Hallensleben, Ruth
- Lebensdaten
- 1898 – 1977
- Geburtsort
- Köln
- Sterbeort
- Köln
- Beruf/Funktion
- Fotografin
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 118701002 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Hallensleben, Anna Maria Martha Ottilie Ruth
- Hallensleben, Anna Maria Martha Ottilia Ruth
- Hallensleben, Ruth
- Hallensleben, Anna Maria Martha Ottilie Ruth
- Hallensleben, Anna Maria Martha Ottilia Ruth
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Hallensleben, Anna Maria Martha Ottilie (Ottilia) Ruth
1898 – 1977
Fotografin
Die Auftragsfotografin Ruth Hallensleben schuf ein vielschichtiges und umfangreiches Werk, das von einem sachlichen und ästhetisch streng komponierten Stil geprägt ist. Ende 1934 eröffnete sie in Köln ihr eigenes Studio und machte Karriere im nationalsozialistischen Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Hallensleben weiter zahlreiche Aufträge und gehörte zu den wenigen Frauen, die in der Industriefotografie auch international Bekanntheit erlangten.
Lebensdaten
Ruth Hallensleben (rechts), Fotoarchiv Ruhr Museum (InC) -
Autor/in
→Stefanie Grebe (Essen)
-
Zitierweise
Grebe, Stefanie, „Hallensleben, Ruth“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118701002.html#dbocontent
Hallensleben wuchs in Köln auf, besuchte hier eine Privatschule und absolvierte 1914/15 eine Ausbildung zur Kindergärtnerin an dem Evangelischen Fröbelseminar in Kassel. Es folgten bis 1930 – unterbrochen von längeren Krankheitsphasen – Anstellungen als Kindergärtnerin u. a. in Berlin und Gelsenkirchen sowie Tätigkeiten in dem Beamtenkasino einer Kölner Bank, als Telefonistin in dem Kölner Hotel Minerva und in dem Wirtschaftsbetrieb des Flughafens Stuttgart-Böblingen. 1930 begann sie bei der renommierten Kölner Porträtfotografin Elsbeth Gropp (1885–1974) eine Lehre, die sie am 1. Juni 1933 abschloss. Anschließend war Hallensleben bei Gropp als Fotografin beschäftigt, ehe sie am 4. Dezember 1934 im Hansahochhaus in Köln ihr eigenes Studio eröffnete, das sie bis 1973 an wechselnden Orten betrieb.
Hallensleben wurde nicht Mitglied der NSDAP, arrangierte sich aber mit dem Nationalsozialismus und etablierte sich im „Dritten Reich“ mit ihren – auch propagandistisch verwertbaren – Landschafts-, Werbe- und Industrieaufnahmen als erfolgreiche Fotografin. Ihre hohe Anerkennung in der Branche zeigte sich in ihrer Berufung in die Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL) 1936. Aufgrund zahlreicher Aufträge – u. a. von den Unternehmen Vereinigte Stahlwerke AG (VSt) und Bergische Achsenfabrik Fr. Kotz & Söhne, von dem Hoppenstedt Verlag sowie von der NS-Frauenschaft – konnte Hallensleben ein eigenes Auto finanzieren und beschäftigte um 1937 drei Assistentinnen.
Mitverantwortlich für Hallenlebens Erfolg war ihre Freundschaft zu dem Journalisten, Fotografen und Piloten Wilhelm Debus (1893–1980), den sie 1925 während ihrer Tätigkeit am Flughafen Stuttgart-Böblingen kennengelernt hatte. Als Schriftleiter des VSt-Organs „Das Werk“ veröffentlichte Debus seit 1931 Fotografien von Hallensleben, die seit 1935 für die Zeitschrift regelmäßig Bildreportagen zu der Produktion und der betrieblichen Sozialfürsorge der VSt anfertigte. Während ihrer Arbeiten für Debus sowie als Mitglied der GDL lernte Hallenleben u. a. die Fotografen Albert Renger-Patzsch (1897–1966), Erich Retzlaff (1899–1994) und Paul Wolff (1887–1951) kennen. Nach 1945 setzte sie mit Theaterfotografien und der Dokumentation des Wiederaufbaus des Kölner Doms ihre Karriere fort. Seit 1948 erhielt Hallensleben wieder zunehmend Aufträge von Industrieunternehmen, geriet Anfang der 1960er Jahre jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten, da die Aufträge aus der Wirtschaft allmählich zurückgingen und ihre angeschlagene Gesundheit die Arbeit beeinträchtigte. 1961 übersiedelte sie nach Wuppertal, wo sie 1973 ihren Betrieb aufgab.
Hallensleben erfüllte während ihrer gesamten Karriere das Repräsentationsbedürfnis ihrer Auftraggeber aus Wirtschaft und Politik. Langjährige Geschäftsbeziehungen verbanden sie u. a. mit der Bergischen Achsenfabrik Wiehl (Oberbergisches Land), dem Hoppenstedt Verlag (Darmstadt) und der Bildagentur Bavaria (Gauting bei München). Hallensleben, die sich eher als (Kunst-)Handwerkerin denn als Künstlerin verstand, arbeitete technisch präzise und kompositorisch sicher in vielen Feldern der angewandten Fotografie. Ihr klarer und gegenstandsbezogener Stil stand im Spannungsfeld von „Neuer Sachlichkeit“ und „Neuem Sehen“, ohne einer dieser Richtungen verpflichtet zu sein. Reiz und Wirkkraft ihrer Fotografien bestehen v. a. in der Gleichzeitigkeit dokumentarischer, sachlicher, inszeniert-idealisierender sowie z. T. surrealer Stilmittel. Eine intensive öffentliche Rezeption ihres Werks sowie die Zweit- und Drittverwertung ihrer Auftragsfotografien im internationalen Kunsthandel setzte erst nach Hallenslebens Tod ein.
| 1934 | 3., 5. und 6. Platz bei dem Fotowettbewerb „Der schöne Teutoburger Wald“ der Zeitschrift „Das Werk“ |
| 1936 | Mitglied der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (heute Deutsche Fotografische Akademie) (1974 Ehrenmitglied) |
| 1951 | Auszeichnung der Photokina, Köln |
| 1971 | Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie |
| 1998 | Ruth-Hallensleben-Straße, Köln-Bilderstöckchen |
| 2013 | eigener Bereich für Hallenslebens Fotografien im Museum Achse, Rad und Wagen, Wiehl (Oberbergisches Land) |
Fotografischer Nachlass:
Stiftung Ruhr Museum, Essen. (ca. 38 000 Negative u. 1500 Abzüge)
SK Stiftung Kultur, Köln, Photographische Sammlung.
Weitere Archivmaterialien:
Historisches Archiv der Stadt Köln. (v. a. Bildarchiv)
Aufnahmen in Werkshallen, in: Foto Prisma. Zeitschrift für neuzeitliche Fotografie 9 (1958), S. 30–32.
Stefanie Grebe/Heinrich Theodor Grütter, Publikationen mit Fotografien von Ruth Hallensleben (1931–1973), in: dies. (Hg.), Bilder im Auftrag. Fotografien von Ruth Hallensleben 1931–1973. Katalog der Ausstellung im Ruhr Museum, Essen, 2025, S. 225–229.
Monografien und Bildbände:
Fritz Kempe, Die Industriefotografin Ruth Hallensleben 1898–1977. Einführung zur Ausstellung der PPS-Galerie am 25. September 1978, [1978]. (ungedr. Manuskript, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg)
Ursula Peters (Hg.), Ruth Hallensleben. Frauenarbeit in der Industrie. Fotografien aus den Jahren 1938–1967, 1985.
Irene Franken, Köln der Frauen. Ein Stadtwanderungs- und Lesebuch, 1992, S. 275–290.
Thomas Schleper/Gudrun Sievers-Flägel (Hg.), Belichtete Geschichte. Die Fotografin Ruth Hallensleben im Oberbergischen Land, 1993.
Ursula Köhler-Lutterbeck/Monika Siedentopf, Frauen im Rheinland. Außergewöhnliche Biographien aus der Mitte Europas, 2001, S. 200–204.
Petra Meier-Ehlers, Das sichtbare und das unsichtbare Produkt. Ruth Hallensleben, Auftragsfotografie, 2003. (ungedr. Magisterarbeit, Universität Hamburg)
Nathalie Dimic, Beruf, Blick und Bild. Eine Professionsgeschichte der Fotografin 1890–1940, 2026, bes. S. 335–339. (Onlineressource)
Ausstellungskataloge:
Otto Steinert, Fotografinnen. Beispiele aus der Arbeit von Fotografinnen in Deutschland seit 1925, Katalog der Ausstellung im Museum Folkwang, Essen, 1970. (Gruppenausstellung mit einer Fotografie v. Hallensleben)
Ursula Peters/Kah Jagals, Ruth Hallensleben. 1898–1977. Industriephotographie, Katalog der Ausstellung im Von-der-Heydt-Museum, Wuppertal, 1983.
Städtisches Museum Gelsenkirchen (Hg.), Bilder der Industrie- und Arbeitswelt. Fotografien, Katalog der Ausstellung im Städtischen Museum Gelsenkirchen, 1984. (Sammelausstellung mit sieben Fotografien v. Hallensleben)
Ulrich Borsdorf/Rolf Kania, Ruth Hallensleben. Industrie und Arbeit. Industriefotografie aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, Katalog der Ausstellung im Ruhrlandmuseum, Essen, 1990.
Petra Rösgen (Hg.), Frauenobjektiv. Fotografinnen 1940 bis 1950, Katalog der Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 2001. (Gruppenausstellung mit sieben Fotografien v. Hallensleben)
Lena Johannesson (Hg.), Women Photographers. European Experience. 1845–2000, Katalog der Ausstellung im Hasselblad Center, Göteborg, 2004. (Gruppenausstellung)
Silke von Berswordt-Wallrabe/Friederike Wappler (Hg.), Positionen der modernen Fotografie, Katalog der Ausstellung der Stiftung Situation Kunst, Bochum, 2009. (Sammlungsausstellung mit zehn Fotografien v. Hallensleben)
Elide Brunati (Red.), Ruth Hallensleben. Solo quello che c’era, Katalog der Ausstellung der Fondazione Rolla, Bruzella, 2011.
Sigrid Schneider (Hg.), Von A bis Z. Fotografie im Ruhr Museum, Katalog der Ausstellung im Ruhr Museum, Essen, 2012. (Sammlungsausstellung mit 19 Fotografien v. Hallensleben)
Giovanna Crespi (Hg.), Masterworks of Industrial Photography. Exhibitions 2013–2014. Capolavori della fotografia industriale, Katalog der Ausstellung der Mast Foundation, Bologna, 2015. (Gruppenausstellung mit zwei Fotografien v. Hallensleben)
Manfred Hartmann (Red.), Neues Sehen. Neue Sachlichkeit. Fotografische Positionen in Westfalen vom Bauhaus bis heute, Katalog der Wanderausstellung des LWL-Museumsamts, 2019. (Gruppenausstellung mit einer Fotografie v. Hallensleben)
Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur (Hg.), Points of View. Konzepte und Sequenzen. Concepts and Sequences, Katalog der Ausstellung der SK Stiftung Kultur, Köln, 2023. (Gruppenausstellung mit 17 Fotografien v. Hallensleben)
Carola Jüllig/Regina Stefanie Dietzel (Hg.), Fortschritt als Versprechen. Industriefotografie im geteilten Deutschland, Katalog der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, Berlin, 2023. (Gruppenausstellung mit drei Fotografien v. Hallensleben)
Fondazione Rolla (Hg.), Albert Renger-Patzsch, Ruth Hallensleben. A Dialogue, Katalog der Ausstellung der Fondazione Rolla, Bruzella, 2023.
Stefanie Grebe/Heinrich Theodor Grütter (Hg.), Bilder im Auftrag. Fotografien von Ruth Hallensleben 1931–1973, Katalog der Ausstellung im Ruhr Museum, Essen, 2025.
Aufsätze und Artikel:
Rolf Sachsse, Skizze zu Ruth Hallensleben, in: Fotografie. Zeitschrift Internationaler Fotokunst 2 (1978), H. 7, S. 44–46.
N. N., Ruth Hallensleben, in: Kunstforum International 41 (1980), S. 68–75.
Kah Jagals, Ruth Hallensleben 1898–1977. Schwerpunkt Industriephotographie, in: ProfiFoto. Magazin für professionelle Fotografie (1982), Nr. 5, S. 86–91.
N. N., Industrie, weiblich, in: Konkret. Magazin für Politik und Kultur, Oktober 1985, S. 30–33.
Uli Jungbluth, „Trotz intensiven Durchschauens habe ich keine braunen Flecken entdeckt.“ Über die Faszination schöner Bilder, ihren faschistischen Gebrauch und ihre konservative Neuauflage am Beispiel eines Westerwälder Bildbandes, in: Fotogeschichte 28 (1988), S. 91–102.
Ulrich Melk, Die Fotografin Ruth Hallensleben in Wiehl, in: Achse, Rad und Wagen. Beiträge zur Geschichte der Landfahrzeuge 11 (2003), S. 104–111.
Würdigungen und Nachrufe:
Wilhelm Schöppe, Die Lichtbildnerin Ruth Hallensleben, in: Gebrauchsfotografie. Zeitschrift für die gesamte fachliche Photographie und Bildberichterstattung 47 (1940), S. 207.
Wilhelm Debus, Über eine Photographin. Ruth Hallensleben, in: Photo Magazin v. 1.3.1950, S. 43–47.
Wilhelm Schöppe, Ruth Hallensleben, in: Foto Prisma. Zeitschrift für neuzeitliche Fotografie 5 (1954), S. 480.
N. N., Ruth Hallensleben. Ihre Welt ist das weite Feld der Industriephotographie, in: Westfälische Rundschau v. 3.12.1959.
N. N., Diese Frau ist im Bilde. Ruth Hallensleben. 25 Jahre Industriephotographin, in: Oberbergische Volkszeitung Nr. 281 v. 4.12.1959.
N. N., Mit den Augen einer Frau. Ruth Hallensleben feiert am 4. Dezember Silbernes Jubiläum, in: Oberbergischer Anzeiger v. 4.12.1959.
Wilhelm Schöppe, 25 Jahre Ruth Hallensleben, in: Foto Prisma. Zeitschrift für neuzeitliche Fotografie 11 (1960), S. 29–32.
Wilhelm Schöppe, Ruth Hallensleben, in: Foto Prisma. Zeitschrift für neuzeitliche Fotografie 14 (1963), S. 312–314.
N. N., Große Bereicherung für das Archiv des Kreises. 1200 Negative und Vergrößerungen von Ruth Hallensleben, in: Oberbergische Volkszeitung v. 24.1.1976.
N. N., Ruth Hallensleben, in: Handelsblatt Nr. 86 v. 4.5.1977.
Arthur Gewehr, Ruth Hallensleben, in: Photo-Presse 32 (1977), S. 5.
N. N., Ruth Hallensleben. Kumpel mit der Kamera, in: Photo Magazin v. 1.10.1978, S. 16.
Bildstrecke:
Ruth Hallensleben. Auftragsfotografien für Industrie- und Bauunternehmen aus den Jahren 1950 bis 1961, in: Hans J. Scheurer (Hg.), Eine Heimatkunde. Deutsches nach 1945, 1981, S. 18–40.
Fernsehdokumentation:
Ruth Hallensleben. Pionierin der Industriefotografie, WDR, 1989.
Fotografien, Ruhr Museum, Essen, Fotoarchiv.
Fotografien, SK Stiftung Kultur, Köln, Photographische Sammlung.