Falkenhorst, Nikolaus von
- Lebensdaten
- 1885 – 1965
- Geburtsort
- Breslau (Niederschlesien, heute Wrocław, Polen)
- Sterbeort
- Holzminden
- Beruf/Funktion
- Offizier ; Generaloberst ; General ; Stratege
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 123489059 | OGND | VIAF: 69836672
- Namensvarianten
-
- Falkenhorst, Nikolaus Paul von
- Jastrzembski, Nikolaus von / bis 1911
- Falkenhorst, Nikolaus von
- Falkenhorst, Nikolaus Paul von
- Jastrzembski, Nikolaus von / bis 1911
- Falkenhorst, Paul Nikolaus von
- Jastrzembski, Nikolaus von
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Falkenhorst, Nikolaus Paul von (bis 1911 Nikolaus von Jastrzembski)
1885 – 1965
Offizier, Generaloberst
Nikolaus von Falkenhorst war als Truppenführer und hoher Exponent der deutschen Besatzungsherrschaft ein zentraler Repräsentant der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Er realisierte 1940 die Invasion und Okkupation Norwegens. Seine Haltung zum NS-Regime war zwiespältig: Falkenhorsts nationalkonservative Prägung und persönliche Differenzen mit den Funktionären der zivilen NS-Besatzungsverwaltung gingen einher mit politischer Naivität und Opportunismus.
Lebensdaten
Nikolaus von Falkenhorst, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC) -
Autor/in
→Christian Hartmann (Tübingen)
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Zitierweise
Hartmann, Christian, „Falkenhorst, Nikolaus von“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd123489059.html#dbocontent
Falkenhorst entstammte einer preußischen Gutsbesitzer- und Offiziers-Familie mit polnischen Wurzeln und erhielt seit 1897 eine militärische Ausbildung im Kadettenhaus Wahlstatt (Niederschlesien, heute Legnickie Pole, Polen), in der Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde (heute Berlin) sowie in der Kriegsschule Potsdam. Von 1904 bis 1916 war das in Liegnitz (Niederschlesien, heute Legnica, Polen) stationierte Grenadier-Regiment Nr. 7 „König Wilhelm I.“ seine militärische Heimat. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs war Falkenhorst an der Westfront im Einsatz, seit 1916 als Stabsoffizier in der Armeeabteilung von Strantz. Nach einer verkürzten Generalstabsausbildung kam er im November 1917 im Stab der 12. Landwehr-Division an die Ostfront; 1918 folgte eine kurze Verwendung im Generalstab des Deutschen Generals in Finnland, Rüdiger Graf von der Goltz (1864–1946).
Falkenhorst zählte zu jenem kleinen Kreis von Offizieren, den die Reichswehr nach Kriegsende übernahm. Seine Laufbahn als Berufssoldat während der Weimarer Republik folgte dem typischen, häufigen Wechsel von Verwendungen im Reichswehrministerium, im Stabs- sowie im Truppendienst. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten erlebte er – seit 1930 Oberstleutnant, seit 1932 Oberst – als Chef des Stabs der 4. Division in Dresden. Falkenhorst wurde von 1933 bis 1935 als Militärattaché bei den deutschen Gesandtschaften in Belgrad, Prag und Budapest verwendet, befehligte seit Oktober 1936 die 32. Infanterie-Division in Köslin (Pommern, heute Koszalin, Polen) und war seit August 1939 Kommandierender General des XXI. Armeekorps, das im März 1940 zur Armee-Gruppe XXI mit neun Divisionen erweitert wurde.
Unter Falkenhorsts Führung besetzte diese kräftemäßig schwache Armee-Gruppe seit dem 9. April 1940 das neutrale Norwegen. Durch die kurz darauffolgende britisch-französische Landung und den Widerstand der norwegischen Truppen drohte die als „Unternehmen Weserübung“ bezeichnete Operation zeitweise zu scheitern; erst am 10. Juni 1940 kapitulierten die letzten norwegischen Truppen. Am 19. Juli zum Generaloberst befördert, blieb Falkenhorst im Land, sein Verband wurde im Dezember 1940 nominell zur Armee Norwegen aufgewertet.
Als Wehrmachtsbefehlshaber Norwegen war Falkenhorst dem Reichskommissar Josef Terboven (1898–1945) unterstellt. Er versuchte wiederholt, Terbovens harte, ideologiegeprägte Besatzungsherrschaft abzumildern und unterstützte u. a. 1941 den schwedischen Geografen Sven Anders Hedin (1865–1952), der bei Adolf Hitler (1889–1945) die Begnadigung von zehn wegen angeblicher Spionage zum Tode verurteilter Norweger erreichte. Demgegenüber befolgte Falkenhorst Hitlers „Kommandobefehl“ vom 18. Oktober 1942 und ließ im Januar 1943 sieben gefangene britische Matrosen exekutieren. Aufgrund der ständigen Spannungen mit Terboven versetzte das Oberkommando der Wehrmacht Falkenhorst am 18. Dezember 1944 in die sog. Führerreserve.
Vom 22. Juni bis 27. Dezember 1941 führte Falkenhorst im nördlichen und mittleren Abschnitt der finnisch-sowjetischen Front zwei deutsche und ein finnisches Armeekorps, deren Vormarsch nach anfänglichen Erfolgen bald zum Erliegen kam. Falkenhorsts relativ schmaler Befehlsbereich war kaum in das Konzept des rassenideologischen Vernichtungskriegs involviert; in dem dünn besiedelten Frontabschnitt waren zudem Konflikte mit der Zivilbevölkerung selten. Falkenhorst und die ihm unterstellten Einheiten beteiligten sich nicht am Holocaust.
Wegen seiner Verantwortung für die Ermordung der sieben britischen Kriegsgefangenen wurde Falkenhorst am 21. April 1946 verhaftet und am 2. August durch ein britisch-norwegisches Militärgericht in Braunschweig zum Tode durch Erschießen verurteilt. Aufgrund einer Intervention Hedins wurde das Urteil am 4. Dezember 1946 zu 20 Jahren Haft umgewandelt. Am 13. Juli 1953 aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen, lebte Falkenhorst bis zu seinem Tod zurückgezogen in Holzminden.
| 1914 | Eisernes Kreuz II. Klasse |
| 1915 | Eisernes Kreuz I. Klasse |
| 1940 | Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes |
| 1941 | Großkreuz von Finnlands Weißer Rose mit Schwertern |
Nachlass:
Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, N 300. (weiterführende Informationen)
Weitere Archivmaterialien:
Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, Pers 6/24. (Personalakten)
Gedruckte Quellen:
E. H. Stevens (Hg.), Trial of Nikolaus von Falkenhorst. Formerly Generaloberst in the German Army, 1949.
Geleitwort, in: Heinrich Hoffmann (Hg.), Für Hitler bis Narvik, 1941.
Gerd R. Ueberschär, Die Einbeziehung Skandinaviens in die Planung „Barbarossa“, in: Horst Boog/Jürgen Förster/Joachim Hoffmann/Ernst Klink/Rolf-Dieter Müller/Gerd R. Ueberschär, Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4, 1983, S. 365–412.
Gerd R. Ueberschär, Kriegführung und Politik in Nordeuropa, in: ebd., S. 810–882.
Hans-Martin Ottmer, „Weserübung“. Der deutsche Angriff auf Dänemark und Norwegen im April 1940, 1994.
Johannes Hürter, Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42, 2006, 22007.
Monika Deniffel, Art. „Falkenhorst, Nikolaus von“, in: Hermann Weiß (Hg.), Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, 22011, S. 117.
Fotografien, 1940, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek, München, Sammlung Heinrich Hoffmann.
Fotografien, 1940/41, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs.