Lebensdaten
1886 bis 1933
Geburtsort
Hemer (Westfalen)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Psychologe ; Sammler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118814125 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Prinzhorn, Hans

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Zitierweise

Prinzhorn, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118814125.html [18.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus norddt. Fam. (ursprüngl. Prenshorn), d. seit d. 16. Jh. e. Bauernhof in d. Lüneburger Heide besaß;
    V N. N. (* um 1852), Papierfabr. in H.;
    M Julie Varnhagen, T e. Pfarrers in H.;
    1) 1909 ( 1912) Eva Jonas (jüd.), T e. RA in Berlin, 2) 1912 ( 1922) Erna Hoffmann, T e. Kaufm. in St. Gallen, 3) 1926 Margarethe Hofmann gen. Litschan (* um 1908), T e. Kaufm. in Kobe (Japan).

  • Leben

    Nach dem Abitur in Iserlohn studierte P. seit 1904 Kunstgeschichte und Philosophie in Tübingen und Leipzig, zuletzt in München. Dort wurde er 1908 mit einer Arbeit über die ästhetischen Anschauungen des Architekten und Kunsttheoretikers Gottfried Semper promoviert. 1909 nahm er ein Gesangsstudium in Leipzig auf. 1910/11 in Berlin lebend, ging er im Sommer 1911 nach London zu dem Bariton Raimund v. zur Mühlen (1854–1931), gab jedoch 1912 diese Ausbildung auf und begann 1913 in Freiburg (Br.) ein Medizinstudium, das er 1917 in Straßburg mit dem Staatsexamen beendete. Im selben Jahr lernte er Karl Wilmanns (1873–1945) kennen, der ihn Anfang 1919 als Assistent an die Psychiatrische Klinik der Univ. Heidelberg berief. Dort weitgehend vom Klinikdienst freigestellt, widmete sich P. der wissenschaftlichen Bearbeitung einer schon bestehenden kleinen Sammlung „psychopatho-logischer Kunst“. Bis zu seinem Ausscheiden 1921 konnte er die Bestände zu einer etwa 4500 Objekte umfassenden Sammlung von Malereien, Zeichnungen, Plastiken, Stickereien und illustrierten Texten Geisteskranker erweitern. Als Ergebnis der Bearbeitung erschien 1922 die grundlegende Abhandlung „Bildnerei der Geisteskranken, Ein Beitrag zur Psychologie und Psychopathologie der Gestaltung“ (31983, engl. 1972). Nach verschiedenen, kurzfristigen Anstellungen an psychiatrischen Kliniken in Zürich, Dresden und Wiesbaden ließ sich P. Ende 1924 als Psychotherapeut in Frankfurt/Main nieder. Dort entfaltete er 1924-30 eine reiche publizistische Tätigkeit, ausgedehnte Vortragsreisen führten ihn nach Frankreich und in die USA. 1931 gab P. seine Praxis in Frankfurt auf und ging nach München, wo er zunächst von Vortragshonoraren lebte, bis er 1932 eine Lektorenstelle im Bruckmann-Verlag antrat. Nach einer Italienreise 1933 erkrankte P. an Typhus und starb kurz darauf an einer Lungenembolie.

    Neben dem Aufbau der Sammlung von Kunst Geisteskranker, die heute unter dem Namen „Sammlung Prinzhorn“ Weltruhm genießt, ist P. vor allem als wissenschaftlicher Publizist auf dem Gebiet der Psychoanalyse und -therapie hervorgetreten. Sein Buch „Bildnerei der Geisteskranken“ hat nicht nur zur Entdeckung und zum Verständnis dieser Kunst beigetragen, sondern auch allgemein zur Erweiterung des Kunstbegriffs, der nicht ohne Einfluß auf die zeitgenössische Kunst gewesen ist. Getragen von einer an Nietzsche, Tolstoi und Klages orientierten allgemeinen Kultur- und Zivilisationskritik, stellte P. der „Entfremdung der Wahrnehmungswelt“ beim Geisteskranken den „Zerfall des traditionellen Weltgefühls“ beim modernen Künstler gegenüber.|

  • Auszeichnungen

    Mus. im ehem. Hörsaalgebäude d. Neurolog. Klinik, Heidelberg (seit 2001); Prinzhorn-Medaille d. Ges. f. Psychopath. (seit 1965).

  • Werke

    Gottfried Sempers ästhet. Grundanschauungen, 1908;
    Bildnerei d. Gefangenen, 1926;
    Gespräch üb. Psychoanalyse, zw. Frau, Dichter u. Arzt, 1926;
    Um d. Persönlichkeit, 1926;
    Leib-Seele-Einheit, Ein Kernproblem d. neuen Psychol., 1927;
    Nietzsche u. d. 20. Jh., 1926;
    Das Problem d. Führung u. die Psychoanalyse, 1928;
    Psychotherapie, 1929;
    Charakterkde d. Gegenwart, 1931;
    Persönlichkeitspsychol., 1932.

  • Literatur

    W. Geinitz. in: Klages, P. u. d. Persönlichkeitspsychol., Hestia 1986/87, 1987, S. 39-64 (P);
    ders., in: W. Pöldinger (Hg.), Kulturelle Psychiatrie u. Psychol., 1992, S. 57-75;
    W. Schmied, P. u. d. Kunst, ebd., S. 87-101;
    T. Röske. Der Arzt als Künstler, Ästhetik u. Psychotherapie b. H. P. (1866-1933), 1995;
    zur Slg.:
    H. Gercke u. I. Jarchov (Hg.), Die Prinzhorn Slg., 1980;
    La beauté insensée, Collection P., Univ. de Heidelberg 1890-1920, Ausst.kat. Charleroi 1995;
    I. Jádi, Vergangenes gegenwärtig, Anm. z. Slg. Prinzhorn, in: I. Brugger u. a. (Hg.), Kunst & Wahn, Ausst.kat. Wien 1997, S. 175-81;
    Wahnsinnige Schönheit, Prinzhorn-Slg., Ausst.kat. Heidelberg, Osnabrück 1996, 1997;
    B. Brand-Clausen, Dal Museo d'arte patologica alla Collezione Prinzhorn, in: B. Tosatti (Hg.), Figure dell'Anima, Arte irregolare in Europa, Ausst.kat. Mailand 1998, S. 66-91;
    Fischer;
    Westfäl. Köpfe, 1963 (P);
    W. Hehlmann, Wb. d. Psychol., 1974;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Portraits

    Photogrr. u. Totenmaske (Heidelberg, Prinzhorn-Slg.;
    Maxbach, Dt. Lit.archiv), Abb. in: Archiv d. Gesichter, Toten- u. Lebendmasken aus d. Schiller-Nat.mus., 1999, S. 183 u. 357.

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Prinzhorn, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 730 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118814125.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA