Lebensdaten
1876 bis 1953
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118892673 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Quaatz, R.
  • Quaatz, R. G.
  • Quaatz, Reinhold
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Zitierweise

Quaatz, Reinhold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118892673.html [24.08.2017].

CC0

Quaatz, Reinhold Georg

Politiker, * 8.5.1876 Berlin, 15.8.1953 Berlin.

  • Genealogie

    V Johannes (1842–1914), Dr. phil., Dir. d. Berliner Lessing-Gymnasiums; M N. N. (jüd.); 1922 Elsa Harnisch; 1 T Margot (* 1926), Dr. med. dent., Zahnärztin in B.

  • Leben

    Q. studierte nach dem Abitur 1894 in Jena und Berlin Rechts- und Staatswissenschaft. Nach Referendariat und kurzer Gerichtspraxis in Berlin war er seit 1904 als Regierungsassessor bei der preuß. Staatseisenbahnverwaltung tätig. 1908-11 arbeitete er in der Finanzabteilung des Preuß. Ministeriums der öffentlichen Arbeiten. Als Regierungsrat seit 1911 wieder bei der Eisenbahnverwaltung, koordinierte Q. seit 1917 den für die Westfront wichtigen Mosel-Ruhr-Verkehr. In dieser Zeit knüpfte er erste Verbindungen zu Großindustriellen wie Hugo Stinnes (1870–1924) und Emil Kirdorf (1847–1938) sowie zum Vorstandsvorsitzenden der „Friedr. Krupp AG“, Alfred Hugenberg (1865–1951). Ende 1919 schied Q. als Geh. Regierungs- und Vortragender Rat aus dem Staatsdienst aus und ging im Januar 1920 als Erster Syndikus zur Handelskammer Essen.

    Zusätzliche Aufgaben im Bereich der rhein.-westfäl. Handelskammern, als Mitglied des Reichswasserstraßenbeirats und von Ausschüssen des Deutschen Industrie- und Handelstages sowie als Herausgeber der „Wirtschaftlichen Nachrichten aus dem Ruhrgebiet“ verband Q. mit politischen Aktivitäten. 1919 trat er in die DVP ein und engagierte sich im nationalliberalen „Juni-Club“. 1920 wurde er in den Reichstag gewählt. Als Vertreter der Industriegruppe um Stinnes und Albert Vogler (1877–1945) geriet er mit seinem strikt nationalistischen Kurs in Gegensatz zum Parteivorsitzenden Gustav Stresemann (1878–1929). Im Frühjahr 1924 brach Q. mit der „Stresemannpartei“ und zog im selben Jahr für die DNVP in den Reichstag ein. Von Berlin aus, wo er 1924 eine Anwaltskanzlei eröffnet hatte, bekämpfte er den Dawes-Plan und jegliche Form von „Erfüllungspolitik“, ebenso eine Koalition seiner Partei mit der SPD. Im Dezember 1926 wurde Q. in den Partei vorstand kooptiert, im Februar 1927 Vorsitzender des Propaganda-Ausschusses und Ende 1927 Mitglied des wichtigen Reparationsausschusses des Reichstags, später auch des Haushalts-, Verkehrs- und Reichsbahnausschusses. Nach der wesentlich von ihm durchgesetzten Wahl Hugenbergs zum Vorsitzenden der DNVP im Oktober 1928 konnte er sich im Fall einer Regierungsbeteiligung der DNVP Hoffnungen auf ein Ministeramt machen. Allerdings trug er mit verletzenden Angriffen auf kompromißbereite Parteifreunde und „Erfüllungs“-Politiker anderer Parteien dazu bei, daß die Reichstagsfraktion der DNVP u. a. durch Austritte und Abspaltungen an Bedeutung verlor und schließlich nur noch für die NSDAP koalitionsfähig blieb. 1932 war Q. noch für den Posten des Reichsverkehrsministers im Gespräch, im Januar 1933 wurde ihm das Amt des preuß. Finanzministers, einen Monat später ein Staatssekretärsposten angeboten. Schließlich stimmte Hitler lediglich einem Direktorenposten bei der Dresdner Bank zu, den Q. aufgrund des rassistischen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wegen seiner jüd. Mutter schon nach wenigen Monaten wieder verlor. Kurz darauf wurde er aus der Anwaltsliste gestrichen und damit praktisch berufslos. Außer einem Gestapo-Verhör in Zusammenhang mit dem Juli-Attentat 1944 blieb er aber bis Kriegsende unbehelligt.

    Nach dem Krieg engagierte sich Q., von den Sowjets 1945 kurzzeitig als Bürgermeister seines Wohnortes Berlin-Lichtenrade eingesetzt, überwiegend in der ev. Kirche. Er gehörte der Berlin-Brandenburgischen Landessynode an und war als Dozent, seit 1948 auch als Kurator an der Kirchl. Hochschule Berlin tätig. Daneben beteiligte er sich am Aufbau der Berliner CDU.

  • Werke

    Ein Kap. preuß. Verkehrspol., 1909; Der preuß. Eisenbahnetat, 1910; Der nat. Gedanke u. d. Eisenbahnen, 1911; Die Reichseisenbahnen, 1919; Die Reichseisenbahnen, Gedanken u. Vorschläge z. Finanzwirtsch. u. Organisation d. dt. Verkehrswesens, Diss. Köln 1920; Das Schicksal d. Einheitsgedankens im dt. Verkehrswesen, 1920; Der Franzoseneinbruch, 1923; Dtld. unter Mil.-, Finanz- u. Wirtsch.kontrolle, 1925 (mit M. Spahn); Sicherheit u. Wirtsch. b. d. Reichsbahn, 1929; Vereinigte Staaten v. Europa?, 1930; Handelspol. u. Tributpol., 1930; Utopia, Betrachtungen üb. Gemeinschaft, Staat u. Kirche, 1948; Verlorene Gemeinschaft, 1950.

  • Literatur

    H. Weiß u. P. Hoser (Hg.), Die Dt.nationalen u. die Zerstörung d. Weimarer Rep., Aus d. Tageb. v. R. Q. 1928-1933, 1989; E. Jones. Die Tage vor Hitlers Machtübernahme, in: VfZ. 37, 1989, S. 759-74; Wi. 1922; RT-Hdb. V. Wahlperiode, 1930 (P); Rhdb. (P).

  • Autor

    Hermann Weiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Hermann, "Quaatz, Reinhold" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 27-28 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118892673.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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