Lebensdaten
1733 bis 1808
Geburtsort
Landeshut (Schlesien)
Sterbeort
Grüneiche bei Breslau
Beruf/Funktion
Architekt ; Berliner Baumeister
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118726463 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Langhans, Karl Gotthard
  • Langhans, Carl Gotthard
  • Langhans, Karl Gotthard

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Zitierweise

Langhans, Carl Gotthard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118726463.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gottfried ( 1763), Konrektor, 1737 Prorektor d. ev. Schule in L., später Rektor d. Gymnasiums in Schweidnitz, S d. Pfarrers Caspar in Albrechtsdorf b. Sorau u. d. Anna Elisabeth Steinbach;
    M N. N.;
    Breslau 1777 Anna Elisabeth (* 1743), T d. Advokaten Emil Gottlieb Jäckel in Breslau u. d. Susanne Spannagel;
    5 K (2 früh †), u. a. Karl Ferdinand (s. 2).

  • Leben

    Während seines Jura- und Mathematikstudiums in Halle hat sich L. bereits auch mit Architektur beschäftigt. Anschließend war er Hauslehrer in Breslau, ehe er sich dem Baufach zuwandte. Seine frühe Schaffenszeit fällt noch in die Periode des von einem klassizistischen Unterstrom palladianischer Prägung beeinflußten preuß. Spätbarock. In seinem ersten Bau, der 1764 entworfenen ev. Kirche zu Glogau, einem Saalraum mit einer ursprünglich von Kuppeltürmen flankierten Fassade, fühlte er sich dem älteren prot. Kirchenbau Schlesiens verpflichtet. Beim Wiederaufbau des im Siebenjährigen Krieg zerstörten Breslauer Palais Hatzfeld (1766–73, Rokokoausstattung bis 1786, zerstört 1945) ging er von röm. Barockfassaden aus, die er in den Einzelformen klassizistisch umgebildet hat. Bei einem Italienaufenthalt (1768/69) konnte er von Vanvitelli, dem Erbauer des Schlosses Caserta, hohes Lob für den Entwurf des Palais empfangen, der eine fortschrittliche Stilgesinnung erkennen ließ. Zudem nahm er für den Bruder Kg. Friedrichs II., den Prinzen Heinrich, Um- und Ausbauten am Rheinsberger Schloß noch ganz im Rokoko vor. Seit 1775 Kriegs- und Domänenbaurat für Schlesien, hatte L. nach einer Studienreise durch Holland, England und Frankreich bis zu seinem Fortzug nach Berlin 1786 als Direktor des neugeschaffenen Oberhofbauamtes die Aufsicht über die öffentlichen Bauten. Seinen Ruf als Theaterarchitekt begründete er mit dem Bau des Breslauer Schauspielhauses. Als Kirchenbaumeister bewährte er sich bei den ev. Kirchen in Groß-Wartenberg und Waldenburg (beide 1785), wo er sich entschieden dem Klassizismus zugewandt hatte.

    In Berlin setzte die Blütezeit von L.s Schaffen ein, wobei sich seine Hinwendung zu einem von Andrea Palladio beeinflußten Neuklassizismus bemerkbar gemacht hat. Neben der Innenausstattung des Potsdamer Marmorpalais und der Umgestaltung einiger Räume im Stadtschloß, dem Schloßtheater und Belvedere in Charlottenburg sowie den Mohrenkolonnaden stehen bedeutende Hauptwerke: Die Tierarzneischule (1787–89) ist äußerlich der Villenarchitektur Palladios angenähert und weist einen zentralen, amphitheatralisch angelegten Kuppelraum als Anatomiehörsaal auf, wobei L. erstmals in Preußen eine Bohlenkonstruktion für die Kuppelschale angewandt hat; diese neuartige Konstruktion hat er dann David Gilly vermittelt. Das Brandenburger Tor (1788–91) war das erste für Staatsfeiern errichtete dorische Repräsentationstor und fand im frühen 19. Jh. Nachahmungen in ganz Europa. Das von Kg. Friedrich Wilhelm II. bestimmte Vorbild waren die Propyläen der Akropolis zu Athen. L. variierte sie mit sicherem Stilempfinden, durch schlanke Säulenschäfte und unterlegte Basen wandelte er die schwere dorische Ordnung ab, und die beigegebenen zierlichen Annexbauten, die ursprünglich geschlossen waren, steigern den Maßstab des Torbaues, ohne daß dessen Monumentalität bedrückend wirkt. Im Rahmen der Planungen eines Denkmals für König Friedrich II. entwarf L. 1797 einen jonischen Rundtempel mit der Königsstatue in der Mitte, der kontrapunktisch zum Brandenburger Tor am östlichen Beginn der Straße Unter den Linden errichtet werden sollte (nicht ausgeführt). L.s zweiter Aufenthalt in Breslau (1794/95) galt dem Erweiterungsbau des dortigen kgl. Schlosses, das ein Quergebäude erhielt. Seine letzte Hauptschöpfung war das Berliner Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt (1800–02), das 1817 niederbrannte. Der langgestreckte Rechteckbau mit sechssäuligem jonischen Portiklus zur Platzseite, Rundbogenlisenen und eingestellten jonischen Säulen erhielt ein mächtiges Bohlendach und zeigte im Innern den Typus eines Rangtheaters mit amphitheatralisch ansteigendem Parkett. Im Gegensatz zum 1795 vollendeten Potsdamer Schauspielhaus, das in seiner kubischen Umrißlinie stärker von Friedrich Gillys Frühklassizismus beeinflußt war, gelang L. hier eine eigenständige Lösung in der Verbindung des Zuschauerraums mit einer von acht dorischen Säulen getragenen Eingangshalle und einem Konzertsaal auf ellipsenförmigem Grundriß. – Die meisten Bauten L.s wurden im 2. Weltkrieg zerstört.

  • Literatur

    ADB 17;
    W. Th. Hinrichs, C. G. L., e. schles. Baumeister, 1909 (W, P);
    A. Doebber, Heinrich Gentz, 1916;
    H. Schmitz, Berliner Baumeister v. Ausgang d. 18. Jh., 21925;
    P. Brieger, in: Schles. Lb. II, 1926;
    (E. Meffert), Das Haus d. Staatsoper u. s. Baumeister, 1942 (P);
    G. Grundmann, in: Schlesien 2, 1957, S. 224-27;
    H. Lasch, Architekten-Bibliogr., 1962, Nr. 1756-70;
    K. Bauch, Das Brandenburger Tor, 1968;
    M. Kühn, Schloß Charlottenburg, Textbd., 1970;
    J. v. Simson, Das Berliner Denkmal f. Friedrich d. Gr., 1976;
    Berlin u. d. Antike (Ausst.kat.), 1979, Nr. 190, S. 586-97, 984;
    Wasmuths Lex. d. Baukunst III;
    ThB (W).

  • Portraits

    Marmorbüste (Berlin, TU), Abb. in: Die Gr. Deutschen im Bild, 1937, u. b. Rave;
    Kohlezeichnung, Abb. b. Meffert, s. L.

  • Autor/in

    Hans Reuther
  • Empfohlene Zitierweise

    Reuther, Hans, "Langhans, Carl Gotthard" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 599 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118726463.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Langhans: Karl Gotthard L., Baumeister, ist im J. 1733 zu Landshut in Schlesien geboren. Seine künstlerische Thätigkeit fällt vorwiegend in die Regierungszeit Friedrich Wilhelms II. von Preußen. L. strebte durch geschichtliche Studien und Vervollständigung seiner Kenntnisse auf Reisen in den Jahren 1759—1775 eine umfassende Bildung an. Als Kriegs- und Oberbaurath in Schlesien thätig, entwarf er den Plan zum Gräflich Hatzfeld'schen Palais, jetzt Regierungsgebäude, in Breslau und wurde im J. 1787 als Vertreter des classischen Stils und als Nachfolger Gontard's zum umgestaltenden Ausbau des Opernhauses nach Berlin berufen. Sein Ruhm begründete sich auf den imposanten Bau des Brandenburger Thores daselbst, welches unter freier Verwerthung einiger vorbildlicher Motive von den Propyläen des Mnesikles zu Athen in der Zeit von 1789—1793 errichtet ist. Im Gesammteindruck von mächtiger Wirkung bildet das Thor, wiewol die Formen und Verhältnisse keineswegs dem reinen Classicismus entsprechen, einen kräftigen günstigen Abschluß der Straße und eine für Siegeseinzüge würdige Triumphpforte. Monumentales Ansehen ist auch der Herkulesbrücke vom Jahre 1787 eigen. Aus der Vorliebe für hallenartige Bauwerke erstanden darauf die Brückenkolonnaden in der Mohrenstraße mit Rundbögen auf gekuppelten Säulen. L. leitete ferner den Bau des anatomischen Amphitheaters der Thierarzneischule, eines Kuppelbaues mit vier Flügeln, lieferte 1789 die Entwürfe zum Schloßtheater und Belvedere im Schloßparke zu Charlottenburg, sowie zu zahlreichen palastartigen Privathäusern, namentlich an der Nordseite der Behrenstraße und vollendete bei unfreier Hand die Innendecoration des Gontard'schen Marmorpalais zu Potsdam. Minder glücklich fiel das Schauspielhaus aus, welches nach dem Brande durch den Prachtbau Schinkel's ersetzt worden ist. — Den Fachgenossen seiner Zeit und Umgebung im Allgemeinen überlegen, bewahrte sich L. als Zögling der im Zopf absterbenden Renaissance den freien Blick für die Schönheit und das Maaß hellenischer Kunst und die neu erwachende Romantik. Ohne originelle Schöpferkraft und bei mäßigem Ideenreichthum offenbart er in seinen Werken den Werth einer verständigen, durch Kenntnisse und Geschmack gehobenen Kunstrichtung. L. starb im J. 1808 auf seiner Besitzung Grüneiche bei Breslau.

    • Literatur

      Vgl. Berlin und seine Bauten. Herausgegeben vom Architektenverein zu Berlin. Berlin 1877. 2 Thle.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Donop, von, "Langhans, Carl Gotthard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 686 unter Langhans, Karl Gotthard [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118726463.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA