Lebensdaten
1816 bis 1877
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Opernsängerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116137452 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lutzer, Jenny (geborene)
  • Dingelstedt, Jenny von (verheiratete)
  • Dingelstedt-Lutzer, Jenny von
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Zitierweise

Dingelstedt-Lutzer, Jenny von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116137452.html [19.09.2019].

CC0

  • Leben

    Lutzer: Jenny L., Bühnensängerin, „die böhmische Nachtigall“ und „Trillerkönigin“ genannt, geb. am 4. März 1816 zu Prag, starb am 2. Oct. 1877 zu Wien. Die vortreffliche Coloratursängerin genoß schon als 13jähriges Mädchen den Gesangsunterricht der vormaligen Sängerin am Wiener Hoftheater, Frau Zomb, geb. Tauber, welche jener Zeit als Gesanglehrerin am Prager Conservatorium angestellt war. Schon damals erregte Jenny in einem Concert ihrer Lehrerin außergewöhnliches Aufsehen und ward als zweite Henriette Sontag bezeichnet. Darauf nahm sie bei dem berühmten Gesanglehrer Cicimara Unterricht und vetrat im Mai 1832 zum ersten Mal die Prager Bühne in der Titelrolle von Rossini's „Fräulein vom See“. Der glänzende Erfolg dieses Abends entschied sofort für ihr Engagement und begründete ihre Beliebtheit bei dem Prager Publikum. Noch in demselben Jahre war sie dazu ausersehen, bei den aus Anlaß der Monarchenzusammenkunft in Teplitz veranstalteten Concerten mitzuwirken und als sie wenige Jahre später ein Engagementsanerbieten nach Wien erhielt, machte man die außergewöhnlichsten Anstrengungen sie an ihre Vaterstadt zu fesseln. Director Stöger bot ihr eine Erhöhung ihrer Gage an, Fürst Rohan sicherte ihr eine jährliche Apanage von 2000 fl. zu, doch all' das konnte sie nicht fesseln und so ging sie 1836 nach Wien an das Kärntnerthortheater mit einer jährlichen Gage von 16 000 fl. C.-M. Hier wirkte sie, bald zur Kammersängerin ernannt, mit kurzer Unterbrechung (1844) bis 1846. Während der Ferien gastirte die Künstlerin auf den meisten großen Bühnen des Continents, 1842 mit besonderem Beifall in London. 1843 heirathete sie Franz v. Dingelstedt und lebte an dessen Seite in Stuttgart. München und Weimar und als er nach Wien zurückkehrte, wieder daselbst. Noch 1848/49 wird sie als Gast des Prager Theaters erwähnt, zog sich dann aber bald ganz von der Bühne zurück. Man prägte damals ihr zu Ehren eine Medaille, welche auf dem Avers den Kopf mit der Umschrift Jenny Lutzer, auf|dem Revers ein blumenbekränztes Notenheft mit umstrahlter Lyra, Lorbeerkranz, Gesichtsmaske und der Umschrift „DER KUNST UNERSETZLICH. DEN WIENERN UNVERGESSLICH zeigt. Auch wurde ihr Medaillonporträt in der ersten Gallerie des Wiener Opernhauses angebracht. Die L. ist im colorirten Gesang nur von der Patti erreicht worden. Sie war in ihrer Glanzzeit unübertroffen, einzelne ihre Partien wie die „Prinzessin“ in Robert, die „Königin“ in den Hugenotten sind nie vollkommner gegeben worden. Ihre Stimme hatte einen ganz eigenthümlichen zum Herzen sprechenden Schmelz und die Bravour, mit der sie die schwierigsten Passagen spielend hervorbrachte, war ganz außerordentlich. Kenner verglichen ihre Stimme mit dem süßen Wohllaut der Flöte, der unwiderstehlich wirkt. Als Schauspielerin war die L. nur von mittelmäßigem Talent, für heroische Partien fehlte ihr die Kraft der Darstellung ganz. Zu ihren Glanzleistungen zählten neben den erwähnten Adina (Liebestrank), Nachtwandlerin, Zerline (Fra Diavolo), Giulietta (Bellini's Romeo und Julie), Camilla (Zampa) etc. Nach ihrem Rücktritt von der Bühne spielte sie auch im gesellschaftlichen Leben Wiens eine Rolle, in ihrem vielbesuchten Salon als liebenswürdige Wirtihn gefeiert.

  • Autor/in

    Joseph , Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph; Lier, H. A., "Dingelstedt-Lutzer, Jenny von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 719-720 unter Lutzer [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116137452.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dingelstedt: Jenny D.-Lutzer, die Gemahlin Franz Dingelstedt's, war vor ihrer Verheirathung eine der gefeiertsten deutschen Bühnensängerinnen, deren Berühmtheit derjenigen Henriette Sontag's kaum nachstand. Sie wurde als die Tochter eines wohlhabenden Tischlermeisters am 4. März 1816 in Prag geboren und erhielt schon frühzeitig Gesangsunterricht. Um sie durch Cicimara ausbilden zu lassen, zog der Vater für einige Zeit nach Wien. Später nahm sie in Prag bei Mad. Zomp-Teyber Gesangsunterricht. Schon bei ihrem ersten Auftreten in einem Concert in Prag im J. 1829 erregte sie durch ihre brillante Coloratur und ihre glockenreine Stimme Aufsehen. Ihr erstes Debut auf der Bühne zu Prag erfolgte am 12. Mai 1832 als Helene in der Oper „Das Fräulein am See“. Bald wurde sie neben der Podhorsky der Liebling des Prager Publicums. Besonders glanzvoll war ihr Auftreten als Norma; sie riß mit dieser Leistung das Publicum zu begeistertsten Beifallsstürmen hin. Es war daher ein harter Schlag für die Prager Bühne, als sie sich im J. 1836 entschloß, einen Ruf an die Wiener Hofoper anzunehmen. Am 6. Juni 1837 nahm sie bei einem vollen Haus und unter anhaltendem Applaus Abschied von den Pragern, die sie bei ihrer Wiederkehr zu einem Gastspiel im J. 1839 aufs neue mit Jubel begrüßten. In Wien bezog sie das hohe Jahresgehalt von 16 000 fl. C.-M. Auch hier wurde sie bald der Star des alten Kärnthnerthortheaters und so beliebt, daß man ihr bei ihrem Abschied von der Bühne im J. 1844 eine Medaille mit der Umschrift überreichte: „Der Kunst unersetzlich, den Wienern unvergeßlich“. Dieser Abschied erfolgte infolge ihrer Verheirathung mit Dingelstedt, der sie während ihres Gastspieles in London kennen gelernt hatte und ihr im Herbste 1842|nach Wien nachreiste. Erst nach Ueberwindung von allerlei confessionellen und anderen Hindernissen konnte die Vermählung in Wien am 27. April 1844 vollzogen werden. Dingelstedt's Frau verließ die Bühne für immer und folgte ihm in seine verschiedenen Stellungen nach Stuttgart, München, Weimar und nach Wien, wo sie in der Nacht vom 2. zum 3. October 1877 starb. Dingelstedt verehrte seine Gattin, die Mutter seiner Kinder, bis zur letzten Stunde und besang sie in einer langen Reihe von Liebesliedern. Sie verdiente diese seine Zuneigung, „denn sie wurde dem Angefeindeten und viel Geschmähten als Freundin, als Braut und Gattin eine starke und treue Stütze“.

    • Literatur

      Vgl. Almanach d. Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. Hrsg. von Ernst Gettke. 7. Jahrg. 1879. Berlin o. I., S. 127—128. — Deutscher Bühnen-Almanach, 42. Jahrg. Hrsg. von A. Entsch. Berlin 1878, S. 130—131. — Julius Rodenberg, Heimatherinnerungen an Franz Dingelstedt und Friedrich Oetker. Berlin 1882, S. 141—147; —
      ders., Franz Dingelstedt. Blätter aus seinem Nachlaß. Mit Randbemerkungen. Berlin 1891. Bd. I, S. 204—214; Bd. II, 12—31. — Oscar Teuber, Geschichte d. Prager Theaters. III. Theil. Prag 1888. (Register.)

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    CC-BY-NC-SA