Sesselmann, Friedrich

Lebensdaten
um 1413 – 1483
Geburtsort
Kulmbach Herzogenaurach
Sterbeort
Kamenz
Beruf/Funktion
Bischof von Lebus ; Rat und Gesandter des Kürfürsten von Brandenburg ; Jurist ; Theologe
Konfession
unbekannt
Normdaten
GND: 1050562135 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Fridericus Seßelmann
  • Federicus de Alemania
  • Sesselmann, Friedrich
  • Fridericus Seßelmann
  • Federicus de Alemania

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Zitierweise

Sesselmann, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd1050562135.html#indexcontent [16.07.2026].

CC0

  • Sesselmann, Friedrich

    Namensvarianten: Fridericus Seßelmann; Federicus de Alemania

    um 1413 – 1483

    Bischof von Lebus, Rat und Gesandter des Kurfürsten von Brandenburg

    Friedrich Sesselmann war als Rat, Gesandter und enger Vertrauter des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg (1413–1471) und Kanzler der gleichnamigen Mark maßgeblich an der Durchsetzung und Festigung der Landesherrschaft der Hohenzollern beteiligt. Als Bischof von Lebus (Brandenburg) konsolidierte er die Vermögensverhältnisse des Hochstifts und förderte Bautätigkeiten an Dom und Bischofssitz sowie in der Stadt Fürstenwalde an der Spree.

    Lebensdaten

    Geboren um 1413 in Kulmbach oder Herzogenaurach
    Gestorben 21. September 1483 in Kamenz
    Grabstätte Dom St. Marien in Fürstenwalde an der Spree
    Friedrich Sesselmann (InC)
    Friedrich Sesselmann (InC)
  • um 1413 - Kulmbach Herzogenaurach

    seit Sommer 1429 - Leipzig

    Studium der freien Künste (Artes liberales)

    Universität

    20.5.1431 - Leipzig

    Promotion (baccalaureus artium)

    Universität

    8.1.1435 - Leipzig

    Promotion (magister artium)

    Universität

    seit Sommer 1439 - Bologna; Erfurt

    Studium des gelehrten Rechts; Prokurator der deutschen Nation

    Universität

    1439 - Würzburg

    Kanoniker

    Stift St. Johannes Neumünster

    20.5.1442 - Erfurt

    Promotion (licentiatus legum)

    Universität

    6.3.1444 - Bologna

    Promotion (doctor legum)

    Universität

    30.11.1444 - Kurfürstentum Brandenburg

    1445 - 1483 - Kurfürstentum Brandenburg

    Kanzler Friedrichs II. von Brandenburg

    2.3.1447 - Bologna

    Promotion (licentiatus decretorum)

    Universität

    11.9.1447 - Rom

    Schreiber

    Pönitentiarie

    1447 - 1448 - Augsburg

    Domkanoniker

    Domstift

    5.2.1447 - Konstanz

    Provision auf ein Domkanonikat

    Domstift

    23.4.1451 - Leutershausen (Mittelfranken)

    Pfarrer

    Pfarrkirche

    4.11.1451 - Bologna

    Promotion (doctor decretorum)

    Universität

    17.12.1451 - Stendal

    Kanoniker

    Stift St. Nikolai

    10.10.1452 - Regensburg

    Domkanoniker

    Domkirche

    13.12.1452 - Kurfürstentum Brandenburg

    Statthalter

    15.3.1453 - Lebus (Brandenburg)

    Dompropst

    Domstift

    Juli 1455 - 1483 - Lebus

    Bischof

    Diözese

    seit 17.5.1470 - Kurfürstentum Brandenburg

    Rat; Statthalter

    seit 9.3.1473 - Kurfürstentum Brandenburg

    Regent

    21. September 1483 - Kamenz

    Sesselmann wandte sich nach dem Studium der Artes liberales in Leipzig (1429–ca. 1435) im Sommer 1439 dem Studium des gelehrten Rechts in Bologna zu und wurde dort zu einem der Prokuratoren der deutschen Nation gewählt. In dieser Zeit erhielt er wahrscheinlich sein erstes Kanonikat am Stift St. Johannes Neumünster in Würzburg. Wenige Monate nach seiner Promotion zum Dr. des Zivilrechts im März 1444 trat er als Rat und Gesandter Kurfürst Friedrichs II. von Brandenburg (1413–1471) bei den Verhandlungen zum Rückkauf der Neumark in Erscheinung. Sesselmann, der Anfang 1445 erster kurfürstlicher Kanzler mit juristischer Promotion wurde, nahm im Februar 1447 an der markgräflichen Gesandtschaft zu Papst Eugen IV. (1383–1447) teil, von der er mit dem Privileg der Nominierung der drei brandenburgischen Bischöfe durch den Kurfürsten zurückkehrte. Mit Sondergenehmigung wurde Sesselmann im März 1447 in Bologna zum Lizentiat des kanonischen Rechts promoviert. Während seiner mutmaßlich zweiten Romreise im Herbst 1447 erwarb er als Schreiber der Pönitentiarie Kenntnisse in der päpstlichen Verwaltung. Auf das nach dem 5. Februar 1447 erworbene Domkanonikat in Augsburg verzichtete er 1448 zugunsten von Peter Knorr (1410–1478).

    Mit anderen kurfürstlichen Räten beendete Sesselmann 1448 den „Berliner Unwillen“ zugunsten des Kurfürsten. Nach dem Erwerb der Pfarrei in Leutershausen (Mittelfranken) vor April 1450 erhielt er im Dezember 1451 ein erstes Kanonikat am Stift St. Nikolaus in Stendal, nur einen Monat nach seiner Promotion zum Dr. des kanonischen Rechts in Bologna. Während der Pilgerreise des Kurfürsten in das Heilige Land 1452/53 gehörte Sesselmann zum Kreis der Statthalter der Mark Brandenburg. Auf das im Oktober 1452 erlangte Domkanonikat in Regensburg folgte im März 1453 seine erste Dignität in der Mark mit der Propstei der Lebuser Kirche. Hier wurde er im Juli 1455 von Kurfürst Friedrich II. zum Bischof der Diözese Lebus (Brandenburg) ernannt. Als kurfürstlicher Vertrauter und Vermittler der hohenzollerischen Politik wirkte Sesselmann in der gesamten Mark, zudem als führender Diplomat in Verhandlungen mit Vertretern des Deutschen Ordens, des böhmischen, sächsischen, polnischen, pommerschen und des Kaiserhofs. Für Kurfürst Albrecht III. Achilles von Brandenburg (1414–1486) war er nach 1470 als Statthalter und Regent tätig, darüber hinaus als markgräflicher Gläubiger und Einheber sowie als Beisitzer bzw. Urteiler am Berlin-Cöllner Schieds- und am Kammergericht. Im August 1476 schloss er die Ehen zweier Kinder Albrechts: Barbaras von Brandenburg (1464–1515) mit dem böhmischen König Ladislaus II. (1456–1516) und des späteren Kurfürsten Johann Cicero von Brandenburg (1455–1499) mit Margarete von Sachsen (1449–1501).

    Sesselmann formte die Durchsetzung der brandenburgischen Landesherrschaft, den Ausbau und die Ordnung des kurfürstlichen Gerichtswesens und die kurfürstliche sowie die bischöfliche Kanzlei maßgeblich mit. Davon zeugen die Einführung von Elementen aus dem Zivil- und dem kanonischen Recht in Gerichtsverfahren, die Aufstockung und Professionalisierung des Kanzleipersonals sowie die Ausweitung der Schriftlichkeit, etwa die Erstellung eines stiftischen Einnahmenregisters 1462 und die Zusammenführung mit älteren Verzeichnissen. Durch regelmäßige Käufe seit 1465 vergrößerte er den stiftischen (Lehns-)Besitz. Für seine Aufenthalte nahe der kurfürstlichen Hauptresidenz erwarb er 1462 ein Haus in der Berliner Klosterstraße.

    Zu Sesselsmanns Stiftungs- und Bautätigkeit gehörten die Erweiterung der Fürstenwalder Residenz (vor 1466) durch eine dem heiligen Adalbert von Prag (um 956–997) und weiteren Patronen der Lebuser Kirche geweihte Kapelle sowie von Teilen des Zwingers mit Eckbastionen. 1470 folgte die Erneuerung des Müncheberger Tors im Norden der Stadt Fürstenwalde und der Neubau – oder die Gründung und Errichtung – des bischöflichen Hospitals am Mühlentor. 1475 veranlasste Sesselmann die Erweiterung und Ausstattung der nach den Zerstörungen der Hussitenkriege seit 1446 neu errichteten Domkirche durch eine Kapelle, seine spätere Grablege. Außerdem stiftete er die größte Glocke und das Taufbecken. In seinem Testament verfügte er über 2000 Goldgulden, von denen er einen Teil für den Gottesdienst und 700 Gulden für die Annatenzahlung seines Nachfolgers Liborius von Schlieben (gest. 1486) reservierte. Zwei Schock Groschen jährliche Rente vermachte er der Nonne Barbara Bischofs im Kloster Friedland (Brandenburg), vermutlich seine leibliche Tochter.

    1898 Büste v. Alexander Calandrelli (1834–1903), Denkmalgruppe 16 der ehemaligen Siegesallee, Berlin (Onlineressource)
    1931 Sesselmannweg, Berlin-Wilmersdorf

    Archivmaterialien:

    Brandenburgisches Hauptlandesarchiv Potsdam, Rep. 10A, Hochstift Lebus 1. (Stiftsregister des Hochstiftes Lebus 1460/61, Briefe, überwiegend an die brandenburgischen Kurfürsten)

    Editionen:

    Georg Wilhelm von Raumer (Hg.), Codex diplomaticus Brandenburgensis continuatus. Sammlung der Urkunden zur Brandenburgischen Geschichte, 2 Bde., 1831/33. (Onlineressource) (Onlineressource)

    Adolph Friedrich Riedel (Hg.), Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, 4 Hauptteile, 1 Supplementbd., 1839–1869. (Onlineressource)

    Felix Priebatsch (Hg.), Politische Correspondenz des Kurfürsten Albrecht Achilles, 3 Bde., 1894–1898. (Onlineressource) (Onlineressource) (Onlineressource)

    Herbert Ludat, Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu den Sozial- und Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn des 15. Jahrhunderts, 1965.

    Hilfsmittel:

    Repertorium Germanicum. Verzeichnis der in den päpstlichen Registern und Kameralakten vorkommenden Personen, Kirchen und Orte des Deutschen Reiches, seiner Diözesen und Territorien vom Beginn des Schismas bis zur Reformation, 10 Bde., 1916–2018. (weiterführende Informationen)

    Monografien:

    Georg Roth, Monumenta Templi Fürstenwaldensis, hg. v. Georg Roth, 1702. (Onlineressource)

    Siegmund Wilhelm Wohlbrück, Geschichte des ehemaligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Namens, Bd. 2, 1829, S. 152–164. (Onlineressource)

    Georg Friedrich Gottlob Goltz, Diplomatische Chronik der ehemaligen Residenzstadt der Lebusischen Bischöfe Fürstenwalde von ihrer Erbauung bis auf die gegenwärtige Zeit, 1837. (Onlineressource)

    Ludwig Lewinski, Die brandenburgische Kanzlei und das Urkundenwesen während der Regierung der beiden ersten Hohenzollernschen Markgrafen (1411–1470), 1893, S. 53–58. (Onlineressource)

    Gustav C. Knod, Deutsche Studenten in Bologna (1289–1562). Biographischer Index zu den Acta nationis Germanicae universitatis Bononiensis, 1899, Nachdr. 1970, S. 529 f. (Onlineressource)

    Wilhelm Jung, Die Kunstdenkmäler des Kreises Lebus Bd. 6, T. 1, 1909, S. 65–92. (Onlineressource)

    Anzelm Weiss, Organizajca diecezij lubuskiej w sredniowieczu, 1977.

    Suse Andresen, In fürstlichem Auftrag. Die gelehrten Räte der Kurfürsten von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern im 15. Jahrhundert, 2017, bes. S. 533–538. (zugangsbeschränkte Onlineressource)

    Aufsätze und Beiträge:

    Friedrich Holtze, Die ältesten märkischen Kanzler und ihre Familien, in: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte 7 (1894), S. 479–531. (Onlineressource)

    Ludwig Dihm, Die Wiederherstellung der St. Marien-Domkirche in Fürstenberg a. d. Spree, in: Zentralblatt der Bauverwaltung 30 (1910), S. 573–579. (Onlineressource)

    Johannes Kist, Friedrich Sesselmann von Herzogenaurach, Bischof von Lebus (1455–1483), in: Valentin Fröhlich (Hg.), Herzogenaurach. Ein Heimatbuch, 1949, S. 187–192.

    Peter Neumeister/Blandine Wittkopp/Dirk Schumann, Fürstenwalde. Domkapitel des Bistums Lebus, in: Heinz-Dieter Heimann/Klaus Neitmann/Winfried Schich (Hg.), Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, Bd. 1, 2007, S. 481–499.

    Dirk Schumann, Die Burgen der Bischöfe von Brandenburg, Havelberg und Lebus. Ein Überblick, in: Matthias Untermann (Hg.), Archäologie mittelalterlicher Burgen, 2008, S. 127–134.

    Lexikonartikel:

    Jan Kopiec, Art. „Friedrich Sesselmann“, in: Erwin Gatz (Hg.), Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1448 bis 1648. Ein biographisches Lexikon, 1996, S. 661 f.

    Siegel, Abbildung in: Wilhelm Jung, Die Kunstdenkmäler des Kreises Lebus Bd. 6, T. 1, 1909, Abb. 4, S. XXIV.

  • Autor/in

    Suse Andresen (Darmstadt)

  • Zitierweise

    Andresen, Suse, „Sesselmann, Friedrich“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd1050562135.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA