Lebensdaten
erwähnt 839, gestorben 871
Beruf/Funktion
Bischof von Konstanz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 103086218 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Salomo I.
  • Pseudo-Salomon, Constantiensis
  • Salomo I., Konstanz, Bischof
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Zitierweise

Salomo I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd103086218.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Wohl aus nördl. d. Bodensees ansässiger Adelsfam.;
    N Salomo II. (reg. 875/76-89), Bf. v. Konstanz;
    Gr-N Salomo III. (reg. 890-919/20), Bf. v. Konstanz (beide s. NDB 22).

  • Leben

    Wann S. als Nachfolger des am 15.3.839 verstorbenen Wolfleoz sein Amt als Bischof von Konstanz antrat, läßt sich nicht genau bestimmen, da der älteste urkundliche Beleg, seine Intervention für das Stift Lindau vom 21.4.839, nur in einem verfälschten Diplom des 12. Jh. überliefert ist. Erstmals sicher bezeugt ist S. als Teilnehmer der Synode, die im Okt. 847 auf Anordnung Kg. Ludwigs d. Dt. unter dem Vorsitz Ebf. Hrabans in Mainz stattfand.

    Von Beginn seines Wirkens stand S. in besonderer Nähe zum Hof Ludwigs d. Dt. So befand er sich unter den Beratern des Königs, als dieser 859 in Worms die von Ebf. Hincmar v. Reims geleitete Gesandtschaft Lothars II. empfing und nahm im Juni 860 an den Friedens-Verhandlungen mit Karl d. Kahlen und Lothar in Koblenz teil. Im April und Mai 864 weilte er als Gesandter Ludwigs an der röm. Kurie, um mit dem Papst über den Ehestreit Lothars II. und über die Vereinigung des Bistums Bremen mit dem Erzbistum Hamburg zu verhandeln.

    In seiner Diözese widmete sich S. v. a. den Belangen der Abtei St. Gallen. So löste er 854 die seit 759 bestehende rechtliche Abhängigkeit des Gallusklosters von der Konstanzer Bischofskirche endgültig auf. Auf Bitten der St. Galler Mönche sprach er Otmar ( 759), den ersten Abt des Klosters, 864 heilig und weihte drei Jahre später eine eigens für Otmars Grablege neben der Basilika errichtete Kirche. Zugeschrieben wird ihm die Gründung zweier Klerikergemeinschaften in Salmsach und Bischofszell im südl. an den Bischofssitz anschließenden Thurgau. Außerdem hat möglicherweise bereits er die Verehrung des Märtyrers Pelagius aus Emona sowohl an der Konstanzer Bischofskirche als auch an der Stiftskirche zu Bischofszell gefördert.

    Daß S. schon zu seinen Lebzeiten in hohem Ansehen stand, ergibt sich aus einem um 850 von Ermenrich v. Ellwangen an Abt Grimalt von St. Gallen geschriebenen Brief ebenso wie aus dem Begleitschreiben, mit dem Otfrid v. Weißenburg zwischen 863 und 871 S. sein Evangelienbuch überreichte.

  • Literatur

    ADB 30;
    J. Riegel. Bf. S. I. u. seine Zeit, in: Freiburger Diözesan-Archiv 42, 1914, S. 111-88;
    H. Maurer, in: Helvetia Sacra 1.2.1, 1993, S. 249 f.;
    ders., Das Bm. Konstanz 2: Die Konstanzer Bischöfe v. Ende d. 6. Jh. bis 1206 (Germania Sacra N. F. 42/1), 2003, S. 67-78 (Qu. L).

  • Autor/in

    Helmut Maurer
  • Empfohlene Zitierweise

    Maurer, Helmut, "Salomo I." in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 388 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103086218.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Salomo I., Bischof von Constanz, 838 (839?) bis 871. Der erste der drei gleichnamigen verwandten Bischöfe, aus hohem alamannischen Hause, dem der Alaholfinger nahe stehend, deren Verwandtschaft wenigstens mit seinem Großneffen Salomo III. erwiesen scheint. Er war Mönch in Fulda unter Raban und Lehrer Otfried's von Weißenburg, der ihm seine Evangelienharmonie widmete, und galt für einen durch Gelehrsamkeit ausgezeichneten Menschen, wofür auch die hohe Stellung, welche er am Hofe Ludwig's des Deutschen einnahm, spricht. Bei zwei der drei großen Mainzer Concilien, welche Raban nach seiner Erhebung zum Erzbischof auf Ludwig's Befehl versammelte, war er zugegen, auf deren erstem auch ein in der Diöcese Constanz Unfug treibendes Weib abgeurtheilt wurde. Das zweite Concil umfaßte die Bischöfe von Ludwig's ganzem Reich und fand October 851 oder — was doch wohl vorzuziehen ist — 852 statt. Von weiter Bedeutung für die innere Entwicklung des Bisthums, vollzog sich unter S. I. in friedlicher Weise der Abschluß von St. Gallens Emancipation von ersterem; zunächst auf Grundlage von Verhandlungen des Bischofs mit dem bedeutenden Erzcaplan Grimald, welche von Ludwig dem Deutschen am 22. Juli 854 zu Ulm durch eine Königsurkunde abgeschlossen werden. Für die dem Bisthum bestrittenen Rechte, wie für die während der Vereinigung der Abtei mit demselben unter gleicher Verwaltung an die Abtei gekommenen bischöflichen Gefälle gibt dieselbe eine Reihe von Besitzungen als Ersatz, wird aber fürderhin von dem Bisthum eximirt. Es erfolgte dann die endgültige Abgrenzung der Gebiete des Bisthums und des Klosters St. Gallen. Eine Rolle spielte S. bei einem der wichtigsten Vorgänge im Reich, dem Empfang der Gesandten Karl's und Lothar's von der Metzer Synode zu Worms (4. Juni 859) und dem nach dieser Anknüpfung folgenden Frieden Karl's mit Ludwig d. D. zu Coblenz (5. Juni 860); damals wurden auch aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen Gunthar von Köln und Ansgar Verhandlungen betreffend die Errichtung des Erzbisthums Hamburg-Bremen geführt. Der Friede von Coblenz würde bei dem geringen aufrichtigen Wohlwollen, welches zwischen den drei Fürsten herrschte, von keinem völlig innegehalten, und 862 durch Ludwig's Vermittlung bei Lothar in Mainz eine abermalige Zusammenkunft angebahnt, deren Vorschläge an Karl durch die Bischöfe Altfried von Hildesheim, Salomo von Constanz, Adventius von Metz, Hatto von Verdun gebracht wurden; zu Savonières kamen sich auf halbem Wege die Herrscher entgegen. Es ist kein Zweifel, daß auch bei dieser Zusammenkunft, die mit einem neuerlichen Friedensbündniß und Dank Hincmar's von Rheims geschickter Verhandlung, mit einem moralischen Erfolge Karl's endigte. S. eine Rolle gespielt hat. Mit seines Königs und anderen Aufträgen — für König Horico von Dänemark hatte er Geschenke mitgenommen — finden wir S. im April und Mai 864 als Gesandten in Rom an Papst Nikolaus I., mit welchem der Bischof auch sonst in nachweislicher Verbindung stand. Diesmal war er mit Erfolg für eine Vereinigung des Bisthums Hamburg-Bremen thätig. — Das Wichtige, was von seiner Thätigkeit innerhalb des Bisthums erhalten ist, läßt sich in wenige Worte zusammenfassen. 861 war er zugegen bei der Gründung des Klosters Wiesensteig. Auf einer Diöcesansynode im October 864 bewirkte er die Erhebung der Gebeine des heil. Otmar, welche von ihm selbst am 25. October ausgeführt wird; die Translation in ein neues Oratorium erfolgte 867. Noch 868 finden wir ihn in Mainz auf einem unter Vorsitz seines alten Freundes Liutbert von Mainz abgehaltenen Rationalconcil anwesend, auch als Zeuge bei Liutbert. Kurz vor seinem Tode, der ihn am 2. April 871 wahrscheinlich hochbejahrt ereilte, so daß er die Verwaltung des Bisthums nicht mehr mit der erforderlichen Energie zu führen im Stande war, ertheilte er seinem Großneffen Waldo, später Bischof von Freising, die Tonsur und übergab|ihn der Klosterschule zu St. Gallen. In Sülzbach bei Weinsberg soll er begraben liegen (Zeitschr. d. histor. Ver. Würt.-Franken 10, 52 f.).

    • Literatur

      Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches², Bd. 1. 2 passim. — Ladewig, Regesten der Bischöfe von Constanz I, N. 115—147 (zu 855—858); Nachtrag bei v. Pflugk-Harttung, Acta Pontif. 3, 1. 4 N. 4. — Ueber 1 Münze S. I: Hist. Ztg. der gforsch. Gesellschaft d. Schweiz 1853. 1854, S. 96.

  • Autor/in

    Paul Ladewig.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ladewig, Paul, "Salomo I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 275-276 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103086218.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA