Wirtz, Adolf

Lebensdaten
1872 – 1953
Geburtsort
Neuwied/Rhein
Sterbeort
Bad Pyrmont
Beruf/Funktion
Hüttendirektor ; Industriemanager
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Wirtz, Adolf Heinrich
  • Wirtz, Adolf
  • Wirtz, Adolf Heinrich
  • Wirtz, Adolph

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Zitierweise

Wirtz, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142906.html [20.02.2026].

CC0

  • Wirtz, Adolf Heinrich

    | Hüttendirektor, Industrie-Manager, * 3.3.1872 Neuwied/Rhein, † 1.5.1953 Bad Pyrmont, ⚰ Mülheim/Ruhr, Hauptfriedhof. (katholisch)

  • Genealogie

    V Heinrich (1828–1908), Kaufm. in N., S d. Johann Konrad (1788–1867), Wagenmeister, u. d. Appolonia Elisabeth Decker (1793–1840);
    M Christine Johanna (1831–1921), T d. Peter Lorsbach (1783–1839), Kaufm., u. d. Maria Anna Antonie Reineck|(1793–1862);
    1901 Elisabeth (1875–1932), T d. Franz Anton Everhard Hubert Schaffrath (1822–1886), Kaufm., u. d. Anna Maria Gertrud Hufer (1841–1924);
    2 S Heinrich, Dr. phil., Hüttendir. d. Eisenwerke Gelsenkirchen AG, Adolf (* 1904), Dr.-Ing., Dipl.-Kaufm., 1952 Vorstandsvors. d. Vereinigte Kesselwerke AG, Düsseldorf (s. Europ. Profile II, hg. v. A. Köhler, 1954; Wi. 1955), 2 T Maria, Elisabeth.

  • Biographie

    Nach der Reifeprüfung am Realgymnasium Neuwied 1890 studierte W. Eisenhüttenkunde an der Bergakademie Clausthal (Dipl.-Examen 1894) und Maschinenbau an der TH Karlsruhe. Anschließend arbeitete er als Betriebsingenieur bei der „Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerke AG vorm. Poensgen“. 1895 folgte der Wechsel zur „Königlichen Geschossfabrik Siegburg“, wo er Erfahrungen bei der Granatenproduktion sammelte. Nach weiteren Stationen bei den „Gelsenkirchener Gußstahl- und Eisenwerken vorm. Munscheid & Co.“ und bei „Haniel & Lueg“ (Gutehoffnungshütte-Konzern) in Düsseldorf übernahm W. 1902 die technische Leitung der „Stahlwerk Mannheim AG“. 1907 holte ihn Hugo Stinnes (1870–1924) als Betriebsleiter zur Friedrich Wilhelms-Hütte (FWH) nach Mülheim/Ruhr und berief ihn in den Vorstand der „Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-AG“ (Dt.-Lux). Bei der FWH modernisierte W. die Energiewirtschaft grundlegend, indem er 1908 eine Kokerei in Auftrag gab, die mit Mischgas (Hochofen- u. Kokereigas) betrieben wurde. Im selben Jahr nahm er ein Stahlwerk mit Siemens-Martin-Verfahren in Betrieb, das ausschließlich durch Überschußgase von Hochofen und Kokerei beheizt wurde. 1911 ließ er von der Firma „Heinrich Koppers“ in der erweiterten Kokerei erstmals „Verbundöfen nach dem Doppel-Regenerativsystem“ installieren, die es ermöglichten, gereinigtes und vorgewärmtes Hochofengas zum Betrieb der Koksöfen einzusetzen und so das energiereichere Kokereigas z. B. für die Ferngasversorgung zu verwerten. Mit der Anwendung dieser neuen Technologie stellte W. die Energiewirtschaft von Hüttenwerken insgesamt auf eine neue Grundlage.

    Als 1926 Dt.-Lux mit der FWH in der neugegründeten „Vereinigte Stahlwerke AG“ (VSt) aufging, wurde W. in deren Vorstand berufen, wo ihm neben der FWH auch andere Gießereibetriebe, u. a. der Schalker Verein in Gelsenkirchen und die Gießerei Hüttenbetrieb in Duisburg unterstellt waren. Als diese 1934 in der „Deutsche Eisenwerke AG“ (DEW) als Betriebsgesellschaft der VSt zusammengefaßt wurden, übernahm W. den Vorstandsvorsitz der DEW, den er bis zu seinem Ruhestand 1942 innehatte.

    Während beider Weltkriege forcierte W. Entwicklung und Produktion von Granaten aus Stahlguß und anderen Rüstungsgütern wie Kunststoffzünder sowie den Panzerbau. Über sein Unternehmen hinaus stellte er sein Wissen der dt. Rüstungsindustrie zur Verfügung, u. a. als Leiter der Erfahrungsgemeinschaft Stahlguß beim Reichsministerium für Bewaffnung und Munition.

    Ab 1910 förderte W. mit dem Mülheimer Oberbürgermeister Paul Lembke (1860–1939) den Bau des Ruhrschiffahrtskanals als Erneuerung des alten Mülheimer Schiffahrtswegs zum Rhein, der 1927 eingeweiht wurde.

    Er war ab 1919/20 Ratsherr der Stadt Mülheim/Ruhr, zuerst für das Zentrum, 1934 für die NSDAP, deren Mitglied er 1933 wurde. In zahlreichen Wirtschaftsverbänden und technischen Vereinen der Gießerei- und (Hochofen-)Zementindustrie übernahm er leitende Funktionen, u. a. 1934 als Leiter der Fachgruppe Stahlformgießereien innerhalb der Wirtschaftsgruppe Gießerei-Industrie, 1935 als Vorsitzender des Hüttenzement-Verbandes, 1936 auch des Vereins dt. Hochofenzementwerke und 1937 des Vereins dt. Eisenportlandzement-Werke sowie als langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins dt. Eisenhüttenleute (ab 1912).

    Nach seinem Eintritt in den Ruhestand übersiedelte W. nach Bonn, 1944 nach Bad Pyrmont.

    Sein Entnazifizierungsverfahren in Mülheim/Ruhr endete 1948 mit der Einstufung in die Kategorie V.

  • Auszeichnungen

    |Dr. Ing. E. h. (TH Clausthal 1922);
    Ehrenbürger d. TH Aachen (1932);
    Wehrwirtsch.führer (1937/38);
    Kriegsverdienstkreuz 1. Kl. (1940);
    Ehrenbürger d. Stadt Mülheim/Ruhr (1942, aberkannt 1995);
    Ehrennadel z. Dr. Fritz-Todt-Preis (1944);
    Ehrenvors. d. Wirtsch.vereinigung Gießerei-Ind. (1951).

  • Literatur

    L Nachruf in: Stahl u. Eisen 73, 1953, S. 884 (P);
    F. Pudor, Lb. aus d. rhein.-westfäl. Ind.gebiet, Jg. 1952–54, 1957, S. 83–85;
    C. Kleinschmidt, „… aus e. Schrotthaufen e. blühendes Werk gemacht“, Die Reorganisation d. Friedrich Wilhelms-Hütte vor d. Ersten Weltkrieg unter A. W., in: Zs. d. Gesch.ver. Mülheim a. d. Ruhr 63, 1991, S. 65–82 (P);
    Qu thyssenkrupp Corporate Archives.

  • Porträts

    |Photogrr., Abb. in: M. Rasch, Stadt- u. Wirtsch.archive, Partner b. d. Sicherung d. hist. Überlfg., in: Zs. d. Gesch.ver. Mülheim a. d. Ruhr 79, 2007, S. 41–63, hier S. 44 f.

  • Autor/in

    Andreas Zilt
  • Zitierweise

    Zilt, Andreas, "Wirtz, Adolf Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 291-292 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142906.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA