Dates of Life
1800 bis 1876
Place of birth
Caputh bei Potsdam
Place of death
Potsdam
Occupation
preußischer Hofgärtner in Potsdam
Religious Denomination
evangelisch
Authority Data
GND: 139262466 | OGND | VIAF
Alternate Names
  • Sello, Ludwig Hermann
  • Sello, Hermann
  • Sello, Ludwig Hermann

Relations

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Places

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Citation

Sello, Hermann, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139262466.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogy

    V Ludwig (1775–1837), Hofgärtner in Sanssouci b. P., S d. Johann Samuel (1724–87), Hofgärtner in P. (s. Gen. 1);
    M Charlotte Anger (1780–1858);
    B Werner (1810–90), Kammerger.assessor in Berlin, 1858–66 Kreisger.dir. in Neuruppin, dann Landger.präs. in P., 1866–70 Mitgl. d. preuß. Abg.hauses, GJR (s. Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus II), Emil (s. 3);
    Schw Pauline (1803–83, Ludwig Persius, 1803–45, preuß. Hofbauinsp. in P., s. NDB 20), Bertha ( Eduard Nietner, 1842–1909, preuß. Hofgärtner in P., Berlin u. Charlottenburg), Louise (1812–45, Rudolph Hermann Schnee, 1805–64, Stadtger.sassessor in Treuenbrietzen);
    Potsdam 1839 Aline (1812–66), T d. Daniel Friedrich Schall, Oberamtmann in Joachimsthal; kinderlos;
    Vt Friedrich Sellow (s. 1);
    N Hermann Schnee (1840–1926), Landschaftsmaler in Berlin, Prof. (s. Das geistige Dtld., 1898; ThB).

  • Life

    S., in vierter Generation Gärtner am preuß. Hof, erlernte den Beruf in Sanssouci; 1820–25 unternahm er mit einem kgl. Stipendium eine Studienreise, die ihn nach Österreich, München, Italien, Paris, möglicherweise auch nach England führte. 1825 legte S. das Obergehilfenexamen ab, 1826 wurde er Obergehilfe in Charlottenhof, 1837 als Nachfolger seines Vaters zum Hofgärtner im Terrassenrevier Sanssouci bestellt. Bei seiner Pensionierung 1876 erhielt er den Titel Oberhofgärtner. S. war ein enger Mitarbeiter von Peter Joseph Lenné (1789–1866) und stand in nahem Kontakt zu Kg. Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861). Seine Stärken lagen sowohl im Entwurf als auch in der Pflanzenkultur. Es ist in vielen Fällen nicht klar, ob die von ihm gezeichneten und ausgeführten Entwürfe auf Skizzen von Lenné zurückgehen oder von S. selbständig erarbeitet wurden. Nachgewiesen ist, daß S. von Friedrich Wilhelm IV. selbst Skizzen zur Ausarbeitung erhielt. Dessen Vorlieben entsprechend, wählte er für seine Anlagen – im Unterschied zu Lenné – einen italianisierenden Stil und eine südländisch anmutende Bepflanzung. S. arbeitete eng mit seinem Schwager, dem Architekten Ludwig Persius, zusammen. In Charlottenhof sind geometrische Gärtchen mit Brunnen und Sitzplätzen an den Gebäuden prägende Elemente, von denen man in die umgebende – durch entsprechende Gehölze wie Platanen als ital. gekennzeichnete – Parklandschaft sieht. Für das „italienische Culturstück“ bei den Römischen Bädern und entlang der Maulbeerallee legte S. von Baum zu Baum rankende Festons aus Wein und Kürbis an und darunter Beete mit ital. Kulturpflanzen. Seine intensivste Tätigkeit entfaltete er seit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. 1840. Die bereits 1837 begonnene Begrünung der sechs Terrassen vor Schloß Sanssouci, welche bis dahin weitgehend kahl gewesen waren, wurde weitergeführt. S. und Persius schufen hier eine Anlage mit Rasenflächen, Blumenbeeten und großen marmornen Schalenbrunnen, die zusammen mit den alten Pomeranzenbäumen Italienerinnerungen wachrief (von Georg Potente [1876–1945] im Rückgriff auf den friderizianischen Zustand 1927–31 wieder beseitigt). Das „Paradeisgärtl“ in Sanssouci an der Maulbeerallee griff das Thema des ital. Nutzgartens mit zahlreichen Wein- und Kürbispergolen erneut auf. Die Gärten an S.s Dienstwohnung an der Maulbeerallee waren ebenfalls streng geometrisch und an einer Mittelachse aufgereiht. In Zentrum lag ein kreisrunder Garten, viele Wege waren mit Pergolen und Laubengängen überdacht.

    Ein nachweislich selbständiges Werk ist S.s Verschönerung der Bornimer Feldflur, die oft fälschlich als „Lennésche Feldflur“ bezeichnet wird. Doch anders als bei Lenné begleiteten nicht breite, aufgelockerte Gehölzstreifen die Wege, sondern regelmäßige Alleen. Die Felder behielten ihre mehr oder weniger rechteckige Form, eingefaßt von geradlinigen Windschutzhecken. Der Bornimer Amtsgarten war ein rechtwinkliger Nutzgarten mit Musterpflanzungen von Allee-, Obst- und Maulbeerbäumen sowie Unterfrüchten, nur in unmittelbarer Nähe der Gebäude befanden sich einige landschaftiche Pflanzungen.

    S. leistete darüber hinaus auch Pionierarbeit bei der Einführung und Verbreitung von Gräsern und dekorativen Blattpflanzen in die Gärten (unter den letzteren v. a. Heracleum, Rhabarber und Monstera deliciosa, 1848). 1842 gründete und gestaltete er für sich und seine Familie den Selloschen Privatfriedhof neben dem Kirchhof von Potsdam-Bornstedt. 1872 errichtete S. eine bis heute bestehende Familienstiftung.

  • Awards

    Mitgl. d. Loge Constantia (Potsdam 1828), d. Ver. z. Beförderung d. Gartenbaues in Berlin, d. Ver. f. d. Gesch. Potsdams; Ehrenmitgl. d. Gartenbauver. Potsdam u. d. Botan. Ver. f. d. Prov. Brandenburg.

  • Works

    Erstanlage Charlottenhof mit Hippodrom, Rosengarten u. Röm. Bädern, 1826–36;
    Begrünung d. obersten Terrasse v. Sanssouci, 1837–45;
    Paradeisgärtl, 1841–44;
    Garten am Hofgärtnerhaus Sanssouci, 1846;
    Feldflur u. Gutsgarten Bornim, 1844–48;
    Begrünung d. Caputher Chaussee u. d. Havelwege nach d. Pfaueninsel;
    Uferwege am Weißen See u. am Jungfernsee;
    – Garten Jacobs, Potsdam, Bertinistr., 1835, u. weitere Privatgärten.

  • Literature

    L H. Günther u. S. Harksen, Peter Joseph Lenné, Kat. d. Zeichnungen, 1993;
    C. A. Wimmer, Landesverschönerung in Potsdam, Lenné u. H. S. setzten Maßstäbe f. d. Land, in: Gartenkultur in Brandenburg u. Berlin, 2000, S. 120–25;
    ders., H. u. Emil S., in: Nichts gedeiht ohne Pflege, 2001, S. 235–51;
    Mitt. v. Krafft-Aretin Eggert u. Martina Rhode.

  • Portraits

    Kohlezeichnung v. K. Begas (d. Ä.) (Stiftung Preuß. Schlösser u. Gärten, Hofgärtnermus.).

  • Citation

    Wimmer, Clemens Alexander, "Sello, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 226-227 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139262466.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA