Lebensdaten
erwähnt 1483, gestorben 1517
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Drucker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102766193 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Furtter, Michael
  • Ferter, Michael
  • Furter, Michael
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Zitierweise

Furter, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102766193.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Hans, Buchdrucker u. Buchbinder, 1490 u. 1515 safranzünftig in Basel;
    Ursula;
    S Wolffgang, urkundl. 1517 im Ausland u. in Basel, schwört 7.12.1518 hier Urfehde, Buchdrucker.

  • Leben

    F. erwarb 1483 ein Haus, wurde 1486 safranzünftig und 1488 Bürger von Basel. Datierte Drucke gibt es erst seit 1489. Als Hauptsitz übernahm er 1491-98 und 1506-17 von der Schlüsselzunft den alten Buch- und Schreibladen an der Freien Straße, was auch auf umfänglichere buchhändlerische Tätigkeit schließen läßt. Die Buchbinderei wird er nur nebenbei beziehungsweise durch einen Knecht betrieben haben. – F. brachte aus Augsburg in das keineswegs bildfreundliche Basel den schwäbischen Illustrationssinn, und zwar in dem Maße, daß seine diesbezügliche Tätigkeit sogar internationales Gewicht erhielt. Bilderbände wie „Der Ritter von Turn“ des Chevalier La Tour Landry von 1493 und 1513, dessen Holzschnitte mit Recht dem jungen Dürer zugeschrieben wurden, die Etterlinsche Chronik der Eidgenossenschaft von 1507, die erste gedruckte der Schweiz überhaupt, mit den Illustrationen vom Monogrammisten DS, seine späteren Postillen des Guilelmus Parisiensis samt dem Anhang der Passio von Daniel Agricola, besonders diejenige von 1515, enthaltend die größeren Holzschnitte des Urs Graf, sind Spitzenleistungen der Buchkunst im Übergang von der Gotik zur Renaissance. Mehr nur lokal, aber reizvoll in ihrer spitzen silbernen Technik sind die eleganten Holzschnitte zu Meders (Mäders) Quadragesimale de filio prodigo, zuerst 1495, ferner die auf einem Blockbuch fußenden volkstümlichen Bilder zu den verschiedenen Ausgaben der Passio Meinradi und andere mehr. – Besonders wichtig ist F. als Drucker von Schulbüchern. Er hat da alles verlegt oder gedruckt von Cato, Compendium octo partium orationis, Donatus, Mathematica, Ebrardi, Facetus, Es tu scholaris?, Niavis, Quaestiones super Donatum, Regulae grammaticales antiquorum, Reisch's Enzyklopädie „Margarita philosophica“, Pseudo-Remigius bis zu den Vocabula pro iuvenibus. In dieser pädagogischen Richtung liegen auch seine wichtigen Musikdrucke, allen voran Sebastian Virdungs von Urs Graf illustrierte Musica. Daneben ist er „Allesdrucker“: besonders von Werken der Praxis in Jurisprudenz, Theologie, Liturgie und von Einblattdrucken jeder Art. – Seine illustrative Richtung und sein volkstümlicher Geschmack in noch rein spätgotischem Sinn brachten es mit sich, daß er seine Drucke auch in dekorativer Hinsicht reich ausstattete, ja manchmal überlud: die Accipiesbilder, Titelblätter, seine 5 Signete, 33 verschiedene Initialformen (zum Teil ganze Alphabete) schon im 15. Jahrhundert, Leisten und dergleichen. War der „Ritter von Turn“ für den Basler Drucker- und Verlegerherrn Bergmann von Olpe mit eigenen Holzschnitten versehen, so scheute F. sich im Notfall nicht, sich auch auswärts zu bedienen. So druckte er die Margarita philosophica für den Straßburger Drucker Johann Schott und lieh sich Straßburger Stöcke für seinen Herbarius. Der Basler Verleger- und Druckerkatalog kennt bisher 190 Drucke F.s, viele Unika.

  • Literatur

    ADB VIII;
    R. Wackernagel, Aktenslg. z. Basler Buchdruckergesch. (Hs., Basel, Staats-Archiv);
    ders., Gesch. d. Stadt Basel II/2, 1916, S. 612 f., III, 1924, S. 133, 140, 169, 173 f., 178, 185, 257, 260, 28*;
    K. Stehlin, Regg.1-3, 1888-91;
    P. Heitz-C. Chr. Bernoulli, Basler Büchermarken, 1895;
    E. Voulliéme, Die dt. Drucker d. 15. Jh., 21922;
    P. Koelner, Die Safranzunft zu Basel, 1935;
    ders., Die Zunft zum Schlüssel in Basel, 1953;
    ders., Die Buchbinder im alten Basel, in: Festschr. d. Buchbindermeisterver. beider Basel, 1934, S. 8; Drucklisten in: Basler Verleger- u. Druckerkat. (ungedr.
    , Basel, Univ.bibl.);
    C. W. Heckethorn, The printers of Basle, London 1897;
    R. Proctor, Index, II, ebd. 1898, u. F. Isaak-Proctor, Index, IV, 1938;
    K. Burger, Index, 1902;
    Cat. of books printed in the XVth Century now in the Brit. Mus. III, 1913. – Illustrationen: W. L. Schreiber, Manuel V, 1910 f.;
    A. Schramm, Der Bilderschmuck d. Frühdrucke, XXII, 1940. – Einzelwerke: W. L. Schreiber u. Paul Heitz, Die dt. Accipies u. Mag. cum discipulis-Holzschn., in: Stud. z. dt. Kunstgesch., H. 100, 1908;
    H. Koegler, Einige Basler Kal., in: Anz. f. schweizer. Altertumskde. NF 11, 1909;
    Cbl. f. Bibl.wesen 6, 1889, S. 25;
    D. Burckhardt, Albrecht Dürers Aufenthalt in Basel, 1892;
    R. Kautzsch, Die Holzschn. z. Rr. v. Turn, 1903;
    K. Pfister, Der Rr. v. Turn. 1922;
    L. Schrade, Seb. Virdung, Musica getutscht, Basel 1511, 1931;
    A. Pfister, in: Festschr. J. Brodbeck-Sandreuter, 1942, S. 345, 356, Tafel LVI. – Typen u. Initialen: K. Haebler, Typenrep., 1905 ff.;
    Monumenta, Tafel 233;
    Ges. f. Typenkde., Tafel 1021–29, 1031-33, 1073-76, 2279.

  • Autor/in

    Arnold Pfister
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfister, Arnold, "Furter, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 737 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102766193.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Furter: Michael F., Buchdrucker in Basel von 1494—1517. Durch einen Druckfehler auf dem von ihm gedruckten Werke: „Reformatorium vitae morumque“ etc., wo statt der Jahrzahl 1494 die Zahl 1444 steht, wurde er lange Zeit hindurch für den ersten Buchdrucker gehalten und daraus der Schluß gezogen, daß in Basel um dieses Jahr gedruckt wurde, während doch die Forschung festgesetzt hat, daß dort erst 1472 mit Bestimmtheit die Ausübung dieser Kunst nachweisbar ist. Erst dem bekannten Gelehrten Jacob Christoph Iselin, Doctor und Professor der Theologie in Basel, ist es gelungen, diesen Fehler zu entdecken und aufzuklären. Er hat den Beweis dafür in seinem historisch-geographischen Lexicon unter dem Artikel „Buchdrucker“ erbracht. F. druckte viele bedeutende Werke und verband sich im J. 1508 mit dem Buchdrucker Johannes Schott (Joannes Scotus) aus Straßburg, welcher vorher in Freiburg im Breisgau druckte, dann mit Furter gemeinschaftlich zu Basel und sich dann wieder von ihm trennte, indem er von 1510 an allein wieder in Straßburg druckte. Es gibt verschiedene Bücher, welche die Namen beider tragen. Ueber das Leben von Furter ist nichts bekannt geworden, außer daß er von Augsburg stammte, wie aus der Vorrede zu dem Druck: Guntherus, Opus pulcherrimum de tribus usitatis Christianorum actibus, Basileae 1507 hervorgeht, wo es heißt: „magister Michael cognomento Furter Augusta civitate progenitus ... ciuitatis Basilee ciuis“.

    • Literatur

      Stockmeyer und Reber, Basler Buchdruckergeschichte, S. 73—84. Panzer, Annalen der älteren deutschen Litteratur. Panzer, Annales typograph. Hupfauer, Druckstücke aus dem 15. Jahrh.

  • Autor/in

    Kelchner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kelchner, Ernst; Steiff, Karl, "Furter, Michael" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 251 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102766193.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA