Lebensdaten
1705 bis 1777
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Lustspieldichter ; Buchhalter
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 100428428 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Borkenstein, Hinrich

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Zitierweise

Borkenstein, Hinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100428428.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1664–1714), Kaufmann in Hamburg, S des Oberbergmeisters David in Clausthal und der Marg. Drexler;
    M Anna ( 1719), T des Kaufmanns Heinrich von Rönne ( 1690) und der Cäcilie Tecklenburg; (⚭1768 Susanna (1741–93), T des Kaufmanns Jean Alexandre Bruguier und der Jeanne Susanne Sarasin aus Frankfurt/Main; 4 K, u.a. Susanna (Susette, 1769–1802, 1786 Jak. Friedrich Gontard, Frankfurter Bankier), als „Diotima“ Hölderlins bekannt.

  • Leben

    1741 noch Buchhalter einer Hamburger Firma, ging B. um die Mitte der 40er Jahre nach Spanien und kehrte 1764 mit reichem Gewinn zurück, der es dem zwei Jahre später zum dänischen Kommerzienrat Ernannten ermöglichte, fortan in seinem stattlichen Haus am Jungfernstieg seinen Neigungen zu leben. B.s literarisches Schaffen beschränkt sich auf die Jahre 1741/42 und ist ausschließlich der satirischen Komödie gewidmet. Von seinen beiden Lustspielen hat sich nur eines erhalten, der Dreiakter in Prosa „Der Bookesbeutel“ (1742 u. ö.). In ihm nimmt B. das Motiv der sächsischen Schlendriankomödie auf unter dem Hamburger Lokalbegriff des Bookesbeutels (das ist ursprünglich der Beutel, in dem die Hamburgerin des Barocks ihre Andachtsbücher beim Kirchgang trug, später bezeichnete man damit die Summe der herkömmlichen, mit der Zeit veralteten und sinnlos gewordenen Bräuche und Sitten) und paßte es der Gottschedschen Forderung der französischen Dreieinheitenlehre und der programmatischen Namengebung an; zugleich übernahm er Anregungen von den Komödien des „dänischen Molière“, Ludwig Holberg. Den Vertretern des karikaturistisch gehaltenen Hamburger Bookesbeutels stellte er leicht überzeichnete Gestalten des Leipziger guten Geschmacks gegenüber. B. arbeitete mit einfachsten, häufig groben, aber drastisch wirksamen Mitteln, deren derber Reiz in einer naturalistischen Anschaulichkeit des Milieus besteht; von einem Ansatz zu einer Charakterkomödie kann noch keine Rede sein. Das Lustspiel wurde der Ahnherr der neueren Hamburger Lokalkomödie. Von einem zweiten Lustspiel B.s, „Der Misch-Masch“, gibt lediglich der Theaterzettel der ersten Hamburger Aufführung am 28.11.1742 Kunde. Das Stichblatt der Satire war die deutsch-französische Mischsprache der Zeit; das Personenverzeichnis zeigt, daß dieses Stück in sehr engen Beziehungen zu Holbergs Komödie „Jean de France“ (1722) stand.

  • Werke

    Der Bookesbeutel, hrsg. v. F. F. Heitmüller, 1896 (L-Verz.), = Neudrr. dt. Lit.-Denkmale d. 18. u. 19. Jh., Nr. 56/57;
    bibliophile Neuausg. d. Ges. d. Bücherfreunde zu Hamburg, 1928;
    s. a. Goedeke III, 1887. S. 372.

  • Literatur

    F. Heitmüller, Hamburg. Dramatiker z. Z. Gottscheds, 1891, S. 66 ff.;
    G. Waniek, Gottsched u. seine Zeit, 1897, S. 498;
    K. Holl, Gesch. d. dt. Lustspiels, 1923, S. 139 f.;
    R. F. Arnold, Das dt. Drama, 1925, S. 294 ff.

  • Autor/in

    Kurt Schreinert
  • Empfohlene Zitierweise

    Schreinert, Kurt, "Borkenstein, Hinrich" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 464 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100428428.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA