Bosshard, Walter

Lebensdaten
1892 – 1975
Geburtsort
Samstagern (Kanton Zürich)
Sterbeort
Torremolinos (Spanien)
Beruf/Funktion
Bildjournalist ; Fotograf ; Publizist ; Journalist
Konfession
evangelisch-reformiert
Normdaten
GND: 118513869 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Bosshard, Ernst Walter
  • Bosshard, Walter
  • Bosshard, Ernst Walter
  • Busqardj Walter
  • Walter Busqardj
  • Busqardj
  • Bosskhard, Waltjer
  • Boßhard, Walter
  • Bosqard, Valter
  • Bushade
  • والتر بوسشارد
  • 瓦尔特·博斯哈德
  • Bosshard, Walther
  • Bosshard, Ernst Walther
  • Busqardj Walther
  • Walther Busqardj
  • Boßhard, Walther
  • Bosqard, Valther

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Zitierweise

Bosshard, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118513869.html#indexcontent [28.04.2026].

CC0

  • Bosshard, Ernst Walter

    1892 – 1975

    Bildjournalist, Fotograf, Publizist

    Walter Bosshard gehörte zur ersten Generation von Berichterstattern, die um 1930 der modernen Fotoreportage in Europa zum Durchbruch verhalf. Er profilierte sich durch die gekonnte Verbindung von Fotografieren und Schreiben, Aufsehen erregende Reiseberichte und profunde Asien-Kenntnisse. In der späten Weimarer Republik war Bosshard einer der gefragtesten Bildjournalisten im schnell wachsenden Markt der illustrierten Zeitschriften.

    Lebensdaten

    Geboren am 8. November 1892 in Samstagern (Kanton Zürich)
    Gestorben am 18. November 1975 in Torremolinos (Spanien)
    Grabstätte Asche über einem Gletscher verstreut in Val d’Anniviers (Kanton Wallis)
    Konfession evangelisch-reformiert
    Walter Bosshard, Fotostiftung Schweiz (InC)
    Walter Bosshard, Fotostiftung Schweiz (InC)
  • 8. November 1892 - Samstagern (Kanton Zürich)

    1901 - 1908 - Richterswil (Kanton Zürich)

    Schulbesuch

    Primarschule Samstagern-Richterswil; seit 1905 Sekundarschule Richterswil-Hütten

    1908 - 1912 - Küsnacht (Kanton Zürich)

    Ausbildung zum Primarlehrer (Abschluss: Diplom)

    Lehrerseminar

    1912 - 1914 - Zürich; Florenz

    Studium der Kunstgeschichte (ohne Abschluss)

    Universität

    1912 - 1918 - Feldmeilen (Kanton Zürich)

    Lehrer

    Primarschule

    1914 - 1918 - Kanton Tessin

    Militärdienst (Leutnant der Festungstruppen)

    Schweizer Armee

    1919 - 1925 - Niederländisch-Indien (heute Indonesien); Siam (heute Thailand); Indien

    Plantagenarbeiter; Edelsteinhändler; mehrere Handelsreisen

    1925 - 1926 - Lugano (Kanton Tessin); München

    fotografische und filmische Kurzlehrgänge

    u. a. Fotogeschäft Ruedi (Lugano)

    1927 - 1928 - Tibetisches Hochland; Takla-Makan-Wüste

    technischer Leiter; Fotograf der deutschen Zentralasien-Expedition

    1930 - 1931 - Berlin

    Bildjournalist

    Deutscher Photodienst (Dephot)

    1930 - 1930 - Indien

    achtmonatige Reise im Auftrag der Münchner Illustrierten Presse

    1931 - 1932 - China; Arktis

    Reisen im Auftrag des Ullstein Verlags

    1933 - 1938 - Peking; Innere Mongolei

    Bildjournalist, u. a. Berichterstatter über den Sino-japanischen Krieg

    1939 - 1956 - u. a. Europa; USA; China; Japan; Korea

    Mitarbeiter; seit 1942 festangestellter Auslandskorrespondent

    Neue Zürcher Zeitung

    1956 - 1962 - Schweiz; Ägypten; Spanien

    Rückzug aus dem Journalismus; Publizist; Schriftsteller

    18. November 1975 - Torremolinos (Spanien)

    alternativer text
    Walter Bosshard, Imago Images (InC)

    Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Küsnacht (Kanton Zürich) arbeitete Bosshard seit 1912 als Lehrer an einer Primarschule in Feldmeilen (Kanton Zürich) und leistete von 1914 bis 1918 Militärdienst als Leutnant der Festungstruppen im Kanton Tessin. Nach Ende des Ersten Weltkriegs verließ er seine Heimat und arbeitete von 1919 bis 1925 auf einer Kautschukplantage in Sumatra (Niederländisch-Indien, heute Indonesien), als Edelsteinhändler in Siam (heute Thailand) sowie als Handelsreisender in Indien und im Fernen Osten. Nachdem er autodidaktisch sowie in Kurzlehrgängen in Lugano (Kanton Tessin) und München den Umgang mit Foto- und Filmkameras erlernt hatte, nahm Bosshard 1927/28 als technischer Leiter und Fotograf an der deutschen Zentralasien-Expedition unter der Leitung des Geografen Emil Trinkler (1896–1931) teil. Die während dieser Reise angefertigten Aufzeichnungen und Fotografien nutzte er für seine ersten Beiträge in der „Münchner Illustrierten Presse“, der „Schweizer Illustrierten Zeitung“ und in der Zeitschrift „Atlantis“.

    Seit 1929 kooperierte Bosshard mit dem Deutschen Photodienst (Dephot) in Berlin, der als erste Agentur erfolgreich fertig aufbereitete Bildreportagen an illustrierte Zeitschriften vertrieb – unter Wahrung der Eigenständigkeit der Autoren, die sowohl Bilder als auch Texte lieferten. Bosshard wurde im Dezember 1929 nach Umbo (1902–1980) und Felix H. Man (1893–1985) von Dephot als dritter ständiger Mitarbeiter verpflichtet. Dank groß aufgemachter Reportagen in der „Münchner Illustrierten Presse“ und der „Berliner Illustrirten Zeitung“ avancierte Bosshard in den frühen 1930er Jahren zu einem der prominentesten Fotojournalisten des deutschsprachigen Raums. Besonderes Aufsehen erregten seine Berichte über den von Walther Bruns (1889–1950) organisierten Expeditionsflug in die Arktis mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin“ (1931) und über Mahatma Gandhi (1869–1948), dem er 1930 in Sabarmati (Ahmedabad) und Dandi (Gujarat) begegnete und den er porträtierte.

    Mit Büchern über seine Expeditionserlebnisse („Durch Tibet und Turkistan“, 1930) und die indische Unabhängigkeitsbewegung („Indien kämpft“, 1931) machte sich Bosshard als Reiseschriftsteller und Asien-Experte einen Namen. 1931 reiste er im Auftrag des Ullstein-Verlags nach China, um u. a. über den Einmarsch japanischer Truppen in die Mandschurei zu berichten. Von 1933 bis 1938 in Peking lebend, wurde er zu einem zentralen Berichterstatter des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs und hatte Zugang zu hochrangigen Persönlichkeiten der Kriegsparteien, etwa zu den Generalen Ma Zhanshan (1885–1950) und Tadaichi Wakamatsu (1893–1959), aber auch zu den wichtigsten Exponenten im chinesischen Machtkampf zwischen Kommunisten und Nationalisten, u. a. Tschiang Kai-Schek (1887–1975), dessen Frau Song Meiling (1897–2003) und Zhu De (1886–1976). Bosshard verurteilte die japanische Aggression immer wieder klar, beobachtete die Erstarkung der kommunistischen Partei mit Skepsis und zeigte große Sympathie für die chinesische Bevölkerung sowie Bewunderung für deren Kultur und Geschichte. Neben der „Berliner Illustrirten Zeitung“ gehörte die von Arnold Kübler (1890–1983) geführte „Zürcher Illustrierte“ zu seinen regelmäßigen Abnehmern.

    Seit 1933 hatte die Gleichschaltung der Presse durch das NS-Regime zur Folge, dass ein Teil von Bosshards Artikeln aus politischen Gründen nicht mehr gedruckt wurde und seine Vorgesetzten bei Ullstein, Kurt Korff (1876–1938) und Kurt Szafranski (1890–1964), in das Exil gehen mussten. Zudem widerstrebte es ihm, für einen Verlag zu arbeiten, dessen Zeitungen Angriffe auf seine eigene Heimat veröffentlichten. 1938 löste Bosshard alle vertraglichen Bindungen mit dem Ullstein-Verlag und wandte sich v. a. schweizerischen und englischsprachigen Medien zu. 1939 gewann er mit der US-amerikanischen Fotoagentur Black Star einen neuen Vertriebspartner, dank dem er seine Bildreportagen u. a. in der einflussreichen Zeitschrift „Life“ veröffentlichen konnte.

    Bosshard bewies auf seinen Reisen wiederholt Mut und diplomatisches Geschick, wobei er von seinen Mandarin-Kenntnissen profitierte.1938 gelang es ihm, als erster Europäer mit Mao Zedong (1893–1976), der sich in die schwer zugänglichen Höhlensiedlungen von Yan’an (Provinz Shaanxi) zurückgezogen hatte, ein ausführliches Interview zu führen und ihn zu porträtieren. Die in der westlichen Welt lange erwartete öffentliche Stellungnahme von Mao verarbeitete Bosshard zu einer sechsteiligen Artikelserie, die im Juli/August 1938 in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) erschien. Neben der politischen Berichterstattung beschäftigte er sich mit dem Alltag, der kulturellen Vielfalt und den abgelegenen Gegenden Chinas und fertigte dazu Kurzfilme an. Seine von 1931 bis 1939 entstandenen Fotografien und Filme sind eine weltweit einzigartige Bildquelle über die Entstehungsphase des Neuen China.

    Von 1934 und 1936 bereiste Bosshard fünf Mal die Innere Mongolei, der er mit „Kühles Grasland Mongolei“ (1938) sein kommerziell erfolgreichstes Buch widmete. 1939 kehrte er in die Schweiz zurück und wurde regelmäßiger Mitarbeiter der NZZ, für die er u. a. über die Kriegsschauplätze auf dem Balkan und im Nahen Osten berichtete. Da die NZZ nur selten Bilder abdruckte, konzentrierte er sich auf das Schreiben, war von 1942 bis 1956 festangestellter Auslandskorrespondent und baute u. a. das NZZ-Büro in Washington, DC auf.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hielt sich Bosshard erneut in Peking auf, verließ die Stadt aber nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949, da er Repressalien und Zensur befürchtete. Um die Ausreise nicht zu gefährden, vernichtete er einen substanziellen Teil seiner Unterlagen, darunter Tagebücher, Korrespondenzen, Kopien seiner Berichte und Telegramme. 1953 berichtete er aus Panmunjom (Korea) über die Verhandlungen zur Beendigung des Koreakriegs. Nach einem Bruch des Hüftgelenks gesundheitlich beeinträchtigt, gab er 1956 seine Tätigkeit als Auslandskorrespondent auf, zog sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück und übersiedelte in das Bergdorf Grimentz (Kanton Wallis); die Wintermonate verbrachte er in Ägypten und Spanien.

    Bosshard blieb nach 1945 eine geschätzte Stimme in der Schweizer Presse, verlor aber ohne die Bildberichte, mit denen er zuvor ein Massenpublikum erreicht und großes Ansehen gewonnen hatte, rasch an öffentlicher Wirkung. Als er 1975 starb, war seine bildjournalistische Pionierarbeit der 1930er Jahre weitgehend vergessen. Erst Anfang der 1990er Jahre begann die wissenschaftliche Aufarbeitung seines unvollständig erhaltenen Werks, das heute von der Fotostiftung Schweiz in Winterthur (Kanton Zürich) und dem Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich betreut wird. Neben Ausstellungen in der Schweiz wurde Bosshards fotografisches Werk auch in China gewürdigt, u. a. 2015 in einer Ausstellung auf dem Lianzhou Foto Festival (Provinz Guangdong) und 2019/20 im Tsinghua University Art Museum in Peking.

    Teilnachlässe:

    Fotostiftung Schweiz, Winterthur (Kanton Zürich). (ca. 25 000 Negative mit ergänzendem Dokumentationsmaterial)

    ETH Zürich, Archiv für Zeitgeschichte. (u. a. Tagebücher, Korrespondenz, Zeitungsartikel, unveröffentlichte Texte, ca. 20 000 Archivkopien von Negativen) (weiterführende Informationen)

    Weitere Archivmaterialien:

    Toronto Metropolitan University, Toronto (Ontario, Kanada), Image Center. (ca. 1200 Originalabzüge von Bosshards Fotografien)

    Ullstein Bildarchiv, Berlin. (Originalabzüge von Bosshards Fotografien aus den 1930er Jahren)

    Durch Tibet und Turkistan. Reisen im unberührten Asien, 1930, engl. 1932.

    Indien kämpft. Das Buch der indischen Welt von heute, 1931, Neuausg. 1950, franz. 1954, schwed. 1954.

    Kühles Grasland Mongolei. Zauber und Schönheit der Steppe, 1938, 21949, franz. 1954, schwed. 1954, dän. 1954, mongol. 2010.

    Erlebte Weltgeschichte. Reisen und Begegnungen eines neutralen Berichterstatters im Weltkrieg 1939–1945, 1947, franz. 1947.

    Generale, Könige, Rebellen. Weltgefahr im Mittleren Osten, 1954, Neuausg. u. d. T. Gefahrenherd der Welt. Der Mittlere Osten, 1954, niederl. 1955.

    Tuth. Geschichte aus dem Sudan, 1960.

    Im goldenen Sand von Asswan, 1962.

    Monografien und Ausstellungskataloge:

    Peter Pfrunder/Verena Münzer/Annemarie Hürlimann, Fernsicht. Walter Bosshard, ein Pionier des modernen Fotojournalismus. Katalog zur Ausstellung im Kunsthaus Zürich, 1997. (P)

    Giulia R. M. Bellentani/Lorenzo Gottardi (Hg.), L’India al tempo di Gandhi. Walter Bosshard, Fotografie. Katalog der Ausstellung im Museo delle Culture, Lugano, 2007.

    Barbara Stempel, Asien-Sichten. Reisefotografien von Annemarie Schwarzenbach und Walter Bosshard, 2009.

    Peter Pfrunder (Hg.), Walter Bosshard. China brennt. Bildberichte 1931–1939. Katalog der Ausstellung in der Fotostiftung Schweiz, Winterthur, 2018.

    Center for Asian and Transcultural Studies (Hg.), Einvisioning Asia. Gandhi and Mao in the Photographs of Walter Bosshard. Katalog der Ausstellung im Völkerkundemuseum Heidelberg, 2019.

    Aufsätze und Artikel:

    Archibald T. Steele, Men in the East. Bosshard of Ullstein, in: Caravan (1937), S. 39–45.

    Annemarie Hürlimann, Art. „Bosshard, Walter“, in: Historisches Lexikon der Schweiz, 2003. (P) (Onlineressource)

    Herbert Molderings, Eine Schule der modernen Fotoreportage. Die Fotoagentur Dephot (Deutscher Photodienst) in der Berliner Illustrierten Zeitung (BIZ). 1928–1934, in: Fotogeschichte 28 (2008), H. 107, S. 5–21.

    Anton Holzer, Bei Mao in China. Peter Pfrunder im Gespräch über den Fotojournalisten Walter Bosshard, in: Fotogeschichte 38 (2018), H. 149, S. 49–58. (Onlineressource)

    Karénina Kollmar-Paulenz, „The Most Wonderful Summer of my Life“. Walter Bosshard’s Journeys in Inner Mongolia, in: Mongolo-Tibetica Pragensia 11 (2018), S. 7–27.

    Peter Pfrunder, Gandhi in Private. The Mahatma in Walter Bosshard’s Photographs, in: Indiennes. Material for a Thousand Stories, hg. v. Swiss National Museum, 2019, S. 96–110.

    Anna Elisabeth Herren, Die Mauern von Mandschukuo. Die (Bild-)Berichte des Schweizer Fotojournalisten Walter Bosshard zur Kaiserkrönung von Puyi, in: Traverse. Zeitschrift für Geschichte 27 (2020), H. 1, S. 118–132. (Onlineressource)

    Fotografien, Fotostiftung Schweiz, Winterthur (Kanton Zürich).

    Fotografien, 1910–1970, Abbildung in: Peter Pfrunder/Verena Münzer/Annemarie Hürlimann, Fernsicht. Walter Bosshard, ein Pionier des modernen Fotojournalismus. Katalog zur Ausstellung im Kunsthaus Zürich, 1997, S. 10–20.

  • Autor/in

    Peter Pfrunder (Zug)

  • Zitierweise

    Pfrunder, Peter, „Bosshard, Walter“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118513869.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA