Lebensdaten
1655 bis 1719
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Kupferstecher ; Verleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100811833 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kraus, Johann Ulrich

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kraus, Johann Ulrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100811833.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ulrich, Kistler in A., S d. Kistlers Ulrich in A. u. d. Ursula Uderbold;
    M N. N.;
    Ov Joh. Jacob (1611–72), Kistler u. Baumeister in A., Schüler v. Elias Holl, er soll Pläne z. ev. Hl. Kreuzkirche geliefert haben;
    Vt Abraham (erw. 1687), Maler;
    - 1685 Joh. Sibylla (um 1650–1717), Kupferstecherin (s. ThB), T d. Melchior Küsell (1626 - um 1683), Kupferstecher, Schüler v. M. Merian d. Ä., an dessen Werken er Anteil hatte, arbeitete f. d. Münchner u. Wiener Hof u. illustrierte zahlr. Bücher (s. ADB 17; ThB), u. d. Magdalena (T d. Kupferstechers Matthaeus Merian d. Ä., 1650); Verwandte Joh. Melchior (1696–1725), Zeichner u. Kupferstecher, Joh. Thomas (um 1696–1775), Miniaturmaler, Zeichner, Kupferstecher, Ing., Zeugwart in A., reiste angebl. nach Nordamerika z. Vermessung v. Plantagen.

  • Leben

    K. erlernte vermutlich bei seinem Vater das Kistlerhandwerk und erwarb die nötigen Kenntnisse im Formenschneiden. In die Lehre ging er zu seinem späteren Schwiegervater, dem Kupferstecher Melchior Küsell, dessen Verlag er schließlich übernahm und weiterführte. Anfang der 80er Jahre hielt er sich vermutlich mehrere Jahre in Wien auf. In Augsburg gehörte er dann zu den bedeutendsten Kupferstechern und Verlegern. Rufe an verschiedene Fürstenhöfe soll er abgelehnt haben. Sein florierendes Unternehmen erhielt 1703 bei der Belagerung der Stadt einen schweren Schlag, als das Haus brannte und viele Druckplatten vernichtet wurden.

    K. Stil ist ganz im Zeitgeschmack des Hochbarock an französischen Vorbildern (Leclerc und Lepautre) orientiert. Stark überladene Ornamentik herrscht vor, vereinzelt finden sich auch reizvolle Details. Die eigene Schöpferkraft kommt in den Bildern vor allem bei den rahmenden Beiwerken, Emblemen und Einfassungen zum Vorschein, sie sind der künstlerisch interessanteste Teil der Blätter und gehören zum besten, was die Augsburger Druckgraphik hervorgebracht hat. Seine Bedeutung gründet sich auf die große Zahl und Vielfalt seiner Erzeugnisse. Er war der produktivste und angesehenste Kupferstecher und Verleger der Jahrhundertwende; sein mehr als 30 Jahre lang fruchtbares Schaffen umfaßt die verschiedensten Gebiete des damaligen graphischen Interesses. Es sind darunter religiöse Bücher wie die „Historische Bilder-Bibel“ (1698-1700), „Biblisches Engel- und Kunstwerk“ (1694), „Heilige Augen- und Gemütslust“ (um 1706) sowie Kopien nach Dürers Großer und Kleiner Passion. Er bebilderte Werke mythologischen Inhalts, wie Ovids Metamorphosen. Neben einer Folge von Stichen nach Gemälden von Primaticcio mit Odysseethemen gab er auch eine Bildreihe mit Schauspielszenen heraus. Von seinen Architekturstichen wurden die Ansichten des Heidelberger Schlosses besonders bekannt. Außerdem fertigte er Ansichten von Nürnberg, Rom (Sankt Peter), Schönbrunn, Versailles (Garten- und Grottenanlagen) und Straßburg. Umfangreich sind seine Editionen im Bereich des Porträts. Als Stecher lehnte er sich hier an die Manier von Elias Hainzelmann an (1640-92, siehe ThB). Es erschienen Stichfolgen mit Bildnissen des Kaisers Leopold I., des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Karl XI. von Schweden, sowie Serien mit zeitgenössischen Gelehrten und Geistlichen. Große Wirkung auf das einheimische Kunsthandwerk hatten seine Ornamentstiche, darunter sein „Neues Reißbuch …“ (ohne Jahr), sowie sein „Neues Zeichnungsbuch“ (ohne Jahr). Auch seine Kalender mit Allegorien und Herrscherporträts fanden weite Verbreitung. Die Zahl der von K. eigenhändig gezeichneten und gestochenen Blätter beläuft sich auf annähernd 1 000.

  • Literatur

    ADB 17;
    P. v. Stetten, Kunst- … Gesch. Augsburgs I, 1779, II, 1788;
    O. Reichl, Die Illustrationen in vier geistl. Büchern d. Augsburger Kupferstechers J. U. K., 1933;
    M. Lanckoronska u. R. Oehler, Die Buchillustration d. 18. Jh. in Dtld., Österreich u. d. Schweiz, 1932-34, S. 20 ff. Tafel 1 f.;
    Kat. Ausst. Augsburger Barock, 1968, passim;
    ThB (W-Verz.).

  • Portraits

    Kupf. v. G. Ch. Kilian (Augsburg, Stadtbibl.).

  • Autor/in

    Christoph Schwingenstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwingenstein, Christoph, "Kraus, Johann Ulrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 689 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100811833.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kraus: Johann Ulrich K., Kupferstecher, geb. 1645 zu Augsburg, Sohn des Schreiners und Architekten Johann Jakob K., der sich Stetten zufolge auch auf das Formschneiden und Radiren legte und seinem Sohn Unterricht ertheilte. K. hielt sich lange in Wien auf. Er scheint sich ursprünglich nach seinem Landsmanne Melchior Küsell gebildet zu haben und besonders stark wirkte der 8 Jahre ältere geistreiche und seine französische Stecher Sebastian Le Clere auf ihn ein. Eine zierliche Ausarbeitung charakterisirt seine Blätter, die sehr zahlreich sind und alles Mögliche darstellen: Historie (so eine im J. 1700 herausgegebene Bilderbibel). Porträts, besonders aber Zeitbilder und Prospecte, welche letzteren sehr schön ausgeführt zu sein pflegen; wir nennen daraus das Innere der Peterskirche, Schloß Schönbrunn. Ansichten aus und bei Nürnberg,|Ansichten vom Heidelberger Schlosse. Das Erfindungstalent unseres Radirers war ganz achtbar, doch hat er auch viel nach anderen Meistern copirt. K. starb 1719 in seiner Vaterstadt.

    Johanna Sibylla K., Tochter des Melchior Küsell, geb. 1746 zu Augsbürg, Kupferstecherin, heirathete den obigen Johann Ulrich K., worauf sie ihre frühere Bezeichnung J. S. Küslen in J. S. Krausin (Kräusin, Krausen) umwandelte. Sie unterstützte ihren Gatten im Kupferstechen und lieferte gleichfalls recht fein behandelte Blätter; besonders hat sie viel copirt. Sie starb 1717 zu Augsburg.

  • Autor/in

    W. Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Kraus, Johann Ulrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 73-74 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100811833.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA