Wirtz, Karl

Lebensdaten
1910 – 1994
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Kernphysiker ; Physiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119009757 | OGND | VIAF: 116047790
Namensvarianten

  • Wirtz, Karl Eugen Julius
  • Wirtz, Karl
  • Wirtz, Karl Eugen Julius
  • Wirtz, K.
  • Wirtz, Carl
  • Wirtz, Carl Eugen Julius

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Wirtz, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119009757.html [02.02.2026].

CC0

  • Wirtz, Karl Eugen Julius

    | Physiker, * 24.4.1910 Köln, † 12.2.1994 Karlsruhe, ⚰Karlsruhe, Friedhof Wolfartsweier. (katholisch)

  • Genealogie

    V Carl, Jur., n. 1918 Amtsrichter in Bergheim/Erft;
    M Hildegard (* 1883), T d. Eugen Krebs (1848–1912), Dr. phil., PD f. Maschinenbau an d. TH Aachen, 1875 Leiter d. Privatbank J. A. Krebs in Freiburg (Br.), Stadtrat ebd. (s. NDB XII*; Bad. Biogrr. NF VI), u. d. Jenny Komp (1854–1910);
    Om Engelbert Krebs (1881–1950), Dr. phil., Dr. theol., 1919 Prof. f. Dogmatik an d. Univ. Freiburg (Br.), Geistl. Rat, Prälat (s. Bad. Biogrr. NF II; );
    Arnsdorf (Riesengebirge) 1941 Ottonie (1916–2003), T d. Kurd v. Ziegner (1875–1918), preuß. Major, u. d. Hildegard v. Garnier (1887–1981);
    1 T Christiane Caroline (* 1948), in Bonn;
    N d. Ehefrau Erika Ziegner (1906–1995, Adolf Butenandt, 1903–95, Dr. phil., Dr. h. c. mult., o. Prof. f. Chemie an d. Univ. München, Dir. d. MPI f. Biochemie, Präs. d. MPG, Nobelpreis 1939), med.-techn. Assistentin.

  • Biographie

    Nach dem Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln im Febr. 1929 studierte W. an den Universitäten Bonn, Freiburg (Br.) und Breslau Physik, Chemie und Mathematik. 1934 wurde er bei dem Breslauer Experimentalphysiker Clemens Schäfer (1878–1968) mit einer Arbeit zum „Ultraroten Reflexionsspektrum von Silikaten“ zum Dr. phil. promoviert. Auf das Staatsexamen im Juli 1934 folgte die Teilnahme am Seminar des Physik-Nobelpreisträgers Werner Heisenberg (1901–1976) in Leipzig. W. erhielt 1935 eine apl. Assistentenstelle am Lehrstuhl für Physikalische Chemie von Karl Friedrich Bonhoeffer (1899–1957) an der Univ. Leipzig und 1937 in gleicher Funktion am von Peter Debye (1884–1966) geleiteten KWI für Physik in Berlin-Dahlem. 1939 habilitierte er sich an der Univ. Berlin mit der Arbeit „Überspannung und Mechanismus der elektrolytischen Wasserstoffabscheidung“ (in: Zs. f. Elektrochemie u. angew. Chemie 44, 1938, Nr. 5, S. 303–26).

    Als wenige Monate nach Entdeckung der Kernspaltung im Dez. 1938 staatliche Maßnahmen eingeleitet wurden, um einen institutionellen und inhaltlichen Rahmen für Forschungen zur militärischen bzw. wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie zu schaffen, übernahm das Heereswaffenamt unter der kommissarischen Leitung von Kurt Diebner (1905–1964) das KWI für Physik; damit gehörte W. dem sog. Dt. Uranverein an (1938 Mitgl. d. NS-Lehrerbunds). W. war als ausgewiesener Fachmann für elektrolytische Wasserstoffabscheidung zuständig für Untersuchungen zum Einsatz des Isotops Schwerwasser (D₂O) als Moderator für eine sich selbsterhaltende Kettenreaktion in einem Atomreaktor sowie an der Planung und Durchführung der erforderlichen Großversuche möglicher unterschiedlicher Reaktorgeometrien sowie Spaltstoff- und Moderatorquantitäten beteiligt. Nach der Besetzung Norwegens im Mai 1940 wurde er wiederholt bei der einzigen europ. Produktionsfirma für Schwerwasser, der südnorweg. Firma „Norsk Hydro“, für das Heereswaffenamt tätig. Zwar gelang ihm die für das dt. Uranprojekt wichtige Ausweitung und Optimierung der Produktion von Schwerwasser unter technisch-praktischen Gesichtspunkten, allerdings konterkarierten norweg. Sabotageaktionen und alliierte Luftangriffe die Maßnahmen.

    Am KWI für Physik in Berlin wurden zwischen 1940 und 1945 acht erfolglose Großversuche zur Auslösung einer sich selbst erhaltenden Kettenreaktion in einer Uranmaschine durchgeführt. Der vielversprechendste Versuch fand infolge kriegsbedingter Auslagerung des KWI im März 1945 im württ. Haigerloch statt. Hier wurde W., der seit 1944 die experimentelle Abteilung leitete, am 27.4.1945 mit anderen führenden Wissenschaftlern des Dt. Uranvereins von einem Sonderkommando der US-amerik. Streitkräfte gefangengenommen und bis Jan. 1946 im südengl. Farm Hall interniert.

    Nach Beendigung der Internierung wurde W. Abteilungsleiter am MPI für Physik in Göttingen und 1949 zum apl. Professor an der Univ. Göttingen ernannt. Ungeachtet der Restriktionen der Alliierten Kontrollratsgesetzgebung forschte er zur Neutronenphysik und Reaktortechnik. 1953 wurde W. zum Vorsitzenden der Fachkommission II/Moderatoren der „Studien-Kommission für Kernenergie“ bestellt, einem hochkarätig besetzten Planungsgremium aus Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Staat. Unter seiner Leitung konstituierte die Physikalische Studiengesellschaft Düsseldorf m.b.H. am MPI für Physik eine Reaktorkonstruktionsgruppe, die zwischen Sept. 1955 und Juli 1956 die Grundlagen für einen Forschungsreaktor (FR 1) erarbeitete. Mit Gründung der „Kernreaktor Bauund Betriebsgesellschaft“ in Karlsruhe 1956 übersiedelte W.s Göttinger Reaktorgruppe, und W. wurde Ordinarius für Physikalische Grundlagen der Reaktortechnik an der Fakultät für Maschinenbau der TH Karlsruhe (1974–76 Dekan, 1979 em.). Seit 1957 Gründungsdirektor und Leiter des Instituts für Neutronenphysik und Reaktorforschung (INR), plante und realisierte W. hier als bundesdt. Eigenentwicklung den im März 1961 in Betrieb genommenen Forschungsreaktor 2 (FR 2). Im Anschluß an die Arbeiten für den FR2 wurde im INR die Schnellbrüterentwicklung zum zentralen Projekt. Neben zahlreichen Ämtern und wissenschaftlichen Aktivitäten war W. 1972–77 wiederholt Gastprofessor an der Univ. of Washington in Seattle. Als Mitunterzeich|ner der „Göttinger Erklärung der 18 Atomwissenschaftler vom 12. April 1957“ plädierte er für eine ausschließliche friedliche Nutzung der Kernenergie. Er betreute mehr als 130 Dissertationen.

  • Auszeichnungen

    |Vors. d. Arb.kreises Kernreaktoren d. Fachkomm. 3 d. Dt. Atomkomm. (1956–65) u. d. Wiss. Rates d. Kernforsch.zentrums Karlsruhe (1965–67);
    Executive Vice President d. European Atomic Energy Soc. (1966–68);
    Mitgl. d. Präsidiums d. Dt. Atomforums (1972–77);
    BVK (1975);
    Ehrenmitgl. d. Dt. Kerntechn. Ges. e. V. u. d. European Nuclear Soc. (1982);
    Fellow d. American Nuclear Soc.;
    – K.-W. Preis d. Kerntechn. Ges. (seit 1993).

  • Werke

    Weitere W Großversuche z. Vorbereitung d. Konstruktion e. Uranbrenners, in: W. Bothe u. S. Flügge (Hg.), Fiat Review of German Science 1939–1945, Nuclear Physics and Cosmic Rays Part II, 1948, S. 143–65 (mit W. Heisenberg) (P);
    Kosm. Strahlung, 1953;
    Elementare Neutronenphysik, 1958, engl. 1964 (mit K. H. Beckurts);
    Arbb. u. Entwicklungen auf d. Gebiet d. Neutronen- u. Reaktorphysik, in: Ges. f. Kernforsch. mbH (Hg.), 10 J. Kernforsch.zentrum Karlsruhe, 1966, S. 59–78 (P);
    Das unverstandene Wunder, Kernenergie in Dtld., 1975 (mit K. Winnacker) (P);
    Lectures on Fast Reactors, 1973, 1978;
    Im Umkreis d. Physik, 1988 (P);
    –European Associate Editor d. Zs. Nuclear Science and Engineering, Nuclear Technology and Fusion Technology (1974–1989);
    Nachlaß: Gen.landesarchiv Karlsruhe.

  • Literatur

    |G. Keßler, in: Physikal. Bll. 50, 1994, Nr. 9, S. 867;
    M. Walker, German Nat. Socialism and the Quest for Nuclear Power, 1939–1949, 1989;
    A. Hermann, K. W., Leben u. Werk, 2006 (P);
    R.-J. Gleitsmann, „Ja, wir hätten e. Atombombe gebaut, aber d. Umstände stellten uns gottlob nicht v. e. solche Entscheidung“ (K. W. 1986), Aufklärer. Anmm. z. Dialog-Debatte um K. W. u. d. Arbb. d. Dt. Uranver., in: KIT-Dialog 03, 2010, S. 19;
    Munzinger;
    Pogg. VII a.

  • Autor/in

    Rolf-Jürgen Gleitsmann-Topp
  • Zitierweise

    Gleitsmann-Topp, Rolf-Jürgen, "Wirtz, Karl Eugen Julius" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 292-294 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119009757.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA