Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Künstlerfamilie
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1020717602 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schor

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Zitierweise

Schor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020717602.html [10.12.2018].

CC0

  • Leben

    Hans ( 1674), vermutlich aus Augsburg, verbrachte seine Gesellenzeit imPrämonstratenserstift Wüten. 1613 heiratete er Ursula Dax, die Enkelin des Hofmalers Paul Dax und Tochter des Malers Christoph Dax ( 1619). Seit 1627 Bürger von Innsbruck, amtierte er dort 1631-74 als Stadtrat und 1646 als Stadtrichter. Für die Ehzge. Maximilian III. (1602-18), Leopold V. (1619–32) und dessen Gemahlin Claudia de' Medici fertigte der v. a. auf den Gebieten der dekorativen Malerei vielseitig versierte S. u. a. Veduten von Landschaften und Befestigungen, Wappenschilde und Dekorationen auf Keramik. Überdies etablierte er sich als Maler von Porträts und religiösen Leinwandbildern, er vergoldete Schnitzwerke und entwarf Stuckaturen und Festdekorationen. Zeitlebens stand er in engem künstlerischen Kontakt zu Christoph Gumpp (1600–72), mit dem er an zahlreichen Projekten gleichzeitig tätig war.

    Johann Paul (in Italien gen. Giovanni Paolo Tedesco, 1615–74), der älteste Sohn des Hans (von insgesamt 16 Kindern), wurde im Juni 1615 in St. Jakob in Innsbruck getauft. Mehr noch als seine Brüder Bonaventura (1624–92) und Egid (auch Ägid bzw. Ägyd) (1627-1701) stand er in der Tradition des Vaters. Vor 1638 – in diesem Jahr ehelichte er in Rom die gebürtige Römerin Brigitta Trulla – muß er nach Italien aufgebrochen sein. Zu Johann Pauls ersten Aufträgen in Rom gehörte die gestalterische Umsetzung von Frontispiz und Bildnis des Ehzg. Leopold Wilhelm von Österreich für Athanasius Kirchers (1602–80) „Musurgia universalis“, welche Jean Baron (gen. Baronius) (* 1616) in Rom und Paulus Pontius in Antwerpen in Kupfer stachen. 1653/54 malte Johann Paul in Rom das Hochaltarblatt für die Mariahilfkirche in Innsbruck, das er nachweislich 1654 persönlich in seiner tirol. Heimatstadt übergab. Im selben Jahr kehrte er in Begleitung Egids nach Rom zurück, wo er Gian Lorenzo Bernini seit 1655 bei der Realisierung päpstl. Aufträge unterstützte. Von Bernini gefördert, erwarb Johann Paul Ansehen am Hof des Chigi-Papstes Alexander VII. (reg. 1655-67). Unter dessen Pontifikat entstanden auch die meisten seiner Entwürfe für kunsthandwerkliche Arbeiten. An der Gestaltung der Cathedra Petri (zw. 1657 u. 1665) arbeitete er ebenso mit Bernini zusammen wie bei einigen Festdekorationen und ephemeren Apparaten. Neben seiner Tätigkeit als Dekorationsingenieur stellte Johann Paul sein Können auch als Freskant unter Beweis, wie seine Malereien in Santa Caterina da Magnanapoli, im Ospedale Fatebenefratelli, im Vatikan (1662–63) sowie im Palazzo Colonna (1665–68) belegen.

    Das auf wenige Werke beschränkte künstlerische Schaffen Bonaventuras stand stets im Schatten seiner beiden Brüder, mit denen er 1658 in Rom weilte (seit 1662 Altarblätter u. Wandfresken für das Zisterzienserstift Stams in Tirol). Egid war der einflußreichste Vertreter seiner Familie in Hinblick auf den Transfer barocken Formenguts im 17. Jh. von Italien in den alpinen Raum. Er verbrachte elf Jahre (ca. 1654–65) im Rom des Hochbarock, wo er in Kontakt mit Bernini und mit namhaften Mitgliedern aus dessen Werkstatt trat und Einblicke in das Arbeiten am päpstl. Hof bekam. Zudem nahmen er und Johann Paul unter der Leitung Cortonas mit 14 anderen Künstlern 1656/57 an der Gestaltung der Fresken in der Galleria Alexanders VII. im Quirinalspalast teil. Seit 1666 hielt sich Egid für die Fertigung von Altarblättern immer wieder im Zisterzienserstift Stams in Tirol auf. In Tirol stand er als Hofmaler u. a. im Dienst Hzg. Karls V. v. Lothringen. 1670/71 entwarf er zusammen mit seinem Vater für den Giebelaufsatz des Hochaltars der Stiftskirche Wüten den Thron Salomonis, den der Bildhauer Ferdinand Fries ( 1704) plastisch umsetzte. Ein Jahr nach seiner Vermählung mit Barbara Gumpp von Fragenstein, der Tochter Christoph Gumpps (1600–72), erhielt Egid 1683 das Innsbrucker Bürgerrecht. 1685 wurde er anläßlich der Hochzeit des Kf. Max Emanuel mit Maria Antonia, der Tochter Ks. Leopolds I., u. a. zur Herstellung von Festdekorationen nach München berufen.

    Der in Rom geborene Philipp (1646–1701), Architekt und Dekorationsmaler sowie Spezialist auf dem Gebiet der „Machine Teatrali“, war Schüler und Mitarbeiter in der Werkstatt seines Vaters Johann Paul. Er wirkte in Rom als Hofmaler Clemens' X. Altieri und Innozenz' XI. Odescalchi (u. a. Standarten f. d. Engelsburg). 1683-87 schuf er in Neapel auf Geheiß des span. Vizekönigs zusammen mit|seinem Schüler Johann Bernhard Fischer v. Erlach (1656–1723) aufwendige Festdekorationen. Anschließend wurde er von dem Contestabile Colonna in seinem Amt als Hofarchitekt bestätigt. Ende 1699 hielt sich Philipp, und nicht, wie bisher irrtümlich angenommen, sein Bruder Christoph (1655–1725), ein Architekt und Kupferstecher, nachweislich in Madrid auf. Christophs Anwesenheit in Neapel ist vor 1696 nicht belegt. Erst seit diesem Jahr ist er mit der Realisation eines Festapparates, den er zusammen mit Philipp schuf, faßbar.

    Johann Ferdinand (1686–1767), Sohn Egids, war als Maler, Dekorateur, Festungs- und Wasserbauingenieur sowie als Landvermesser tätig. Nach der Ausbildung bei Josef Waldmann (1676–1712) brach er schließlich 1705 nach Rom auf, wo er bis ca. 1708 bei Michelangelo Ricciolini v. a. im Architektur-Zeichnen Unterricht nahm. Im selben Jahr kehrte er nach Innsbruck zurück. Seit 1713 ist er in Prag nachweisbar, wo er seit 1726 an der Ingenieurschule lehrte und v. a. für den Prager Dom zahlreiche Aufträge realisierte (u. a. 1721 Festdekoration, 1729 Dekoration d. ganzen westl. Blendwand sowie Fresko an d. westl. Interimsfassade). 1725-33 wurde nach seinen Plänen der Moldaulauf korrigiert. Neben Abhandlungen über bürgerliche Baukunst verfaßte er u. a. 1751 einen für die Forschung bedeutenden Bericht über sich und seine Familie (Brief an d. Archivar Hans v. Wiesenthal, Univ.bibl. Innsbruck, Cod. 856).

  • Werke

    Weitere W zu Hans u. a. in Innsbruck: Mitarb. an Fertigstellung d. Bronzeepitaphs f. Ehzg. Maximilian d. Deutschmeister, 1619/20;
    Ölberg u. Vesperbild, 1623;
    Hochaltar f. d. Stadtpfarrkirche St. Jakob. 1635;
    Zeichnungen z. Stuckausstattung d. Mariahilfkirche, 1650;
    in Schwaz: Entwurf e. Triumphbogens f. Ks. Ferdinand II., 1622;
    – zu Johann Paul
    u. a. in Rom: Scala Regia, Portale d. Abschlußwand d. Wendepodestes, 1665/68;
    Dekoration d. Peterskirche f. d. Kanonisierung v. San Tommaso di Villanova, 1658;
    Prunkkarosse f. Onofrio Colonna, 1659;
    Fresken im Palazzo Chigi b. d. Piazza SS. Apostoli, 1662;
    Prunkbett, 1663 u. Bilderrahmen, 1664 f. d. Colonna;
    Titelbl. v. A. Kirchers SJ Muridus subterraneus, 1665;
    Festapparat f. d. Gründonnerstagprozession d. Confraternità del Crocifisso di San Marcello, 1667;
    architekton. Prospekt mit Wandbrunnen u. Statuennische. 1671/72; Zeichnungen
    in: Rom, Gabinetto Nazionale delle Stampe;
    Wien. Albertina;
    Florenz, Uffizien;
    Mus. Ferdinandeum u. Univ.bibl. Innsbruck (Slg. Roschmann);
    München Graph. Slg.;
    – zu Egid
    u. a. in Innsbruck/Wüten, Stiftskirche, Hochaltarblatt, 1671;
    ebd., Stift, Vestibül, Wanddekoration vor 1684? u. Deckenfresko, 1696;
    Kloster Neustift b. Brixen, Gem.gal., 8 Bilder mit Szenen aus d. Leben des hl. Augustinus;
    Zeichnungen in: Mus. Ferdinandeum u. Univ.bibl. Innsbruck (Slg. Roschmann);
    Fresken: Marienzyklus in d. Kuppel d. Marienkapelle d. Pfarrkirche in Schabs b. Brixen, 1687;
    Ausstattung d. beiden Chorkapellen im Stift Slams in Tirol, 1696.

  • Literatur

    Barock in Innsbruck, Ausst. zum Jub. 800 J. Innsbruck, Ausst.kat. hg. v. E. Egg u. G. Ammann, 1980;
    P. Werkner, J. P. S. als röm. „Dekorationsingenieur“, in: Alte u. Moderne Kunst 25, 1980, H. 169, S. 20-29;
    G. Fusconi, Disegni decorativi di J. P. S., in: Bollettino d'arte 70, Serie VI, 1985, H. 33-34, S. 159-80;
    dies., Disegni decorativi del barocco romano, Ausst.kat. Rom 1986, S. 9-15, 29-49;
    S. Appuhn-Radtke, Das Thesenbl. im Hochbarock, Diss. Freiburg, 1988;
    G. Rasser, Die Hs. Nr. 856 … Zum Traktat J. F. S.s, phil. Dipl.arb. Innsbruck 1991;
    Th. J. Kupferschmied. Stucco finto oder d. Maler als „Stukkator“, 1995;
    E. Sladek, Der Italienaufenthalt Johann Bernhard Fischers zw. 1670/71 u. 1686, in: Fischer v. Erlach u. d. Wiener Barocktradition, hg. v. F. Polleroß, 1995, S. 147-76;
    A. Cappellieri, Filippo e Cristoforo S., „Regi Architetti e Ingeneri“ alla Corte di Napoli, in: Capolavori in festa, 1997, S. 73-89;
    K. Güthlein, Gian Lorenzo Berninis bronzenes Eingangsgitter d. Chigi-Kapelle d. Sieneser Doms, in: Opere e giorni, 2001, S. 655-66;
    V. Antonovic, Die graph. Slg. v. A. Roschmann, Diss. Innsbruck 2002;
    D. Gallavotti Cavallero, Una proposta per Bernini pittore, II ritratto di Giovanni Paolo Tedesco, in: Bernini e la pittura, hg. v. ders., 2003, S. 99-105;
    P. Prange, Entwurf u. Phantasie, Zeichnungen d. Johann Bernhard Fischer v. Erlach (1656–1723), 2004, S. 13-22;
    G. Morello, La decorazione della Galleria di Urnano VIII nella Biblioteca Apostolica Vaticana: da Domenichino a Giovan Paolo S., in: Studi sul Barocco romano, Scritti in onore di Maurizio Fagiolo dell'Arco, 2004, S. 299-308;
    S. C. Keller, Die Freskierung d. Chorkapellen im Zisterzienserstift Slams durch E. S. als Ausdruck künstler. Vielseitigkeit, in: C. Strunck (Hg.), Ein Regisseur d. barocken Welttheaters. J. P. S. u. d. internat. Sprache d. Barock (in Vorbereitung);
    J. Fernandez-Santos, Ph. S.s Spanish Journey and his contribution to the renewal of the Royal Chapel at the Madrid Alcázar (1697–1701), ebd.;
    ders., A 1679 inventory of the Schor residence at Trinità dei Monti, ebd.;
    M. Neuwirth, Tirol als „Templum Salomonis“, Das hist., rel. u. künstler. Umfeld d. Fam. S., ebd.;
    C. Strunck, Berninis unbek. Meisterwerk, Architektur u. Progr. d. Galleria Colonna in Rom (1661–1700), Diss. (in Vorbereitung);
    S. C. Keller, Egid S. u. d. Innovationen in den barocken Dekorationssystemen nördl. d. Alpen, Diss. (in Vorbereitung);
    ThB;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    zu Johann Paul: Öl/Lwd., v. Antonio Crecolini (1675–1725) (Stockholm, Nat.mus.);
    Pastellzeichnung, farbig, v. Gian Lorenzo Bernini (Perugia, Collezione Martinelli);
    Tuschezeichnung (Città del Vaticano, B.A.V., fondo Chigi);
    Autoritratto (?), Karikatur, v. Giovanni Paolo S. (New York, Metropolitan Mus. of Art).

  • Autor/in

    Silvia Carola Keller
  • Empfohlene Zitierweise

    Keller, Silvia Carola, "Schor" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 477-478 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020717602.html#ndbcontent

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