• Genealogie

    V Meno Hermann, Wechselmakler;
    M Marie Elisabeth Krieg.

  • Leben

    P., Sohn eines angesehenen Hamburger Kaufmanns, studierte Rechtswissenschaft in Berlin und seit 1819 in Heidelberg, wo er 1820 zum Dr. iur. promoviert wurde. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt arbeitete er als Advokat. Während die Dissertation noch ein Thema der allgemeinen Zivilrechtswissenschaft behandelt hatte, befaßte sich P. später ausschließlich mit Fragen des Handelsrechts, das sich im Umbruch von der altständischen zur liberalen Wirtschaftsverfassung befand. Nach zwei seerechtlichen Arbeiten erschien seit 1828 seine vierbändige „Darstellung des gemeinen Deutschen und Hamburgischen Handelsrechts für Juristen und Kaufleute“ (4 Bde., 1828–34), die sein Ansehen begründete. Das Werk übertraf nicht nur an Umfang, sondern auch in der Berücksichtigung der Handelsgewohnheiten und des lokalen, vor allem hamburg. Rechts, sowie in der Genauigkeit der juristischen Erfassung das bisher einschlägige deutschsprachige Schrifttum. P. zog als erster das röm. Recht als Orientierung für eine wissenschaftliche Darstellung des Handelsrechts in größerem Ausmaß heran und ebnete damit den Weg für eine Aufnahme dieses Rechtsgebiets in den akademischen Diskurs. Daneben berücksichtigte er auch ausländisches Recht, teilweise sogar die nordamerik. Verhältnisse. Er war Mitautor des von August Schiebe (1779- 1851) herausgegebenen Universal-Lexikons der Handelswissenschaften und einer der ersten Juristen, die sich mit dem Recht der Aktien- und Eisenbahngesellschaften auseinandersetzten. P.s Schriften waren nicht nur von der zeitgenössischen Rechtswissenschaft, sondern auch in der Gerichtspraxis geschätzt, insbes. von dem für die Entwicklung des Handelsrechts maßgebenden Oberappellationsgericht in Lübeck. P. gehört zu den Wegbereitern der Modernisierung des deutschen Handelsrechts im 19. Jh.

  • Werke

    u. a. Versuch e. gründl. Darst. d. Lehre v. Innominat-Contracten, Hauptsächl. gegen Gans, 1821;
    Das Recht d. Actienges. mit bes. Rücksicht d. Eisenbahnges., 1842.

  • Literatur

    ADB 26;
    Stintzing-Landsberg;
    H. Schröder, Lex. d. hamburg. Schriftst. 6, 1892;
    G. Köbler. Die Wiss. d. gemeinen dt. Handelsrechts, in: Wiss. u. Kodifikation d. Privatrechts im 19. Jh., hg. v. H. Coing u. W. Wilhelm, I. 1974, S. 277-96;
    J. K. H. Montag, Die Lehrdarst. d. Handelsrechts v. G. F. v. Martens bis M. P., 1986;
    K. O. Scherner (Hg.), Modernisierung d. Handelsrechts im 19. Jh., 1993;
    G. Kleinheyer, J. Schröder, Dt. u. Europ. Juristen aus neun Jh., 41996.

  • Autor/in

    Karl Otto Scherner
  • Empfohlene Zitierweise

    Scherner, Karl Otto, "Pöhls, Meno" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 560 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118811819.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pöhls: Meno P., Rechts gelehrter, geboren zu Hamburg am 9. Februar 1798. eines geachteten Maklers Sohn, studirte die Rechtswissenschaften, wahrscheinlich zu Heidelberg, woselbst 1821 seine erste Druckschrift erschienen ist. Doctor der Rechte und Bürger seiner Vaterstadt geworden (1820), wurde er|daselbst als Advocat zur juristischen Praxis zugelassen. Gleichwohl beschäftigte er sich fortwährend mit theoretisch-wissenschaftlichen Studien, aus welchen zunächst seine 1821 zu Heidelberg erschienene (vorzüglich gegen die Doctrin des Prof. Ed. Gans gerichtete) Darstellung der Lehre von Innominat-Contracten hervorging, deren Inhalt den Verfasser als einen gründlichen und scharfsinnigen Juristen erscheinen ließ, dessen kritisches Talent unverkennbar. Ebenso fanden seine ferneren Schriften über Havarie grosse vielfachen Beifall, wenn auch theilweisen Widerspruch. Sein Hauptwerk war die seit 1828 erschienene vielbändige Darstellung des gemeinen deutschen und hamburgischen Handelsrechts für Juristen und Kaufleute. Dies zum Theil im Jahre 1843 neugedruckte Werk, welches die meisten der bisherigen Lehr- und Handbücher des Handelsrechts in den Hintergrund drängte, erwarb dem Verfasser in juristischen wie in andern Kreisen einen ehrenhaften Ruf, brachte auch wohl den philosophischen Doctorgrad, der honoris causa ihm ertheilt wurde, zu Wege. Dies Werk blieb dann lange Zeit in hohem autoritativen Ansehen und allgemeiner Anwendung, — bis es wiederum durch die bekannten Codificationen des Deutschen Wechsel-, Handels- und Seerechts in Schatten gestellt wurde. Auffallend genug war Pöhls, ungeachtet seiner anerkannt eminenten Rechtskenntnisse, als Advocat niemals ein Stern erster Größe, vielmehr verhältnißmäßig wenig beschäftigt, was vielleicht seinen nicht Jedermann ansprechenden äußern Formen oder vielmehr Formlosigkeiten, und einem ihm eigenen ungeselligen Wesen zuzuschreiben ist. Unverheirathet und vereinsamt versank er in Gemüthskrankheit, und starb zu Elmshorn in Holstein am 18. Juli 1849.

    • Literatur

      Hamburger Schriftstellerlexikon VI, 77—78.

  • Autor/in

    Beneke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beneke, Otto, "Pöhls, Meno" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 374 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118811819.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA