrer aus Rumänien nicht in den Kirchendienst übernommen werden durften.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Halle 1930).

  • Werke

    Weitere W Die Siebenbürger Sachsen u. ihr Land, 1912, 41922;
    Was ist Offenbarung? 1931;
    Wandlung d. geschichtl. Hauptaufgaben unseres Volkes im Laufe seiner Entwicklung …, in: Siebenbürg. Vj.schr. 55, 1932, S. 286-99;
    Völkerentwicklung unter d. Christentum, in: Dt. Theol. 1935, S. 340-54, 380-400;
    Berufung u. Erwählung, Eine exeget. Studie, in: Zs. f. Systemat. Theol. 24, 1955, S. 38-71;
    Predigten, 1993;
    Erinnerungen, Zum Weg d. siebenbürg.-sächs. Kirche 1944-1964, bearb. v. H. Baier, mit e. Einl. v. U. A. Wien, 1995. – Zu Konrad: Siebenbürg. Wirtsch.pol. unter Maria Theresia, 1961.– Zu Gustav Rösler: Aus meinem Leben, 1945 (unveröff. Ms., Archiv d. Siebenbürgen-Inst., Gundelsheim).

  • Literatur

    F. C. Fry (Hrsg.), FS f. F. M. 1967 (W, L, P);
    L. Binder, in: ders. u. J. Scheerer, Die Bischöfe der ev. Kirche A. B. in Siebenbürgen II, 1980, S. 183-229 (W, L, P);
    ders., in: Lex. d. Siebenbürger Sachsen, 1993;
    H. Baier, in: Zs. f. Siebenbürg. Landeskde. 16, 1993, S. 168-274;
    RGG;
    K. Gündisch, in: BBKL. – Zu Carl Albrich: H. A. Hienz, Btrr. z. Schriftst.-Lex. d. Siebenbürger Deutschen, 2, 1974, S. 14-17.

  • Portraits

    Gem. v. H. Eder, ca. 1953 (Landeskonsistorium d. Ev. Landeskirche A. B. in Rumänien, Hermannstadt), Abb. in L. Binder, 1980 (s. L);
    Phot. (ebd., Archiv, u. Archiv d. Siebenbürgen-Inst., Gundelsheim).

  • Autor/in

    Konrad Gündisch
  • Empfohlene Zitierweise

    Gündisch, Konrad, "Müller, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 383-384 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104311347.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA