Lebensdaten
1769 bis 1852
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100295622 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hummel, Johann Erdmann
  • Hummel, Erdmann
  • Hummel, Johann Erdmann
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Zitierweise

Hummel, Erdmann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100295622.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V David (1732–1810), Schmied, Hofschlossermeister in K., S d. Schlossermeisters Joh. Peter in Köthen u. d. Joh. Maria Kratz;
    M Martha (1743–1806), T d. Hofschlossermeisters Joh. Erdmann Schwartz in K. u. d. Elisabeth Grebe (aus Bandmacherfam. in K.);
    B Caspar (s. 2);
    - 1) Kassel N. N., 2) Berlin 1828 Wilhelmine (1797–1855), T d. Joh. Friedrich Heinicke, Großgärtner u. Pächter in Horst/Ostprignitz, u. d. Charl. Sophie Ernst;
    2 S, 1 T, u. a. Erdmann (* 1826, 1854), russ. Offizier, Kunstdilettant, Fritz (1828–1905), Porträtmaler (s. L).

  • Leben

    Seit seinem 11. Lebensjahr erhielt H. Zeichenunterricht in der Kasseler Kunstakademie, besuchte später daneben auch die Bauklasse und wurde Schüler in der Malklasse des Akademiedirektors Böttner. Aufgrund seiner guten Leistungen erhielt er ein 3jähriges Italien-Stipendium und ging 1792 zunächst nach Rom, wo er in freundschaftliche Beziehungen zu der deutschen Künstlerkolonie trat. Im Banne von Asmus Jacob Carstens begeisterte sich H. für klassizistischantikische und mythologische Stoffe, doch wirkten seine Bilder reichlich trocken. Gelungener waren die Aquarelle und Sepiazeichnungen mit Darstellungen der ital. Landschaft im Sinne des neu aufkeimenden romantischen Naturempfindens, die sich bei ihm durch einen hohen Realitätsgehalt auszeichneten. Am überzeugendsten aber waren die Veduten des vielseitig begabten Künstlers, die bei aller Genauigkeit im einzelnen auch malerische Feinheiten aufwiesen und in der realistischen Wiedergabe und dem Sinn für Architektur seine eigentliche Begabung offenbarten. – 1799 reiste H. wie viele seiner Freunde nach Deutschland zurück. In Kassel litt es ihn nicht lange, und er entschloß sich, mit seinem Bruder Caspar nach Berlin zu gehen. Obwohl ihm die preuß. Hauptstadt im Anfang wenig anziehend erschien, sollte er hier die Entfaltung und Erfüllung seines Schaffens finden. Allerdings wandte er sich zunächst wieder den früheren Themen zu; Goethes Lob zu erringen, schien ihm höchster Lohn.

    Eine entscheidende Wendung brachte 1809 H.s Berufung an die Berliner Akademie als Lehrer für Architektur, Perspektive und Optik und die Ernennung zum Professor für dieses auf sein Betreiben neu eingerichtete Lehrfach. 1811 wurde er Mitglied des akademischen Senats. Die antikischen und romantisch gefärbten Bildvorwürfe traten nun endgültig vor den Bildnissen und den anfänglich auch didaktisch gemeinten sachlichrealistischen Schilderungen seiner berlinischen Umwelt zurück, die H. als Lehrer gern noch durch allerlei perspektivische Spiegeleffekte bereicherte. Seine Begabung für das Kunsthandwerk (Entwürfe) und seine pädagogischen Fähigkeiten erwies er auch in den Bemühungen um eine gute Ausbildung der Handwerker. H.s Schöpfungen der Berliner Zeit bleiben, auch wenn sie gelegentlich mit ihren Spiegelungen zu konstruiert und künstlich wirken, zweifellos seine stärksten Leistungen. Sie bildeten zugleich den Auftakt für den frühen Realismus der Berliner Malerschule, besonders aber für die Architekturmalerei. Nach seinem Tode geriet H. in Vergessenheit und wurde erst durch die Jahrhundert-Ausstellung in Berlin 1906 wiederentdeckt. 1924 fand in der Nationalgalerie eine Ausstellung mit Werken H.s statt.

  • Werke

    W Verz. in: Gg. Hummel (E), E. H., Sein Werk, Werkverz. mit Teilen s. Briefwechsel u. 144 Tafeln (Fotografien), 1944 (ungedr., im Bes. d. Kunstbibl. Berlin);
    - Wichtigste Arbb. in: Berlin, Nat.gal. (West u. Ost), Märk. Mus., Staatl. Kunstslgg. Kassel, anderen dt. Museen u. Privatbes.;
    3 Granitschalen-Bilder (Berlin, Nat.gal. West u. Ost, Märk. Mus.);
    Gem. Schachpartie im Palais Voß (ebd., Nat.gal. West, u. Hannover, Landesmus.). - Schrr.:
    Freie Perspektive, hauptsächl. f. Maler u. Architekten, 2 T., 1824, 21833;
    Geometr.-prakt. Konstruktion d. Schatten f. Architekten, 1830;
    Anleitung z. Projektions- u. geometr. Zeichnen, 1844.

  • Literatur

    ADB 13;
    Gg. Hummel (E), Der Maler E. H., Leben u. Werk, 1954 (P);
    ThB (ältere L). - Zu S Fritz: Gg. Hummel, in: Jb. f. brandenburg. Landesgesch. 12, 1961 (P).

  • Portraits

    Lith. v. F. Jentzen, 1829;
    Selbstbildnis (Öl), um 1795 (Berlin, Nat.gal.), Abb. b. G. Hummel, s. L.

  • Autor/in

    Irmgard Wirth
  • Empfohlene Zitierweise

    Wirth, Irmgard, "Hummel, Erdmann" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 52 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100295622.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hummel: Johann Erdmann H., ist am 11. September 1769 zu Kassel geboren. Anfänglich durch den Hofmaler Böttner in der Malerei unterwiesen, vervollständigte er seine Studien durch einen mehrjährigen Aufenthalt in Italien. Seit 1800 in Berlin ansässig, arbeitete er gemeinsam mit anderen Künstlern an einem Costümwerke für das königliche Nationaltheater und lieferte die Stiche nach Antiken zu dem von A. Hirt herausgegebenen Bilderbuche für Mythologie, Archäologie und Kunst. Nach eigenen Compositionen stach er 12 Blätter in Umrissen „Dr. Martin Luther's Leben und Apotheose“. Im J. 1809 zum Professor und 1811 zum Mitglied des Senats der Akademie der Künste ernannt, erwarb sich H. durch eine ausgedehnte und wirksame Lehrthätigkeit in den auf Mathematik beruhenden Gebieten der Kunst hervorragende Verdienste. Auf Grund seiner Vorträge behandelte er in litterarischen Werken die freie Perspektive, erläutert durch Aufgaben und Beispiele (1824), die Schattenlehre (1830) und die Projectionslehre (1842), sowie die Säulenordnung nach Vitruv. Den gemäßigten Anforderungen seiner Zeit genügend malte er Porträts, Historien- und Genrebilder, Landschaften und Architekturstücke, in denen nicht selten durch Lösung schwieriger Aufgaben in Bezug auf Spiegelung und Schattenlagen eine genaue Kenntniß der Perspectivgesetze dargelegt ist. Es ist bemerkenswerth, daß E. T. A. Hoffmann an eins seiner Bilder „Die Gesellschaft in einer römischen Lokanda“ die humoristische Erzählung „Die Fermate“ anknüpfte. Von den zahlreichen Schülern Hummel's sind Buonaventura Genelli, Mila und Pellissier, der nachherige Director der Akademie zu Hanau hervorzuheben. Als eine jener originellen Naturen, welche die Neuzeit nicht mehr kennt, überlebte der „Perspectiv-Hummel“ seine nächsten Freunde Janus und Hans Christian Genelli, Bury und Hirt und starb nach rastloser Thätigkeit zu Berlin am 26. August 1852 im 83. Jahre.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Donop, von, "Hummel, Erdmann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 387 unter Hummel, Johann Erdmann [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100295622.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA