Lebensdaten
1507 oder 1517 bis 1568
Sterbeort
Zabern (Elsaß)
Beruf/Funktion
Bischof von Straßburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100119824 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Erasmus Schenk von Limpurg
  • Limpurg, Erasmus Schenk von
  • Erasmus von Limburg
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Zitierweise

Erasmus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100119824.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph Schenk v. Limpurg-Gaildorf ( 1515), Reichserbschenk, S des Albrecht ( 1506) u. der Elis. Gfn. v. Oettingen;
    M Agnes ( 1541), T des Georg III. Gf. v. Werdenberg ( 1500) u. der Kath. Mgfn. v. Baden.

  • Leben

    Aus der Zeit der Reformation und Gegenreformation erhält E. Pontifikat in der Reihe der zumeist unbedeutenden Straßburger Bischöfe auch für die gesamtdeutsche Geschichte eine besondere Note. Durch seine Familie eng mit dem hochadligen Domstift verbunden, auf den Hochschulen von Tübingen und Paris erzogen, erhielt er als Bamberger Kanoniker 1532 die gleiche Würde in Straßburg. Da er sich erst 1544, drei Jahre nach seiner Bischofswahl, die Priesterweihe erteilen ließ, war 1541 auch der Rat der lutherischen Freien Stadt mit der Wahl zufrieden. Von seiner engen Freundschaft mit Johannes Sturm, die den Gegensatz milderte, mochten einige Mitglieder sogar den Übertritt des „friedsamen Fürsten“ zur neuen Lehre erhoffen. Da E. selbst jedoch in der sittlichen Verwilderung des Klerus den Grund zum Abfall von der alten Kirche sah, wollte er in dessen geistiger und sittlicher Erziehung den besten Schutz gegen die bis in den eigenen Familienkreis sichtbare Wirkung der Reformation schaffen. Zahlreiche Verordnungen, die im wesentlichen auf die Anregung seines hervorragenden Kanzlers Ch. Welsinger zurückgehen, zeugen von einem ernstlichen Reformwillen in humanistischem Geiste. Zu einer größeren Wirkung ließen es Entschlußlosigkeit und Bequemlichkeit nicht kommen, zumal E. sogar das persönliche Erscheinen auf den Reichstagen trotz kaiserlichen Drängens scheute. Vor allem fehlte ein religiöser Impuls. Die gelegentlich auftretenden Jesuiten fanden keine Unterstützung; die Beschlüsse des Trienter Konzils wurden nur äußerlich vollzogen. Erst unter seinem Nachfolger Johann von Manderscheid setzte die Gegenreformation im Hochstift Straßburg ein.

  • Literatur

    ADB VI;
    K. Hahn, Die kath. Kirche in Straßburg unter d. Bischof E. v. L., = Schrr. d. Wiss. Inst. d. Elsaß-Lothringer im Reich, NF 24, 1940; Hss.
    , in: Hss.proben d. 16. Jh. nach Straßburger Originalen, hrsg. v. J. Ficker u. O. Winckelmann, 2 Bde., 1902/05.

  • Autor/in

    Paul Wentzcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Wentzcke, Paul, "Erasmus" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 554 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100119824.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Erasmus von Limburg (geb. im März 1517), Bischof von Straßburg von 1541—1568, aus der gräflichen Familie von Limburg (s. d.) stammend, folgte ungern in der unruhigen Reformationsepoche, dem gemäßigten Wilhelm v. Honstein (s. d.) auf dem bischöflichen Stuhle. Er hatte seine Studienjahre in Tübingen zugebracht und sich dort auch mit Jurisprudenz und mathematischen Wissenschaften befaßt. Es wäre nicht billig, ihn unter die damaligen fanatischen Vertreter der katholischen Kirche zu setzen, er zeigte sich nicht ungeneigt zur Vermittlung. In den Zwistigkeiten, welche den Beschluß des Interims hervorrief, mußte er wol auf der Einführung der gefaßten Beschlüsse bestehn, doch kam, 1549, unter dem Einflusse des eminenten Stettmeisters Jakob Sturm|v. Sturmeck (s. d.) und des gelehrten Jakob Sturm v. Schleiden (s. d.) ein Vergleich zu Stande, kraft dessen die Lutheraner in Straßburg dem Bischof bedingslos den Münster, beide Kirchen zum alten und jungen St. Peter und das Oratorium Allerheiligen abtraten. Sie dagegen sollten St. Thomä, St. Nicolai, St. Wilhelm und St. Aurelien behalten. — Dabei hatte es indeß nicht sein Bewenden; die Vereinbarung befriedigte die Protestanten keineswegs, es kam in dem Münster während des katholischen Gottesdienstes zu unruhiger Störung; der erbitterte Bischof verlangte nun sämmtliche Kirchen zurück, ließ sich aber dennoch beschwichtigen. In dieser Bedrängniß ging Straßburg den König von Frankreich, Heinrich II., um Hülfe an (1552). Französische Truppen stiegen im Frühjahr 1552 über Einartshausen (das spätere Pfalzburg) und Zabern in den Elsaß herab. Allein in dem Heere fehlte jede Mannszucht; die mißhandelten Bauern flohen in die Wälder; Straßburg, erschreckt und für seine Unabhängigkeit besorgt, schloß seine Thore, verweigerte dem König den Durchzug für sein Heer. Heinrich II. fand es gerathen, nicht von dem Anerbieten, „ihn persönlich mit einem kleinen Gefolge zu empfangen“, Gebrauch zu machen. In Deutschland hatte sich indeß durch Moritz von Sachsen für die Protestanten alles zum Bessern gewendet. Der Vertrag von Passau (1552) rettete vorerst die Glaubensfreiheit; Straßburg konnte sich den gefürchteten Folgen des Interims entziehen. Nicht ohne Einfluß auf die Lage der Dinge in Straßburg blieb zweifelsohne die Verbindung — wir dürfen es nicht Freundschaft nennen — die früher in Tübingen und Paris zwischen dem Bischof Erasmus und Johannes Sturm (von Schleiden), dem Rector des Gymnasiums in Straßburg, bestanden. Auf Erasmus' Empfehlung bei dem Stettmeister Sturm war der Pariser Professor nach Straßburg gezogen worden. Auch auf dem Concilium von Trient unter des Papstes Pius IV. Regierung fanden sich E. v. L. und Johann Sturm zusammen. Nichtsdestoweniger behauptete der Bischof als Kirchenfürst seine Stellung im Elsaß. Unter seinem Episcopat trug sich ein Ereigniß zu, welches die Ausdehnung der neuen Lehre auf dem Lande nicht wenig hemmte. Wir meinen den Rückkauf der Landvogtei von Hagenau durch den Kaiser aus den Händen des pfälzischen Kurfürsten Otto Heinrich (1558). Hagenau wurde dadurch zum Hort der katholischen Kirche im Unterelsaß, wie es schon Ensisheim, als Sitz der österreichischen erzherzoglichen Regierung, im Oberelsaß war. Straßburg dagegen blieb absonderlich für die französischen Hugenotten ein immer offener Zufluchtsort und E. v. L. bei seinem im J. 1568 (27. Nov.) erfolgten Tode konnte wol nicht ahnen und nicht hoffen, daß auch in diesen Mauern mit der Zeit ein gewaltiger Rückschlag zu Gunsten seiner Kirche folgen würde.

    S. Guilliman, Episcop. Argentinensi p. 44 u. ff. Iselin, Histor.-geogr. Wörterbuch, ad vocem E. v. Limburg. Strobel, Vaterländische Geschichte des Elsasses. Bd. IV. 1751 ff. p. 85 ff. L. Spach, Histoire de la basse Alsace, p. 185 ff. Prescher, Geschichte und Beschreibung der Reichsgrafschaft Limpurg, Stuttgart 1790.

  • Autor/in

    Spach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spach, Ludwig, "Erasmus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 159-160 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100119824.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA