Lebensdaten
1764 bis 1827
Geburtsort
Andorf/Pram (Oberösterreich)
Sterbeort
Mannheim
Beruf/Funktion
Sänger ; Theaterkomponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130590762 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gerl, Franz
  • Gerl
  • Gerl, Franz
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Zitierweise

Gerl, Franz Xaver, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd130590762.html [23.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    Aus Oberpfälzer Fam.; V Johann (1727–94), Schullehrer u. Organist in A., S d. Leinewebers Jakob in Griesau b. Regensburg u. d. Ursula verw. Stadler; M Maria Klara (1740–85), T d. Joh. Kaspar Reicher, Schullehrer u. Organist in A., u. d. Wagners-T Maria Klara Rill aus Dingolfing; B Judas Thaddäus (1774–1847), Sänger, später Schloßverwalter in Bayreuth; 1) Wien 1789 Barbara (eigtl. Maria Anna) Reisinger (1770–1806), Schauspielerin, 2) Mannheim 1826 Magdalene Reisinger (1771–1839, Cousine d. 1. Frau); 1 S, 1 T aus 1); N Johann (1807–75), Sänger.

  • Leben

    Für das ihm befreundete Künstlerehepaar Franz Xaver und Barbara G. schuf Mozart die Sarastro- und Papagena-Partie seiner „Zauberflöte“. – Geboren als kurbayerischer Untertan des damaligen Bistums Passau, war G. Sängerknabe im Benediktinerkloster Vornbach/Inn, daselbst auch Orgelschüler von Dion. Grotz (1748–1817), und besuchte in gleicher Eignung ab 1777 das Salzburger Universitätsgymnasium (Kapellknaben-Musiklehrer: Leopold Mozart). Hier wurde er 1785 vom ansbach-bayreuthischen Hofkomödianten und Singspielkomponisten Ludwig Schmidt zu dessen Wandertheater in Erlangen als Baßsänger sowie Schauspieler engagiert. 1786 gekündigt, kam G. über Mainz, Düsseldorf zur Bühnentruppe Großmann-Klos, Köln. 1787 verpflichtete ihn Theaterdirektor Eman. Schikaneder der Regensburger Thurn und Taxisschen Hofbühne, anschließend 1789 nach Wien, wo G. seine kompositorische Zusammenarbeit mit B. Schak (dem späteren 1. Tamino der „Zauberflöte“) in dramatischer Gelegenheitsmusik vervollkommnete. Die Erstaufführung ihres epochalen, skurrile Fortsetzungen zeitigenden Schikaneder-Singspiels „Der dumme Gärtner aus dem Gebürge, oder Die zween Anton“ am 12.7.1789 (in verbürgtem Beisein Mozarts) leitete eine neue, die hochklassische Ära des Wiener Freihaustheaters ein, deren Höhepunkt „Die Zauberflöte“ vom 30.9.1791 offenbart. (Schon vorher hatte Mozart außerdem die Baßarie ‚Per questa bella mano‘, KV 612, für G. komponiert.) Seit 1793 in Brünn an der Deutschen Nationalbühne und gleichzeitig als Organist bei Sankt Jakob tätig, wurde er 1802 an das Nationaltheater Mannheim auf Lebensdauer engagiert. Hier wird der badische Hofschauspieler G. 1821 von W. A. Mozart-Sohn aufgesucht und ein Lustrum später pensioniert.

  • Werke

    Weitere W u. a. Don Quixote u. Sancho Pansa, kom. Oper, 3 Akte (Text: K. L. Gieseke), Wien 1790; Gf. Balbarone = Der bestrafte Hochmut = Liebe macht alle Stände gleich = Die Maskerade, desgl. (Text: F. J. Franzky nach Calzabigi, La contessina), Brünn 1796; Trauergesang z. Die Spanier in Peru od. Rollas Tod (A. v. Kotzebue), ebd. 1796; Btrr. z. Theatermusiken v. B. Schak u. a.; Kirchl. Vokalkompositionen, Dt. Tänze.

  • Literatur

    L (z. T. auch f. Fam.) ADB 49; R. Smekal, Die Komödiantenkolonie im Dukatenhaus, in: Wieden (Beil. z. Wiener Ztg.), Mai 1952 (zuerst richtiges Geb.-datum); A. Orel, Sarastro-Hr.Gerl/ein altes Weib-Mad.Gerl u. Neue Gerliana, in: Mozart-Jbb. f. 1955 u. 1957 (W, L); ders., in: MGG IV, Sp. 1797-1800; ergänzend: Pazdírkův hudební slovník II, Brünn 1933; G. Gugitz, Eine Qu. z. Linzer Theatergesch., in: Jb. d. Stadt Linz, 1952; H. Pigge, Gesch. u. Entwicklung d. Regensburger Theaters, Diss. München 1953; A. Bauer, Opern u. Operetten in Wien, 1955; W. Hummel, Mozarts Söhne, 1956; O. E. Deutsch, Phantasiestücke aus d. Mozart-Biogr., in: Mozart-Jb. 1956, 1957; ders., Dokumentenbd. d. Neuen Mozart-Ausg., 1961; K. M. Pisarowitz, Ein Weib ist d. herrlichste Ding, in: Das Orchester 6, 1958, u. in: Mitt. d. Internat. Stiftung Mozarteum 1/2, 1958; ders., Ein Brief „Sarastros“, in: Acta Mozartiana 2, 1963; ÖBL; Riemann; eigene Archivstud.

  • Portraits

    6 kolor. Szenenstiche z. Zauberflöte v. J. u. P. Schaffer (3.: Sarastro, 5.: Papagena), Abb. in: Allg. Europ. Journ., Brünn 1795; F. Brukner, Die Zauberflöte, 1934; L. Conrad, Mozarts Dramaturgie d. Oper, 1943; O. E. Deutsch, Bildbd. d. Neuen Mozart-Ausg., 1961.

  • Autor

    Karl Maria Pisarowitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Pisarowitz, Karl Maria, "Gerl, Franz Xaver" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 292 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd130590762.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gerl ist der Name eines Sängers und Componisten, der sich als Sänger der Schikaneder'schen Truppe und als Componist von Zauberopern und Wiener Volksstücken in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts sehr hervorgethan hat. Ueber sein Leben ist nichts Genaueres bekannt. Er war 1787 Mitglied der Schikaneder'schen Schauspielergesellschaft, die bis 1789 in Regensburg spielte. 1789 ging Schikaneder mit dem ganzen Personale nach Wien und übernahm die Direction des Freihaus-Theaters. G. blieb Mitglied dieser Bühne und folgte auch 1801 seinem Principal in das neu erbaute Theater an der Wien. Ueber Gerl's Leistungen als Schauspieler und Sänger ist heute kaum mehr ein sicheres Urtheil möglich. Als Componist kannte er ausschließlich nur praktische Rücksichten. Flink und fingerfertig wie er war, wurde er bald der geschickteste Helfer Schikaneder's in musikalischen Dingen. Der erbitterte Concurrenzkampf, welchen Schikaneder in Wien gegen die anderen Volksbühnen, insbesondere gegen das von Marinelli geleitete "Kasperl"-Theater in der Leopoldstadt, zu führen hatte, brachte es mit sich, daß neu gedichtete Possen und Opern, damit man sie recht bald aufführen könne, nicht einem einzigen Componisten zur Vertonung gegeben, sondern von mehreren|Musikern, die sich in die Arbeit theilten, actweise — oder gar in noch kleineren Partien — componirt wurden. Neben Schikaneder's Capellmeister J. B. Henneberg und dem Sänger Schack war da namentlich unser G. eifrig thätig. Von ihm stammt zum Theil die Musik zu dem Singspiel "Anton, der dumme Gärtner" (1789), mit dem Schikaneder Marinelli's Kasperliaden übertrumpfen und verdrängen wollte; er arbeitete auch mit an der Musik zu Schikaneder's erster volksthümlicher Zauberoper "Der Stein der Weisen oder die Zauberinsel" (erste Aufführung im Freihaus-Theater am 11. September 1790): einem nicht erhalten gebliebenen Werk, das in verschiedener Hinsicht eine Vorstudie zur "Zauberflöte" genannt werden kann: es enthält eine Feuer- und Wasserprobe, ein "unschuldiges Paar, das sich zärtlich liebt und viele Hindernisse findet", einen "jovialischen Naturmenschen mit einem leichtsinnigen Weibchen", einen guten und einen bösen Genius und "ein Duett im zweiten Act, wo Lubanara nur miauen kann" (vgl. Der Freimüthige 1804, Nr. 209). Auch Mozart hat für diese Oper seines Freundes bereits ein Duett componirt. Von anderen Singspielen Gerl's sind die folgenden, die er meist gemeinsam mit seinem Kameraden Schack componirte, bekannt: "Das Schlaraffenland", "Die Wiener Zeitung", "Graf Balbana oder die Maskerade". — Als Schikaneder 1806 Wien verließ und die Direction des Brünner Theaters übernahm, nahm er neben Perinet, Heurteur und anderen Stützen seiner Truppe auch G. mit nach Brünn. Von Gerl's späterem Lebenslauf ist mir nichts bekannt.

    • Literatur

      Fétis III, 459. — Eitner IV, 206 f. — Wurzbach V, 154.

  • Autor

    Egon von Komorzynski.
  • Empfohlene Zitierweise

    Komorzynski, Egon von, "Gerl, Franz Xaver" in: Allgemeine Deutsche Biographie 49 (1904), S. 300-301 unter Gerl [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd130590762.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA