Lebensdaten
1802 bis 1889
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Orientalist ; Sinologe ; Finnougrist ; Altaist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100816525 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schott, Wilhelm Christian
  • Schott, Wilhelm
  • Schott, Wilhelm Christian

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Zitierweise

Schott, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100816525.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Christian (* 1761), aus Mandel b. Kreuznach, Kaufm.;
    M Elisabeth Wahl, verw. Holzmann (* 1771);
    1861 Elise Wilhelmine Auguste Mever; kinderlos.

  • Leben

    S. genoß in Mainz häuslichen Unterricht, besuchte drei Klassen des Gymnasiums und nahm 1819 an der Univ. Gießen das Studium der Theologie auf. 1821 wechselte er nach Halle, wo er sich bald ganz den oriental. Sprachen zuwandte. Auf Anregung des Hebraisten Wilhelm Gesenius (1786–1842) unterrichtete er dort, zusammen mit dem späteren Gymnasialdirektor Friedrich Ferdinand Jakob Helmke, zwei Chinesen, wodurch sein Interesse am Chinesischen geweckt wurde. 1823 wurde S. aufgrund einer Dissertation über die Sunna, das Traditionsgesetz der Muslime, promoviert. 1826 habilitierte er sich in Halle mit „De indole linguae sinicae“ für Orientalistik. Eine mit knappsten Hilfsmitteln erstellte, weitgehend an Marshmans engl. Übertragung orientierte Übersetzung des „Lun yü“ des Konfuzius wurde von Julius Klaproth (1783–1835) kritisiert. 1830 ging S. von Halle nach Berlin, um mit Hilfe der chines. Sammlungen der Kgl. Bibliothek seine Kenntnisse zu erweitern. 1832 habilitierte er sich mit einer Probevorlesung „Über das Wesen der chines. Schrift und die notwendige Einrichtung der Wörterbücher“ für ostasiat. Sprachen. 1838 wurde er zum ao. Professor an der Univ. Berlin ernannt und verfaßte aus finanziellen Gründen Beiträge für die „Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste“ von Ersch und Gruber, die „Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik“, Lehmanns „Magazin“ usw., und leistete Hilfsarbeiten für Gelehrte wie den Geographen Carl Ritter (1779–1859) und den Astronomen Christian Ludwig Ideler (1766–1846). Seine materielle Lage besserte sich erst 1841, als er eine der wenigen besoldeten Stellen an der Berliner Akademie der Wissenschaften erhielt. Da das Chinesische allein nicht genug Hörer anzog, arbeitete sich S. auch ins Finnische, Estnische und Ungarische ein, stand mit dem Linguisten Paul Hunfalvy in Verbindung, übersetzte Märchen aus Eerö Salmelainens Sammlung „Suomen kansan taruja ja tarinoita“ und schrieb über das „Kalevala“ sowie das „Kalewi-poeg“. Seine linguistischen Forschungen zum Thema faßte er in den „Altaischen Studien“ (5 H., 1859–71) zusammen, und er ist als einer der Väter der altaischen Theorie zu betrachten, die eine Verwandtschaft zwischen den finnougrischen, türkischen, mongolischen und tungusischen Sprachen postuliert. Für den Unterricht im Mongolischen benutzte er Józef Kowalewskis „Mongol'ska chrestomatija“ (1836/37), aus der er eine Reihe von Stücken übersetzte. Als sinologische Standardwerke von S. sind sein „Katalog der Sinica der Kgl. Bibliothek“ (1840), das „Vocabularium sinicum“ (1844), ursprünglich als Probedruck der chines. Typen der Akademie entstanden, der „Entwurf einer Beschreibung der chines. Litteratur“ (1854) sowie die „Chines. Sprachlehre“ (1857) hervorzuheben. S., einer der bedeutendsten Sprachkenner des 19. Jh., begründete damit eine sinologische Forschungstradition an der Univ. Berlin, welche die chines. „Kolonialsprachen“ sowie die altaischen Sprachen mit einbezog.

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1841).

  • Werke

    Weitere W Versuch über d. tatar. Sprachen, 1836: De lingua Tschuwaschorum,1841;
    Skizze zu e. Topographie d. Producte des Chines. Reiches, 1842;
    Über d. Buddhaismus in Hochasien u. in China, 1844;
    Älteste Nachrr. v. Mongolen u. Talaren, 1845;
    Über das Altai'sche oder finnisch tatar. Sprachengeschl., 1847;
    Über die Sage von Geser Chan, 1851;
    Über d. finn. Sage v. Kullervo, 1852;
    Über d. chines. Verskunst, 1857;
    Die Cassia Sprache im nördl. Indien, 1858;
    Die estn. Sagen v. Kalewi Poeg, 1862;
    Über die ächten Kirgisen, 1864;
    Zur Litteratur d. chines. Buddhismus, 1873;
    Zur Uigurenfrage, 1873-75;
    Einiges z. japan. Dicht- u. Verskunst, 1877;
    Über e. chines. Mengwerk, 1880;
    Über d. Sprache d. Volkes Róng oder Leptscha in Sikkim, 1881;
    Hg.:
    Archiv f. wiss. Kunde v. Rußland, 1-25, 1841-67 (mit A. Erman);
    Teilnachlaß:
    Staatsbibl. Preuß. Kulturbes., Hss.abt., Berlin.

  • Literatur

    F. Babinger, in: Hess. Biogrr. 1, 1918, S. 257-59;
    R. Schwarz, Heinrich Heines „Chinessche Prinzessin“ u. seine beiden „chines. Gelehrten“ sowie deren Bedeutung f. d. Anfänge d. dt. Sinol., in: Nachrr. d. Ges. f. Natur- u. Völkerkunde Ostasiens 144, 1988, S. 71-94;
    H. Walravens, W. S. u. d. Kgl. Bibl., in: Scrinium Berolinense, 1, 2000, S. 577-94;
    ders., W. S., Leben u. Wirken d. Orientalisten, 2001 (W).

  • Autor/in

    Hartmut Walravens
  • Empfohlene Zitierweise

    Walravens, Hartmut, "Schott, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 497-498 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100816525.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA