Lebensdaten
wohl um 910 bis 973
Sterbeort
Sankt Gallen
Beruf/Funktion
mittellateinischer Dichter ; Dekan von St. Gallen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100940382 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ekkehart I.
  • Ekkehard
  • Ekkehard I.
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Zitierweise

Ekkehart, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100940382.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus vornehmer Fam. im Thurgau (Ostschweiz);
    N Ekkehart II. ( 990, s. NDB IV), Ekkehart III. (11. Jh., s. NDB IV), Notker Labeo ( 1022), Burchard, Abt v. St. Gallen 958-72.

  • Leben

    Unterricht und Erziehung genoß E. im Kloster Sankt Gallen, wo Gerald, des Sequenzendichters Notker letzter Jünger, sein Lehrer war. Unter Abt Craloh wählten ihn die Brüder zum Dekan, Craloh selbst bestimmte ihn auf ihren Wunsch sterbend zu seinem Nachfolger (958). Ein Sturz vom Pferde aber, der ihn hinken machte, hinderte E., die Abtswürde anzunehmen. Doch blieb sein Einfluß auch unter Abt Burchard, dem jüngsten seiner 4 Neffen, erhalten. In dieser Zeit unternahm er eine Pilgerfahrt nach Rom. E. war angesehen in der Welt und beliebt bei den Brüdern; die Überlieferung des Klosters rühmte besonders sein mildes, liebenswertes Wesen. – Das literarische Bild E.s hat in letzter Zeit erhebliche Veränderungen erfahren. Wie Ekkehart IV. in den „Casus S. Galli“ berichtet, verfaßte E. in jungen Jahren eine hexametrische „Vita Waltharii manufortis“, die Ekkehart IV. überarbeitete. Mit dieser Vita hat man lange den „Waltharius“, das berühmte Heldengedicht von Walthers und der Hiltgunt Flucht aus dem Hunnenreiche und dem Kampf im Wasgenwalde, gleichgesetzt. Nach heutiger (freilich nicht von allen geteilter) Auffassung jedoch war E.s in den „Casus“ genannte Vita ein anderes Werk, das nicht auf uns gekommen ist. Entstehungszeit und Verfasser des „Waltharius“ sind Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen. Sicher von E. stammen fast nur Dichtungen,|die für die Liturgie bestimmt waren: einige Sequenzen im Stile Notkers (die Afrasequenz „Laudes deo perenni“ vielleicht von Ekkehart II.), ein kurzer Hymnus für ein Heiligenfest; von seinen in den „Casus“ genannten Antiphonen hat sich keine erhalten. Eine geplante Vita der 926 von den Ungarn erschlagenen Rekluse Wiborada kam nicht zustande. E.s Sequenzen zeigen Klarheit der Gedanken und Beherrschung der Form; die dichterische Kraft seines großen Vorbilds hat er wohl nicht erreicht. Für die Wertschätzung der Zeitgenossen zeugt die frühe Aufnahme seiner Dichtungen in die Sankt Galler Liturgie.

  • Werke

    G. M. Dreves, Analecta hymnica 50, 1907, S. 271-79.

  • Literatur

    Manitius I, S. 609-14;
    W. v. d. Steinen, Notker d. Dichter, 1948, Darst.bd. S. 439 ff. u. ö., Ed.bd. S. 115 ff., 130, 134 (W);
    Wattenbach-Holtzmann I, 2, S. 240 ff. u. ö., I, 4, S. 834; weitere L s. Ekkehart IV.

  • Autor/in

    Franz Brunhölzl
  • Empfohlene Zitierweise

    Brunhölzl, Franz, "Ekkehart" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 432 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100940382.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ekkehart I., Decan zu St. Gallen, am 14. Januar 973, verfaßte nach Ekkeharts IV. (circa 980—1060) Angaben in dessen Casus sancti Galli außer einer Reihe kirchlicher Hymnen auch das bekannte lateinische Gedicht|„Waltharius“, eine Erzählung von Walthers von Aquitanien und der burgundischen Königstochter Hildegunde Flucht aus dem Hunnenlande und dem Kampfe Walthers mit Gunthers Mannen und Hagen auf dem Wasgenstein. Er fertigte dasselbe, welches sich in seinen Schlußzeilen als ein Jugendversuch zu erkennen gibt und das voll ist von Reminiscenzen, namentlich an Vergil und Prudentius, als Mitglied der Klosterschule zu St. Gallen unter Aufsicht seines Lehrers Geraldus und dieser widmete die Arbeit seinem Gönner, dem Bischof Erkanbald von Straßburg (965—991) mit einer versificirten Vorrede. Wol aber waren schon vorher Abschriften genommen worden, deren eine E. IV. vor sich hatte, als er während seines Mainzer Aufenthaltes auf Bitten des Erzbischofes Aribo ( 1031) das Gedicht einer sprachlichen Revision unterzog, die uns vielleicht in der Wiener Handschrift oder den Engelberger Fragmenten vorliegt. Der „Waitharius“, ausgezeichnet durch Frische der Darstellung, durch Geschick der Erzählung und vollendete Kenntniß altgermanischen Wesens, beruht auf alten deutschen Heldenliedern, ist aber nicht als eine Uebersetzung von solchen anzusehen, sondern als freie Bearbeitung des dem Mönche aus seiner Jugendzeit her zur Genüge bekannten Stoffes.

    • Literatur

      Ekkehardi primi Waltharius edidit Rudolfus Peiper, Berolini 1873. — Philologische Bemerkungen zum Waltharius. Von Wilhelm Meyer aus Speyer. München 1873 (besonders abgedruckt aus den Abhandlungen der Münchener Akademie). 1874 erschien eine Ausgabe von Holder mit Uebersetzung von Scheffel.

  • Autor/in

    Steinmeyer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Steinmeyer, Elias von, "Ekkehart" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 790-791 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100940382.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA