Lebensdaten
erwähnt vor 1330 , gestorben 1375
Sterbeort
Kloster Engelthal bei Nürnberg
Beruf/Funktion
Mystikerin ; Dominikanerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102369364 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Langmann, Adelheid
  • Adelheid, Langmann
  • Adelheid, zu Engeltal
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Zitierweise

Langmann, Adelheid, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102369364.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus ratsfähigem Nürnberger Geschlecht;
    V Otto (tot 1327);
    M Mechthild, seit 1350 Nonne;
    Gottfried Teufel (tot 1327).

  • Leben

    Nach nur einjähriger Ehe mit etwa 14 Jahren Witwe geworden, trat L. noch vor 1330, einem inneren Ruf folgend, gegen den Widerstand ihrer Angehörigen, die sie ein zweites Mal zu verheiraten trachteten, in das 1240 gegründete Dominikanerinnenkloster Engelthal ein, das damals gleich zahlreichen anderen, besonders dominikanischen Frauenklöstern von starkem mystischem Sehnen ergriffen war (s. Christina Ebners Büchlein „von der genaden überlast“). Nach Überwindung offenbar schwerer seelischer Konflikte und Anfechtungen, die freilich auch später bei ihr immer wieder durchbrachen, legte sie ihre Profeß ab, fortan dem betrachtenden, zu visionären Erlebnissen sich steigernden Gebet und härtester Kasteiung hingegeben.

    Über ihren Weg zur mystischen Einung berichtete L. in ihren sog. „Offenbarungen“, die ein hoher Lesemeister des Predigerordens sie niederzuschreiben geheißen hatte. Überliefert sind diese „Offenbarungen“ indes nur in drei verschieden redigierten Handschriften wohl des 15. Jh.: in einer Berliner (mgq 866), einer Münchener (cgm 99) und einer Wiener (Hs W Nr. 21) Handschrift. Alle drei weisen aber auf eine gemeinsame, jedoch ebenfalls schon redigierte Vorlage zurück, die ihrerseits eine ursprüngliche Handschrift, möglicherweise ein Autograph, voraussetzt (eine Annahme, die u. a. durch einige in die überlieferten Texte eingestreute Berichte in der Ich-Form nahegelegt wird). Diese Aufzeichnungen, die deutlich von der Engelthaler Literaturtradition, vor allem vom Vorbild Christina Ebners („Leben und Offenbarungen“), beeinflußt sind, da und dort auch zumindest Parallelen zu Mechthild von Magdeburg („Das fließende Licht der Gottheit“) aufweisen, schildern in der Art einer (religiöser Erbauung dienenden „brautmystischen“) „Gnadenvita“ das Leben einer kindlich frommen und in sich gekehrten, ganz dem Willen Gottes sich unterwerfenden Nonne: ihre Zweifel, Versuchungen, Leiden, hauptsächlich aber ihre geistlichen Sehnsüchte, die Erfüllung finden in visionären Begegnungen mit der Gottesmutter und anderen Heiligen und, zumal während der Messe, mit „unserm herren“. Er tritt ihr in Gestalt bald eines vornehmen Herrn oder eines gewaltigen Königs, bald eines kleinen Kindes, eines Knaben oder eines 18jährigen Jünglings entgegen, nimmt sie schließlich „ze e“, schreibt auf ihre Bitte hin „den namen Jesus in ir hertz“ und ihren Namen in sein Herz, entrückt sie, führt sie „durch die neun kör der engil“ und schenkt ihr immerzu „sel uz dem fegfeur“ in übergroßer Zahl. Dabei verlieren sich die Berichte auf weite Strecken im Beschreiben der Zustände und Erlebnisse, die, in einer erotisch gefärbten Bildersprache – nicht ohne zarte Töne – dargeboten, ihrerseits unverkennbar dem Verlangen nach himmlischer Bestätigung und himmlischem Lohn entsprechen. Die „Gesichte“ aber sind im Grunde nicht mehr denn Spiegelungen spätmittelalterlicher Volksfrömmigkeit und der von ihr geprägten religiösen Vorstellungswelt, wenngleich für L., deren Persönlichkeitsbild in den erhaltenen Aufzeichnungen freilich einem „Legendarisierungsprozeß“ unterlag und zum Gegenstand der Verehrung „umgeformt“ wurde (S. Ringler), über den „Gesichten“ deutlich das Wort steht.

    L. ist, neben ihrer Mitschwester Christina Ebner, neben Margareta Ebner in Maria Medingen und anderen, Vertreterin einer „praktischen“ Mystik, verstanden als eine durch das faszinierende Beispiel großer Vorbilder inspirierte und durch Nachahmung erlernbare bzw. als erlernbar vorgestellte religiöse Lebensform für die Vielen, mit allen ihr innewohnenden Gefahren und Täuschungen. Das gerade in der ersten Hälfte des 14. Jh. so häufig zu beobachtende Sich-Zurückziehen in eine mystische Verinnerlichung, das gewiß Ursachen mannigfacher Art hatte, mag vielleicht zu einem nicht geringen Teil gefördert worden sein durch die kirchenpolitischen Wirrnisse der Zeit (Kampf Kaiser Ludwigs des Bayern mit den avignonesischen Päpsten) und ihre Folgen – von denen in den „Offenbarungen“ L.s jedoch kaum die Rede ist.

  • Werke

    Ph. Strauch, Die Offenbarungen d. A. L., Klosterfrau zu Engelthal 1878 (krit. Edition);
    J. Prestel, Die Offenbarungen d. Margaretha Ebner u. d. A. L., 1939, S. 111-83 (neuhochdt. Übers.).

  • Literatur

    H. Wilms, Gesch. d. dt. Dominikanerinnen 1206-1916, 1920, bes. S. 119-22;
    ders., Das Tugendstreben d. Mystikerinnen, dargest. nach alten Chroniken d. dt. Dominikanerinnen u. nach d. Aufzeichnungen begnadigter Nonnen d. MA, 1927, bes. S. 181-93;
    A. Hauck, V, S. 392-97;
    F.-W. Wentzlaff-Eggebert, Dt. Mystik zw. MA u. Neuzeit, 31969;
    G.-Th. Bedouelle, L. (Adélaide), in: Dictionnaire de Spiritualité IX, 1976, S. 221-23;
    S. Ringler, Viten- u. Offenbarungslit. in Frauenklöstern d. MA, Qu. u. Stud., 1980, bes. S. 65-82;
    G. Voit, Engelthal, Gesch. e. Dominikanerinnenklosters im Nürnberger Raum, II, 1978;
    LThK.

  • Autor/in

    Manfred Weitlauff
  • Empfohlene Zitierweise

    Weitlauff, Manfred, "Langmann, Adelheid" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 608 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102369364.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Langmann: Adelheid L., aus einem Nürnberger Geschlechte, wurde zwischen 1325—1330 Nonne im Kloster Engelthal bei Nürnberg, wo sie am 22. Nov. 1375 starb. Getreu den Traditionen ihres Klosters, in dem in der Blüthezeit der Mystik das visionäre Leben geradezu typisch war — wir besitzen im Büchlein „Von der genaden uberlast“ (herausgegeben von Karl Schröder 1871) einen auf Befehl der Priorin verfaßten Bericht über das visionäre Leben der dortigen Schwestern —, zeichnete auch die L. in ähnlicher Weise wie ihre berühmtere Mitschwester Christina Ebner (1277—1356) ihre Erlebnisse auf. Aus ihren Tagebüchern, insbesondere aus den Jahren 1330—1347, und nach mündlicher Ueberlieferung entstanden ihre Offenbarungen, die uns in zwei Handschriften erhalten sind. Die ziemlich einförmigen Aufzeichnungen berühren die Zeitverhältnisse des 14. Jahrhunderts nur wenig, dennoch bilden sie ein nicht zu unterschätzendes Glied in der Reihe der Visionen, die uns namentlich aus den Frauenklöstern des deutschen Mittelalters erhalten sind. Häufige körperliche Selbstpeinigungen und sonstige übermäßige Askese wechselten bei Adelheid mit Erregungen, Verzückungen und göttlichen Einsprachen, deren Ruf nicht auf die Klosterräume Engelthal's beschränkt blieb. Verschiedentlich wurde sie von Auswärtigen aufgesucht, die von ihr Rath und Trost, oft auch Heilung erhofften. Sir selbst war wiederholt von Selbstmordgedanken gequält. In Sprache und Anschauungen — es finden sich viele Anklänge an das Hohe Lied — wurde sie beeinflußt von ihrem geistlichen Freunde und Berather Ulrich, dem späteren Abte von Kaisheim (1340 bis 1360), der auch mit Margarethe Ebner in Medingen und Heinrich von Nördlingen befreundet war.

    • Literatur

      Die Offenbarungen der Adelheid Langmann, herausg. von Ph. Strauch, Straßb. 1878. Vgl. Anz. f. deutsches Alterthum 6, 214 f. und Schönbach, Beilage zur Wiener Abendpost 1878, Nr. 129 u. 130.

  • Autor/in

    Strauch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Strauch, "Langmann, Adelheid" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 688 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102369364.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA