Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Wissenschaftsverleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1020753536 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Springer

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Springer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020753536.html [21.11.2018].

CC0

  • Leben

    Die ursprünglich jüd. Familie S. stammte aus Frankfurt/Oder. Isidor (eigtl. Itzig) (1771–1836) erwarb nach dem Bürgerrecht in Berlin 1813 zwei Jahre später eine Konzession als Kaufmann. Seine Ehefrau Marianne, geb. Friedländer (1788–1817), starb an Kindbettfieber. Ihr einziges Kind, Julius d. Ä. (1817–77, s. L), der spätere Verlagsgründer, wurde seit 1820 in der Cauer'schen Anstalt erzogen und unterrichtet, 1829–32 besuchte er das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin und begann danach in der Enslin'schen Buchhandlung eine von Georg Wilhelm Ferdinand Müller (1806–75) geförderte Buchhandelslehre. Nach Stationen in der Schweiz, in Paris, Stuttgart und Belgien erwarb S. 1842 in Berlin die Konzession für eine Sortimentsbuchhandlung, betätigte sich auch als Kommissionär und belieferte mehr als 30 Buchhändler in Mecklenburg, Pommern, West- und Ostpreußen, Posen und Schlesien. Daneben firmierte er als Verleger. Zeitgemäß war sein Verlagsprogramm zunächst universal angelegt. Als politisch Denkender mit liberaler Haltung publizierte er neben Universitätsschriften u. a. Flugblätter und Streitschriften, Einblattdrucke und Karikaturen („Der deutsche Michel“, 1842) sowie Jugendschriften, die 1866 im Zuge einer schärferen Profilierung des Programms an Alfred Oehmigkes Verlag in Neuruppin verkauft wurden. Seine frühen Zeitschriften „Der Staat, Monatsschrift für öffentliches Leben“ (1843/44) sowie „Berliner Blätter“ (1844) wurden aufgrund von Zensurmaßnahmen schnell wieder eingestellt. 1843 wurde|der Emmentaler Pfarrer Albert Bitzius (1797–1854) Verlagsautor, der unter dem Pseudonym „Jeremias Gotthelf“ seine frühen Werke bei Springer publizierte. Der allgemeinen Tendenz auf dem Buchmarkt folgend, setzte ab etwa 1850 eine stärkere Programmspezialisierung auf land- und forstwirtschaftliche, ökonomische, juristische, historische und technische Fachbücher ein: So erschien 1851 die bahnbrechende „Kurze Darstellung der an den preussischen Telegraphen-Linien mit unterirdischen Leitungen bis jetzt gemachten Erfahrungen“ des jungen Ingenieurs Werner Siemens (1816–92). Julius engagierte sich sowohl im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dessen Vorsteher er 1867–73 wurde, als auch in Politik (Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung) und Kirche (Mitglied des Kirchenrats der Sophiengemeinde in Berlin).

    1845 heiratete er Marie Oppert (Oppenheim) (1826–1907) und hatte mit ihr zehn Kinder, von denen sieben im Kindesalter starben. Der älteste Sohn, Ferdinand d. Ä. (1846–1906, s. BJ XI, Tl.), wurde 1872 als Mitinhaber in den Verlag aufgenommen, dieser holte 1880 seinen jüngeren Bruder Fritz (1850–1944, s. Wi. 1908–1928; Wenzel) und somit naturwissenschaftlich-technischen Sachverstand in die Firma. Ferdinand hatte eine Buchhandelslehre beim bekannten Verleger Wilhelm Hertz (1822–1901) in Berlin und bei C. Eduard Müller in Bremen absolviert und war Gehilfe in der Dalp'schen Buchhandlung in Bern. Fritz hatte am Polytechnikum in Karlsruhe Maschinenbau studiert. Die Ausbildungswege der beiden Brüder ergänzten sich vortrefflich und gaben dem Verlagsprogramm die bis heute gültige naturwissenschaftlich-technische Ausrichtung, besonders mit Medizin, Biologie, Mathematik, Physik, Chemie und Technik. Neben zahlreichen wiss. Zeitschriften erschienen bei Springer auch etliche Verbandszeitschriften wie die „Pharmazeutische Zeitung“ des dt. Apothekerstandes und die „Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure“, außerdem die Veröffentlichungen des ksl. Gesundheitsamtes sowie das „Reichs-Kursbuch“. Selbst ein passionierter Schachspieler, verlegte Ferdinand das Schach-Lehrbuch von Jean Dufresne (1829–93) und wählte als Verlagssignet 1881 eine Schachfigur mit dem Motto „Alle Zeit wach“. Aus seiner Ehe mit Anna Sabine Görz (1852–85), Schwester des Elektroingenieurs und Betriebsleiter bei Siemens & Halske, Hermann Görz (1861–1930) gingen vier Töchter und zwei Söhne hervor, aus einer zweiten Ehe mit Emilie Koeniger (1855– 1945) zwei weitere Töchter. Fritz heiratete 1879 Emma Hertz, die Tochter des Verlegers.

    Julius' d. Ä. dritter Sohn Dr. iur. Ernst Gotthelf Julius (1860-um 1944 Theresienstadt, s. Rhdb.; Wenzel) heiratete 1890 Gertrud Müller ( 1914) eine Enkelin des Buchhändlers G. F. W. Müller (s. o.). 1900–11 war er Generalbevollmächtigter des Bankhauses S. Bleichröder. Als ehrenamtl. Mitglied der Reichsschuldenverwaltung sowie mehrerer Aufsichtsräte (u. a. Dt. Petroleum-AG) wurde er zum Geheimen Oberfinanzrat ernannt.

    1906 traten Ferdinands gleichnamiger Sohn (1881–1965, s. A, L), der Nationalökonomie und Geschichte in Oxford und Bern studiert hatte, und Fritz' Sohn Julius d. J. (1880–1968, s. A, L), der eine buchhändlerische Ausbildung absolviert hatte, in die Firma ein. Nahezu fünf Jahrzehnte entwickelten die beiden Vettern den Verlag kontinuierlich weiter, spezialisierten ihn stark und führten ihn zu höchstem internationalen Ansehen. Ein Markenzeichen waren grundlegende, vielbändige (dt.sprachige) Handbücher auf den Gebieten der Medizin, Biologie, Chemie und Physik sowie renommierte wiss. Zeitschriften. Durch Übernahme des 1816 gegründeten med. Fachverlags von August Hirschwald mit angeschlossener Sortimentsbuchhandlung und Antiquariat (Berlin) gelangten weitere bedeutende med. Zeitschriften in den Verlag. Die Expansion in den 1920er Jahren umfaßte weitere Zukäufe von Verlagen wie J. F. Bergmann, Wiesbaden (1918), F. C. W. Vogel, Leipzig (1931) und von zahlreichen Zeitschriften. 1924 expandierte der Verlag nach Wien.

    Infolge der engen Kontakte Ferdinands d. J. zu Mathematikern und Physikern zählten auch Albert Einstein und Max Born zu den Autoren des Hauses. In der Weimarer Republik war Springer ein international anerkannter Wissenschaftsverlag für Medizin, Mathematik, Naturwissenschaften und Technik und nach dem Leipziger Verlag B. G. Teubner der produktionsstärkste dt. Verlag. Während des „Dritten Reiches“ mußten Ferdinand d. J. und Julius d. J., der 1938 einige Wochen im KZ Oranienburg interniert wurde, wegen ihrer jüd. Herkunft aus dem Verlag ausscheiden. 1935 vertrauten sie die Geschäftsleitung ihrem Teilhaber Tönjes Lange (1889–1961) an, dem langjährigen Geschäftsführer der Hirschwaldschen Buchhandlung. Dieser konnte den Fortbestand der Firma sichern. Die Geschäftshäuser wurden im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört, doch Ferdinand d. J. und Julius d. J. begannen zusammen mit Lange bald mit dem Wiederaufbau sowohl in Berlin als auch Heidelberg als neuem Verlagssitz. Teilhaber waren seit 1957 Dr. phil. Heinz Götze (1912–2001, s. L) und seit 1963 Ferdinands d. J. Sohn, Dr. phil. Konrad Ferdinand (1925–97).

    Von Julius' (d. J.) Kindern war Dr. phil. Eva Seitz (* 1908) Biologin, Rudolf (1909–2009, s. L) organisierte nach der Rückkehr aus dem franz. Exil zahlreiche Ausstellungen in seiner Berliner Galerie u. a. mit Werken von Joan Miró, Alexander Calder, Max Ernst, Georg Baselitz und Markus Lüpertz. Bis zur 1935 erzwungenen Veräußerung der Unternehmensanteile war der älteste Sohn Dr. iur. Bernard (1907–70, s. A, L) Mitinhaber der Verlagsbuchhandlung. 1938 kurzzeitig in dem KZ Oranienburg inhaftiert, konnte er im selben Jahr in die USA emigrieren und gründete 1950 in New York den med. und psychologischen Fachverlag Springer Publishing Co. Seine Witwe Ursula, geb. Pietschmann (* 1928), führte diesen Verlag nach seinem Tod weiter.

    Im Rahmen der internationalen Expansion des Berliner Verlagshauses wurde 1964 der Springer-Verlag mit Sitz in New York gegründet, der zunächst dem Vertrieb der europ. Produktion diente. Bald wurde besonders das englischsprachige Programm erweitert. 1978 erwarb Springer den Eastern Book Service in Tokyo, 1983 wurde ein eigener Verlag mit engl. und japan. Programm gegründet, 1980 folgten indische Niederlassungen in Neu Delhi, Madras, Bombay und Kalkutta. Seit Eröffnung der Niederlassung in Hongkong 1986 gewann auch der chines. Markt für den Verlag an Bedeutung. In Deutschland wurden die Verlage Dr. Dietrich Steinkopff (1980), Physica (1983) und Urban & Vogel, München (1994) aufgekauft. 1999 erwarb die Bertelsmann AG die Mehrheit am wiss. Springer-Verlag, 2003 wurde dieser an die brit. Finanzinvestoren Cinven und Candover verkauft, unter deren Leitung Springer und die brit. Kluwer Academic Publishers 2004 zu Springer Science + Business Media fusionierten. Gegenwärtig profiliert sich der Verlag zunehmend mit Open Access-Modellen.

    Das historische Archiv mit der Korrespondenz (1858–1961) sowie mehr als 15 000 der bis 1945 publizierten Büchern schenkte Springer Science + Business Media 2009 der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Der Archivbestand ist durch die umfangreichen Konvolute mit Briefen herausragender Wissenschaftsautoren und mit nahezu vollständigen Geschäftsunterlagen von außerordentlicher verlags- und wissenschaftshistorischer Bedeutung.

  • Auszeichnungen

    A zu Ferdinand ( 1965): Dr. med. h. c. (Frankfurt/M.1922);Dr.phil.h.c.(Göttingen1930);Ehrensenator (Univ. Würzburg 1932, Heidelberg 1951, Freiburg, Br. 1957); Ehrenbürger d. Univ. Frankfurt/M. (1951); Plakette d. Börsenver. d. Dt. Buchhandels (1956); Gr. BVK (1960); Gauss-Weber- u. Albrecht v. Haller-Medaillen d. Univ. Göttingen (1961); – zu Fritz: Dr.-Ing. E. h.; – zu Julius ( 1968): Dr.-Ing. E. h. (Stuttgart); – zu Bernard: Dr.-Ing. E. h.

  • Werke

    W-Verz. H.-D. Kaiser u. W. Buchge, Der S.-Verlag, Kat. seiner Veröff. 1842–1945, 1992 (verzeichnet über 8000 Titel in oft mehrbändigen Ausgaben);
    W. Buchge, Der S.-Verlag, Kat. seiner Zss. 1843–1992, 1992 (verzeichnet d. 745 Zss.).

  • Literatur

    H. Sarkowski, Der S.-Verlag, Stationen seiner Gesch. 1842–1945, Bd. 2 v. H. Götze, Der S.-Verlag 1945–1992, 1992 (grundlegend, Qu, L, P), engl. u. d. T.: S.-Verlag, Hist. of a scientific publishing house, 2 Bde., 1996;
    Dokumentation dt.sprachiger Verlage, hg. v. G. Olzog u. J. Hacker, 121995, S. 373–77;
    V. Remmert u. U. Schneider, Wiss. Publizieren in d. ökonom. Krise d. Weimarer Rep., Das Fallbsp. Math. in d. Verlagen B. G. Teubner, Julius S. u. Walter de Gruyter, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 62, 2008, S. 189–212;
    dies., Eine Disziplin u. ihre Verleger, Formen, Funktionen u. Initiatoren math. Publizierens in Dtld. 1871–1949, 2010;
    H. Sarkowski, in: Biogr. Enz. Unternehmer;
    zu Julius ( 1877):
    ADB 35;
    G. Menz, Dt. Buchhändler, 1925, S. 181–85;
    - zu Ferdinand ( 1906): BJ XI, Tl.;
    G. Menz, Dt. Buchhändler, 1925, S. 185–94;
    - zu Ferdinand ( 1965): H. Sarkowski u. a., Karl Jaspers u. sein Verl. F. S., in: Karl Jaspers in seiner Heidelberger Zeit, hg. v. J.-F. Leonhard, 1983, S. 159–68;
    F. Holl, Produktion u. Distribution wiss. Lit., Der Physiker Max Born u. sein Verleger F. S. 1913–1933, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 45, 1996, S. 1–225, zugl. Diss. München 1993;
    Wi. 1922–1962;
    Munzinger;
    zu Julius ( 1968):
    Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel 11, 1955, S. 277;
    Wi. 1955–1967;
    zu Rudolf:
    Das Loch, Hommage à R. S. oder Bilanz e. Aktualität, hg. v. J. Gachnang u. a, 1999;
    FAZ v. 3. 6. 2009;
    zu Bernard:
    FAZ v. 4. 1. 1971;
    BHdE I;
    - Qu Verlagsarchiv, seit 2009 in d. Zentral- u. Landesbibl. Berlin.

  • Autor/in

    Ute Schneider
  • Empfohlene Zitierweise

    Schneider, Ute, "Springer" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 755-757 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020753536.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA