Lebensdaten
1836 bis 1908
Geburtsort
Wolmar (Livland)
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Journalist ; Diplomat ; Mitarbeiter Bismarcks
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100833357 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eckardt, Julius Albert Wilhelm von
  • Eckardt, Julius von
  • Eckardt, Julius Albert Wilhelm von
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Eckardt, Julius von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100833357.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (russischer Erbadel 1875, 1810-85), Stadtrichter in Mitau u. Gutsbesitzer;
    M Elis. Eleonore v. Lenz (1815–97);
    Leipzig 1860 Isabella (1837–1903), T des Ferd. David ( 1873), Musiker (s. NDB III);
    9 K, u. a. Heinrich (1861–1945), Diplomat, Felix (1866–1936), Journalist, Chefredakteur des Hamburger Fremdenblatts;
    E Felix (1903-79) , Journalist, Politiker, Bundespressechef; Großneffe Hans Felix (1890–1957), Prof. der Soziologie in Heidelberg.

  • Leben

    E.s Leben und Wirken war bestimmt durch seine baltendeutsche Herkunft. Das kunstvolle Gebilde ständischer Freiheiten und die deutsch-protestantische Tradition sah er durch den aufkommenden Panslavismus bedroht. Ihn zu entlarven und zu bekämpfen versuchte er – nach juristischen und geschichtlichen Studien – als Redakteur zunächst der Rigaer Zeitung, ab 1867 an den Leipziger „Grenzboten“ Gustav Freytags und zuletzt 1870-74 als Chefredakteur des „Hamburgischen Correspondenten“. Der Aufklärung über die innerrussischen Verhältnisse und der nach seiner Auffassung notwendigen gesamteuropäischen Abwehr des russischen Vordringens sollten auch seine geistreichen und packend geschriebenen Einzelveröffentlichungen dienen. Besonders beachtet wurden seine anonymen Berichte „Aus der Petersburger Gesellschaft“ (1873, 51880); die „Russischen Wandlungen“ (1882) kosteten ihn seine 1874 erworbene Stellung als hamburgischer Senatssekretär. Bismarck, der sich des Rußlandkenners schon früher für Presseanalysen bedient hatte, zog ihn daraufhin nach Berlin, bot ihm im Auswärtigen Dienst jedoch keine Möglichkeit, sein politisches Anliegen zu verfechten (1885 Konsul in Tunis, 1889 in Marseille, 1892 Generalkonsul in Stockholm, 1897 in Basel, 1900-07 in Zürich). Die „Lebenserinnerungen“ (2 Bände, 1910) zeigen einen in seiner Zeit einsamen Mann, der sich aus den Erfahrungen seiner Heimat gegen die Vergewaltigung von Nationalitäten auch in Elsaß-Lothringen und Nordschleswig wandte, den der landläufige deutsche Liberalismus mit seinem Eintreten für den Kulturkampf und die parlamentarische Demokratie befremdete und der als Mitbegründer des „Vereins für Sozialpolitik“ – zusammen mit „Kathedersozialisten“ wie Lujo Brentano, G. von Schmoller und A. Wagner – die Meisterung der sozialen Frage bereits als vordringlich erkannte.

  • Werke

    unter eigenem Namen: York u. Paulucci, Aktenstücke u. Btrr. z. Gesch. d. Konvention v. Tauroggen, 1865; Die balt. Provinzen Rußlands, 1869, 21877;
    Balt. u. russ. Kulturstud., 1869;
    Bürgertum u. Bureaukratie, Vier Kapitel a. d. neuesten livländ. Gesch., 1869;
    Juri Samarins Anklage gegen d. Ostseeprovinzen, 1869;
    Rußlands ländl. Zustände seit Aufhebung d. Leibeigenschaft, 1870;
    Jungrussisch u. altlivländisch, 1871;
    Livland im 18. Jh., 1876;
    Russ. u. balt. Kulturbilder, 1876;
    Garlieb Merkel üb. Dtld. zur Schiller- u. Goethezeit 1797-1806, 1887;
    Ferd. David u. d. Fam. Mendelssohn-Bartholdy, 1888;
    Figuren u. Ansichten d. Pariser Schreckenszeit (1791–94), 1893;
    Lebenserinnerungen, 2 Bde., 1910 (P);
    Aus d. Tagen v. Bismarcks Kampf gegen Caprivi, 1920;
    anonym: Neue Folge, 1874, 31881;
    Rußland vor u. nach d. Kriege, 1879;
    Von Nikolaus bis Alexander III., 1881;
    Aussichten d. dt. Parlamentarismus, 1882;
    Memoiren e. Livländers, 1883 (E.s Gvm Lenz);
    Rußland unter Alex. III., 1891; Berlin-Wien-Rom, Betrachtungen üb. d. neuen Kurs u. d. neue europ. Lage, 1892.

  • Literatur

    Münchener Allg. Ztg. v. 22.1.1908, Vorabend-Ausg.;
    Herders Jb. f. Zeit- u. Kulturgesch. 1908, S. 435;
    E. Marcks, in: Hamburg. Correspondent v. 14.12.1910, Abend-Ausg.;
    H. Dietz, in: BJ XIII, S. 142-45 (u. Tl. 1908, L).

  • Autor/in

    Jürgen Bolland
  • Empfohlene Zitierweise

    Bolland, Jürgen, "Eckardt, Julius von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 282 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100833357.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA