Lebensdaten
erwähnt 1522, gestorben 1526
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Formschneider
Konfession
katholisch,evangelisch?
Normdaten
GND: 102560722 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leuczellburger, Hans
  • Leuczellburger genannt Franck, Hans
  • Franck, Hans (genannt)
  • mehr

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Zitierweise

Lützelburger, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102560722.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Wohl aus d. Hzgt. Lützelburg (Luxemburg) stammend, vielleicht aus d. Herrschaft Lützelburg (Elsaß) od. d. Dorf Lützelburg b. Augsburg.

  • Leben

    Biographisch wie künstlerisch sind nur die vier, eventuell auch zwölf letzten Lebensjahre L.s erschließbar. Vermutet wird die Identität des Formschneiders, der in Augsburg 1514-17 mit HF signiert, was dann als Hans Franck aufzulösen wäre, mit L., der 1522 in Augsburg oder Mainz und Ende 1522-24 in Basel mit HLF (F = Formschneider), HL oder gar vollem Namen signiert hat. 1514 sind zwei Holzschnitte nach Zeichnungen des Augsburgers Hans Schäufelein im „Plenarium“ Adam Petris in Basel mit HF signiert. L. und ein Unbekannter mit der Signatur MA dürften sich dann auch in den Schnitt der unsignierten Holzschnitte geteilt haben. Von November 1516 bis August 1517 sind über ein Dutzend Stöcke nach Zeichnungen von Leonhard Beck zur Genealogie sowie zum Triumphzug Maximilians rückseitig ebenso oder mit Namen Francks bezeichnet. Der nach Nic. Hogenberg geschnittene Einblattholzschnitt eines Kampfes nackter Männer mit Bauern in einem Wald (mit möglichen Porträts beider Künstler) ist in einigen Exemplaren mit einem zugehörigen Lobgedicht auf die Malerei und den Formschnitt (in Augsburger Lautung) ohne Datum wohl in Augsburg, in andern mit einem Adreßtäfelchen unter dem dann erst außerhalb Augsburgs|geführten Namen Hanns Leuczellburger Furmschnider 1522 und einem Musteralphabet zusammen wohl in Mainz gedruckt. Hier erscheint auch 1522 bei Johann Schöffer ein Schmuckalphabet mit H. L. F. – signierter Initiale L.s L. Vermutlich auch hier entstanden und gedruckt sind die beiden Alphabetmustertafeln in Berlin, die eine signiert und datiert HLF und 1522, die andere mit HLF und verstecktem G des Zeichners GZ im Z. Aus der Zwischenzeit ist nichts bekannt. Möglicherweise hat L. 1517/18 in Hagenau für Thomas Anshelm neben MV einige der ebenso feinen Schnitte für Benediktiner Missale, Plinius u. a. nach Zeichnung des GZ ausgeführt.

    Erste L. zugeschriebene Arbeit in Basel ist die Petrus/Paulus-Titeleinfassung zu Luthers deutschem Neuem Testament bei Adam Petri Dezember 1522, dann diejenige mit Cleopatra und Dionysius von Syrakus bei Froben Februar 1523, beide, wie weiter fast alle späteren Schnitte L.s in Basel, nach Hans Holbein. Signiert ist zuerst (H. L. FVR) die Titeleinfassung zum Neuen Testament bei Thomas Wolff im August 1523 (bei ihm Ende 1523 auch 11 Holzschnitte zum Alten Testament), dann das Alphabet mit Todesdarstellungen bei Johann Bebel und Andreas Cratander seit August 1524 mit daneben erhaltenem Probeblatt mit beigedruckter voller Signatur Hanns Lützelburger formschnider genant Franck. Nach weiteren Titeleinfassungen, Initialenalphabeten, Textholzschnitten (u. a. zu Petris Altem Testament 1523: drei nach Holbein, 1 nach Conrad Schnitt) und Druckersigneten sind zuletzt 1526 die Holzschnitte des Lichts des Evangeliums für Kalender Zwinglis auf 1527 und des politischen Ablaßhandels für Froschauer in Zürich entstanden sowie die 41 noch geschnittenen der mindestens 53 Stöcke der Todesbilder, die der Lyoner Drucker Melchior Trechsel spätestens 1525 bei L. in Basel bestellt haben dürfte und aus seinem Nachlaß am 23.6.1526 als schon bezahlt zugesprochen erhalten hat. Wie bis 1524 in Basel auch die Metallschneider Jacob Faber (aus Lothringen, IF) und CV, hat auch L., als der Unternehmer der Illustration, häufiger signiert als der Reißer Holbein. 1524 dürfte L. eine Medaille für den jungen Hzg. Christoph von Württemberg geschnitten haben. Kennzeichnend für L.s Stil ist sein Eingehen bis zur Verleugnung einer eigenen Typik auf den Stil der Vorzeichnung des jeweiligen Reißers, von der spätestgotischen Gebrochenheit der wenig ausdrucksvollen Formen Schäufeleins und Becks über die ausdrucksstark dramatisierende feingliedrige Zeichnung Hogenbergs und des GZ bis zur neuen kühlen Zurückhaltung der Form im Ausdruck der Sachlichkeit Holbeins. Wegen der Qualität der Ausführung bedeutender Vorlagen und der größen Menge seiner Arbeiten ist L. als einer der größten Formschneider des 16. Jh. anzusehen.

  • Literatur

    ADB 19;
    J. D. Passavant, Le peintre-graveur III, 1862, S. 362-76, 442-47;
    G. K. Nagler, Die Monogrammisten III, 1863, Nr. 896 (2 u. 6), 903, 1241;
    A. Bartsch, Le peintre-graveur VII, 1866, S. 235-37;
    H. A. Schmid, Holbeins Thätigkeit f. d. Baseler Verleger, in: Jb. d. Kgl. Preuß. Kunstslgg. 20, 1899, S. 233-62;
    C. Dodgson, H. L. and the Master N. H., in: Burlington Magazine 10, 1906/07, S. 319-22;
    ders., Catalogue of early German and Flemish woodcuts pres. in the Dep. of prints and drawings in the Brit. Mus. 2, 1911, S. 31 u. 195-201;
    Die Malerfam. Holbein in Basel, Ausst.kat. Basel, 1960, Nr. 380 ff.;
    M. C. Oldenbourg, Die Buchholzschnitte d. Hans Schäufelein, 1964, Tafel 74 u. 77;
    M. Geisberg, The German single-leaf woodcut: 1500-50, 1974, 3, Tafel 888;
    Oberrhein. Buchill., 2: Basler Buchill. 1500–45, Ausst.kat. Basel, 1984, S. XXX u. a.;
    ThB (auch unter Hans Franck).

  • Autor/in

    Frank Hieronymus
  • Empfohlene Zitierweise

    Hieronymus, Frank, "Lützelburger, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 488 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102560722.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lützelburger: Hans L. heißt der vorzügliche Formschneider, dessen kunstgeübte Hand der Nachwelt eine namhafte Anzahl historischer Compositionen Holbein's in Holzschnitten von wunderbar feiner und verständnißvoller Ausführung überliefert hat, welche durch ihre rasche und ausgedehnte Verbreitung zum Ruhm des großen Malers kaum weniger beitrugen, als dessen Meisterwerke des Pinsels. Gleich Holbein scheint L. von Augsburg aus in Basel eingewandert zu sein. Das früheste Vorkommen seines Namens findet sich auf einem Holzschnitt Augsburger Ursprungs, welcher einen Kampf von Bauern gegen nackte Männer in einem Walde darstellt. Im Rande dieses seltenen Blattes liest man: Hanns Leuczelburger Furmschnider 1522. Eine andere Arbeit, die uns seinen vollen Namen Hanns Lützelburger, Formschnider, genannt Frank, überliefert, besteht in einem Uncialalphabet mit Todtentanzdarstellungen, deren Zeichnungen Holbein's Meisterhand verrathen. Der Schnitt dieser kaum zollgroßen Bildchen ist von unübertroffener Feinheit, und dies gilt auch von zwei anderen Alphabeten kleineren Formats, wozu ihm Holbein die Zeichnungen lieferte, das eine mit Bauernscenen, das andere mit spielenden Kindern. Als 1523 Thomas Wolff zu Basel eine deutsche Bibel nach Luther's Uebersetzung druckte, zierte er dieselbe mit einigen Holzschnitten, welche L. nach Zeichnungen Holbein's fertigte, und wovon das Titelblatt mit Scenen aus den Evangelien und der Apostelgeschichte mit den Initialen seines Namens H. L. FVR. (Furmschnider) versehen ist. Wichtiger für ihn wurden die Aufträge, welche er von den Lyoner Buchdruckern Melchior und Caspar Trechsel erhielt. Er fertigte nämlich für dieselben die beiden berühmten Holzschnittfolgen, die Bilder des alten Testaments und die Todesbilder, wozu ihm Holbein die Vorzeichnungen lieferte. Erstere Folge, 91 Bilder, wovon jedoch mehrere von weit geringerer Hand sind, erschienen 1538 in einer Folio-Ausgabe der Vulgata, und gleichzeitig in einem besonderen Büchlein, betitelt: „Historiarum veteris Instrumenti Icones ad vivum expressae“.|Daß indeß schon viel früher in Basel gefertigte Probedrucke davon existirten, beweisen die Copien nach denselben in einer Zürcherbibel von 1531. Die Folge der Todesbilder erschien gleichfalls erst 1538, wiewohl die Holzstöcke bereits seit 1526 in den Händen der Lyoner Verleger waren. In diesem Jahre starb nämlich L. zu Basel, worauf jene die Auslieferung der Holzstöcke, auf welche sie Vorschüsse gemacht hatten, forderten und erlangten. Da aber L. von den 53 von Holbein vorgezeichneten erst 41 vollendet hatte, so sahen sich die Verleger, wie aus der Vorrede hervorgeht, für den Schnitt der 17 übrigen lange vergeblich nach einem eben so geschickten Formschneider um, und mußten sich endlich entschließen, nur die 41 von L. geschnittenen herauszugeben. Erst 1545 erschien die 5. Auflage mit einer Vermehrung von 12, und 1562 die 10. mit einer solchen von 17 Bildern. Bekanntlich giebt es auch von den 41 von L. geschnittenen Todesbildern Probedrucke, welche in Basel vor deren Absendung nach Lyon gefertigt wurden. — Noch eine Anzahl anderer Holbein'scher Compositionen schnitt L. So darf unter anderen das schöne aber seltene Blatt mit der Satire auf den Ablaßkram, obschon mit keinem Monogramm bezeichnet, ihm dennoch mit Sicherheit zugeschrieben werden; denn hier, wie in allen seinen Arbeiten wußte er den Strich des Meisters mit solcher Genauigkeit wiederzugeben, daß die Ansicht, Holbein habe selbst das Schneidemesser geführt, lange Zeit von bedeutenden Kennern, wie z. B. Rumohr, verfochten wurde, bis die neueren Forschungen dem bescheidenen L. wieder zu seinem ihm gebührenden Recht verhalfen.

    • Literatur

      Woltmann, Holbein und seine Zeit. His, Hans Lützelburger, in Zahn's Jahrb. f. Kunstwiss. Bd. III, S. 164. Sotzmann, H. Holbein's Altes Testament.

  • Autor/in

    Eduard , His.
  • Empfohlene Zitierweise

    His, Eduard, "Lützelburger, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 718-719 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102560722.html#adbcontent

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