Lebensdaten
1914 bis 2002
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Sankt Ingbert (Saarland)
Beruf/Funktion
Physiologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 102750079X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stämpfli, Robert

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Zitierweise

Stämpfli, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102750079X.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1875–1959), Dr. iur., Jur., übernahm 1904 d. väterl. Buchdruckerei in B. u. erweiterte d. Geschäft zu e. Verlag mit Schrr. z. schweizer. Recht, S d. Karl (1844–98), Buchdrucker, trat 1871 in d. väterl. Buchdruckerei ein, Stadtrat in B., 1878 Großrat u. 1884–93 Nat.rat, Verw.rat d. Kantonalbank (s. HLS), u. d. Emma Studer (1848–1930);
    M Leonie (1887–1963), T d. Edward Percival Kammerer (1854–1930);
    Urur-Gvv Gottlieb gen. Samuel (1770–1807, ⚭ Marie Albertine Ernst, 1784–1836, führte d. Druckerei ihres verstorbenen Ehemanns weiter), 1797 Nat.buchdrucker (Nachf. d. ehem. obrigkeitl. Buchdruckers) in B. (s. HLS);
    Ur-Gvv Karl Samuel (1806–64), Buchdrucker;
    Ov Rudolf (1881–1960), übernahm 1906 mit seinem B Wilhelm (s. o.) d. väterl. Buchdruckerei u. Verlag in B.;
    Genf 1941 Marie-Louise France (* 1914), T d. Jean Pierre Émile Vigne (1876–1943), Geschäftsführer, u. d. Marie Rey (1876–1958);
    2 S, 3 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Realschule des Städt. Gymnasiums in Bern und der Realmaturität 1933 begann S. das Studium der Elektrotechnik an der ETH Zürich, wechselte nach einem Semester zur Medizin und an die Univ. Bern, legte 1935 das Physikum ab und war zeitweise als Volontär am Physiologischen Institut bei Alexander v. Muralt (1903–90) tätig. Der anatomisch-physiologischen Prüfung 1937 folgten zwei klinische Semester in Bern und fünf in Genf. Nach dem Staatsexamen für Medizin fungierte S. 1941 als Assistent an der Hochalpinen Forschungsstation Jungfraujoch (3471 m) und leitete im Rahmen klimaphysiologischer Untersuchungen wiss. Expeditionen auf das Jungfraujoch. 1942 wurde er „Über den photochemischen Zerfall von Vitamin B 1, Thiochrom und Thiazol“ zum Dr. med. promoviert. In seiner Dissertation beschrieb er einen von ihm entdeckten Fluorkohlenwasserstoff mit dem Handelsnamen „Vitachrom“, der die Grundlage weiterer Arbeiten über Dithiazolyle bildete. Seit Okt. 1943 stellv. Direktor der Hochalpinen Forschungsstation, wechselte er nach zwei Jahren als Zweiter Assistent an das Physiologische Institut in Bern und wurde 1947 zum Oberassistenten befördert. Im selben Jahr erhielt er eine Einladung an das physiologische Labor der Univ. Cambridge (Großbritannien) und konnte dort seine Forschungen über einzelne markhaltige Nervenfasern zusammen mit Andrew F. Huxley (1917–2012) fortsetzen. 1949 habilitierte sich S. mit „Untersuchungen an einzelnen|markhaltigen Nervenfasern unter spezieller Berücksichtigung der Theorie der saltatorischen Erregungsleitung“ (in: Ergebnisse d. Physiologie 47, 1952, S. 70–165) an der Univ. Bern für das Fach Physiologie.

    1950 zum Sekretär der gemischten „Kommission für Höhenforschungsstationen“ der UNESCO gewählt, vertrat S. 1952/53 Muralt als Direktor des Physiologischen Instituts Bern und übernahm 1954 als o. Professor die Leitung des Physiologischen Instituts der Univ. des Saarlandes in Homburg/Saar (Dekan d. med. Fak. 1961/ 62). Dort entwickelte er seine neuartige „sucrose gap“-Methode zur Messung der durch verschiedene Ionenkonzentrationen und Pharmaka hervorgerufenen Membranpotentialänderungen an Nervenfasern. S. lehnte zahlreiche Rufe an dt. und ausländische Universitäten ab und baute sein Institut zu einem internationalen Zentrum der Nervenphysiologie aus. Sein Hauptverdienst ist die Entwicklung von Methoden zur Präparation einzelner, etwa ein hundertstel mm dicker Nervenfasern und zur Messung der elektrischen Spannungen, die an der Nervenfaser in Ruhe und Erregung auftreten. S. initiierte 1962 die Gründung eines zweiten physiologischen Instituts und konstituierte 1968 den von ihm geleiteten Sonderforschungsbereich „Membranforschung“, der in veränderter Form bis heute fortgeführt wird.

  • Auszeichnungen

    A Adolf-Fick-Preis d. Adolf-Fick-Stiftung (1959); Dr. h. c. (Poitiers 1966, Genf 1972, Birmingham, 1977); Ehrensenator d. Univ. d. Saarlandes (1988); Mitgl. d. Lepoldina (1983); Senator u. Mitgl. d. Hauptausschusses d. DFG (1973–79).

  • Werke

    mehr als 170 Publl., u. a. Beweis d. Saltator. Erregungsltg. in markhaltigen peripheren Nerven, in: Helvetica Physiologica Acta 6, 1948, S. C 22–24 (mit A. F. Huxley);
    Eine neue Methode z. Prüfung d. Einflusses gelöster Substanzen auf d. Form d. Aktionsstroms einzelner markhaltiger Nervenfasern, ebd. 13, 1955, S. 306–08;
    Evidence for saltatory conduction in peripheral myelinated nerve fibres, in: Journal of Physiology 108, 1949, S. 315–39 (mit A. F. Huxley);
    Die Ionentheorie d. Erregungsvorgangs u. ihre mögl. Zusammenhänge mit d. Biochemie, in: Archiv f. experimentelle Pathol. u. Pharmakol. 288, 1955, S. 29–46;
    Die Ionentheorie d. Erregung v. A. L. Hodgkin u. A. F. Huxley, in: Nova Acta Lepoldina NF 28, 1964, S. 49–64;
    A new voltage clamp method, in: H. Passow u. R. S. (Hg.), Laboratory Techniques in Membrane Biophysics, 1969, S. 171–75 (mit W. Nonner);
    Gating currents in exitable membranes, in: Internat. Review of Biochemistry, Biochemistry of cell walls and Membranes 19, 1978, S. 129–55 (mit B. Neumcke u. W. Nonner);
    Nachlaß:
    Archiv d. Univ. d. Saarlandes.

  • Literatur

    W. Müller, in: W. Haubrichs, W. Laufer u. R. Schneider (Hg.), Zw. Saar u. Mosel, FS f. Hans-Walter Herrmann z. 65. Geb.tag, 1995, S. 473–85;
    H. Meves, in: Saarländ. Ärztebl. 55, H. 7, 2002, S. 39 f. (P);
    ders. u. W. Müller, Aus d. Gesch. d. Homburger Physiol., ebd. 55, H. 8, 2002, S. 32–40 (P);
    Schweizer Lex.;
    Pogg. VII a, VIII.

  • Autor/in

    Wolfgang Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Wolfgang, "Stämpfli, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 27-28 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102750079X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA