Lebensdaten
1871 bis 1952
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Santa Monica (Californien, USA)
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker ; Museumsdirektor
Konfession
jüdisch,lutherisch
Normdaten
GND: 101104340 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Glück, Gustav

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Glück, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101104340.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz (1832–1914), Großkaufm. in W., S d. Kaufm. Elias in Unghvar/Ungarn u. d. Hani Weinberger;
    M Therese (1838–1914), T d. Kaufm. Ignaz Schweinburg in Eisgrub/Mähren u. d. Ernestine Bauer;
    1898 Else (* 1877), T d. Franz Schönthan Edler v. Pernwaldt (1849–1913), Bühnenschriftsteller (s. W, L), u. d. Elisabeth Blume; O d. Ehefrau Paul Sch. v. P. (1852–1908), Journalist u. Schriftsteller (bes. humorist. Bühnenwerke u. Humoresken), leitete 1887-90 mit A. Moszkowski die „Lustigen Bll.“ (Berlin), ab 1892 Feuilletonredakteur b. Wiener Zeitungen (s. L);
    2 S, 1 T, u. a. Franz (* 1899), Dir. d. Hist. Mus. d. Stadt Wien, Gustav (* 1902), Dir. d. Dresdner Bank in Frankfurt/M.

  • Leben

    Im Milieu einer kulturell interessierten und angesehenen altösterreichischen Großkaufmannsfamilie aufgewachsen, studierte G. in Wien und Bonn, besonders gefördert durch F. Wickhoff und C. Justi, vorerst klassische Philologie, dann Archäologie und Kunstgeschichte (Dr. phil. 1894). Zeitlebens bereicherten Studienreisen seine kunstgeschichtlichen Arbeiten und ließen ihn wertvolle wissenschaftliche Verbindungen anknüpfen. 1899 trat G. in den Hofdienst ein und wurde als wissenschaftliche Hilfskraft am Kupferstichkabinett der Hofbibliothek von Friedrich Dörnhöffer zur Neuordnung der frühen Graphikbestände herangezogen. Ein Jahr später übernahm er als Assistent die wissenschaftlichen Arbeiten der Gemäldegalerie der „Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses“ (Kunsthistorisches Museum). 1911 wurde er als erster Kunsthistoriker mit der Leitung der Gemäldegalerie betraut, deren Direktion er bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand (1931) führte. – Die Gemäldegalerie verdankt G. die erste moderne Hängung, die das einzelne Gemälde aus der Fülle der früher gebotenen „Bilderwände“ löste und eine isolierte Betrachtung des Kunstwerkes ermöglichte. Die aus der Schausammlung ausgeschiedenen Bilder wurden zu einer als Studiensammlung eingerichteten „Sekundärgalerie“ vereinigt; der Ausbau der Restaurieranstalt, die schon früh mit einer Röntgen- und Quarzlampeneinrichtung ausgestattet wurde, läßt G.s hohes Verantwortungsbewußtsein für die Erhaltung der Meisterwerke erkennen. Die internationalen Beziehungen G.s und sein energisches Einschreiten in Wort und Schrift trugen nach dem 1. Weltkrieg entscheidend bei, daß der Bestand der Gemäldegalerie bis auf die von|Italien beschlagnahmten Bilder keine weiteren Einbußen erlitt. Künstlerisches Empfinden, ein entwickeltes Qualitätsgefühl und eine genaue Kenntnis des Kunstmarktes ermöglichten es G., mit einer beachtlichen Reihe von Neuerwerbungen „die Stärken der vorhandenen Bestände … abzurunden“. Systematisch baute er die Sammlung altösterreichischer Tafelmalerei aus, die sich heute im „Museum mittelalterlicher österreichischer Kunst“ befindet. An den zwischen 1904 und 1928 erschienenen Katalogen und Führern der Gemäldegalerie wirkte er als Sachbearbeiter und Herausgeber mit. – Als G. aus dem Staatsdienst schied, lagen nicht nur seine Bücher über die Kunst der Renaissance und über Van Dyck, sondern auch eine beachtliche Reihe von Aufsätzen zur altniederländischen sowie altdeutschen Kunst und zu dem Problemkreis um Rubens und seine Schule vor. Nunmehr folgten neben Studien zur vlämischen und holländischen Malerei in rascher Folge 2 Werke über Pieter Bruegel den Älteren und deren Übersetzungen; sie wiesen der Bruegelforschung neue Wege. In der Emigration, die G. 1938 nach London und 1942 nach Santa Monica führte, schrieb er eine umfassende Arbeit über die Landschaften bei Rubens und unter anderem zahlreiche Untersuchungen zu den Habsburgerporträts. Diese Untersuchungen runden ebenso wie die letzte Studie „Peter Bruegel the Elder and the Legend of St. Christopher in Early Flemish Paintings“ (The Art Quarterly 13, Detroit 1950) das Lebenswerk einer profilierten Gelehrtenpersönlichkeit ab.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Gem.gal. d. Kunsthist. Mus. in Wien, 1923, 41946, engl. 1925;
    Die Handzeichnungen v. Peter Paul Rubens, hrsg. mit F. M. Haberditzl, Wien 1928;
    Die Kunst d. Renaissance in Dtld., d. Niederlanden, Frankreich u. s. f., in: Propyläen-Kunstgesch. X, 1928, 21933, span. 1936;
    Van Dyck, Des Meisters Gem., in: Klassiker d. Kunst XIII, 1931;
    Ges. Aufsätze, hrsg. v. L. Burchard u. R. Eigenberger, 2 Bde., 1933 (Ausw. a. d. mehr als 180 Zss.aufsätzen u. Einl. zu Kunstbüchern);
    Bruegels Gem., 1936, 51951 u. d. T. Das große Bruegel-Werk;
    Das Bruegel-Buch, 1936, 85. Tsd. 1949 (holländ. 1936, franz. u. engl. 1937);
    De Landschappen v. Peter Paul Rubens, Antwerpen u. Amsterdam 1940, dt. 1945/48, 21949;
    Der Weg z. Bild, Erlebtes, Erlauschtes, Erfundenes, 1948. - Zu Schwieger-V Franz Schönthan v. P.: Zahlr. um 1900 sehr beliebte Schwänke u. Lustspiele, am bekanntesten: Der Raub d. Sabinerinnen, Schwank in 4 Akten, 1884 u. ö.;
    Kleine Humoresken, 4 Bde., 1882-87 (mit s. B Paul Sch. v. P.).

  • Literatur

    L. Baldaß, Die Gesch. d. Wiener Gem.gal. in d. J. 1911–31, in: Jb. d. kunsthist. Slgg. in Wien NF V, 1931, S. 1 ff.;
    ders., G. G., 6.4.1871-1951, in: Wiener Ztg. v. 6.4.1951, S. 3;
    E. H. Buschbeck, Verz. d. Erwerbungen d. Gal. in d. J. 1911-31, in: Jb. d. kunsthist. Slgg. in Wien NF V, 1931, S. 21 ff.;
    O. Benesch, G. G. z. Gedächtnis, in: Wiener Ztg. v. 25.12.1952, S. 3 f. |

  • Quellen

    Qu.: Personalarchiv d. Kunsthist. Mus. in Wien (Verz. aller Schrr.). - Zu Schwieger-V Franz Schönthan v. P.: A. Kleinberg, in: BJ 18, S. 68-71 (W, u. Tl. 1913, L); Kosch, Lit.-Lex. (W, L) (auch f. dessen B Paul).

  • Autor/in

    Erwin M. Auer
  • Empfohlene Zitierweise

    Auer, Erwin M., "Glück, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 470 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101104340.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA