• Leben

    Miel: Jan M. (Miele), Maler und Radirer, geb. 1599, in Turin 1664. Als seinen Geburtsort nennt man Brüssel oder Antwerpen oder Ulaerdingen (Vlaardingen?) bei letzterer Stadt. Ger. Segers war sein erster Lehrer, der ihn wie einen seiner besten Schüler liebte. M. ließ sich von dem unter seinen Landsleuten herrschenden Drange verleiten, eine Kunstreise nach Italien zu unternehmen. Er kehrte von dort nicht mehr in sein Vaterland zurück, blieb aber in Italien seiner vaterländischen Kunstweise treu und selbst A. Sacchi, der ihn in Rom in sein Atelier aufnahm und ihm die besten Nachschläge ertheilte, konnte|ihn nicht umwandeln und für die classische Richtung der Kunst gewinnen. Dagegen sprach ihn die Kunst seines Landsmannes Pieter von Laar (Bamboccio) an und er trat in dessen Fußstapfen. Besonders in seinen kleinen Staffeleibildern, welche Jagden, Carnevalfcenen, Gesellschaften, Landschaften mit Landstreichern und Bettlern zum Vorwurfe haben, trat sein Kunstnaturell echt hervor. Bei diesen Compositionen wandte er seinen besten Fleiß an und sie werden auch besonders von den Kunstliebhabern geschäht und begehrt. Im J. 1648 nahm ihn die Akademie von S. Luca in Rom zu ihrem Mitgliede auf; bald darauf wurde er von Karl Emanuel von Savoyen nach Turin berufen, wo ihm große Arbeiten übertragen wurden. Er stattete das Lustschloß La Venerie mit Fresken aus, deren Gegenstand dem Jagdvergnügen der Großen entlehnt war. Auch im königl. Schlosse zu Turin führte er in Fresco Deckengemälde aus. Seine Arbeiten müssen zur Zufriedenheit des Auftraggebers ausgefallen sein, da ihn dieser zu seinem Hofmaler ernannte und ihn mit dem Orden des h. Mauritius in Brillanten beschenkte. Die Bilder des Schlosses La Venerie wurden auf 21 Platten von G. Tasnière gestochen. Auch mehrere seiner Genrebilder wurden von tüchtigen Stechern dem großen Publicum näher gebracht; wir nennen beispielsweise die Stecher le Bas, J. Daullé, F. Poilly, Beaumont, J. Fittler und Andere. Unser Künstler versuchte sich auch selbst mit der Radirnadel und gab einige Blätter heraus. Den neun von Bartsch beschriebenen fügte Weigel fünf andere hinzu. Neben h. Familien sind es Hirtenscenen, denen wir im Werke Miel's begegnen. Hervorzuheben sind aber die drei seltensten, weil zu einem Buche bestimmten Blätter, welche die Belagerung und Einnahme von Mastricht und Bonn darstellen. Das Eigenbildniß des Meisters befindet sich zu Florenz in der bekannten Sammlung von Künstlerbildnissen in den Ufficien; C. Gregori hat es gestochen. Die Italiener nannten den Meister Giovanni della Vite oder auch Jamieli (Jean und Miel zusammengezogen).

    • Literatur

      S. Bartsch, R. Weigel, Immerzeel, Kramm.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Miel, Jan" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 712-713 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135764351.html#adbcontent

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