Lebensdaten
erwähnt 1465, gestorben 1520
Geburtsort
Gouda
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Dominikaner ; Professor der Poetik und Musik
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104223081 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jacobus Magdalius Gaudensis (Ordensname)
  • Jakob
  • Gouda, Jakob von (von ist kein Adelsprädikat)
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Zitierweise

Jakob von Gouda, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104223081.html [17.12.2018].

CC0

  • Leben

    Sichere Lebensdaten sind nicht überliefert. Anzunehmen ist, daß J. seinen vorbereitenden Unterricht an der Fraterschule der Brüder des gemeinsamen Lebens zu Gouda erhielt und dann in Köln studierte, bevor er zwischen 1465 und 1470 in den Dominikanerorden eintrat, dessen Kölner Konvent er, auch mehrfach als Pönitentiar wirkend, bis zu seinem Tode angehörte. J. verfügte über eine treffliche Ausbildung in Humaniora, trieb früh Griechisch und dürfte in Italien oder in Paris sein Wissen vervollkommnet haben, ehe er – nicht vor 1490 – an der Univ. Köln zu lehren begann. Fast 30 Jahre dozierte er an ihr, anerkannt und gefeiert, Poetik und Musik, schrieb selbst lateinische und deutsche Gedichte, meist geistlicher Art, und komponierte sie. Nach Lehre, Schriften, die 1490-1517 nachweisbar sind, und Schülerkreis ist J. unbedingt als Vertreter eines formalen christlichen Frühhumanismus anzusehen, wenn er sich auch im Pfefferkorn-Reuchlin-Streit unter Druck seines Priors Jakob von Hoogstraeten in einem Epigramm gegen Reuchlin wandte, was er später ebenso wie sein in gleicher Weise von Hoogstraeten beeinflußter Freund Hermann v. dem Busche bedauerte. Bei der stark verwurzelten Stellung der Scholastik an der Universität, die ihr ihre glänzendste Periode zu verdanken hatte, war es für den Humanismus nicht leicht, in das Gefüge der Universität einzudringen. J.s große Leistung war es, daß er ruhig und zielsicher auf lange Zeit hin, unterstützt vom Kölner Buchgewerbe, die Rezeption des Humanismus an der Universität wesentlich zu fördern vermochte. Zu seinem Schülerkreis gehörten u. a. Glarean, Cochlaeus, Gf. Hermann von Neuenahr, Joh. Murmellius, Richard Sbrulius, Ulrich v. Hutten (Winter 1505/06), Ulrich Fabricius und Agrippa von Nettesheim. Glarean schützte den humanistisch gesinnten J. bei Reuchlin; Hutten, der in seinen Gesängen Heimatanklänge an Hrabanus Maurus fand, stellte ihn in der „Rundreise zu den deutschen Dichtern“ seiner „Klagen“|vor alle anderen Kölner Dichter, rühmte seine Musica sacra, seine Sachkenntnis, seinen Eifer und den Fluß seiner Elegie. Hutten hat dieses Lob nie eingeschränkt, das Spottwörtlein im 11. Brief des Erstbandes der „Epistolae obscurorum virorum“: „J. de G. ordinis praedicatorum poeta subtilissimus“ stammte nicht von ihm, sondern vom Verfasser Joh. Crotus Rubeanus.

    Von J.s sehr seltenen Druckschriften sind als eine anhaltend breite Wirkung auslösend hervorzuheben das „Aerarium aureum poetarum“ von 1501 mit einer Versanrede des bildungsreformerischen H. v. dem Busche, ein an Hand der röm. Klassiker erstellter Leitfaden zum Verständnis des dichterischen Werkes überhaupt, und die sich überwiegend mit Metrikproblemen beschäftigende „Stichologia gaudensis“ von 1503 (1505). Die einzelnen Kapitel des „Aerarium“ lauten „De quantitate syllabarum, Epitheta substantivorum, Declaratio vocabulorum (difficilium), De modo accentuandi, De orthographia dictionum grecarum, De orthographia dictionum hebraicarum und Periphrases poetarum“. J.s Arbeiten finden sich reichlich von Hermann Torrentinus in den zahlreichen Auflagen nach 1501 seines „Elucidarius Carminum historiarum Vel vocabularius poeticus“ benutzt. Die Abhandlungen über Metrik in der „Stichologia“ kamen bis um die Mitte des 16. Jh. den zahlreichen Ars-versificatoria-Büchlein zugute, auch Hutten zog daraus für die seine von 1511 Nutzen. Wenn auch noch manches Mittelalterliche in J.s Schriften steckte, sein Wille zum Humanismus und zu dessen wissenschaftlichen Prinzipien läßt sich nicht verkennen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Legenda seu vita & miracula B. Alberti M. Carmen, 1490;
    Erarium aureum poetarum, Mit Dedikation an Joh. Rinck, …, 1501, 1502, 1506;
    Passio magistralis Domini nostri Jesu Christi, Mit Rand- u. Interlinearglossen d. Alberthus v. Regensburg, 1504, 1505;
    Correctorium Biblie, in quo continentur viginti quinque versus …, mit 2 Elegien, 1508;
    Polylogus compassionis Virginis Mariae …, Frater J. G. bez. sich darin als „optimarum artium scrutator indefessus, 1508;
    Vita Salomes matris sanctor, Martyrum Marhabaerom Carmen, 1517;
    zahlr. Epigramme in Werken anderer, so in Schrr. Hoogstraetens, 1508, 1510, 1511.

  • Literatur

    ADB IX (unter Gouda, nicht zu vewechseln mit gleichnamigem Kölner Dominikaner Jacob Magdalius v. Gouda, ADB 20, S. 51 unter Magdalius);
    Vlrici Hutteni in Wedegum Loetz … et filium eius Henningum … Querelarum libri duo …, 1510, Schlußelegie;
    J. Hartzhemius, Bibl. Coloniensis, 1747, S. 227;
    G. W. Panzer, Ann. typographici, 1795-1805, X, S. 363, XI, S. 570;
    G. Ch. F. Mohnike, Huttens Klagen gegen Loetz, 1816, S. 288, 493 f.;
    F. J. v. Bianco, Die alte Univ. Cöln, 1855, S. 384;
    Opera Hutteni, ed. E. Böcking, VII, 1869, S. 374;
    L. Geiger, Johann Reuchlin, s. Leben u. s. Werke, 1871, S. 359-61;
    U. Chevalier, Répertoire des sources hist. du moyen-âge, 1947.

  • Autor/in

    Heinrich Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Heinrich, "Jakob von Gouda" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 317 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104223081.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gouda: Jakob v. G. (fälschlich auch Ganda), nach seinem Heimathsorte in Holland genannt, mit seinem vollen Namen Magdalius J. G. Sein Geburts- und Todesjahr ist ungewiß, von seinem äußeren Leben sind nur die Thatsachen bekannt, daß er 1465 in den Dominicanerorden trat und bis zu seinem Tode 1520 in Köln gelebt und gelehrt hat. Als Lehrer der Dichtkunst und Musik wird er von Hutten gerühmt, als Dominicaner schloß er sich dem Ketzermeister Jak. v. Hogstraten an, dessen Schriften er Verse beigab, und schrieb, von ihm genöthigt, ein Gedicht gegen Reuchlin. Obwol er dies bereute, sich gern als Humanist bekennen mochte und von Einigen in diesem Versuche unterstützt wurde, blieb er gehaßt, wurde von Reuchlin angegriffen und von den epistolae obscur. vir. verspottet. Von seinen übrigens sehr seltenen Schriften, unter denen sich auch eine lateinische Uebersetzung eines Werkes des Josephus (Köln 1517) befinden soll, sind nur 2 bekannt. Die erste „Erarium aureum poetarum omnibus latinae linguae cujuscunque etiam facultatis fuerint professoribus accomodum(!) immo et omnium poetarum sine ipsis commentariis elucidativum“ (Köln 1501), handelt im ersten Buche über Quantität der Silben der Eigennamen, gibt im zweiten ein aus den römischen Classikern geschöpftes Verzeichniß von Epitheten zu einer großen Zahl alphabetisch geordneter Appellativa, in einem dritten Erklärungen schwieriger, meist poetisch gebrauchter Wörter und Aufzählung von Städte-, Fluß-, Berg- etc. Namen, lehrt im vierten die Orthographie griechischer und hebräischer Worte, in einer Weise, die doch eine gewisse Kenntniß dieser beiden Sprachen verräth und durch die kritische Rücksichtnahme auf den griechischen und hebräischen Bibeltext merkwürdig ist, und stellt im fünften einige poetische Umschreibungen aus römischen Dichtern zusammen. Am Schlusse des Werkes sind ein paar Gedichte des G. abgedruckt, meist geistlichen Inhalts, einige mit mittelalterlichen Spielereien, so daß aus einzelnen großgedruckten Buchstaben der verschiedenen Verse sich ganze Sätze zusammensetzen lassen, den Anfang macht ein empfehlendes Gedicht des Hermann Busch. Die zweite Schrift: „Stichologia gaudensis. Enchiridion poetarum. Homeomata eorumdem. Naumachia ecclesiastica cum carminibus diversis“ (Köln 1503), ist eine Sammlung von vier in diesem Gesammttitel zusammengefaßten Abhandlungen meist metrischen Inhalts. Die erste bespricht Länge und Kürze der fünf Vocale vor allen einzelnen Consonanten; die zweite stellt die verschiedenen Metren zusammen und gibt ein alphabetisches Verzeichniß poetischer Ausdrücke mit Nennung der Metren und Angabe der Quellenstellen; die dritte zählt Dichterstellen auf, poetische Umschreibungen der Unmöglichkeit, Unzähligkeit und Unersättlichkeit; die vierte theilt eine Reihe von Gedichten des G. mit, meist geistlichen Inhalts, einzelne an seine Freunde gerichtet. Auch diese Schrift ist, obwol sie keineswegs in classischem Latein abgefaßt ist, wichtig wegen ihres halb humanistischen Gepräges: sie tadelt die Geistlichen, welche absichtlich divinas sententias grammatices regulis subjicere nolunt, sie zählt die metrischen Verstöße auf, die Petrus de Riga in einem kleinen Theil seines großen Gedichtes sich hatte zu Schulden kommen lassen. Aber da G., trotz redlichen Willens, doch nur ein Halber geblieben war — er fängt z. B. seine Schriften mit dem mittelalterlichen: quoniamquidem an, das den Modernen ein Greuel war — so wurde er von den Humanisten, die nur Ganze unter sich leiden mochten, rücksichtslos bei Seite geschoben.

    Ein anderer Jakob v. G. wird von dem Zeitgenossen Joh. Butzbach (s. oben Bd. III. S. 663 ff.) erwähnt. Mit ihm ist der unserige ebensowenig zu verwechseln, wie mit dem gleichfalls dem Dominicanerorden angehörigen Guilelmus de G. (seine Schriften bei Hain, Repert. II. S. 488—90) und dem gleichfalls den Kölnern und Reuchlin's Gegnern zuzurechnenden Theodoricus de G.

    • Literatur

      Geiger, Reuchlin (Leipzig 1871), S. 285. 359—61 und die dort angeführten Schriften; Böcking, Opp. Hutteni VII., S. 374 ff. und Gouda's Schriften.

  • Autor/in

    Ludwig , Geiger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Ludwig; Slee, Jacob Cornelis van, "Jakob von Gouda" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 518-519 unter Gouda [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104223081.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Magdalius: Jacobus M. von Gouda, Dominicanermönch, war in der Mitte des 15. Jahrhunderts zu Gouda, nicht zu Gent, wie von Einigen behauptet ist, geboren, und erhielt seinen vorbereitenden Unterricht an der Fraterschule, welche die Brüder des gemeinsamen Lebens 1447 zu Gouda gestiftet|hatten oder bei den regulirten Kanonikern im nachbarlichen Kloster Stein. Dennoch trat er in den Dominicanerorden zu Hartem ein und zog um 1490 nach Köln, wo er einige Zeit als Beichtiger wirkte, vielleicht auch Theologie docirte, bis er um 1520 starb. M. nimmt unter den Gelehrten seiner Zeit eine hervorragende Stellung ein, nicht nur als bedeutender Sprachkenner, auch des Hebräischen, sondern noch mehr durch seinen kritischen Scharssinn. Hatten schon die regulirten Kanoniker von Windesheim einen verbesserten Text der h. Schrift für ihren kirchlichen Privatgebrauch herzustellen versucht, so griff M. dies Werk der Textkritik noch ernster an und bediente sich dabei der exegetischen Arbeiten des Hieronymus, Nicolaus de Lyra, Paulus Burgensis, Reuchlin und Anderer. 1508 erschien zu Köln sein „Correctorium Biblii cum difficilium quarundam dictionum loculenta interpretatione“, sowie ein „Compendium Biblii, in quo continentur 257 versus, quibus totus fere Biblii textus comprehenditur“. Von seiner Hand erschien auch in mehreren Ausgaben eine „Passio domini nostri J. Christi“, Col. 1505, ein „Polylogus compassionis virginis Mariae“, „Flavii Josephi liber de imperatrice Ratione, e graeca latine versus“, Colon. 1517 und „Vitae Salumes, matris Machabaeorum martyrum“, Colon. 1517, welche letztgenannten Arbeiten ihn auch als Dichter zeigen.

    • Literatur

      Vgl. Paquot, Mém, litér. II. p. 162 sv., van Heussen en van Ryn, Oudh. v. Utrecht III bl. 475, 497. van der Aa, Biogr. Woordenb. und Glasius, Godgel. Nederl. sub voce Jacobus von Gouda. van

  • Autor/in

    Slee.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Ludwig; Slee, Jacob Cornelis van, "Jakob von Gouda" in: Allgemeine Deutsche Biographie (), S. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104223081.html#adb2content

    CC-BY-NC-SA