Lebensdaten
vor 1520 bis 1562
Sterbeort
Maursmünster (Elsaß)
Beruf/Funktion
Schwankdichter ; Dramatiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 100793835 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Frey genannt Schwarwechter, Jacob
  • Scharwechter, Jacob (genannt)
  • Frey, Jacob
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Frey, Jacob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100793835.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V vielleicht Georg Frî, Scherer in St., 1508 aus Luzern zugewandert.

  • Leben

    F. ist 1545-62 als Notar und Stadtschreiber zu Maursmünster beurkundet. Diese Stellung setzt ein Studium voraus, jedoch ist F. in den Universitätsmatrikeln nicht unter seinem deutschen Namen nachweisbar. Berührung mit dem Humanismus zeigte F. durch Verdeutschung eines zeitkritischen Prosadialoges des Maffeo Vegio (Philathetes, Straßburg 1555) und durch Kurzbiographien antiker Helden in Art des Cornelius Nepos, denen aber Ariovist, Arminius, Belisar und Friedrich von Ewesheim (ließ sich 1250 für Konrad IV. ermorden) zugefügt sind (Von den 43 alten Helden, Straßburg 1562). Als Dramatiker ist F. unbedeutend. „Lazarus“ ist Verdeutschung eines Freiburger Schuldramas, „Abraham“ Dialogisierung von Genesis 19-22, jedoch unter Schilderung der Seelenkämpfe des Helden. Das „Fasnachtspiel vom Triackersmann“ (alle 3 Straßburg ohne Jahr) zeigt einen Scharlatan in Art des historischen Faust beim Verkauf von Arzneien und war (wie wohl auch die anderen Dramen) zur Aufführung in Maursmünster bestimmt. Der persönliche Umgang mit Jörg Wickram und Wickrams Rollwagenbüchlin (1555) regten F. zu seiner Schwanksammlung „Die Gartengesellschaft“ (Straßburg 1557) an, 129 Schwänken, die F.s Namen berühmt machten und bis 1612 16mal nachgedruckt wurden. Es handelt sich um Übertragung lateinischer Facetien Bebels (73), Poggios (24), Adelphus' (14) und Dedekinds (1) und mündliche Tradition. Meist sind die Schwänke stark überarbeitet und im Elsaß, bei Luzern oder im südlichen Deutschland lokalisiert, durchgeformte lebendige Genrebilder voll Humor und Pikanterie, die großen Anklang fanden. Fischart lobte sie (1575), M. Montanus verfaßte einen 2. Teil (1559 ?), V. Schumann (1559), B. Hertzog (1560), Feyerabend (1583), das Schildbürgerbuch (1597), M. Mahrold (1608) und Weidner (1655) schrieben sie aus, sogar ins Lateinische (J. Hulsbusch, 1568) und ins Niederdeutsche (Wegkörter, 1592) wurden sie übersetzt.

  • Werke

    vgl. Goedeke II, 1886, S. 465 f. (die in Kosch, Lit.-Lex. genannten Dramen Salomon u. Judith sind nicht v. F.).
    Gartenges., krit. hrsg. u. eingel. v. J. Bolte, 1896, hrsg. v. H. v. Weber, 1922/23;
    neuhochdt. Ausw., in: E. K. Blümml u. J. Latzenhofer, Dt. Schwänke d. 16. Jh. II, 1906, u. in: K. Amrain, Dt. Schwankerzähler d. 15.-17. Jh., 1907.

  • Literatur

    ADB VII;
    K. Goedeke, Schwänke d. 16. Jh., 1879, S. XX-XXII;
    G. Könnecke, Zu J. F., in: Zs. f. vgl. Lit.gesch. NF 2, 1889, S. 199-205;
    G. Kuttner, Wesen u. Formen d. dt. Schwanklit. d. 16. Jh., 1934.

  • Autor/in

    Hellmut Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hellmut, "Frey, Jacob" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 418 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100793835.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Frey: Jacob F., deutscher Schriftsteller des 16. Jahrhunderts. Er war Stadtschreiber zu Maursmünster im Elsaß. Sein „Schön Gespräche von einem Waldmann“ (Straßburg 1555) ist aus dem Lateinischen übersetzt (Maphei Vegii Laudensis dialogus inter Alithiam et Philalithen) und gibt u. a. Belehrung über Wesen und Art der Poesie. Seine „Gartengesellschaft“ ist eine Sammlung von 129 Schwänken, die er, angeregt durch Wickram's Rollwagenbüchlein. Ende 1556 zuerst herausgab, um der Unterhaltung in öffentlichen Gärten Stoff zu|bieten. Das Buch enthält viele grobe Unanständigkeiten, obgleich der Verfasser alles weggelassen haben will, was vor Frauen und Jungfrauen unschicklich zu reden wäre. Unter seinen Quellen sind besonders Bebels Facetten zu nennen: er hat die Geschichten aber großentheils entweder selbst umgestaltet oder aus dem umgestaltenden Volksmund entnommen und vielfach im Elsaß oder den benachbarten Gegenden localisirt; sehr zu Hause scheint er in der Schweiz, namentlich um Luzern. Die meisten Historien gelten den Geistlichen und den Bauern: wir erkennen den Standpunkt der bürgerlichen Litteratur, wie er schon vor der Reformation sich herausgebildet hatte, Laien gegen Pfaffen, Stadt gegen Land. In der vorletzten Erzählung hat der Verfasser unter leichter Umhüllung sich selbst eingeführt; in der letzten ermahnt er städtische Jugend, die Weisheit des Alters im Rathe zu ehren. Aehnlich dieser Schwanksammlung sucht das Fastnachtsspiel „Von einem Krämer oder Triackersmann" den Witz in der Unfläterei; es führt einen Quacksalber mit seinen Clienten vor, deren Krankheiten das Publicum von Maursmünster zum Carneval erheitern sollten. Dagegen in dem fünfactigen Schauspiel „Abraham“, welches die Schicksale des Patriarchen von dem Abenteuer mit Abimelech bis zu Isaaks Opferung verfolgt, erkennt man den Verfasser der „Gartengesellschaft“ nicht wieder. Sogar der Narr an Abimelechs Hof benimmt sich anständig; das Ganze ist trocken, leblos, ohne Wärme und Wahrheit; aber gut versificirt, ohne Verletzung des Worttones, mäßig in der Anwendung von Flickwörtern. Ein ferneres Schauspiel Frey's behandelte den beliebten Stoff vom reichen Mann und armen Lazarus.

  • Autor/in

    Scherer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Scherer, Wilhelm, "Frey, Jacob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 359-360 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100793835.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA