Lebensdaten
1755 bis 1815
Geburtsort
Maria-Hof (Steiermark)
Sterbeort
Sankt Petersburg
Beruf/Funktion
Oberberghauptmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100166393 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hermann, Benedikt Franz Johann
  • Herrmann, Benedikt
  • Herrmann, Benedikt Franz Johann
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Zitierweise

Hermann, Benedikt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100166393.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Phil. Hörmann, Bauer in Höfersdorf;
    M Agnes Lercher;
    1787 Elisabeth Kath., T d. Gabriel Katschka, Chef d. Kolyvaner Berg- u. Hüttenwerke, Dir. d. Bergdep., Senator;
    7 K.

  • Leben

    H. besuchte in Murau (Steiermark) die Grundschule und im Dominikanerkloster Friesach die Humanistenklassen. Sein Vater schickte ihn darauf nach Aussee in das staatliche Salzkammeramt, um ihn die Salzwerkskunde mit den mineralogischen und metallurgischen Fragen sowie Kanzleiverwaltungsgeschäfte kennenlernen zu lassen. H. trat dann in das Schwarzenbergsche Rentamt in Murau ein, wurde aber bald von dort an die zugehörige Rechnungsstelle in Graz versetzt, wo er Vorlesungen an der Universität hörte. 1777 wurde ihm die Administration der Schwarzenbergschen Hauptkasse in Wien anvertraut. Daneben studierte er an der Universität Wien Kameralwissenschaften. Um 1780 hielt er als außerordentlich und erster Professor Vorlesungen über Technologie.

    1781 unternahm er Studienreisen nach Deutschland, Italien und Ungarn. Im selben Jahre schloß er die für ihn bedeutungsvolle Bekanntschaft mit von Karosi, der ihn Ende 1781 nach Petersburg brachte. Dort trat er in die Dienste der russisch Bergverwaltung. 1784 wurde er Hofrat und Direktor der Pyšminsker Eisenwerke und, nach Reisen zu den Bergwerken am Ob und am Altai 1786–87, 1798 Mitglied des Reichs-Bergkollegiums und 1799 Inspektor der Bergschule. 1801 Oberberghauptmann in Katherinenburg, gründete H. dort 1803 die erste Buchdruckerei in Sibirien. Als erste Druckschrift in russisch Sprache ging daraus sein Buch „Die Wichtigkeit des russisch Bergbaues“ (deutsch Petersburg 1810) hervor. 1807 wurde er General-Bergintendant und hatte damit wohl die höchste Stelle in der russisch Bergverwaltung inne. – H. hatte eine glückliche zweiseitige Begabung: Er erarbeitete viele theoretische Erkenntnisse und verstand es, diese in der Praxis zu verwerten. Seine wissenschaftlichen Qualitäten bestätigte er durch 3 preisgekrönte Schriften, durch mehrere theoretische bergkundliche und metallurgische Bücher wie auch durch einige wirtschaftspolitische Arbeiten.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Ak. d. Naturforscher in St. Petersburg.

  • Werke

    Weitere W u. a. Preisgekrönte Arbb.: Über d. Frage: Wie sind d. versch. Arten v. Mergel od. Schifer am sichersten zu erkennen, 1787 (preisgekrönt 1781 v. d. Ökonomie-Societät in Wien);
    Über den Unterschied zw. Roh- u. Frischeisen, 1799 (preisgekrönt v. d. Böhm. Ges. d. Wiss.);
    Über d. beste Schmelzmethode d. magnet., oft schwefelichten Eisenerze, 1801 (preisgekrönt v. d. ökonom. Ges. in Petersburg);
    außerdem Reisen durch Österreich, Steiermark usw., 3 Bde., Wien 1780-83;
    Über d. Einführung d. Studiums d. Technol., ebd. 1781;
    Abriß d. physikal. Beschaffenheit d. österr. Staaten, Petersburg u. Leipzig 1783;
    |v. Hornecks Bemerkungen üb. d. österr. Staatsökonomie, umgearb. u. mit Anmerkungen versehen, Berlin u. Stettin 1784;
    Btrr. z. Physik, Mineral., Ökonomie, 3 Bde., ebd. 1786-88;
    Natursesch. d. Kupfers, 1. T., Petersburg 1793.

  • Literatur

    ADB XII;
    F. Sartori, Österreichs Tibur od. Natur- u. Kunstgem. a. d. österr. Kaisertum, 1819, S. 351-72;
    E. Bernleithner, Die Entwicklung d. österr. Länderkde. an d. Wende d. 18. u. 19. Jh., Diss. Wien 1949, S. 101-09;
    Pogg. I;
    Wurzbach VIII (W, L);
    ÖBL (W, L).

  • Portraits

    Kupf. v. Blaschke, in: Archiv f. Geogr. u. Statistik, Jg. 1802, u. Allg. geogr. Ephemeriden, 1805, H. 7.

  • Autor/in

    Anton Tautscher
  • Empfohlene Zitierweise

    Tautscher, Anton, "Hermann, Benedikt" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 653 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100166393.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Herrmann: Benedict Franz Johann H., kaiserl. russischer Oberberghauptmann zu Katharinenburg in Sibirien, ein sehr gelehrter und tüchtiger Metallurg, geboren am 15. (14?) März 1755 zu Marienhof im Judenburger Kreise Steiermark, am 11. Januar 1815. H. genoß den ersten Unterricht in der Stadtschule zu Murnau, kam in die Klosterschule zu Friesach und wurde sodann zur Erlernung der Salzwerkskunde nach Aussee geschickt; später fand er in der|Canzlei des Rentamtes zu Murnau und in dem fürstl. Schwarzenbergischen Rechnungsamt zu Graz Beschäftigung. Hier erwachte zuerst ein innerer Wissensdrang in H., er begann Vorlesungen an der dortigen Universität zu besuchen, sowie in den Sprachen sich auszubilden. Nach Wien (1777) in die fürstl. Schwarzenbergische Buchhaltung berufen, setzte er seine Studien besonders in Mineralogie, Bergwerkskunde und bei v. Jacquin in der Chemie eifrig fort. Zu seiner weiteren Ausbildung unternahm er 1781 Reisen durch Deutschland, Ungarn und Italien, auf welchen er in allen Zweigen der Industrie und Technologie sich gründliche Kenntnisse zu erwerben bestrebt war. So ausgerüstet kam er nach Wien zurück und glaubte Anspruch auf eine bis dahin noch nicht errichtete Professur der Technologie an der Universität machen zu dürfen. Dies glückte ihm zwar nicht, er erhielt jedoch die Erlaubniß (1781), außerordentliche Vorlesungen über Technologie halten zu dürfen, für welche er sich durch einen gedruckten Aufsatz: „Ueber die Einführung des Studiums der Technologie“, zu empfehlen versuchte. Obwol es mit seinen Vorlesungen nicht recht vorwärts ging, erwarb er sich doch bei der ökonomischen Gesellschaft in Wien den Preis durch eine Arbeit über die Kenntniß des Mergels, welche sehr gut aufgenommen wurde. Bald gab er auch seine „Bemerkungen auf der Reise durch Oesterreich“ in 2 Bänden (1781) heraus, in welchen er sich mit einer damals ungewöhnlichen Freimüthigkeit aussprach. Die Aeußerung, daß er auch eine Beschreibung des Stahlprocesses auf den fürstl. Schwarzenbergischen Werken in Steiermark liefern wollte, zog ihm aber viele Anfeindungen zu. Um ihnen zu entgehen, entschloß sich H. zu einer Reise nach den Salzwerken bei Krakau, kam von da erst nach Warschau und endlich nach St. Petersburg, wo er sogleich von der Akademie der Wissenschaften zum Correspondenten ernannt und zum Nachfolger des auf einer Reise in die Krim gestorbenen Mineralogen Mosijenkow bestimmt wurde. Inzwischen hatte er den dritten Band seiner Reisebemerkungen und die Beschreibung des Stahlschmelzprozesses ("Beschreibung der Manipulation, vermittelst welcher der Brescianer Stahl verfertigt wird“, 1781) veröffentlicht und daraufhin schickte ihn (1783) die Kaiserin Katharina II. an den Ural, um daselbst ein Stahlwerk zu errichten. Inzwischen gelangte eine ganze Reihe seiner Schriften zur Publication: „Beschreibung des Silberschmelzprocesses zu Neusohl in Ungarn", 1781; „Höfer's Nachricht von dem in Toscana entdeckten natürlichen Sedativsalz", 1782; „Abriß der physikalischen Beschaffenheit der österreichischen Staaten“, 1783; „Büffon's Geist oder Kern seiner Naturgeschichte“, 1783. Am Ural hatte H. indessen seine Vorarbeiten für die Anlage eines Stahlwerkes gemacht und kehrte 1784 nach St. Petersburg zur Vorlage seines Projectes zurück. Nachdem dieses genehmigt, H. zum Hofrath und Director der zu Pyschminsk bei Katharinenburg zu errichtenden Stahlhütte ernannt war, widmete er sich 1785 mit aller Hingebung der ihm gestellten Aufgabe. Einen Ruf nach Oesterreich als Administrationsadjunct in Lemberg lehnte er ab. Aus der Zeit seines Aufenthalts in St. Petersburg stammen die Publicationen: „v. Horneck's Bemerkungen über die österreichische Staatsökonomie“, 1784, und „Demeste's Briefe über Chemie, Probirkunst, Krystallographie aus dem Franz.“, 1784. H. fand und benutzte die Gelegenheit, die sibirischen Bergwerke, besonders die Kolywanischen, zu bereisen und reiches Material für weitere schriftstellerische Thätigkeit zu sammeln. 1786—88 erschienen seine „Beiträge zur Physik, Mineralogie etc., besonders der russischen Länder“ in 3 Bänden, eine neue Bearbeitung seiner Preisschrift: „Wie sind die verschiedenen Arten von Mergel und Schlier zu erkennen?" 1787; „Ueber die beste Methode, Eisen zu schmelzen und zu schmieden“ (russisch). 1787; „Versuch einer mineralogischen Beschreibung der uralischen Erzgebirge“, 2 Bde., 1789; „Statistische Schilderung von Rußland“, 1790. Intriguen, die|gegen ihn in St. Petersburg gespielt wurden, konnte H. 1789 bei seiner Anwesenheit daselbst leicht beseitigen, zog sich aber auf der Rückreise ein schweres Leiden zu, das ihn bestimmte, als 1792 die Stahlhütte zu Pyschminsk abbrannte, um seine Entlassung aus seinem Dienste zu bitten. Nach Petersburg 1796 zurückgekehrt, trat er als Academicus ordinarius und Professor der Mineralogie, wozu er schon seit 1790 ernannt worden war, ein, wurde 1798 wirkliches Mitglied des Reichsbergcollegiums, 1799 zugleich Inspector der kaiserl. Bergschule und Collegienrath. 1800 erhielt er den Auftrag der Untersuchung der Kanonengießerei im Olonetzischen; 1801 zum Staatsrathe befördert, wurde ihm der Titel eines Oberberghauptmanns vierter Classe verliehen und die Befehlshaberstelle der Katharinenburger Berghauptmannschaft übertragen, weshalb er Ende 1801 zum fünften Mal seine Reise nach Sibirien antrat, nach wenigen Jahren aber den Anstrengungen seiner vielen Reisen erlag. An seine früheren Publikationen reihen sich an: „Naturgeschichte des Kupfers“, 1789; „Nachricht von der Eisen- und Stahlmanipulation in Kärnten“ (Sch. der Berliner Ges. naturf. Freunde, 2. Bd.); „Ueber die Entstehung der Gebirge und ihre gegenwärtige Beschaffenheit“, 1797; „Mineralogische Reisen in Sibirien von 1783—91“, 3 Bde., 1798 bis 1801; „Abhandlung von den sibirischen Berg- und Hüttenwerken“, 3 Bde., 1797—1801. Dazu kommen zahlreiche kleinere Aufsätze in verschiedenen Fachschriften, u. a. in Pallas' nordischen Reisen, Bd. III; in den physikalischen Arbeiten der naturf. Freunde in Wien, 2. Jahrg., 1788; in den Schriften der Berliner Ges. der naturf. Freunde, Bd. XI.; in Crell's chem. Annalen seit 1789 u ff.; in Zimmermann's geogr.-stat. Annalen, Bd. IX.; im bergmänn. Journal, 1791; in den Schriften der böhm. Societät d. W., 1799; in den Schriften der ökonom. Ges. in Petersburg, 1801, und hauptsächlich in den neuen Akten der kaiserl. Akademie der Wissensch. in St. Petersburg.

    • Literatur

      Ersch und Gruber, Allgem. Encyklop., II. Sect. Bd. VI. v. Wincklern, Biogr. u. litter. Nachrichten aus Steiermark, 1810.

  • Autor/in

    Gümbel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Hermann, Benedikt" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 215-217 unter Herrmann [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100166393.html#adbcontent

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