• Leben

    Frankl: Dr. Pinkus F., geboren am 28. Februar 1848 zu Ung.-Brod in Mähren, am 22. August 1887 in Johannisbad. F. hatte in seinem Vater, der ein Gönner der jüdischen Wissenschaft und ein begeisterter Anhänger des Judenthums war, ein gediegenes Vorbild und in seinem Landsmanne Dr. Adolf Jellinek, der auf seine geistige Entwicklung stets von wohlthätigem Einflusse war. Er besuchte das jüdisch-theologische Seminar in Breslau und war bald ein Lieblingsschüler des Directors Zacharias Frankel geworden. 1872 erschien von ihm: „Ein mutazilitischer Kalâm aus dem X. Jahrhundert, als Beitrag zur Geschichte der moslimischen Religionsphilosophie, nach schriftlichen karäischen Quellen der Bibliotheken zu Leiden und St. Petersburg“ und „Studien über die Septuaginta und Peschito zu Jeremia“. 1873—1877 war er Secretär der israelitischen Allianz in Wien, während welcher Zeit seine „Karaeischen Studien“ (1876) erschienen sind. 1877 erhielt er einen Ruf als Rabbiner nach Berlin (Antrittsrede, gehalten in der neuen Synagoge zu Berlin 1877), woselbst er auch an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums eine segensreiche Thätigkeit entfaltete. Durch seine rednerische Begabung, durch sein reiches Wissen und durch seinen edlen Charakter erwarb er sich die Liebe seiner Gemeinde in hohem Grade. Für die Encyklopädie von Ersch und Gruber hat er in sein Fach einschlägige Artikel geliefert, von denen besonders der über die „Karaeer“ als sehr erschöpfend zu bezeichnen ist. Die Wittwe des Verstorbenen setzte ihrem unvergeßlichen Gatten ein Denkmal der Liebe in den von ihr aus seinem Nachlasse herausgegebenen „Fest- und Gelegenheitspredigten“ (Berlin 1888).

  • Autor/in

    Adolf Brüll.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brüll, Adolf, "Frankl, Pinkus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 712 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130145246.html#adbcontent

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