Lebensdaten
gestorben nach 1500
Geburtsort
Delitzsch bei Leipzig
Sterbeort
wahrscheinlich Lübeck
Beruf/Funktion
Drucker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102429642 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leszsch, Lucas von
  • Lucas von Leszsch
  • Schaß, Lucas von
  • mehr

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Zitierweise

Brandis, Lucas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102429642.html [20.11.2018].

CC0

  • Leben

    Wo B. die Buchdruckerkunst erlernt hat, ist unbekannt. Anfang der 70er Jahre führte er sie in Merseburg ein; sein erster datierter Druck ist (Pseudo-) Augustinus „De quaestionibus Orosii“ vom 3.8.1473 (GW 2991 [ = Gesamtkatalog der Wiegendrucke]). Noch im Spätjahr 1473 übersiedelte er nach Lübeck, wohl deshalb, weil er in der wohlhabenden Handelsstadt, die bisher noch keine Druckerei besaß, auf bessere Absatzmöglichkeiten hoffte. Seine bedeutendsten Drucke sind die lateinische Ausgabe des Flavius Josephus (Hain 9450) und das „Rudimentum novitiorum“ (vollendet am 5.8.1475, Hain 4996), eine in|Lübeck wahrscheinlich von einem Geistlichen verfaßte Weltgeschichte. Beide Werke sind mit geschmackvollen Randleisten und Initialen geschmückt; das „Rudimentum“ weist überdies zahlreiche Holzschnitte auf, die von einem Meister herrühren, der unter niederländischen Einflüssen stand. Text und Illustrationen wurden die Vorlage für die berühmte 1488 von Pierre Le Rouge in Paris gedruckte Weltchronik „La mer des hystoires“. Für die lesekundigen Laien der norddeutschen Städte druckte B. eine stattliche Anzahl Bücher in niederdeutscher Sprache, die der religiösen Erbauung und der Unterhaltung dienten, wie einen niederdeutschen „Seelenwurzgarten“, „Spegel der menschlichen Behaltnisse“, „De nye Ee“ (GW 9253), die „Revelationen“ (niederdeutsch) der heiligen Birgitta im Auszug (GW 4393), „Passional“ (nach Jacobus de Voragine), „Van Alexandro deme groten Koninge“, Guido de Columnas „Historie van der verstoringe der stat Troye“; auch der älteste Druck in niederdeutscher Sprache, ein Psalter, stammt aus seiner Presse. Ein Teil dieser Drucke wurde früher einem anonymen „Drucker des Fliscus“ zugeschrieben. 1480 war B. als Schriftgießer für Bartholomaeus Ghotan in Magdeburg tätig. Nach Lübeck zurückgekehrt, druckte er 1483 ein Meßbuch für das Bistum Odense und 1497 (gemeinsam mit seinem Bruder Matthaeus) ein Brevier für Odense (GW 5419). Sein letztes datiertes Buch erschien 1499. Am 15.7.1500 wird er noch in einem Gerichtsprotokoll genannt, aus dem hervorgeht, daß er Schulden halber Lübeck nicht verlassen durfte. Trotz beachtlicher Leistungen war ihm, wie so vielen Druckern des 15. Jahrhunderts, ein dauernder wirtschaftlicher Erfolg versagt geblieben. Eine von ihm und den anderen B. ausgebildete rundgotische Schriftart, die „B.type“, fand bei norddeutschen Druckern weite Verbreitung.

  • Literatur

    Dt. Buchdruck im Jh. Gutenbergs, 1940, S. 42;
    A. W. Kazmeier, Eine bisher unbek. Buchhändleranz. u. a. frühe Drucke d. L. B. aus einer alten Schloßbibl., in: Zbl. f. Bibl.wesen 57, 1940, S. 292 bis 299;
    Borchling-Claussen, Niederdt. Bibliogr., Nr. 1, 3, 5, 8, 15, 20, 22, 24, 25, 28, 29, 30, 31, 33, 34, 35, 38, 39, 40, 41, 42, 67, 68.

  • Autor/in

    Ferdinand Geldner
  • Empfohlene Zitierweise

    Geldner, Ferdinand, "Brandis, Lucas" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 525 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102429642.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Brandis: Lucas B. (kommt auch unter der Bezeichnung „von Schaß und von Leszsch“ vor), Buchdrucker aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, gebürtig aus Delezsch (Delitzsch?), erscheint zuerst im Jahre 1473 in Merseburg, wo er die erste Buchdruckerei gegründet hat und die Werke „S. Augustini liber de quaestionibus Orosii“ 4. — „Lapidarius Aristotelis de novo a graeco transl. Liber de phisonomia regia“ 4. veröffentlichte. Im Jahre 1475 siedelte B. nach Lübeck über, errichtete auch hier die erste Buchdruckerei und lieferte in demselben Jahre das Prachtwerk „Epithome Historiarum ac Chronicarum dictum: Rudimentum Noviciorum“ in gr. Folio, ein ganz vortrefflich ausgeführter Druck mit Holzschnitten. Brandis' Thätigkeit in Lübeck läßt sich bis 1499 verfolgen, er verband sich etwa ums Jahr 1480 mit Bartholomäus Ghotan und druckte gemeinschaftlich mit diesem das „Missale ecclesie Magdeburgensiß“ 1480 Folio, und die „Revelationes celestes S. Brigitte de Swecia“ 1492 Folio. — Ein in den Jahren 1485—86 in Lübeck ebenfalls thätiger, sonst unbedeutender Drucker Matthias B. ist nicht mit ihm zu verwechseln; ebenso die in Leipzig thätig gewesenen Marcus und Moritz Brandis (auch Brand oder Brander). Aus des ersteren Officin ist heute nur ein Buch bekannt unter dem Titel „Vetularius“ oder „Regimen sanitatis“ vom Jahre 1484, weshalb er von Einigen für identisch gehalten wird mit Moritz B., der etwa 1488 in Leipzig thätig war. Diesem wird das Buch zugeschrieben „Priami Capotii Siculi Lilybaetani Fridericeis“, das bekannte Heldengedicht auf den Herzog Friedrich von Sachsen. In den Jahren 1491—97 finden wir Moritz B. in Magdeburg, wo er die „Summa Joannis“ in niedersächsischer Sprache, und „Belyals Klage over Jesum“ 1492 in Folio, sowie eine „Agenda“ 1497 in Quart druckte. Von ihm rühren auch noch verschiedene undatirte theologische Werke kleineren Umfangs her.

  • Autor/in

    Mühlbrecht.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mühlbrecht, Otto, "Brandis, Lucas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 249 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102429642.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA