Lebensdaten
1897 bis 1966
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
Wamel/Möhnsee bei Soest
Beruf/Funktion
Photograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118599690 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Renger-Patzsch, Albert

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Zitierweise

Renger-Patzsch, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118599690.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert R.-P. (bis 1887 Renger, 1868–1918, Freitod), aus Dresden, Musiker, Buch-, Kunst- u. Musikalienhändler, Amateurphotograph, S d. Christian Gotthelf R. u. d. Rosalin Hermine N. N. ( 2] 1887 Bernhard Julius Patzsch, adoptierte Robert R.);
    M Johanna Frederike Dose (1871–1942), aus Dresden; 2 ältere B (beide ⚔);
    Hamburg-Bergedorf 1923 Agnes (1898–1976), T d. Ernst v. Braunschweig (1856–1919), Kaufm. in Hamburg-Bergedorf, u. d. Klara Mantels (* 1870), aus Hamburg;|1 S, 1 T Sabine (1924–74), Photographin in Wamel (s. P); Schwägerinnen Anna Marie v. Braunschweig (* 1892, Gustav Ballin, 1931, Architekt in Lübeck), Ilse v. Braunschweig (* 1896, Carl Römer, Dr. med., Prof. in Stuttgart).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Dresdner Kreuz-Gymnasium wurde R. 1916 zum Militärdienst verpflichtet und nach einer Grundausbildung als wissenschaftliche Hilfskraft in der chemischen Zentralstelle des Generalstabs eingesetzt. Aufgrund dieser Vorkenntnisse begann er 1919 ein Chemiestudium an der TH Dresden, das er zwei Jahre später abbrach. Währenddessen übernahm er die Leitung des Bildarchivs des von Ernst Fuhrmann geführten Folkwang-Verlags in Hagen (seit 1922 in Darmstadt). Es entstanden einige Aufnahmen für die Serie „Kultur der Erde“ sowie erste Pflanzen- und Tieraufnahmen. 1923 arbeitete R. für eine Pressebildagentur in Berlin, danach als Buchhalter in einer Drogerie im rumän. Kronstadt. 1924 kehrte er nach Darmstadt in den Auriga-Verlag, dem Nachfolger des Folkwang-Verlags, zurück; die ersten Bände der Reihe „Die Welt der Pflanze“: „Crassula“ und „Orchideen“ wurden veröffentlicht. Nach der Publikation von „Das Chorgestühl von Kappenberg“ (1925) verließ R. den Auriga-Verlag und machte sich in Bad Harzburg als Photograph selbständig. Erste Ausstellungen und weitere Buchveröffentlichungen folgten. Durch die Förderung von Carl Georg Heise (1890–1979), Direktor des Lübecker Museums für Kunst und Kulturgeschichte, erschienen 1928 die Bildbände „Lübeck“ im Wasmuth-Verlag und „Die Welt ist schön“ im Kurt-Wolff-Verlag. Im Nov. 1929 erhielt R. im Essener Museum Folkwang Atelier- und Arbeitsräume und bearbeitete neben der Anfertigung von Photographien des Museumsbestandes auch zahlreiche Industrie- und Architekturaufträge (u. a. für Fritz Schupp u. Rudolf Schwarz). Seit Okt. 1933 leitete er die Fachabteilung „Bildmäßige Fotografie“ an der Essener Folkwang-Schule für Gestaltung; im April 1934 ließ er seinen Vertrag auslaufen und wandte sich verstärkt der Zusammenarbeit mit privaten Unternehmern zu. 1941 in die Wehrmacht eingezogen, wurde er nach einem halben Jahr freigestellt; u. a. photographierte er für Bildbände über den Oberrhein und die Stadt Paderborn, die nicht mehr in den Buchhandel kamen bzw. erst nach dem Krieg (1949) erschienen. 1943 arbeitete er als Kriegsberichterstatter der Organisation Todt, um dokumentarische Aufnahmen der Atlantikwallbefestigungen anzufertigen. 1944 wurde ein Großteil seines Essener Archivs bei einem Bombenangriff zerstört; R. siedelte nach Wamel bei Soest über. Er wandte sich verstärkt Landschafts- und Naturaufnahmen zu und war kontinuierlich für verschiedene Industrieunternehmen tätig (u. a. „Schubert & Salzer“ Spinnereimaschinen in Ingolstadt, „Jenaer Glaswerke Schott“ in Mainz und „Boehringer Ingelheim“). Bis zu seinem Lebensende entstanden zahlreiche Bildbände.

    Unter Ablehnung der bis dahin üblichen pikturalen Praxis der Photographie entwickelte R. in den 20er Jahren seinen sachorientierten Stil. Neben August Sander (1876–1964) und Karl Blossfeldt (1865–1932) gilt er als wichtigster Vertreter der photographischen Neuen Sachlichkeit in Deutschland. Bereits 1927 betonte R. in dem programmatischen Aufsatz „Ziele“ das eigengesetzliche Potential einer sachlichen, möglichst objektiven Photographie und verwahrte sich entschieden gegen alle Experimente und Manipulationen. Mit dem Bildband „Die Welt ist schön“ erzielte R. 1928 seinen künstlerischen Durchbruch. In 100 Aufnahmen, die systematisch ein Inventar der Welt vorstellen sollen, inszenierte R. seine „Objekte“ – ganz gleich ob Pflanze, Architektur oder Industrieprodukt: enge, prägnante Bildausschnitte konzentrieren den Blick auf Details und schaffen eine „neue Sicht auf die Welt“. Teilweise dynamisch, jedoch in der Regel undramatisch, werden Form, Struktur und Materialbeschaffenheit mit differenzierten Grauabstufungen in stimmigen Bildlösungen erfaßt. Im Gegensatz zu vielen mit der Kleinbildkamera experimentell und photojournalistisch arbeitenden Photographen benutzte R. stets eine großformatige Plattenkamera und erzielte so aufwendig perfekte Abzüge. Ein weiterer wichtiger Teilbereich seines Schaffens waren Aufnahmen aus dem Ruhrgebiet, die die Veränderung der Landschaft durch die fortschreitende Industrialisierung dokumentierten. Dabei war das Arbeiten in Serien und die Veröffentlichungsform in Bildbänden für R. typisch. Kaum ein dt. Photograph des 20. Jh. hat so viele Buchpublikationen aufzuweisen: rund 30 Bildbände zwischen 1925 und 1966, dazu zahlreiche Fest- und Firmenschriften.|

  • Auszeichnungen

    David Octavius Hill-Medaille d. Dt. Ges. f. Photographie (GDL) (1960); Goldmedaille d. Photograph. Ges. Wien (1961); Staatspreis f. Kunsthandwerk d. Landes Nordrhein-Westfalen (1965).

  • Werke

    Weitere W u. a. Fotografien in: Albert Renger-Patzsch Archiv, Ann u. Jürgen Wilde, Mülheim-Zülpich;
    Berlin, Berlin. Gal.;
    Essen, Mus. Folkwang;
    Hamburg, Mus. f. Kunst u. Gewerbe;
    Hannover, Sprengel Mus.;
    Köln, Museum Ludwig;
    Lübeck, Mus. f. Kunst u. Kulturgesch. d. Hansestadt Lübeck;
    München, Fotomus. im Münchener Stadtmus;
    Schrr.
    u. a. Photogr. u. Kunst, in: Photograph. Korr., 63, 3/1927, S. 80-82;
    Ziele, in: Das dt. Lichtbild 1927, hg. v. H. Windisch, 1927, S. XVII;
    A. R.-P., in: Meister mit d. Kamera erzählen, hg. v. W. Schöppe, 1937, S. 49-55;
    Versuch d. Einordnung d. Photogr., Schrift 6 d. Folkwang-Schule f. Gestaltung, 1958;
    Vom Sinn d. Photogr. u. d. Verantwortung des Photographien, in: Foto Prisma 8/1965, S. 418-21. – Bildbände u. a. Die Halligen, 1927;
    Eisen u. Stahl, 1930;
    Hamburg, 1930;
    Sylt, Bilder e. Insel, 1936;
    Dt. Wasserburgen, 1940;
    C. G. Heise, A. R.-P. der Photograph, 1942;
    Hohenstaufenburgen in Süditalien, 1962;
    Bäume, 1962;
    Gestein, 1966;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Getty Research Inst. for the History of Art and the Humanities, Los Angeles; Albert Renger-Patzsch Archiv, Ann u. Jürgen Wilde, Zülpich.

  • Literatur

    A. R.-P., Der Fotograf d. Dinge, Ausst.kat. Essen 1966 (erste Retrospektive);
    A. R.-P., Fotografien 1925-1960, Ind.landschaft, Ind.architektur, Ind.-produkt, Ausst.kat. Bonn 1977;
    A. R.-P, Ruhrgebiets-Landschaften 1927-1935, hg. v. D. Thoma, A. u. J. Wilde, 1982;
    C. Pfingsten, Aspekte z. fotograf. Werk A. R.-P.s, 1992;
    A. R.-P., Späte Ind.photogr., Ausst.kat. Köln 1993;
    A. R.-P., Joy Before the Object, Ausst.kat. Philadelphia, Malibu 1993 (Bibliogr. bis 1990);
    M. Bieger-Thielemann, A. R.-P., Der Ingolstädter Auftrag, 1995;
    Th. Janzen, A. R.-P., Photogrr. d. Ruhrgebiets, 1996;
    A. R.-P, Frühe Fotografien, Ausst.kat. Würzburg 1997 (P);
    A. R.-P., Das Spätwerk, Landschaften, Bäume, Gestein, Ausst.kat. Bonn 1997;
    A. R.-P., Ausst.kat. Essen 1997 (P);
    A. R.-P., Meisterwerke, hg. v. A. u. J. Wilde u. Th. Weski, 1997 (P);
    U. Rüter, „Die Welt ist schön“ v. A. R.-P., in: Jb. d. Mus. f. Kunst u. Gewerbe Hamburg, 15/16, 1996/97, 1999, S. 113-24 (P);
    History of Photography 21/3, 1997 (Bibliogr. bis 1997);
    Dict. of Art.

  • Portraits

    zahlr. Selbstporträts u. Porträts v. anderen Photographien, u. a. „Selbstporträt im Autoscheinwerfer“, 1926/27, u. Photogr. v. Hugo Erfurth, Abb. in: A. R.-P., Meisterwerke (s. L), S. 2, 164;
    v. Lotte Jacobi u. Annelise Kretschmer, 60er J., Abb. in: Ausst.kat. Essen 1997;
    v. Sabine Renger-Patzsch, 1957, Abb. in: Joy Before the Object, 1993, S. 2;
    v. Fritz Kempe, 1956, Abb. b. U. Rüter (s. L), S. 113.

  • Autor/in

    Ulrich Rüter
  • Empfohlene Zitierweise

    Rüter, Ulrich, "Renger-Patzsch, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 423-425 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118599690.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA