Lebensdaten
1584 bis 1635
Sterbeort
Metz
Beruf/Funktion
Pfalzgraf bei Rhein ; Herzog von Zweibrücken ; Administrator der Kurpfalz
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 100006000 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johann der Jüngere
  • Johann II. der Jüngere
  • Johann II.
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Johann II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100006000.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann I. ( 1604), Pfalzgf., Hzg. v. Z. (s. NDB X);
    B Joh. Casimir ( 1652, s. NDB X);
    - 1) 28.7.1604 Katharina (1578–1607), T d. Gf. Renatus v. Rohan, 2) 4.5.1612 Luise Juliane (1594–1640), T d. Kf. Friedrich IV. v. d. Pfalz ( 1610, s. NDB V);
    1 T aus 1) Magdalena Katharina ( 1648, 1630 Pfalzgf. Christian I. v. Birkenfeld, 1598–1654), 1 S, 6 T aus 2), u. a. Friedrich (1616–61), Pfalzgf., Hzg. v. Z., Juliane Magdalene ( 1672, 1645 Friedrich Ludwig, 1619–81, Pfalzgf., Hzg. v. Z.-Landsberg).

  • Leben

    Nach dem Tode des Vaters übernahm J. mit der Regierung des Hzgt. Zweibrücken auch die von diesem begründete Anlehnung an die gleichfalls ref. Kurpfalz, der er auch 1609 in die ev. Union folgte. Im Jülicher Krieg machte er Ansprüche geltend, er mußte aber hinter Pfalz-Neuburg und Kurbrandenburg zurücktreten. Dafür fiel ihm im Sept. 1610 gemäß dem Testament Friedrichs IV. von der Pfalz die Vormundschaft über dessen unmündigen Sohn Friedrich V. zu, die er sich entschlossen sicherte – trotz heftiger Anfeindungen durch seinen luth. Oheim Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg, der die Administration der Kurpfalz als nächster Agnat gemäß der Goldenen Bulle beanspruchte. J. vermochte sie bis zur Volljährigkeit Friedrichs V. 1614 zu behaupten. So bewahrte er in der prot. Vormacht Kurpfalz das ref. Bekenntnis. Zugleich war er Haupt der ev. Union. Hatte J. sein Hzgt. Zweibrücken im patriarchalischen Geist seines Vaters regiert, so traten nun die Zweibrück. Angelegenheiten hinter seine Tätigkeit in Heidelberg zurück. Wichtig wurde hier, daß es ihm gelang, 1613 die engl. Heirat Friedrichs V. zustande zu bringen. Auch das 1612 anfallende Reichsvikariat der Kurpfalz vermochte er gegen neuburg. Ansprüche zu behaupten. Er knüpfte durch die Ehe mit der Pfälzer Prinzessin das Band zum Heidelberger Kurhaus noch enger. Seine Politik als Administrator war bei aller Entschiedenheit eher vorsichtig, was bei einigen der radikaleren Heidelberger Räte Kritik auslöste.

    Im Okt. 1620 übernahm J. für den zum König von Böhmen gewählten Friedrich V. die Statthalterschaft in Heidelberg, gewann aber naturgemäß nicht mehr den Einfluß auf die Pfälzer Politik wie 1610-14. Er stand dieser recht skeptisch gegenüber und kehrte im Sept. 1621 in sein Territorium zurück, da er es vermeiden wollte, Pfalz-Zweibrücken in die Katastrophe des mittlerweile geächteten Winterkönigs zu ziehen. Nach der Auflösung der Union versuchte er eine verzweifelte Neutralitätspolitik, die aber vor allem die südlichen Ämter des Herzogtums nicht vor schweren Schäden durch Kriegsdurchzüge|bewahren konnte. 1628 erging ein kaiserl. Befehl an J., das Kloster Hornbach, Sitz des Zweibrückener Gymnasiums, zu restituieren; J. verlegte die Schule nach Zweibrücken. Das faktische Scheitern seiner Neutralitätspolitik, die von der zunächst in Süddeutschland dominierenden kaiserl. Partei wenig honoriert wurde, führte dazu, daß sich J. 1634 dem Heilbronner Bund mit Schweden anschloß. Nach der Nördlinger Schlacht kam es infolgedessen zu einem verheerenden Einfall des Generals Gallas ins Herzogtum. J. starb kurz darauf. Er hatte sich als väterlich fürsorgender Landesfürst um das Wohl der Untertanen bemüht. Er hing treu dem ref. Bekenntnis an und tat wie sein Vater viel für Bildung und Kirche. Am Ende seines Lebens mußte er den Ruin seines Landes mit ansehen, von dem es sich nie mehr ganz erholen sollte. Auch die Hilfe der Landschaft vermochte den Staatsbankrott nicht zu verhindern.

  • Literatur

    Briefe u. Akten z. Gesch. d. 30j. Krieges I-XI, 1870-1909;
    J. G. Lehmann, Gesch. d. Hzgt. Zweibrücken u. s. Fürsten, 1867;
    M. Ritter, Pol. u. Gesch. d. Union z. Z. d. Ausgangs Rudolf II. u. d. Anfänge d. Kaisers Matthias, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1880;
    Ph. K. Heintz, Das ehemal. Fürstentum Pfalz-Zweibrücken während d. 30j. Krieges, 21895;
    J. Kretzschmar, Der Heilbronner Bund, 3 Bde., 1922;
    A. Tecke, Die kurpfälz. Pol. u. d. Ausbruch d. 30j. Krieges, Diss. Hamburg 1932;
    F. H. Schubert, Ludwig Camerarius, 1955;
    E. Weiß, Die Unterstützung Friedrichs V. v. d. Pfalz durch Jacob I. u. Karl I. v. England im 30j. Krieg (1618–32), 1966;
    V. Press, Calvinismus u. Territorialstaat, Regierung u. Zentralbehörden d. Kurpfalz 1559-1619, 1970;
    A. Egler, Die Spanier in d. linksrhein. Pfalz, 1971. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Volker Press
  • Empfohlene Zitierweise

    Press, Volker, "Johann II." in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 514 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100006000.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA