Lebensdaten
um 1128 bis 1172
Sterbeort
auf der Neuenburg bei Freyburg/Unstrut
Beruf/Funktion
Landgraf von Thüringen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100952518 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig der Eiserne
  • Ludwig II. der Eiserne von Thüringen
  • Ludwig II.
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Zitierweise

Ludwig II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952518.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Ludowinger (s. NDB 15);
    V Landgf. Ludwig I. v. Thüringen ( 1140, s. NDB 15);
    M Hedwig ( 1148), T d. Gf. Giso IV. v. Gudensberg;
    B Gf. Heinrich Raspe II. v. Gudensberg ( 1154/55);
    - 1150 Jutta (Claricia, 1191), T d. Hzg. Friedrichs II. v. Schwaben ( 1147, s. NDB V), Halb-Schw Kaiser Friedrichs I. Barbarossa ( 1190, s. NDB V);
    4 S, 1 T, u. a. Landgf. Ludwig III. ( 1190, s. NDB 15), Jutta ( Gf. Hermann III. v. Ravensberg).

  • Leben

    Obwohl noch unmündig, wurde L. auf dem Reichstag zu Worms am 2.2.1140 von Kg. Konrad III. mit der Landgfsch. Thüringen belehnt. Die in Hessen und am Rhein gelegenen ludowingischen Besitzungen ließ er durch seinen von der Mutter Hedwig unterstützten jüngeren Bruder Heinrich Raspe II. als Nebenland mit einer gewissen Selbständigkeit verwalten. L. setzte die vom Vater überkommene stauferfreundliche Politik fort, wobei seine Unterstützung Konrads III. wohl vorwiegend in der Teilnahme an den Reichs- und Hoftagen bestand. Für die Wertschätzung des jungen Fürsten durch den König spricht, daß L. auf dem Reichstag zu Frankfurt 1149 das Hofgerichtsurteil über Vogteifragen verkündete. Mit seinem Schwager Kaiser Friedrich verband ihn bis zum Tode ein enges Vertrauensverhältnis. L. nahm am Feldzug gegen Polen 1157, am 2. Italienfeldzug bis zur Kapitulation Mailands im März 1162 und an den Verhandlungen zu St. Jean de Losne im August 1162 teil. Danach beschränkte er sich wohl auf den Besuch der Reichs- und Hoftage.

    Besonders seit dem Erbanfall der gisonischen Besitzungen in Hessen und am Rhein (1122, 1137) wuchs die Gegnerschaft zwischen den Erzbischöfen von Mainz und den Landgrafen um Erweiterung und Ausbau der Landesherrschaft in Hessen und Thüringen. Zwar mißlang L.s Versuch, in die Nachfolge des 1160 ermordeten Erzbischofs Arnold einzugreifen, doch zerstörte er, sicherlich im Einvernehmen mit dem Kaiser, nach der Flucht Erzbischof Konrads I. 1165 zu Papst Alexander III. die mainz. Machtzentren Rusteberg und Horburg auf dem Eichsfeld, Amöneburg in Hessen, Bingen am Rhein und die erst drei Jahre zuvor erbauten Mauern der mainz. Stadt Erfurt in Thüringen. Dagegen erlaubten dem Landgrafen seine guten Beziehungen zu Erzbischof Christian v. Buch, Konrads Nachfolger, die ludowingisch-staufische Machtstellung in Thüringen wesentlich zu festigen.

    Früher als der Kaiser selbst geriet L. in Gegensatz zu Hzg. Heinrich dem Löwen von Bayern und Sachsen, dessen Besitzungen sich nach Süden bis in den thür. Raum erstreckten Zusammen mit den sächs. Bundesgenossen nahm er seit 1166 an den schweren Kämpfen mit dem Löwen teil. In Anwesenheit des Kaisers söhnte er sich im März 1168 in Regensburg mit Heinrich aus und war auch auf dem Reichstag zu Würzburg im Juni 1168 zugegen, auf dem Kaiser Friedrich einen allgemeinen Frieden zwischen Heinrich dem Löwen und dessen Gegnern vermittelte. – L. nahm an der Seite des Kaisers an dessen 2. Polenfeldzug teil (1172). Zurückgekehrt, erkrankte er. Noch vor seinem Tod besuchte ihn Friedrich auf der Neuenburg an der Unstrut. Sein Bundesgenosse Erzbischof Wichmann von Magdeburg bestattete ihn im Familienkloster Reinhardsbrunn.

    Hohes Pflichtgefühl im Dienste des Reiches und seiner Familie kennzeichneten Landgf. L., auch nach seinem Selbstzeugnis, als die ideale Verkörperung des staufischen Reichsfürsten. Das Stephansstift zu Mainz, dessen Propst damals L.s Sohn Friedrich war, nahm ihn und sein regierenden Nachkommen aus Dankbarkeit mit ehrenden Worten Erzbischof Christians I. in die Stiftsbrüderschaft auf. Dagegen entwarf Caesarius von Heisterbach ( um 1240) nach dem Bericht eines früheren Reinhardsbrunner Mönchs von L. das Bild eines Kirchenräubers und Tyrannen. Die Reinhardsbrunner Tradition selbst bewahrte ihm jedoch ein günstiges Andenken, wie ihn eine Mainzer Quelle des 13. Jh. „Probus“ nennt. Den Beinamen „der Eiserne“ verlieh die spätmittelalterliche Volkssage dem Beschützer der Armen und Schwachen gegenüber den Übergriffen des Adels (der Schmied von Ruhla: „Landgraf, werde hart!“).

  • Literatur

    s. L zu Ludwig IV. , S. 423.

  • Portraits

    Grabmal, 14. Jh., aus d. Kloster Reinhardsbrunn, jetzt in d. Georgenkirche in Eisenach.

  • Autor/in

    Walter Heinemeyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinemeyer, Walter, "Ludwig II." in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 420 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952518.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ludwig II. (der Eiserne), Landgraf von Thüringen, 1140—1172, war bei dem Tode seines Vaters (Ludwigs I.) noch ein Knabe. Wann seine Verbindung mit Judith, der Tochter Herzog Friedrichs II. von Schwaben, der Stiefschwester Kaiser Friedrichs I., vereinbart, wann sie vollzogen wurde, ist nicht festzustellen, jedenfalls hat L. von Anfang an staufische Politik getrieben, ohne jedoch die Interessen seiner Macht aus dem Auge zu verlieren. Den ersten Fürsten des Reichs fühlte er sich ebenbürtig, in Krieg und Frieden hat er an den Angelegenheiten des Reichs den regsten Antheil genommen. So zog er mit Friedrich I. 1157 gegen die Polen, 1158 nach Italien. Nach der Ergebung Mailands war er zurückgekehrt, aber der Widerstand der oberitalienischen Communen forderte neue Kraftanstrengungen des Kaisers, 1161 rief er L. mit andern Fürsten aufs Neue nach Italien. Fünfhundert Ritter, so erzählt uns ein Mailänder Berichterstatter, folgten ihm dahin, zu langem Ausharren war L. aber auch jetzt nicht geneigt. Als seine Bemühungen um einen Ausgleich zwischen Mailand und dem Kaiser scheiterten und er dabei mit Reinald von Dassel, dem entschiedensten Vorkämpfer der italienischen Politik des Kaisers, zusammengerieth, zog er mißgestimmt nach Deutschland zurück. Dann bewog ihn der Unwille gegen den Kölner Erzbischof 1164, während Reinald in Italien weilte, sich mit mehreren Fürsten zu gemeinsamem Angriff auf das Kölner Territorium zu verbinden, die landgräfliche Familie war damals noch im Besitz von Gütern am Niederrhein, aber so stattlich war die Macht des Erzstifts, welche den Angreifern entgegentrat, daß sie keinen Kampf wagten. Glücklicher war sein Auftreten gegen Mainz.|Die Händel mit Mainz waren sofort hervorgetreten, als sich die Verbindung zwischen Mainz und den sächsischen und thüringischen Großen gegen die Salier gelöst hatte und zugleich die Macht der Ludwige so gestiegen war, daß die Mainzer Erzbischöfe um die Wahrung ihrer Rechte und Besitzungen in Thüringen besorgt sein mußten. Schon 1123 drohte ein kriegerischer Conflict. Ludwigs I. Bruder, Graf Heinrich Raspe I., hatte sich damals an die Spitze der Zehntenverweigerer gestellt, dann hatte L. II. wieder 1157 mit Arnold von Selenhosen in gespannten Beziehungen gestanden, jetzt (1165) geschah es mit Zustimmung, ja vielleicht auf den Wunsch des Kaisers, welcher den Mainzer Erzbischof Konrad von Wittelsbach seines Erzstiftes verlustig erklärte, daß L. die Mainzer Besitzungen auf dem Eichsfeld, in Hessen und dem Rheingau aufs ärgste verwüstete, die Mainzer Burgen brach und die Mauer von Erfurt niederwarf. — Gleich das folgende Jahr sah ihn im Bunde mit den meisten sächsischen Fürsten und dem Erzbischof von Köln gegen den gewaltigen Fürsten im Norden Deutschlands, dessen Uebermacht allen seinen Nachbarn gleich drückend und bedrohlich war, gegen Heinrich den Löwen. Landgraf L. nahm Theil an der Belagerung Haldenslebens, aber das große Fürstenbündniß vermochte keine Erfolge zu erzielen und um so weniger die Uebermacht Heinrichs zu brechen, als der Kaiser, in Italien unglücklich — Rückhalt an Heinrich suchen mußte und den Frieden zu Gunsten desselben dictirte. (Ein separater Friede zwischen Heinrich dem Löwen und L. unter Vermittelung des Kaisers in Regensburg, nach Ostern 1168 geschlossen, von dem Hist. (Annal.) Reinnardsbr. berichten, ist nicht anzunehmen, da Friedrich im Frühjahr 1168 aus Italien über Basel nach Würzburg gezogen ist, vgl. Stumpf, Reichskanzler Nr. 4093 a.) Zu Würzburg im Juni 1168 suchte Friedrich einen Ausgleich zu stiften, ohne jedoch sogleich bei den unzufriedenen Fürsten mit seinem Friedensgebot durchzudringen. Immer neue Reibungen fielen vor und erst nach dem Erfurter Tag zu Johanni 1170 begann wieder Friede zu herrschen. Ein zweiter Feldzug gegen Polen im J. 1172 vereinigte L. zum letzten Mal mit dem Kaiser, kurz nach der Rückkehr, im Herbste desselben Jahres ist L. auf der Beste Neuenburg gestorben. Noch mag er sich im rüstigen Mannesalter befunden haben, aber er hatte ein vielgeschäftiges, fehdereiches Leben hinter sich. „Mit aller männlichen Kraft gerüstet ragte er hoch hervor, ruhmreich in Krieg und in Frieden“, so schildert uns der Reinhardsbrunner Chronist den tüchtigen Fürsten. Eine Mainzer Quelle (die Annales brev. Wormatienses) des 13. Jahrhunderts giebt ihm den Beinamen des Rechtschaffenen (Probus), noch in der Reinhardsbrunner Tradition des 14. Jahrhunderts erscheint er als von seinen Vasallen geliebter Fürst, sie bilden vor den Augen des Kaisers eine Mauer um seine Burg, die jede andere entbehrlich macht, sie geben ihm selbst als Träger der Leiche ein ehrenvolles Grabgeleit nach Reinhardsbrunn. In der volksthümlichen Erzählung der Eisenacher Dominikaner des 15. Jahrhunderts ist sein Bild verwandelt, da ist er seit der Mahnung des Schmieds von Ruhla ein strenger Herr und Gebieter der Großen des Landes, die die Kleinen bedrücken, ein milder Beschützer der Armen und Schwachen. Vor den Anschlägen der Großen kann er sich nur durch eiserne Rüstung bewahren, daher wird er „der Eiserne“ genannt. Schon früher, bereits im 13. Jahrhundert hat Cäsarius von Heisterbach ein abschreckendes Bild von seinem Verhalten gegen die Kirche und deren Diener entworfen und sicherlich stand er hinter anderen Fürsten seiner Zeit nicht zurück in der Anmaßung kirchlichen Besitzes. Sind die Erfolge, welche sein Streben nach Befestigung und Erweiterung seiner Macht erzielte, nicht so augenfällig als die seines Vorgängers, so hat er ihn doch sicherlich an geistiger Begabung und Selbständigkeit des Willens weit übertroffen.

    • Literatur

      Knochenhauer, Geschichte Thüringens.

  • Autor/in

    Wenck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wenck, Karl, "Ludwig II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 591-592 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952518.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA