Lebensdaten
1918 – 2012
Geburtsort
Hagen
Sterbeort
Hagen
Beruf/Funktion
FDP-Politikerin ; Parlamentarierin ; Landesministerin ; Bundesbeauftragte ; Ministerin ; Politikerin ; Kauffrau ; Prokuristin
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 118832522 | OGND | VIAF: 37713297
Namensvarianten
  • Funcke, Liselotte
  • Funcke, Lieselotte

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Funcke, Liselotte, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118832522.html [01.03.2024].

CC0

  • Liselotte Funcke war eine der wenigen Frauen, die in den 1960er und 1970er Jahren eine herausgehobene Position in der FDP und damit auch in der bundesdeutschen Politik einnahmen. Aus einer nationalliberalen Unternehmerfamilie stammend und als Expertin in Finanzfragen ausgewiesen, positionierte sich die langjährige Bundestagsvizepräsidentin eher linksliberal und engagierte sich auch in den Bereichen Frauenpolitik, Trennung von Kirche und Staat sowie Ausländerintegration.

    Lebensdaten

    Geboren am 20. Juli 1918 in Hagen
    Gestorben am 1. August 2012 in Hagen
    Grabstätte Buschey-Friedhof in Hagen-Wehringhausen
    Konfession evangelisch-lutherisch
    Liselotte Funcke, Imago Images (InC)
    Liselotte Funcke, Imago Images (InC)
  • Lebenslauf

    20. Juli 1918 - Hagen

    ca. 1924 - 1937 - Hagen-Haspe

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Volksschule; Realgymnasium

    1937 - Lengerich (Westfalen)

    Reichsarbeitsdienst

    1937 - 1938 - Berlin

    Studium der Betriebswirtschaftslehre

    Wirtschaftshochschule

    1938 - 1939 - Dortmund

    Abiturientenkurs

    Städtische kaufmännische Lehranstalten

    1938 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    1939 - 1940 - Hagen

    Kontoristin

    Funcke & Hueck

    1940 - 1941 - Berlin

    Studium

    Wirtschaftshochschule

    1940 - 1941 - Berlin

    Mitglied, Gruppenführerin

    Arbeitsgemeinschaft Nationalsozialistischer Studentinnen, NS-Studentenbund

    1941 - Berlin

    Diplom-Kaufmann

    Wirtschaftshochschule

    1941 - 1944 - Wuppertal-Elberfeld

    Assistentin

    Wirtschaftsprüfer

    1944 - 1969 - Hagen

    Abteilungsleiterin; Prokuristin

    Funcke & Hueck

    1946 - 1953 - Hagen

    Mitglied

    Deutsche Jungdemokraten

    1947 - 2012 - Hagen

    Mitglied

    FDP

    1947 - 1950 - Düsseldorf

    Vorstandsmitglied

    FDP-Landesverband Nordrhein-Westfalen

    1947 - 1951 - Düsseldorf

    Vorstandsmitglied

    Deutsche Jungdemokraten Nordrhein-Westfalen

    1950 - 1961 - Düsseldorf

    Abgeordnete der FDP

    Landtag Nordrhein-Westfalen

    1953 - 1981 - Düsseldorf

    Vorstandsmitglied

    FDP-Landesverband Nordrhein-Westfalen

    1961 - 1979 - Bonn

    Abgeordnete der FDP

    Bundestag

    1961 - 1991 - Hannover

    Mitglied

    Kammer für öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

    1964 - 1986 - Bonn

    Vorstandsmitglied

    FDP-Bundesverband

    1967 - 1969

    Vorstandsmitglied

    4. Synode der EKD

    1968 - 1982 - Bonn

    Präsidiumsmitglied

    FDP-Bundesverband

    1968 - 1974 - Berlin

    Vorstandsmitglied

    Deutscher Akademikerinnenbund

    1969 - 1973

    Mitglied

    4. Synode der EKD

    1969 - 1989 - Hannover

    Vorstandsmitglied

    Deutscher Evangelischer Frauenbund

    1969 - 1979 - Bonn

    Vizepräsidentin

    Bundestag

    1970 - 1993 - Bonn/Königswinter

    Kuratorin

    Friedrich-Naumann-Stiftung

    1972 - 1979 - Bonn

    Vorsitzende des Finanzausschusses

    Bundestag

    1973 - 1979

    Mitglied

    5. Synode der EKD

    1978 - 1982 - Bonn

    stellvertretende Vorsitzende

    FDP-Bundesverband

    1979 - 1980 - Düsseldorf

    Wirtschaftsministerin

    Landesregierung Nordrhein-Westfalen

    1979 - 1985

    Mitglied

    6. Synode der EKD

    1981 - 1991 - Bonn

    Ausländerbeauftragte

    Bundesregierung

    1985 - 1991

    Vorstandsmitglied

    7. Synode der EKD

    1988 - 1990 - Bonn

    Vorstandsmitglied (qua Amt)

    FDP-Bundesverband

    1. August 2012 - Hagen
  • Genealogie

    Vater Oscar Funcke 1885–1965 Unternehmer (Funcke & Hueck); Politiker (DVP, FDP), Bundestagsabgeordneter (FDP)
    Großvater väterlicherseits Wilhelm Funcke 1856–1910 Fabrikant, nationalliberaler Politiker
    Großmutter väterlicherseits Johanna Funcke, geb. Harkort 1862–1935
    Ururgroßonkel väterlicherseits Friedrich Harkort 1793–1880 Industrieller; liberaler Politiker und Parlamentarier; Publizist
    Mutter Bertha Funcke, geb. Osthaus 1892–1991
    Großvater mütterlicherseits Carl Ernst August Osthaus 1842–1902 Bankier
    Großmutter mütterlicherseits Laura Christiane Osthaus, geb. Funcke 1854–1932
    Onkel mütterlicherseits Karl Ernst Osthaus 1874–1921 Kunstmäzen; 1902 Gründer und Leiter des Museums Folkwang; 1909 Gründer des Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe in Hagen
    Schwester Erika Funcke 1913–2001
    Bruder Oskar Funcke 1915–1987
    Schwester Wilma Funcke 1916–1983
    Schwester Gerda Funcke 1920–2018
    Heirat ledig
    Kinder keine
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    Funcke, Liselotte (1918 – 2012)

    • Vater

      Oscar Funcke

      1885–1965

      Unternehmer (Funcke & Hueck); Politiker (DVP, FDP), Bundestagsabgeordneter (FDP)

      • Großvater väterlicherseits

        Wilhelm Funcke

        1856–1910

        Fabrikant, nationalliberaler Politiker

      • Großmutter väterlicherseits

        Johanna Funcke

        1862–1935

    • Mutter

      Bertha Funcke

      1892–1991

      • Großvater mütterlicherseits

        Carl Ernst August Osthaus

        1842–1902

        Bankier

      • Großmutter mütterlicherseits

        Laura Christiane Osthaus

        1854–1932

    • Schwester

      Erika Funcke

      1913–2001

    • Bruder

      Oskar Funcke

      1915–1987

    • Schwester

      Wilma Funcke

      1916–1983

    • Schwester

      Gerda Funcke

      1920–2018

    • Heirat

  • Biografie

    alternativer text
    Liselotte Funcke (rechts), BArch / Bildarchiv (InC)

    Funcke, die aus einer liberalen, politisch aktiven Unternehmerfamilie stammte, durchlief eine umfassende Ausbildung für eine leitende Tätigkeit in der Wirtschaft und war während des Studiums 1940/41 im NS-Studentenbund als Gruppenführerin der Arbeitsgemeinschaft Nationalsozialistischer Studentinnen aktiv. 1938 NSDAP-Mitglied, kam sie über eine Studentengruppierung in Kontakt mit dem Gedankengut der Bekennenden Kirche. Nach 1945 wurde sie im Entnazifizierungsverfahren in zweiter Instanz als „unbelastet“ erklärt. Nach ersten beruflichen Erfahrungen bei einem Wirtschaftsprüfer arbeitete Funcke mehr als zwei Jahrzehnte im Familienunternehmen, einer mittelständischen Schraubenfabrik, bis sie sich seit 1969 ganz der Politik widmete.

    1947 trat Funcke der FDP bei, wo sie schnell in den Landesvorstand aufrückte und für die sie 1950 in den Düsseldorfer Landtag einzog; während der beiden folgenden Legislaturperioden war sie die einzige Frau in ihrer Fraktion. Der Tradition der liberalen Frauenbewegung entsprechend, beschäftigte sie sich mit sozialen und Frauenfragen. Seit 1961 im Bundestag, profilierte sich Funcke auch als Finanzpolitikerin und Vorkämpferin für Steuerreformen, insbesondere bei der Doppelbesteuerung von Unternehmensgewinnen, was ihr 1972 den Vorsitz im Bundestags-Finanzausschuss einbrachte, sowie als für Reformen aufgeschlossene Bildungspolitikerin.

    1969 wurde Funcke von ihrer Fraktion als Bundestag-Vizepräsidentin nominiert und war nach der CSU-Politikerin Maria Probst (1902–1967) die zweite Frau in diesem Amt. Neben Hildegard Hamm-Brücher (1921–2016) war Funcke die bekannteste FDP-Politikerin, war von 1978 bis 1982 stellvertretende Parteivorsitzende und bekämpfte 1982 den koalitionspolitischen Wechsel ihrer Partei, weshalb ihre Parteikarriere danach weitgehend endete. Funcke engagierte sich auch in den Leitungsgremien und auf der Landes- und kommunalen Ebene der evangelischen Kirche. 1974 unterstützte sie die im „FDP-Kirchenpapier“ angestrebte strikte Trennung von Kirche und Staat, obwohl dies das Verhältnis der FDP zu den beiden großen Kirchen belastete und letztlich folgenlos blieb.

    Ende 1979 gab Funcke ihr Bundestagsmandat und ihr Präsidentinnenamt auf und wurde erste Landesministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr in Düsseldorf, um die FDP in den nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf 1980 zu führen; da die Partei an der Fünf-Prozentklausel scheiterte, endete Funckes Ministeramt nach einem halben Jahr. 1981 wurde sie als Nachfolgerin von Heinz Kühn (1912–1992) zur ehrenamtlichen Beauftragten der Bundesregierung für die Integration der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen ernannt. In dieser Funktion kämpfte sie für ein Ausländerwahlrecht, das erst 1992, beschränkt auf EU-Bürger, auf Gemeindeebene eingeführt wurde, und gegen verschärfte Regelungen für den Nachzug von Familienangehörigen ausländischer Arbeitnehmer. 1991 zog sie sich, erkennbar frustriert durch die Widerstände aus der CDU-FDP-Regierung und die fortbestehende Marginalisierung ihres Amtes, aus dieser Position zurück. In ihren letzten Lebensjahren widmete sie sich v. a. der Geschichte ihrer Heimatstadt und dem Erhalt des dem freisinnigen Parlamentarier Eugen Richter (1838–1906) gewidmeten Turms.

  • Auszeichnungen

    1973 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1975 mit Stern und Schulterband)
    1975 Wolfgang-Döring-Medaille des FDP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen
    1984 Theodor-Heuss-Medaille der Theodor-Heuss-Stiftung
    1984 Dr. h. c., Universität Bursa (Türkei)
    1984 Moses-Mendelssohn-Preis des Berliner Senats
    1985 Großkreuz des spanischen Zivilverdienstordens
    1986 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
    1987 Großkreuz des portugiesischen Verdienstordens
    1988 Großoffizier des Verdienstordens der italienischen Republik
    1990 Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union
    1990 Kommandeur des griechischen Phönix-Ordens
    1991 Heinz-Herbert-Karry-Preis der Heinz-Herbert-Karry-Stftung
    1991 Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte
    1999 Dr. h. c., FernUniversität Hagen
    2003 Ehrenbürgerin der Stadt Hagen
    Ehrenvorsitzende des FDP-Bezirksverbandes Westfalen-West und des FDP-Kreisverbandes Hagen
  • Quellen

    Nachlass:

    Archiv des Liberalismus, Gummersbach.

    Teilnachlass:

    Stadtarchiv Hagen.

    Bundesarchiv, Koblenz, B 149 Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung.

    Gedruckte Quellen:

    Sylvia Heinemann (Hg.), An Menschen ihrer Zeit. Liselotte Funcke – Briefe aus fünf Jahrzehnten, 2004. (P, L)

    Volker Stalmann (Bearb.), Die FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. Protokolle 1949–1969, 2 Bde., 2016.

  • Werke

    Liselotte Funcke/Cornelius A. von Heyl/Johannes Niemeyer, Kirche in Staat und Gesellschaft. Trennung und Partnerschaft, Gegensatz oder Ergänzung?, 1974, 31975.

    Chancen und Partnerschaft in der Familienpolitik, in: Hans-Dietrich Genscher (Hg.), Liberale in der Verantwortung, 1976, S. 99–113.

    Bundestagsreden und Zeitdokumente, hg. v. Horst Dahlmeyer, 21978. (P)

    Ziele der Ausländerpolitik prüfen?, in: Willi Bredemeier (Hg.), Zwischen Integration und Rückwanderung. Türkische Wohnbevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland, 1983, S. 13–19.

    Plädoyer für eine gerechte und humane Ausländerpolitik, 1987.

    Aus der Familiengeschichte Funcke, 2002.

    Hagener Industriebetriebe. Tuche – Sensen – Federn – Stahl, 2003.

    War alles nur ein Spiel? Erinnerungen, o. J. [2007]. (P)

    265 Jahre Bürgermeister der Stadt Hagen, 2011.

    Herausgeberschaften:

    Frei zu sein, um andere frei zu machen. Frauen in der Politik – die Liberalen, 1984.

    Hagener Straßen erzählen Geschichte(n), 1999.

  • Literatur

    Gerd Rauhaus, Liselotte Funcke, in: Liselotte Funcke, Bundestagsreden und Zeitdokumente, 21978, S. XIV–XXI.

    Edda Frank-Zoeldi, „Ich kämpfe gern für die, die angegriffen werden“. Liselotte Funcke, in: Liselotte Funcke (Hg.), Frei zu sein, um andere frei zu machen. Frauen in der Politik. Die Liberalen, 1984, S. 210–218. (P)

    Tabea Esch, Das Kirchenpapier der FDP. Ausdruck oder Ende eines geläuterten Liberalismus?, in: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 20 (2008), S. 173–198.

    Sylvia Heinemann, „Frauenfragen sind Menschheitsfragen“. Die Frauenpolitik der Freien Demokratinnen, 2012, S. 47–59. (P)

    Sylvia Heinemann, Vom Rand zur Mitte? Partizipation und Politisierungsprozesse von liberalen Frauen in der Aufbauphase der Bundesrepublik, in: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 26 (2014), S. 345–372.

    Lexikonartikel:

    N. N., Art. „Funcke, Liselotte“, in: Ernst Goyke, Die 100 von Bonn. Zwischen Barzel und Wehner, 1970, S. 82 ff. (P)

    N. N., Art. „Liselotte Funke“, in: Walter Henkels, Neue Bonner Köpfe, 1982, S. 120 ff.

    N. N., Art. „Funcke, Liselotte“, in: Rudolf Vierhaus/Ludolf Herbst (Hg.), Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002, Bd. 1, 2002, S. 337 f. (L)

    N. N., Art. „Funcke, Liselotte“, in: Martin Schumacher (Hg.), M.d.B. – Die Volksvertretung 1946–1972, 2006, S. 341 f.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Libertaler, 1976, Abbildung in: Susanne Ackermann (Hg.), 50 Jahre Archiv des Liberalismus, 2018, S. 70 f.

    Fotografien, 1975–1977, Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)

    Porträt, 1970, Bilddatenbank des Deutschen Bundestags. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Jürgen Frölich (Bonn)

  • Zitierweise

    Frölich, Jürgen, „Funcke, Liselotte“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118832522.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA