Lebensdaten
erwähnt 14.-20. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Kupfermeisterfamilie
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 120558432 | OGND | VIAF: 27904711
Namensvarianten
  • Prym

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Prym, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120558432.html [18.09.2020].

CC0

  • Leben

    Seit zwölf Generationen betreibt die Familie P. von Stolberg aus Herstellung und Vertrieb von Kupfer- und Messinghalbzeug und Metallkurzwaren. Maßgeblich wirkte sie mit am Entstehen der Stolberger Messingindustrie und an ihrer Entwicklung zur Weltgeltung. Mitte des 14. Jh. läßt sich als ältester Ahnherr Johann (* zw. 1340 u. 1350, vor 1420) in Aachen urkundlich nachweisen. Die Nähe zu den bedeutenden Zinkerzlagerstätten der Region bot auch den P. ideale Bedingungen zur Herstellung von Messing. Der Goldschmied Wilhelm, 1530 als „momber“, d. h. Verwalter eines Aachener Bürgers erwähnt, wird als der Begründer der Familientradition im Metallhandwerk und -handel angesehen. Der Verlust der Zunftrechte im kath. Aachen zwang die prot. Kupfermeister zu Beginn des 17. Jh., sich eine neue Heimat zu suchen; acht Familien zogen ins nahegelegene Stolberg (Hzgt. Jülich), darunter der Kupfermeister Christian (1614–83), der sich 1642 dort niederließ, wo sich bis heute der Hauptsitz des Familienunternehmens befindet. Wie seine Schwestern Maria (vor 1610-53) und Sara (ca. 1615- ca. 1696) verband auch er sich durch Heirat mit der Familie Peltzer (s. NDB 20), einer der reichsten Kupfermeisterfamilien der Region. Eine weitere Schwester, Catharina (1610–81), heiratete 1637 Jeremias Hoesch (1610–53, s. NDB IX).

    Seit Mitte des 19. Jh. wurden neben dem Walzmaterial und den Drähten aus den traditionellen Kupferlegierungen die ersten Fertigprodukte aus Messing, Eisen und Stahl hergestellt. Unter der Leitung von William (1811–83) erlebte das Unternehmen eine neue Blüte. Sein Sohn Heinrich August (1843–1927) absolvierte eine Lehre in Birmingham und führte mit den dort erworbenen Kenntnissen die maschinelle Herstellung von Metallkurzwaren in Deutschland ein. Hans Friedrich (1875–1965), Sohn des Heinrich August, erweiterte die österr. Fertigungs- und Vertriebsniederlassungen, die er seit 1908 leitete, zu einer den Markt der Monarchie und der Kronländer beherrschenden Größe. In diese Zeit fällt auch seine geniale Verbesserung und Vermarktung des 1885 erfundenen Druckknopfes. „Prym“ und „Prym's Zukunft“ wurden zu den frühesten Markenartikeln des 20. Jh., der Hirsch aus dem Familienwappen zu einem berühmten Markenzeichen. Hans' Engagement galt in den folgenden Jahren dem Exportgeschäft. So gründete er schon kurz nach dem 1. Weltkrieg einen Betrieb in Schweidnitz (Schlesien), eine Zweigniederlassung in Berlin für den Vertrieb im Osten, sowie ein Tochterunternehmen in den USA. Er modernisierte 1932 trotz allgemeinen Auftragsmangels das|vor der Jahrhundertwende erbaute Messingwalzwerk in Stolberg, was sich als wirtschaftlich erfolgreiche Entscheidung erwies. Während des Krieges stellte das Unternehmen neben Walzmaterial, Drähten und Kurzwaren auch Turbinenschaufeln und anderes kriegswichtiges Material her; Hans war jedoch nie Parteimitglied. Nach dem 2. Weltkrieg gingen die erheblichen Vermögenswerte der Familie und der Firma u. a. in Berlin, Dresden und Langenberg (b. Gera) verloren. Trotz anfänglicher Probleme gelang es Hans in den Nachkriegsjahren, als Ergänzung zu den traditionellen Produkten das Reißverschlußgeschäft mit dem neuentwickelten Kunststoffreißverschluß „Prymalon“ auszuweiten. 1960 erreichte er nach langwierigen Verhandlungen den Rückerwerb aller österr. Liegenschaften und Rechte, was v. a. bezüglich des Markennamens „Prym“ von essentieller Bedeutung war. Aus seiner 1903 geschlossenen Ehe mit der aus Rußland stammenden Olga Gütschow (1884–1975) gingen sechs Söhne hervor, von denen vier im Unternehmen tätig wurden. Hans-August (1904–82) leitete 1928-72 „William Prym of America, Inc.“, Axel (1907–89) und Dieter (* 1917) bekleideten in der Stolberger Zentrale leitende Positionen in dem nach Fernost und Mittelamerika expandierenden Unternehmen.

    Die Nachkommen Heinrich Augusts sind nach Ausscheiden der brit. Gruppe „Coats Viyella“ (1976-93 mit 25% beteiligt) wieder alleinige Eigentümer des als Holding geführten Familienunternehmens, das zu den ältesten in Deutschland gehört und sich heute in vier selbständige Bereiche mit zahlreichen Tochtergesellschaften im In- und Ausland gliedert: Prymetall (führender Hersteller von Halbzeugprodukten aus Kupfer u. Kupferlegierungen), Prym Consumer (Näh- u. Handarbeitsartikel), Prym Fashion (Verschlußsysteme u. Accessoires) und Prymtec (Kontakt- u. Elektronik-Bauteile). Familienmitglieder sind bis heute in der Geschäftsführung tätig. Michael (* 1943) und Axel (* 1950) stehen für die Kontinuität in der Entwicklung der Unternehmensgruppe.

  • Literatur

    J. Hashagen, Gesch. d. Fam. Hoesch, 1916;
    F. Willems, P., Gesch. u. Genealogie, 1968;
    L. Mathar, A. Voigt, Über d. Entstehung d. Metallind. im Bereich d. Erzvorkommen zw. Dinant u. Stolberg (Otto Junker GmbH.), 1969, S. 101 ff.;
    C. Bruckner, Zur Wirtsch.gesch. d. Reg.bez. Aachen, 1967, S. 274-84;
    L. H. Meyer, Kupfer- u. Messingind., in: Mit Wasser u. Dampf, hg. v. G. Fehl u. a., 1991, S. 178 ff.;
    A. Prym-Bruck, Von Blumen, Erzen u. Fam.banden, in: Metall, H. 11, 1992, S. 1168-73;
    dies., Gesch. d. Kupfer- u. Messingverarbeitung im Aachener u. Stolberger Raum, in: Zinkhütter Hof, Mus.führer, Schrr. d. Mus. Nr. 1, 1996, S. 14-24. |

  • Quellen

    Qu Stadtarchiv Aachen; Untern.archiv d. William Prym GmbH & Co. KG.

  • Portraits

    Fotos (Untern.archiv d. William Prym GmbH & Co. KG).

  • Autor/in

    Andrea Prym-Bruck
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Prym-Bruck, Andrea, "Prym" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 749-750 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120558432.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA