Lebensdaten
1742 bis 1803
Geburtsort
Kolberg (Pommern)
Sterbeort
auf einer Reise
Beruf/Funktion
lutherischer Missionar in Indien
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 101503466 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gericke, Christian Wilhelm

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Gericke, Christian Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101503466.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V vermutl. Bäckermeister;
    Cuddalore 1769 Anna Sophie, T d. Gg. Heinr. Conr. Hüttemann (1728–81), Missionar, kam 1750 nach Indien u. arbeitete in Cuddalore.

  • Leben

    G. studierte ab 1760 in Halle Theologie, war Lehrer am Franckeschen Waisenhaus und Inspektor der dortigen Mädchenschule, wurde in Wernigerode examiniert und ordiniert und kam am 6.6.1767 nach einer der gefahrvollsten (von ihm beschriebenen) Reisen jener Zeit in Tranquebar an. Er lernte und sprach das zur dravidischen Sprachgruppe gehörige Tamil. 1767-82 wirkte G. in Cuddalore, erlebte dort Krieg, Hunger und Seuchen – aber blieb! Er rettete die Stadt vor der Besetzung durch Hyder Ali. 1783-88 lebte er in Nagapattinam und bewirkte ein Aufblühen der Missionsarbeit. 1788-1803 arbeitete er in Madras, zunächst zusammen mit Johann Philipp Fabrizius und dann allein in schwierigen Verhältnissen, die ihn oft zu Kirchenzuchtsmaßnahmen zwangen. Von Madras aus bereiste er auch 1802 die südlichste Spitze Indiens (Tirunelveli) in Fortsetzung früherer deutscher Missionsarbeit. Darüber berichten seine größtenteils noch handschriftlich vorhandenen und gedruckten Tagebücher. Seine Taufen in den einzelnen Ortschaften gingen in die Hunderte, so in der Station Bethlehem 203 Menschen aus 48 Familien. In Nageladi, Kundali, Karikovil und Uwari wurden Tempel „gereinigt und zum Gottesdienst eingerichtet“. In den oft 6 Stunden währenden Taufgottesdiensten wurden jeweils mehr als 200 getauft. Immer wurden sofort auch Älteste eingesetzt. Auf dem von dem Hindufürsten Serfojee errichteten Schwartz-Denkmal in der Fort-Kirche zu Tanjore ist G. im Talar und mit der Bibel in der Hand zu sehen: ein Geistlicher, dem es um nichts als die Ausrichtung der Bibel-Botschaft ging.

  • Werke

    Reisediarum bis Cuddalore, Briefe, Tagebücher u. Berr. (Halle/S., Archiv d. Franckeschen Stiftungen, Indienabt.), Druck in: Der Kgl. Dän. Missionarien aus Ost-Indien eingesandter ausführl. Berr. 1. T., 9, Halle 1767, u. Neuere Gesch. d. Ev. Missionsanstalten zu Bekehrung d. Heiden in Ostindien 1-6, ebd. 1776-1827, daraus Herrn Missionarii G.s merkwürdige Seereise v. London nach Ceylon u. Cudelur in d. J. 1766 u. 1767, ebd. 1773.

  • Literatur

    ADB 49.|

  • Portraits

    Kupf. v. Th. Zehl.

  • Autor/in

    Arno Lehmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Lehmann, Arno, "Gericke, Christian Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 289 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101503466.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gericke: Christian Wilhelm G., evangelisch-lutherischer Missionar in Indien, ist am 5. April 1742 zu Kolberg in Pommern geboren. Seit früher Jugend mit den Grundsätzen des Pietismus vertraut, bezog er 1760 die Universität Halle, um Theologie zu studiren. Da er unbemittelt war, erwarb er sich seinen Lebensunterhalt durch Ertheilung von Unterricht am Francke'schen Waisenhaus. Hierbei bewährte er sich so gut, daß ihm 1763 eine Inspectorstelle an der mit dem Waisenhause verbundenen Mädchenschule übertragen wurde. Durch das Lesen der Hallischen Missionsnachrichten war inzwischen der Wunsch in ihm rege geworden, sich der Mission zu widmen. Als daher die englische Gesellschaft zur Ausbreitung des Christenthums in Halle Arbeiter für das indische Missionsfeld suchte, nahm er einen an ihn ergehenden Ruf unter der Bedingung an, daß er bei seinem lutherischen Bekenntnisse verharren dürfe und nicht gezwungen sein sollte, die Lehren der englischen Hochkirche vorzutragen. Er begab sich im Herbst 1765 zunächst nach London, um sich hier im Gebrauche der englischen Sprache zu üben, und segelte dann am 2. April 1766 nach Indien ab. Die Fahrt ging langsam und sehr beschwerlich vor sich. Sturm und Unwetter warfen das Schiff wiederholt zurück. Mehrmals mußte man landen, um neuen Proviant einzunehmen. Ende November warf das Schiff endlich vor Madras Anker, konnte aber wegen ungünstiger Winde weder hier, noch in Kuddalur oder Trankebar landen. Endlich gelang es G., die Küste von Ceylon zu erreichen. Hier mußte er mehrere Monate warten, bis die stürmische Jahreszeit vorüber war. Er benutzte die unfreiwillige Muße, um auf der Insel umherzuziehen und die daselbst wohnenden lutherischen Christen, meist Soldaten und Beamte der holländischen Colonialregierung, kirchlich zu bedienen. Im Frühjahr 1767 erreichte er endlich die Coromandelküste, ließ sich von den Brüdern in Trankebar in die Missionsarbeit einführen und begab sich dann nach seinem Bestimmungsorte Kuddalur, wo er am 26. Juni desselben Jahres eintraf. Die Gemeinde, die sich durch die Thätigkeit früherer Missionare hier gesammelt hatte, fand er infolge der andauernden Kriegswirren, welche durch die Rivalität der Engländer und Franzosen in jenen Gegenden wütheten, zerstreut und verwildert. Er begann zunächst englisch zu predigen, um die Soldaten der englischen Garnison zu gewinnen, deren sittenloses Lebrn den Heiden zum Anstoß gereichte und das Christenthum in einem verächtlichen Lichte erscheinen ließ. Nachdem er sich im Gebrauche der portugiesischen und der tamulischen Sprache genügend ausgebildet hatte, sing er an, die Kinder der Eingeborenen zu unterrichten und betrieb auch eifrig und mit gutem Erfolge die Heidenpredigt. In der günstigen Jahreszeit unternahm er öfters Missionsreisen in die nähere und weitere Umgebung. Um dem Volke Vertrauen einzuflößen, bediente er sich tamulischer Tracht und Sitte. Kaum aber war sein Werk zu einiger Blüthe gelangt, so wurde es durch neue Kriegsunruhen wieder in Frage gestellt. Der mächtige Nizam von Haidarabad verbündete sich mit Haider Ali, dem Herrscher von Maissur gegen die Engländer. Ihr Heer durchzog sengend und plündernd die englischen Besitzungen in Südindien. Auch brachen infolge des Krieges Seuchen, Theurung und Hungersnoth aus. Die Missionsgemeinde in Kuddalur zerstreute sich, und ihre Kirche wurde in ein Pulvermagazin verwandelt. G. hielt trotz aller Widerwärtigkeiten und trotz schwerer Krankheit lange aus. Als er aber in der allgemeinen Verwirrung seines Lebens nicht mehr sicher war, begab er sich 1782 nach Madras, um dort seinen alternden Collegen Johann Philipp Fabricius zu unterstützen, der durch unglückliche Speculationen|das Missionswerk ins Wanken gebracht hatte. Als aber seit dem glänzenden Siege des Generals Coote und seit dem Tode Haider Ali's sich das Glück den Engländern wieder zugewendet hatte, kehrte er 1783 nach Kuddalur zurück. Leider fand er die dortigen Verhältnisse noch so verworren, daß er sich nicht zu dauerndem Aufenthalt entschließen konnte. Er fing deshalb an, auf ausgedehnten Landreisen durch ganz Südindien die Ueberreste der zersprengten christlichen Gemeinden aufzusuchen und unter eingebornen Katecheten wieder zu sammeln. So finden wir ihn bald in Madras, bald in Trankebar, bald wieder in Kuddalur. Endlich schlug er seinen Wohnsitz in Negapatnam auf. Aber auch hier war seines Bleibens nicht lange. 1788 baten ihn die Brüder in Trankebar, die Station in Madras zu übernehmen, welche infolge zunehmender Altersschwäche ihres Leiters Fabricius zu verfallen drohte. G. glaubte sich diesem Rufe nicht entziehen zu dürfen und siedelte im September desselben Jahres nach Madras über. Hier erwarteten ihn große Schwierigkeiten, da die Mission durch den schmählichen Concurs des unglücklichen Fabricius das allgemeine Vertrauen verloren hatte. Durch treue Arbeit gelang es ihm indessen, allmählich die Widerwärtigkeiten zu überwinden. Nachdem Fabricius 1791 gestorben war, blieb er als einziger Missionar in Madras zurück. Erst 1794 erhielt er einen Gehülfen Namens Pätzold. Nachdem er diesen eingerichtet hatte, beschloß er die Mission in größerem Umfange als bisher zu betreiben. Er unternahm deshalb wiederum eine Reihe ausgedehnter Rundreisen, die ihn durch ganz Südindien führten und auf denen er Tausende von Heiden taufte. Auf einer dieser Reisen zog er sich durch Ueberanstrengung ein schweres Fieber zu, dem er am 2. October 1803 in der Nähe von Madras erlag.

    • Literatur

      Neuere Halle'sche Missionsnachrichten Bd. 1—5. — Hrn. Missionarii Gerickens merkwürdige Seereise von London nach Ceylon und Cudelur in den Jahren 1766 und 1767. Halle 1773. —
      Fenger, Den Trankebarske Missions Historie. Kjöbenhavn 1843, Cap. 14. —
      Vormbaum, Christian Wilhelm Gericke, evangelischer Missionar in Trankebar. Düsseldorf 1852 (Evangelische Missionsgeschichte in Biographieen, Band 2, Heft 5—6). — Chr. W. Gericke, evang.-luth. Missionar in Kudelur u. Madras in Ostindien. Leipzig 1888 (Samml. v. Missionsschriften, hsg. v. d. ev.-luth. Mission zu Leipzig, Heft 2). — Plitt-Hardeland, Gesch. d. luth. Mission. Lpz. 1894. 1, 180.

  • Autor/in

    Viktor Hantzsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hantzsch, Viktor, "Gericke, Christian Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 49 (1904), S. 299-300 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101503466.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA