Lebensdaten
um 1360 bis 1425
Geburtsort
Matzen (Gänserndorf im Marchfeld, Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Abt von Melk
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102836426 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nikolaus Seyringer
  • Seyringer, Nikolaus
  • Seyringer von Matzen, Nikolaus
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Zitierweise

Nikolaus Seyringer von Matzen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102836426.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Konrad S. ( 25.12.1425), starb ebenso wie N. im Melkerhof in W., beigesetzt in Melk.

  • Leben

    N. immatrikulierte sich 1389 an der Univ. Wien. Wahrscheinlich war er dort – gemeinsam mit einigen Studienkollegen, die später als Ordensreformer und Reformtheologen hervortraten (u. a. Nikolaus von Dinkelsbühl) – Schüler des 1397 verstorbenen Reformtheologen Heinrich von Langenstein. 1395 wurde er magister artium, wohl 1398 theol. Bakkalaureus. 1401 fungierte N. als Rektor der Univ. Wien. Er verließ diese jedoch im ersten Halbjahr 1403, um – im Kreis von Freunden und Kollegen – dem benediktinischen Konvent von Subiaco beizutreten, der seit langem als Zentrum der benediktinischen Reformbewegung galt. Ob N. dort zum Abt gewählt wurde, sich aber gegen einen vom Papst protegierten ital. Konkurrenten nicht durchsetzen konnte, ist in der Forschung umstritten. Sicher ist, daß er sich – wieder in Begleitung seiner Gefährten – 1413 als Prior nach S. Anna in Rocca di Mondragone (von Subiaco abhängig) zurückzog.

    Schon zu Beginn des Konzils von Konstanz wurde N., auf Ansuchen Andreas Lascaris, des gewählten Erzbischofs von Posen, beauftragt, sechs seiner Mitbrüder zum Zweck der Ordensreform nach Polen zu senden. Er begleitete diese nach Konstanz. Einer Melker Tradition zufolge war er selbst dort unter den Kandidaten für die Wahl des Papstes (habuit multa vota ad papatum). Auch wenn diese Nachricht wohl nicht den Tatsachen entspricht, so spiegelt sie doch die hohe Verehrung, die er unter seinen Melker Ordensbrüdern genoß. In Konstanz wurde der Kontakt mit Nikolaus von Dinkelsbühl erneuert: Papst Martin V. beauftragte N. und mehrere von ihm auszuwählende Mitbrüder mit der durch Nikolaus von Dinkelsbühl und Hzg. Albrecht V. geforderten Reform der österr. Klöster. Schon in seiner Reformschrift „Reformationis methodus“ von 1415 hatte Nikolaus von Dinkelsbühl Herzog Albrecht V. vorgeschlagen, N. zur Durchführung der Reformen nach Österreich zu berufen. Im Juni 1418 traf N. mit seinen Brüdern, unter ihnen der spätere Melker Prior und wichtige Reformschriftsteller Petrus von Rosenheim (1380–1433), in Melk ein und wurde dort zum Abt ernannt. Von Melk aus setzte sich die Reform rasch durch, u. a. durch Visitationen zahlreicher Klöster, an denen anfangs z. T. auch N. selbst teilnahm. 1423 trat N. als Prediger gegen die Hussiten auf. Im Passauer Bistumsstreit stand er auf Seiten Hzg. Albrechts und war 1425 einer der Kandidaten des Herzogs für das Bistum. Den im Juni 1425 auf Bitten König Sigismunds ausgesprochenen Auftrag des Papstes, auch die Klöster Böhmens und Ungarns zu reformieren, konnte er nicht mehr wahrnehmen.

    N.s literarisches Vermächtnis ist bisher wenig erforscht. Seine Bedeutung liegt weniger in seiner Tätigkeit als Autor (die wenigen Werke gelten meist der Benedikt-Regel und ihrer Interpretation), als vielmehr in seiner Funktion als Motor der Reformbewegung. Er führte die aus Subiaco vertrauten „Consuetudines“ trotz anfänglicher Widerstände auch in Melk ein und legte damit den Grundstein zur Reform. Gemeinsam mit Nikolaus von Dinkelsbühl, Petrus von Rosenheim und Johannes Schlitpacher (1403–82) zählt N. zu den ersten Männern und führenden Gestalten der Reform. Weit über sein eigenes Kloster und den eigenen Orden hinaus gilt er auch heute noch als „zweiter Gründer“ (J. Angerer) des Klosters Melk.

  • Literatur

    I. F. Keiblinger, Gesch. d. Benedictiner-Stiftes Melk in Niederösterr. I, 1851, S. 482-506 (W);
    G. Koller, Princeps in ecclesia, Unterss. z. Kirchenpol. Hzg. Albrecht V. v. Österreich, in: AÖG 124, 1964;
    B. Frank, Subiaco, e. Reformkonvent d. späten MA, in: QFIAB 52, 1972, S. 526-656;
    J. Angerer, Die liturg.-musikal. Erneuerung d. Melker Reform, 1974, S. 44. ff.;
    M. Bruck, Profeßbuch d. Klosters Melk, 1. T. 1418–25, in: Stift Melk in Gesch. u. Gegenwart 4, 1985, S. 81-86 (W);
    dies. (M. Niederkorn-Bruck), Die Melker Reform im Spiegel d. Visitationen, 1994.

  • Autor/in

    Freimut Löser
  • Empfohlene Zitierweise

    Löser, Freimut, "Nikolaus Seyringer von Matzen" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 274 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102836426.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA