Lebensdaten
1657 bis 1729
Geburtsort
Braunschweig
Sterbeort
Greifswald
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 102430551 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gebhardi, Heinrich Brandanus

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Zitierweise

Gebhardi, Heinrich Brandanus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102430551.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Braunschweiger Pastorenfam.;
    V Andreas (1617–69), Pfarrer an St. Martin in B., S d. Pfarrers Andreas u. d. Katharina Voigts;
    M Rosina Marg. ( 1699). T d. Pastors Veit Trost in Ellinghausen (Nachkomme d. syr. Sprachforschers Martin T., 1636, s. ADB 38) u. d. Rosina Tornarius;
    B Joh. Albert (1663–1710), Rektor d. Katharineums in B., Gg. Christoph (1667–93), Prof. d. Math. in G. (s. ADB VIII); | 1) 1690 Gertrud (1666–91), T d. Christoph Helwig (1642–90), Prof. d. Med. in G., u. d. Anna Regina Heunen, 2) 1693 Margarete (1673–95), T d. Pfarrers Mag. Joh. Zeidler in Gnoien u. d. Margarete Neukranz, 3) 1698 Sophia (* 1672), T d. Joachim Schwarz, Ratsherr u. Kämmerer in Stralsund, u. d. Sophie Schlichtkrull;
    1 T aus 1) Anna Rosina (⚭ Jac. Heinr. v. Balthasar, 1690–1763, Gen.sup. u. Prof. d. Theol. in G., s. ADB II), 1 S aus 2) (jung †), 2 S, 1 T aus 3), u. a. Brandanus Heinr. (1704–84), Sup. in Stralsund, Vf. math. u. physikal. Schrr. (s. Pogg. I);
    N Joh. Ludw. Levin (1699–1764), Geschichtsforscher (s. ADB VIII);
    E Wilhelmine Sophie (⚭ Joh. Joachim Spalding, 1804, ev. Theol.);
    Groß-N Ludw. Albrecht (1735–1802), Bibliothekar, Gesch.forscher (s. ADB VIII).

  • Leben

    In Braunschweig vorgebildet, studierte G. 1676-79 in Jena Theologie, dann als Hauslehrer bei dem Kanzler Grafen J. A. Kielmannsegge in Hamburg Orientalia, vor allem unter Anleitung von Esra Edzardi, später sogar als dessen Hausgenosse. Dank des lübischen Stipendium Schabbelianum konnte er in Kiel seine Kenntnisse vertiefen, so daß er 1686 die Greifswalder Professur für orientalische Sprachen erhielt. Nach persönlicher Begegnung mit Spener 1691 überzeugte er sich, daß die wesentliche Übereinstimmung von dessen Pietismus mit der Orthodoxie seine Verketzerung nicht rechtfertige. 1699 zugleich Mitglied der theologischen Fakultät geworden, 1702 Doctor theologiae, 1704 ordentlicher Professor und Pastor an Sankt Jacobi, wurde er daher von dem bedeutenden, aber herrschsüchtigen Generalsuperintendenten Johann Friedr. Mayer scharf bekämpft. Entsprechende Angriffe seines Kollegen Johann Ludwig Würffel, vor allem aber des Mathematikers Jerem. Papke gegen die unter G.s Einfluß immer mehr dem gemäßigten Pietismus sich öffnende theolologische Fakultät erhielten durch innerschwedische Parallelerscheinungen, königliches Verbot des Pietismus und die Frage, ob den Pietisten der Schutz des Augsburger Religionsfriedens gelte, ihr Gewicht; sie gefährdeten das Ansehen der Universität schwer und wurden erst 1730 durch königlich-schwedische Entscheidung beendet. Als Alttestamentler, Prediger und Kirchenmann gleich angesehen, so daß ihn die dänische Interimsregierung von 1712 beziehungsweise 1716-21 mit der Generalsuperintendentur für Schwedisch-Pommern betraute, hat G. so vorsichtig wie stetig an einer gemäßigt pietistischen Vertiefung der theologischen Kontroversen der Zeit gearbeitet.

  • Werke

    Gründl. Einl. in d. 12 kleinen Propheten nebst e. Vorrede v. d. Lebens-Lauff u. gesammten Schrr. d. sel. Herrn Autors, mit Einl. hrsg. v. N Jul. Just. Gebhardi, Braunschweig 1737 (W-Verz., P).

  • Literatur

    ADB VIII;
    J. A. Helvigius, Programma … ad exequias B. H. G., Greifswald 1729 (W-Verz., einschl. Mss.);
    Greifswaldisches Wochen-Bl. 1743, S. 227-37;
    H. Lother, Pietist. Streitigkeiten in Greifswald, 1925;
    H. Heyden, KG Pommerns II, 21957. - Zur Geneal.: P. J. Rehtmeyer, Der berühmten Stadt Braunschweig Kirchen-Historie IV, Braunschweig 1715;
    R. v. Thadden, Die Brandenburg.-Preuß. Hofprediger im 17. u. 18. Jh., 1959;
    Dt.GB 29 u. 68.

  • Portraits

    Ölbild (Greifswald, Univ.).

  • Autor/in

    Ernst Kähler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kähler, Ernst, "Gebhardi, Heinrich Brandanus" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 118 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102430551.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gebhardi: Heinrich Brandanus G., geb. am 6. Novbr. 1657 in Braunschweig, am 1. Dec. 1729 als erster Vertreter von Spener's Schule an der Greifswalder Universität von Wichtigkeit. Von seinem Vater, Andreas G., Pastor der Martinskirche, und anderen Theologen, namentlich dem späteren Pastor an der Petrikirche zu Berlin, L. H. Ihering vorgebildet, studirte er seit 1676 in Jena besonders unter Valentin Weltheim und Friedemann Bechmann Philosophie und Theologie. In der Folge widmete er sich, während er die Erziehung der Söhne des Kanzlers J. A. von Kielmannsegge in Hamburg leitete, ebendaselbst unter dem berühmten Orientalisten E. Edzardi und später in Kiel, wo er auch Kortholt, Franck und Opitz hörte) unter Wasmuth dem Studium der orientalischen Sprachen; als die Professur dieses Faches in Greifswald durch Läkerwitz' Abgang zur Präpositur in Loitz 1685 erledigt wurde, erhielt G. diese durch Edzardi's Empfehlung und trat sie 1687 mit einer Rede „De usu et scopo literaturae hebraicae“ an. 1699 zum Magister und 1702 zum Doctor der Theologie promovirt, erhielt er, obwol die drei Professuren der Theologie beseht waren, dennoch durch Verwendung des Generalsuperintendenten J. Fr. Mayer, welcher seine Fähigkeiten besonders hochschätzte, eine 4. Professur und 1705 nach Hennig's Tode auch das Pastorat an der St. Jacobikirche. Schon in Hamburg von den Anschauungen des älteren Pietismus, welcher das Wesen der Religion in die Frömmigkeit des Gemüthes und Reinheit der Sitte legt, ergriffen, lernte er auf einer Reise, welche er nach dem Tode seiner ersten Gattin im J. 1691 zur Aufrichtung seiner Seele unternahm, Ph. Jac. Spener in Berlin kennen und schloß mit demselben nicht nur eine persönliche Freundschaft, sondern unterzog auch, von ihm angeregt, die Lehren des Pietismus einer genaueren Prüfung, welche sie ihm nicht nur mit der bisher in Greifswald unter Rango und J. Fr. Mayer herrschenden Orthodoxie als gleichberechtigt, sondern oft auch denselben überlegen erscheinen ließen. So lange Mayer lebte, vermied er es aus Dankbarkeit gegen seinen Gönner, mit seinen gegnerischen Anschauungen hervorzutreten, nach dessen Tode jedoch im J. 1712 lehrte er sie offen in Vorlesungen und Schriften und gerieth dadurch in heftigen Streit mit seinem Amtsgenossen Würffel. Die während des nordischen Krieges von 1712—21 eingesetzte dänische Regierung begünstigte aber den Pietismus in so hohem Grade, daß sie G. zum Generalsuperintendenten an Mayer's Stelle ernannte. Nach der theilweisen Rückkehr Vorpommerns unter schwedische Herrschaft im Stockholmer Frieden 1721 wurde jedoch die Orthodoxie wieder höher geschätzt und Alb. Joach. von Krackewitz an Gebhardi's Stelle berufen. Indeß dieser führte sein theologisches Lehramt fort und gerieth aufs neue in heftigen Streit mit dem Professor Jer. Papke, welcher noch nach seinem Tode im J. 1729 fortdauerte. Seine zahlreichen von Biederstedt|(Nr. 1—65) aufgezählten Schriften betreffen namentlich die Exegese des alten Testamentes. — Sein Sohn, Brandanus G., geb. 1704, 1784, studirte in Greifswald und Jena, hielt anfangs Vorlesungen in der philosophischen Facultät zu Greifswald, wurde dann 1733 Diacon in Bergen und später (1737) Pastor und Superintendent an der Marienkirche in Stralsund. — Sein Enkel, Bogislaw Heinrich G., geb. 1737, 1818, war Pastor an der Nicolaikirche zu Stralsund.

    • Literatur

      B. H. Gebhardi's Leben in Balthasar's Gr. Wochenblatt S. 227—37. — Balthasar, Sammlungen zur Pom. Kirchenhistorie II, 823. —
      Kosegarten, Geschichte der Universität I, 269, 278. —
      Pyl, Pom. Geschichts-Denkmäler V, S. 39 ff. — Biederstedt's Nachrichten von dem Leben und den Schriften neuvorpommerisch-rügenscher Gelehrten. 1824. S. 63 ff.

  • Autor/in

    Häckermann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Häckermann, Adolf, "Gebhardi, Heinrich Brandanus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 481-482 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102430551.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA