Fleiner, Fritz

Lebensdaten
1867 – 1937
Geburtsort
Aarau (Kanton Aargau)
Sterbeort
Ascona (Kanton Tessin)
Beruf/Funktion
Staats- und Verwaltungsrechtswissenschaftler ; Jurist
Konfession
evangelisch-reformiert
Normdaten
GND: 11868390X | OGND | VIAF: 24676599
Namensvarianten

  • Fleiner, Fritz
  • Fleiner, Friedrich
  • Fleiner, F.

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Zitierweise

Fleiner, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868390X.html [06.04.2026].

CC0

  • Fleiner, Fritz

    1867 – 1937

    Staats- und Verwaltungsrechtswissenschaftler

    Fritz Fleiner war Mitbegründer der modernen Verwaltungsrechtswissenschaft. Seine akademischen Wirkungsstätten waren Zürich (1892–1897 und 1915–1936), Basel (1897–1906), Tübingen (1906–1908) und Heidelberg (1908–1915). Fleiners Hauptwerke sind die „Institutionen des Deutschen Verwaltungsrechts“ (1911, 81928), die zum Referenzwerk für Wissenschaft und Praxis wurden, sowie das „Schweizerische Bundesstaatsrecht“ (1923).

    Lebensdaten

    Geboren am 24. Januar 1867 in Aarau (Kanton Aargau)
    Gestorben am 26. Oktober 1937 in Ascona (Kanton Tessin)
    Grabstätte Friedhof Rosengarten, Grabplastik von August Suter (1887–1965) in Aarau
    Konfession evangelisch-reformiert
    Fritz Fleiner, UZH Archiv (InC)
    Fritz Fleiner, UZH Archiv (InC)
  • 24. Januar 1867 - Aarau (Kanton Aargau)

    1874 - 1887 - Aarau (Kanton Aargau)

    Schulbesuch (Abschluss: Matura)

    Kantonsschule

    1887 - 1890 - Zürich (1887 u. 1889/90); Leipzig (1887/88); Berlin (1888/89)

    Studium der Rechtswissenschaften

    Universität

    13.12.1890 - Zürich

    Promotion (Dr. iur. utr.)

    Universität

    Winter 1891 - 1892 - Paris

    Studienaufenthalt

    u. a. Nationalbibliothek

    9.7.1892 - 1895 - Zürich

    Habilitation für Kirchenrecht; Privatdozent

    Universität

    1895 - 1897 - Zürich

    außerordentlicher Professor für französisches Zivilrecht, Kirchenrecht und eventuell Öffentliches Recht

    Universität

    1897 - 1906 - Basel

    ordentlicher Professor für Öffentliches Recht

    Universität

    1901 - 1902 - Basel

    Rektor

    Universität

    1906 - 1908 - Tübingen

    ordentlicher Professor für Verwaltungslehre, Verwaltungsrecht und allgemeines Staatsrecht

    Universität

    1908 - 1915 - Heidelberg

    ordentlicher Professor für deutsche Staats- und Rechtsgeschichte, deutsches Reichs- und Landesstaatsrecht einschließlich des Verwaltungsrechts sowie des Kirchenrechts

    Universität

    1915 - 1936 - Zürich

    ordentlicher Professor für öffentliches Recht und Kirchenrecht

    Universität

    1932 - Zürich

    Rektor

    Universität

    1933 - 1934 - Zürich

    Rektor

    Universität

    26. Oktober 1937 - Ascona (Kanton Tessin)

    Werdegang

    Im Anschluss an die Matura an der Kantonsschule in Aarau (Kanton Aargau) nahm Fleiner im Sommersemester 1887 in Zürich ein Studium der Rechtswissenschaften auf. Nach je zwei Semestern in Leipzig 1887/88 und Berlin 1888/89 wurde er 1890 in Zürich mit einer kirchenrechtlichen Arbeit zum Dr. iur. utr. promoviert. Es folgten ein Studienaufenthalt in Paris und 1892 die Habilitation für Kirchenrecht an der Universität Zürich, wo er 1895 außerordentlicher Professor wurde.

    1897 folgte Fleiner einem Ruf als ordentlicher Professor für Öffentliches Recht an die Universität Basel, 1906 wechselte er nach Tübingen auf den Lehrstuhl für Verwaltungslehre, Verwaltungsrecht und allgemeines Staatsrecht. 1908 wurde er als Nachfolger von Gerhard Anschütz (1867–1948) als ordentlicher Professor für deutsche Staats- und Rechtsgeschichte, deutsches Reichs- und Landesstaatsrecht einschließlich des Verwaltungsrechts sowie des Kirchenrechts nach Heidelberg berufen. Der Erste Weltkrieg veranlasste Fleiner zur Rückkehr nach Zürich, wo er bis 1936 an der Universität öffentliches Recht und Kirchenrecht lehrte.

    Akademisches Wirken und wissenschaftliches Werk

    Fleiner gilt v. a. als Mitbegründer der modernen Verwaltungsrechtswissenschaft. Er lehrte Kirchenrecht und Staatsrecht, seit den Basler Jahren kam das Verwaltungsrecht hinzu, das Fleiner bald als seine Lieblingsdisziplin bezeichnete. Seinen Ruf als exzellenter Rechtswissenschaftler verdankte er v. a. den „Institutionen des Deutschen Verwaltungsrechts“ (1911, 81928) und dem „Schweizerischen Bundesstaatsrecht“ (1923).

    In den „Institutionen“ entwickelte er Otto Mayers (1846–1924) bahnbrechenden Ansatz weiter, indem er die aus der Privatrechtswissenschaft stammende juristische Methode auf die Behandlung verwaltungsrechtlicher Probleme übertrug. Zugleich unterstrich er die Notwendigkeit einer „Emanzipation vom Zivilrecht“ und trieb die Ausbildung von besonderen Grundsätzen des Öffentlichen Rechts voran, um den speziellen Aufgaben und Interessen der öffentlichen Verwaltung Rechnung zu tragen. Im Gegensatz zu Mayer betonte Fleiner die Verfassungsabhängigkeit des Verwaltungsrechts. Zum Erfolg der „Institutionen“ trugen einprägsame Formulierungen bei wie der Satz: „Die Polizei soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schiessen“.

    Das „Bundesstaatsrecht“ – in Basel geplant, in Deutschland begonnen, in Zürich vollendet – ist die erste systematische Gesamtdarstellung des schweizerischen Staatsrechts nach der juristischen Methode. Diese beiden Hauptwerke werden von mehreren gewichtigen kleineren Arbeiten flankiert, in denen Fleiner auch staatstheoretische und rechtspolitische Fragen erörtert.

    Rechtspolitisches Engagement und Nachwirkung

    Fleiner erwarb sich bleibende Verdienste auch als engagierter Verfechter der Rechtsstaatlichkeit und als Vorkämpfer für Errichtung und Ausbau der Verwaltungs- und der Verfassungsgerichtsbarkeit, indem er einschlägige Gesetzesentwürfe verfasste und die Volksinitiative „zur Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte der Bürger (Erweiterung der Verfassungsgerichtsbarkeit)“ unterstützte, die in der schweizweiten Volksabstimmung vom 22. Januar 1939 jedoch abgelehnt wurde. In einem am 15. Oktober 1933 in Aarau gehaltenen Vortrag wandte sich Fleiner gegen Faschismus und Nationalsozialismus. Als weit über die universitäre und juristische Fachwelt hinaus gefragter Redner hielt er z. B. die Radioansprache an die Auslandschweizer am 1. August 1934. Privat stand Fleiner in den Zürcher Jahren u. a. in Kontakt mit James Joyce (1882–1941) und Nora Joyce (1884–1951) sowie mit Thomas Mann (1875–1955) und Katia Mann (1883–1980).

    Die hohe Wertschätzung Fleiners als Schlüsselfigur des Wissenschaftstransfers zeigt sich u. a. in seiner Wahl zum Präsidenten des Institut International de Droit Public in Paris (1930–1933). Die mehrfach übersetzten „Institutionen“ entwickelten sich in Deutschland und in der Schweiz rasch zu einem wichtigen Referenzwerk für Wissenschaft und Praxis des Verwaltungsrechts. Das „Schweizerische Bundesstaatsrecht“ (1923) prägte neben dem von Walther Burckhardt (1871–1939) verfassten Kommentar zur Bundesverfassung (1905, 31931) als führende Darstellung des schweizerischen Verfassungsrechts Generationen von Rechtsstudierenden. Unter seinen zahlreichen Doktoranden ragen Dietrich Schindler (sen.) (1890–1948) und Zaccaria Giacometti (1893–1970) heraus.

    1906 Dr. sc. pol. h. c., Universität Tübingen
    1912 Ritterkreuz I. Klasse vom Orden vom Zähringer Löwen (Großherzogtum Baden)
    1916 Dr. h. c. de sociologie, Universität Genf
    1927 Mitglied der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer
    1930–1933 Präsident des Institut International de Droit Public, Paris
    1931 Dr. theol. h. c., Universität Zürich
    1934 Dr. iur. h. c., Universität Straßburg
    1936 Vizepräsident des Internationalen Instituts für Verfassungsgeschichte, Paris
    1951 Fritz Fleiner-Weg, Zürich, Quartier Fluntern

    Nachlass:

    Zentralbibliothek Zürich.

    Weitere Archivmaterialien:

    Universitätsarchiv Zürich, Professorenakte Fleiner.

    Staatsarchiv Zürich, Professorenakte Fleiner.

    Staatsarchiv Basel, Professorenakte Fleiner.

    Universitätsarchiv Tübingen, Professorenakte Fleiner.

    Universitätsarchiv Heidelberg, Personalakte Fleiner.

    Generallandesarchiv Karlsruhe, Personalakte Fleiner.

    Stadtarchiv Zürich, Auszug aus dem Protokoll des Stadtrats v. 9. Februar 1951, Nr. 276.

    Quellenverzeichnis:

    Roger Müller, Verwaltungsrecht als Wissenschaft, 2006, S. 387–397.

    Monografien:

    Die rechtliche Stellung der katholischen Kirche zur obligatorischen Zivilehe, 1890. (Diss. iur.)

    Die tridentinische Ehevorschrift, 1892. (Habilitationsschrift)

    Die Gründung des Schweizerischen Bundesstaates im Jahre 1848, 1898. (Basler Antrittsvorlesung)

    Über die Umbildung zivilrechtlicher Institute durch das öffentliche Recht, 1906. (Tübinger Antrittsvorlesung)

    Verwaltungsrechtsfälle zum akademischen Gebrauch bearbeitet, 1908, 31929.

    Institutionen des Deutschen Verwaltungsrechts, 1911, 81928, Nachdr. für die Schweiz 1939, franz. 1933, mit Vorw. v. Fritz Fleiner, span. 1933, neugriech., japan.

    Entstehung und Wandlung moderner Staatstheorien in der Schweiz, 1916. (Zürcher Antrittsvorlesung)

    Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 1923, Neubearb. der ersten Hälfte der Ausg. v. 1923 v. Zaccaria Giacometti, 1949.

    Schweizerische und deutsche Staatsauffassung, 1929.

    Ausgewählte Schriften und Reden, hg. u. mit einem Vorw. versehen v. Fanny Fleiner, 1941.

    Aufsätze:

    Einzelrecht und öffentliches Interesse, in: Festgabe für Paul Laband, hg. v. Wilhelm van Calker, Bd. 2, 1908, S. 1–39.

    Wie ist der akademische Unterricht im Verwaltungsrecht zweckmässig zu gestalten? in: Verhandlungen des 32. Deutschen Juristentages, Bd. 1 (Gutachten), 1914, S. 305–312.

    Beamtenstaat und Volksstaat, in: Festgabe für Otto Mayer zum 70. Geburtstag, dargebracht von Freunden, Verehrern und Schülern, 1916, S. 29–57.

    Bundesstaatliche und gliedstaatliche Rechtsordnung in ihrem gegenseitigen Verhältnis im Rechte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, in: Veröffentlichungen der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer, H. 6, 1929, S. 2–24. (Onlineressource)

    Die Prüfung der Verfassungsmässigkeit der Bundesgesetze durch den Richter, in: Zeitschrift für Schweizerisches Recht 53 (1934), S. 1a–35a. (Onlineressource)

    Bibliografien:

    Z[accaria] G[iacometti], in: Universität Zürich (Hg.), Fritz Fleiner 1867–1937. Akademische Gedächtnisfeier, 1938, S. 54–57.

    Roger Müller, Verwaltungsrecht als Wissenschaft. Fritz Fleiner 1867–1937, 2006, S. 332–348.

    Monografien:

    Roger Müller, Verwaltungsrecht als Wissenschaft. Fritz Fleiner 1867–1937, 2006. (P)

    Andreas Kley, Geschichte des Öffentlichen Rechts der Schweiz, 2011, S. 68–73 u. S. 487 f.

    Ronald Kunz, Geschichte der Basler Juristischen Fakultät 1835–2010, 2011, S. 157–159 u. 194–200.

    Aufsätze:

    Adolf Im Hof, Fritz Fleiner 1867–1937, in: Hans Schulthess (Hg.), Schweizer Juristen der letzten hundert Jahre, 1945, S. 455–483.

    Dietrich Schindler (jun.), Fritz Fleiner 1867–1937, in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart, N. F. 40 (1991/92), S. 175–177.

    Michael Stolleis, Komponierende Staatsrechtslehrer, in: Klaus Reichert/Manfred Schiedermair/Albrecht Stockburger/Dolf Weber (Hg.), Recht, Geist und Kunst. Liber amicorum für Rüdiger Volhard, 1996, S. 372–380.

    Thomas Henne, „Mit Kanonen auf Spatzen schiessen.“ Ein Beitrag Fritz Fleiners zur deutschen Juristensprache, in: Deutsches Verwaltungsblatt 117 (2002), S. 1094–1096.

    Benjamin Schindler, 100 Jahre Verwaltungsrecht in der Schweiz, 2011, in: Zeitschrift für schweizerisches Recht 130 (2011), Halbbd. 2, S. 331–437, insbes. S. 347–357. (Onlineressource)

    Giovanni Biaggini, Fritz Fleiner, in: Peter Häberle/Michael Kilian/Heinrich Wolff (Hg.), Staatsrechtslehrer des 20. Jahrhunderts. Deutschland, Österreich, Schweiz, 22018, S. 147–162. (P) (zugangsbeschränkte Onlineressource)

    Festschriften:

    Zaccaria Giacometti/Dietrich Schindler (Hg.), Festgabe für Fritz Fleiner zum 60. Geburtstag, 24. Januar 1927, 1927. (P)

    Festgabe für Fritz Fleiner zum siebzigsten Geburtstag, 24. Januar 1937, hg. v. der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich, 1937. (P)

    Lexikonartikel:

    Alfred Kölz, Art. „Fleiner, Fritz“, in: Historisches Lexikon der Schweiz, 2010. (Onlineressource)

    Nachrufe:

    Giacometti Zaccaria, Fritz Fleiner, 24. Januar 1867 – 26. Oktober 1937, in: Schweizerische Juristenzeitung 34 (1937/38), S. 145–149.

    Universität Zürich (Hg.), Fritz Fleiner 1867–1937, Akademische Gedächtnisfeier, Montag, den 24. Januar 1938 in der Aula der Universität Zürich, 1938.

    Zeichnung von Giovanni Giacometti (1868–1933), 1918, Abbildung in: Peter Häberle/Michael Kilian/Heinrich Wolff (Hg.), Staatsrechtslehrer des 20. Jahrhunderts. Deutschland, Österreich, Schweiz, 22018, S. 146.

    Marmorbüste v. August Suter (1887–1965), Universität Zürich, Aula.

  • Autor/in

    Giovanni Biaggini (Zürich)

  • Zitierweise

    Biaggini, Giovanni, „Fleiner, Fritz“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11868390X.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA